Durch das raue Apuseni-Gebirge
Apr 20–24 in Romania
⛅ 13 °C
Mit dem Verlassen von Oradea beginnt ein völlig neuer Abschnitt der Reise. Die Leichtigkeit der Stadt liegt schnell hinter mir, und schon nach wenigen Kilometern verändert sich die Landschaft spürbar. Ich folge zunächst dem Crișul Repede flussaufwärts. Der Einstieg ist noch sanft, doch das täuscht. Es geht langsam, aber stetig bergauf und vor mir zeichnen sich bereits die ersten Ausläufer der Karpaten ab.
Was folgt, sind Tage, die mich körperlich und mental deutlich mehr fordern als alles zuvor. Die Straßen werden schmaler, die Wege rauer und verschwinden stellenweise ganz. Aus Asphalt wird Schotter, später Waldwege und schließlich steile Pfade, auf denen ich das Rad schieben oder halb tragen muss. Wurzeln, große Steine und lose Erde machen jeden Meter mühsam. Dazu kommt die Abgeschiedenheit. Ich bin oft stundenlang allein unterwegs, tief im Wald, ohne einem Menschen zu begegnen.
Zwei Tage verbringe ich im Apuseni-Naturpark, eine der wildesten Regionen West-Rumäniens. Dichte Wälder, verkarstete Landschaften, tiefe Täler und verstreute kleine Siedlungen prägen das Bild. Die Infrastruktur wird hier spürbar dünner, vieles wirkt ursprünglich und kaum erschlossen. Genau das macht den Reiz aus, gleichzeitig aber auch die Herausforderung.
Hier unternehme ich auch eine kurze Wanderung zu den Cetățile Ponorului. Eine gewaltige Dolinenlandschaft, an deren Grund sich ein Höhleneingang öffnet. Der Weg dorthin führt durch dichten Wald und endet schließlich an einem Aussichtspunkt, der fast unwirklich wirkt. Steile Felswände, tiefe Einbrüche im Boden und diese rohe, unberührte Natur lassen erahnen, wie wenig der Mensch hier eingegriffen hat.
Im Naturpark wird die Tour auch körperlich am anspruchsvollsten. Immer wieder stoße ich auf Schneereste in höheren Lagen. Gerade in schattigen Waldabschnitten bleibt der Schnee liegen und verwandelt die Wege in rutschige, schwer passierbare Abschnitte. Mehrfach muss ich das Rad durch matschigen, halb gefrorenen Untergrund schieben. Diese Momente erinnern mich stark an die ersten Tage im Erzgebirge, nur dass hier alles abgelegener und intensiver ist.
Begleitet werden diese Tage von einem neuen, unterschwelligen Gefühl. Die Präsenz von Bären. Noch in Oradea habe ich mir ein Bärenspray gekauft, das nun griffbereit am Lenker hängt. Im Wald mache ich immer wieder auf mich aufmerksam, rede laut, rufe oder lasse das Rad klappern. Nicht aus Angst, sondern aus Respekt. Gesehen habe ich keinen, aber der Gedanke daran ist immer da.
Deutlich unmittelbarer sind dagegen die Begegnungen mit Hunden. Gleich am ersten Tag werde ich mehrfach verfolgt. Sie kommen bellend auf die Straße geschossen und laufen neben mir her. Im Gebirge selbst wird es ruhiger, doch später, als ich die Berge wieder verlasse, stehe ich plötzlich vor einer Gruppe großer Herdenschutzhunde. Ich halte an, unsicher, wie ich reagieren soll. In diesem Moment kommt ein Pferdewagen vorbei und auch ohne viele Worte verstehen sie die Situation. Ich gehe neben ihnen her, geschützt durch ihre Präsenz, bis wir die Hunde hinter uns gelassen haben.
Ein besonderer Kontrast zu den rauen Wegen zuvor ist die darauf folgende Transapuseana. Die noch junge Panoramastraße zieht sich mit perfektem Asphalt durch diese abgelegene Region. Kaum Verkehr, weite Ausblicke und immer wieder kleine Dörfer mit traditioneller Architektur. Es fühlt sich an wie eine Reise durch eine andere Zeit. Nach den anstrengenden Passagen zuvor ist es fast schon ein Genuss, hier unterwegs zu sein, auch wenn die Höhenmeter weiterhin fordern.
Nach und nach lasse ich das Gebirge hinter mir. Die Landschaft öffnet sich, die Straßen werden breiter und die Dörfer häufiger. Langsam kehrt das Gefühl von Zivilisation zurück. Doch ein letzter Moment bleibt besonders hängen. In der Ferne tauchen die schneebedeckten Gipfel des Făgăraș-Gebirge auf. Hoch, massiv und noch einmal eine ganz andere Dimension.
Schließlich erreiche ich Sibiu in Siebenbürgen. Erschöpft, aber mit dem guten Gefühl, den bisher intensivsten Abschnitte der Reise erlebt zu haben.Read more





























TravelerDurch die Erzählungen und Bilder hat man fast das Gefühl live dabei zu sein. Weiterhin viel Freude und pass auf dich auf.
TravelerIch hatte Gänsehaut, als ich die Schilderung deiner Erlebnisse und Gefühle gelesen habe. Aber Gott sei Dank ist ja alles gut gegangen. 💕