Zum Finale nochmal feinstes Pobacken glühen!
June 21 in Switzerland ⋅ ☁️ 29 °C
Von nun an geht‘s bergab! …schon wieder!
Es ist der 21. Juni. Sommersonnwende!
Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.
Es war ein sehr heißer Tag.
Der heißeste in 2026?
Die Aussicht auf mega viel Sonne und rund 60 Kilometer inkl. zwei Pässen, ließen mich heute morgen schon um kurz nach 7 Uhr in den Sattel schwingen.
Perfekte Temperaturen.
Beste Voraussetzung für den ersten der zwei Pässe. Von Kloster Fischingen ging‘s hoch auf den Hulftegg-Pass. Mit 952 m, der höchste Punkt des MeinRadwegs. Was ich nicht wusste war/ist, dass diese Passstraße sehr beliebt ist bei Motorradfahrern und Autofahrern die gerne mal mit dem Leben bzw. mit PS‘e spielen wollen. Morgens um 7 war ich nicht alleine unterwegs.
Während ich hoch strampelte rasten dauern Motorräder und Autos an mir vorbei. Das waren keine Ausflügler, das waren Racer. Der Krach der Motorräder und der Gestank der Autos nervten kolossal. Also wenn so Motorräder an mir vorbeigeschossen kamen, fühlte es sich an, als ob eine Düsenjet an mir vorbei jagt.
Hatte ich eine Wahl? Nee, hatte ich keine! Die Verbrenner waren nicht einzigen, die heute morgen schon unterwegs waren. Ziemlich viele Radfahrer wollen mit ihren Rennrädern den Berg hinauf. Und ich, der mit seinem eBike zwar Strom, aber irgendwie halt doch nur Alte-Männer-Power hat, durfte die jungen HeldenInnen der Bio-Biker-Szene an mir vorbei ziehen lassen. Einmal hab ich innerlich gefeixt. Mich hatte im unteren Bereich ein junger Mann auf seinem Rad flott überholt. Der wird gedacht haben: „Alter Mann, geh heim.“ Im oberen Drittel stand der junge Mann in einer Kurve. und das Fahrrad lag neben ihm. Mit seiner Wasserflasche bespritzte er sein überhitztes Gesicht. Ich dachte „Alter Mann mit Strom ist besser als junger Mann mit zuviel Testosteron.“
Oben auf der Hulftegg gab‘s keine Pause. Mein Ziel war es, den zweiten noch steileren Pass vor Mittag zu schaffen. Ich wollte vermeiden in die volle Mittagssonne zu kommen.
Also ging‘s bergab. Von 950 auf 400 m, an den Zürichsee. Genauer gesagt an den oberen Zürichsee. Dort erwartete mich die erste Stempelstelle des Tages. Eine Meinradkapelle auf einer kleinen Landzunge. Die war echt schön! Die Zufahrt ging nur über einen Bauernhof, der gleichzeitig eine Wirtschaft betrieb (Wirtshaus am Hof). Die Kapelle war einfach und kühl. Kühl war gut und tat Not, denn den Pass hoch und runter und jetzt am See entlang, das war schon sehr erhitzend.
Die Leute von der Wirtschaft waren super nett. Hab‘ mich mit denen nett unterhalten und mir eine kleines Rivella Frühstück gegönnt.
Denn auch das war klar: Ich brauch Flüssigkeit. Viel Flüssigkeit.
Am See entlang würde es zwar Kneipen geben, aber ich hatte ja meinen Plan im Kopf vor Mittag oben auf dem zweiten Pass zu sein. Also keine weiteren Stopps, sondern Treten was die Oberschenkel hergaben.
Bei Jona ging‘s über den Zürichsee. Das muss man nicht haben. Zuviel Abgase und Gestank. Auf der anderen Seite wartete Pfäffikon und damit der Beginn es Aufstiegs zum Etzel Pass (der oben St. Meinrad Pass heißt). Rund 5 Kilometer im Prinzip senkrecht zur Höhenline. Da hab ich denn doch auch mal den Turbo-Modus benutzt. Vor allem die letzen Kurven, die waren ätzend. Aber nur vom Kopf her. Hätte ich den Kopf ausgeschaltet und einfach weitergestrampelt wär alles easy gewesen. Irgendwann hab‘ ich aber angefangen auf meinem Komoot Navi nach die Höhenlinien zu schauen. „Was, ich bin erst bei Höhenline 700? Ich muss ja noch hoch bis 950! Oh, Mann.“ Dieses Höhenline schauen wurde zu einer fixen Idee und diese war nicht motivierend. Da ging -auf dem Display- einfach nix vorwärts (höher).
Kurzum, viele-Wörter-wenig-Sinn, irgendwann war ich oben.
Was sich schon an einer Straßengabelung andeutete, bestätige sich auf dem Pass. Ab jetzt war ich im Meinrad-Land! Meinrad Pass, Meinrad Kappelle, Meinrad Gasthaus, Meinrad Straße, Einsiedeln.
Ist schon komisch. Meinrad kommt so selten vor, ist ein so unüblicher Name, kommt man jedoch in die richtige Region, dann ist‘s ein Allerweltsname.
Einsiedeln! Kloster Einsiedeln! Monemantal! Prachtvoll! Das größte/wichtigste Pilgerzentrum der Schweiz.
Nun kommt der Wehrmutstropfen für alle Meinrad-Fans. Nicht etwa wegen Meinrad ist Einsiedeln so wichtig und berühmt, sondern wegen der Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Die Frauen mal wieder. Stehlen den unbescholtenen Männern mal wieder die Show.
Als ich auf den Vorplatz kam, dachte ich, dass Indien einen Massenausflug nach Einsiedeln macht. Mengen an Frauen in wunderbar farbigen Saris und Männer in schicker Hose und Hemd. Ich dachte, das seien alles Touristen. Bis ich in die Klosterkirche ging. Die war voll! Indien hatte die Klosterkirche okkupiert! Häähh, was war denn hier los? Ein Messe war im Gange. Vorne am Alter eine Menge Priester und MinistrantInnen (alle dunkler Teint). Die Musik war lebhaft, schmissig, schön.
Was war denn hier im Busche?!
Draussen war ein Stand aufgebaut, der mit der Flagge „Pilgerbetreuung“ warb. Mein place-to-go. Ich also hin und mit den beiden Herren ins Gespräch gekommen.
Es ist also so, dass das keine Inder waren/sind, sonder Tamillen. Und zwar Tamillen, die in der Schweiz leben. Zweimal im Jahr macht die tamillische Gemeinde der Schweiz einen Wallfahrt nach Einsiedeln um die Schwarze Jungfrau Maria zu verehren. Ich hatte bis zu diesen Minuten keinen blassen Schimmer, dass so viele Tamillen in der Schweiz wohnen. Kleidung wie InderInnen (sehr schön), die Sprache tamillisch (nehme ich an). Deutsch bzw.. Schweizerdeutsch hab‘ ich nichtgehört.
Diese Ansammlung an Farbenpracht mit tamillischem Teint, brachte -für mich- einiges durcheinander. So war meine Stempelstelle -die FINALE Stempelstelle- in einem Bereich, der unzugänglich war (Tamillen). Ich klagte den Pilgerbetreuern mein Leid. Diese linderten daraufhin mein Leid, indem sie mich in den Verwaltungstrakt des Klosters brachten, wo ich von einer netten Stempelbeauftragen mit finalen MeinRadweg Stempel erhielt. Tolle Sache, runde Sache!
Das Tüpfelchen auf dem i war denn noch die Pilgerurkunde. Auf die musste ich noch bis in den Spätnachmittag warten, da auch hier Tamillien und das Vesper der Mönche, den Zeitplan ducheinander brachten.
Doch nun ist alles in „Sack-und-Tüten“.
Mein Plan, zu meinem Geburtstag, den Tag mit dem Heiligen Meinrad zu verbringen / zu beginnen, hat geklappt. Runde Sache!
Wissende wissen, das mein Geburtstag nicht heute ist, aber es war der Plan am 21zigsten einzuradeln und dann am Jubeltag des Herren, auf Plausch mit dem Heiligen Meini, den lebenden Meini ein Jahr reifer werden zu lassen.
Und, ganz ehrlich, um zu testen, ob die alten Knochen, diese Strapazen noch aushalten. Zugegebenermaßen an die Pobacken hatte ich nicht gedacht.
Die Knochen und das Herz und die Bänder, die Sehnen, alles tip-top. Muskulatur stimmt.
Pobacken? Schau‘n m‘ mal!
Der eigentliche MeinRadweg ist abgeschlossen. Morgen früh geht‘s in drei Etappen zurück in die Heimat. Es steht mit rd. 77 Kilometer die längste Strecke an. Das dürfte aber kein Problem werden, da es -wie mit der Tageslänge- bergab geht. Der Weg führt mich bis kurz hinter Zürich. Übermorgen dann an den Schluchsee. Und am Mittwoch -wenn alle guten Geister mir gewogen sind- erfolgt die Abschlußfahrt ins schöne Föhrental.
Wünsche alle eine angenehme Sommersonnwende!Read more




























TravelerHerzliche Gratulation zum Gelingen und zum Geburtstag alles Gute
Traveler
Gratulation , top Leistung 👍🏆
Traveler
So schön