Die ganz spezielle Pilgerreise!
June 15 in Germany ⋅ ⛅ 14 °C
Wenn man Meinrad heisst -so wie der Tipper dieser Zeilen- dann stellt man im Laufe des Lebens fest, dass dieser Vorname doch nur sehr, sehr selten anzutreffen ist und wohl nie auf der Namenshitliste der Neugeborenen weit oben stehen wird.
Tatsächlich hatte ich bis vor wenigen Tagen noch keinen anderen Meinrad aus Fleisch und Blut gekannt. Klar, man kennt bzw. liest von Menschen, die Meinrad heißen, aber auch das sind nur sehr sehr wenige.
Der Zufall -oder die Vorsehung ?!- wollte es, daß ich in einem Chor in Gundelfingen das Mozart Requiem singen möchte und, dass dort ein Fleisch gewordener Meinrad im Tenor singt. In der letzten Probe saßen wir nebeneinander und ich kann sagen, dass das schon komisch war, wenn „Meinrad“ angesprochen wurde und niemand mich meinte. Ich find‘s cool!
Nun also: Meinrad!
Der Vorname, denn ich nun schon seit einigen Jahrzehnten trage und der ein perfekter „Wie bitte?“ - Name ist. Bei Vorstellungsrunden, wenn der Vorname genannt wurde, war die durchaus geläufige Reaktion auf die Nennung meines Vornamens „Wie bitte?“.
Auf meinen Reisen war mein Vorname eher ein Zungenbrecher, so dass ich bei Kurztrips mir den Decknamen „Michael“ zugelegt hatte. Michael gibt‘s auf der ganzen Welt und ist easy in jeder Sprache. Und für eine Kurztrip völlig ausreichend.
Meinrad! Der heilige Meinrad!
Jeder Vorname (in unseren Gefilden) bezieht sich mehr oder weniger direkt auf einen Heiligen. Tja und da gibt‘s tatsächlich den Gründer unserer Namensdynastie den Heiligen Meinrad.
Der Heilige Meinrad hat seine Zentrale im Kloster Einsiedeln in der Schweiz. Einsiedeln ist der wichtigste Pilgerort der Schweiz (so das allwissende Internet). Der Heilige Meinrad zu Einsiedeln ist quasi der Oberhirte über all die Nummernkonten in der schweizer Bankenwelt, welch unbescholtene, ehrlich-aufrichtige Menschen ihr Eigen nennen.
Der Heilige Meinrad war allerdings kein Schweizer. Er war ein Schwabe! Gott-behüte, ein Schwabe! Jede gute Story hat ihren schwarzen Fleck 🥴.
Also ein Schwabe, den es in die Schweiz zog. Davon ausgehend, dass er nicht irgendwelche Goldtaler in Sicherheit bringen wollte, ging es ihm -so wie‘s aussieht- um das Spirituelle, das Göttliche, das Leben im Einklang mit Gott.
Die Sache mit Gott und Spiritualität hat so gut geklappt, dass er heilig gesprochen wurde und an seinem Todesort das Kloster Einsiedeln gegründet wurde.
Was der Heilige Meini so alles in seinem Leben gemacht hat, werde ich in den noch kommenden Footprints erzählen.
Jedenfalls fanden die Klosterbrüder zu Einsiedeln den Heiligen Meini so cool, dass sie einen Pilgerpfad entwickelten, der den Lebens- und Reiseweg des Heiligen Meinrads’ abbildet.
Wiederum: Coole Sache!
Und ich, der Meini des 21.Jahrhunderts, dachte sich, dass es doch ne tolle Sache sei, auf den Spuren des Heiligen Meinrads zu wandeln. Sozusagen ein Zwiegespräch von Meini zu Meini.
Der Pilgerweg des Heiligen Meinrad, der MeinRadweg ist nicht als Fußmarsch ausgelegt, sondern als Rad-Pilgerweg.
So werde ich denn am Montag von meiner Haustüre losfahren und so der liebe Gott, der Heilige Meinrad und der Hersteller meines Rades, wollen, am 22. Juni in Einsiedeln zusammen mit dem Heiligen Meinrad (im Geist und mit Reliquien) meinen Geburtstag feiern.
Coole Sache! 😁Read more
This isch P-A-R-A-D-I-S-E !
June 15 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C
…s‘ist 19.45 h und ich liege pappsatt auf‘m Bett.
Was gab‘s beim Ochsenwirt für den pilgernden Radler?
Ein Klassiker: Cordon Bleu mit Spätzle und Salat!
So darf‘s sein nach einer langen Radtour.
Wie ging sie denn los die Radtour?
Heute morgen so gegen 7 Uhr bestieg ich den gut bepackten Drahtesel. Vor mir meine erste Etappe und gleichzeitig die Etappe, die die meisten Höhenm hat.
Grundsätzlich hatte ich die Etappen bis zum Start des offiziellen Pilgerweges (Rottenburg am Neckar) und ab dem Ende (Einsiedeln) immer mit so rund 70 km kalkuliert. Wieso 70 Kilometer?
Ich fahr‘ mit meinem E-Bike. Das Bike hat einen Akku von 650 Watt, was einer zirka-Reichweite von 60 - 80 Kilometer entspricht. Je nach Geländeprofil der Route. Im Schwarzwald sind‘s ja immer Berg-und-Tal Routen. Mal mit mehr, mal mit weniger Steigungen. Aber Steigungen gibt‘s immer und das nicht zu knapp. Heute waren ca. 1.400 Höhenmeter und rund 69 Kilometer kalkuliert. Von all den kalkulierten Etappen war dies diejenige mit den meisten Höhenmeter.
Ich wusste also was mir bevorstand. Ob eine Akk-Ladung reichen würde?
S‘ war ein bisschen Lotto spielen. Bis dato hatte ich den Akku noch nie komplett leer gefahren. Und fahren ohne Akku, d.h. ohne Strom, das will man sich nicht antun. Wirklich nicht!
Das Wetter war fantastisch. Morgens noch recht frisch, mit einem teilweise heftigen Wind.
Die Route führte von Glottertal, über Buchholz, Freiamt, Gscheid ins Kinzigtal. Vom Kinzigtal ging‘s nochmal über‘n Berg ins Wolfachtal (Wolftal).
Meine lieben Leserinnen und Leser, der Schwarzwald ist wirklich fantastisch. Also diese Landschaft ist wirklich, wirklich eine Augenweide für die Seele. Die Fotos können nur bedingt wiedergeben, welch Ausblicke in die Weite geboten werden. Wälder, Weiden, Kühe, Höfe alles wie gemalt. Heile Welt (aus der Sicht eines Radlers, der nicht in die Häuser und in die Menschen sieht, denen er begegnet)!
Schnappatmung gab‘s am Aufstieg in Richtung Gscheid. Diejenigen, die die Strecke kennen wissen welche Stelle ich meine. Es gibt einen extrem steilen Anstieg. Es ist keine Waldstraße oder befestigter Weg. Es ist in ausgetretener Pfad am Wiesenrand, der je nach Witterung staubtrocken oder matschig ist. Tatsächlich ist es für mich ein Glücksfall, wenn ich dort ohne Absteigen hochkomme (Erfahrung aus früheren Fahrten). Als ich am Aufstieg ankam war ich motiviert es bis hoch zu schaffen. Der Boden war sehr trocken und übersät mit Steinen und Geröll. Ich also rein in die Pedale. Na ja, was soll ich sagen, irgendwo bei der Hälfte fand mein Hinterrad keinen Halt mehr, rutschte weg und der hoch motivierte Radler musste absteigen. Mitten im Hang. Mit voll beladenem Fahrrad.
Was gab‘s für Möglichkeiten? Keine! Nur die Eine: Schieben! Und so schob der keuchende, japsende Meinrad-Pilger, Herz klopfend und fluchend seinen Drahtesel nach oben. Ich sag‘s mal so: Muss ich nicht öfters haben!
Oben angekommen wartete eine Bank und die erste -wohlverdiente- Pause auf mich. Und die Aussicht! Diese Aussicht ist wirklich unbeschreiblich. Grandios.
Nach zwei Handvoll Studentenfutter und Wasser ging‘s weiter. So gegen 11.30 kam ich in Haslach i. Kinzigtal an. Mittagspause! Genutzt für Speis und Trank und kauf von Sonnencreme. Der Akku zeigte ca. halbvoll an. Gut, dachte ich, das sollte bis zum Ochsenwirt in Schapbach reichen. ….na ja….
Von Haslach ging‘s den Kinzigtal-Radweg flußaufwärts nach Hausach. Irgendwann ging‘s rechts weg, denn ich musste nochmal über einen Höhenzug rüber, ins Tal der Wolfach. Also nochmal Höhenmeter, und zwar viele Höhenmeter auf wenig Strecke.
Ich hatten den Weißsattel (höchster Punkt zwischen Kinzig und Wolfach) fast erreicht, als mein Akku noch zwei Balken anzeigte. Diese änderten die Farbe von blau auf rot. Oha! Reserve! Es waren da noch ungefähr 15 Kilometer bis Schapbach. Allerdings Waldstraßen-Kilometer, d.h. auf-und-ab. Ab diesem Zeitpunkt fuhr ich ausschließlich in den Fahrmodi Tour und Eco. Das Motto lautete von da an: Strom sparen. Oberschenkel ins Intensivtraining versetzten.
Ach ja, meine Pobacken. Während es bei der Wanderung von Porto nach Santiago die Füße waren, die meiner erhöhten Aufmerksamkeit bedurften, sind ist heute die Pobacken. Also wenn ich mit dieser Tour durch bin, kann ich Nüsse knacken mit meinen Pobacken. Bis dahin werden die beiden echt strapaziert.
Die Pobacken brannten, die Beine kurbelten und mein Blick wechselte von Akku-Anzeige zum Kilometer-to-go Anzeige hin und her.
Irgendwann war nur noch ein roter Balken auf der Anzeige und die Kilometerangabe meldete 12 km bis zum Ochsenwirt. Das wird spannend! 12 Kilometer mit einem Balken, im Wald!? Mal schauen was draus wird. Im schlimmsten Fall ist halt der Strom weg und ich muss wie beim Bio-Bike mit reiner Muskelkraft in die Pedale treten. Was grundsätzlich kein Problem ist auf ebener Strecke oder bei leichtem Anstieg.
Ich dachte „scheißegal“ da musste durch. Also Kopf nach unten und radeln, radeln, radeln.
Die Kilometer schmolzen dahin. Der rote Balken blieb. 9-8-5-4-3 Kilometer und immer noch hatte ich Saft aus dem Akku. Dann kamen die finalen 1000 Meter. Als ich den Ochsenwirt sah und ich noch so ca. 100 m zu fahren hatte, dachte ich „Scheiß drauf, jetzt testen wir wie weit der Akku noch reicht“. Also von Eco auf eMtb geschalten und rein die Pedale. Die Pedale machten keine 5 Umdrehungen, der Ochsenwirt lag vielleicht noch 30 m von mir entfernt, da sagte der Akku: Aus! Leer! Nixe mehr!
Mit der Kraft der zwei Beine fuhr ich absolut zufrieden (und froh am Ziel zu sein) auf den Hof des Ochsenwirt.
Was war das doch für eine coole Sache! Der Akku hatte gehalten! Die letzten Bio-Bike-Meter spielen keine Rolle. Suuuper!
Bei einem -wohl verdienten- alkoholfreien Weizen, dankte ich dem Heiligen Meinrad und seinem Chef, dass er den Stromfluß in meinem Akku so wunderbar gehaushaltet hat.
Der Ausblick für morgen zeigt ein ähnliches Szenario wie heute. Geplante 72 km mit 1.200 Höhenmeter. Es wird das gleiche Spiel wie heute.
Unterschied: Menschen sind ja lernfähige Wesen. Und ich hab heute gelernt, dass ich mir in der Mittagspause eine Steckdose suche und ich nicht nur mir, sondern auch meinem Akku etwas „zu essen“ gebe.
Wie‘s wird? Ich werde berichte!
Wünsche eine angenehme sommerlich-lauschige Gute Nacht!Read more

Traveler
Meine Hochachtung!!!! Im August starte ich von Koblenz nach Trier Moselradweg ! Nach meinen Erfahrungen mit leeren Akkus jetzt der Trend zum „ Zweiakku „ im Gepäck,
Tag2: L404-Hagebutte-Neckar
June 16 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C
S‘isch g‘schafft!
Die Berge und Täler des Schwarzwaldes sind bezwungen.
Jetzt sitzen meine, mit Arnika-Body-Butter eingecremten Pobacken in einem Hotel in Rottenburg am Neckar.
Wie war der Tag?
Definitiv anders als erwartet.
Vor allem was das Wetter anbelangte.
In meinem ersten Footprint postete ich die Wettervorhersage für diese Woche. Eitel Sonnenschein alle Tage.
Doch was war das heute Morgen?
Keine Sonne über‘m Wolfachtal. Bedeckter Himmel.
Na ja, dachte ich, das wird sich geben.
Mit dieser grundpositiven Einstellung und im Glauben an die virtuelle Wettervorhersage cremte ich alle wesentlichen Stellen meines Körpers mit Lichtschutzfaktor 50 ein.
Das war denn so überflüssig wie Wasser in einen Bach zu tragen.
Denn als ich mein Rad -welches ich inzwischen Fury getrauft hab- sattelte, fing‘s an zu regnen. Kein Platzregen. Immer nur leichte doch stetige Tropfen. So eine Kacke! Was tun? Warten?
Hmm, ich hatte über 70 km vor mir, da machte Warten keinen Sinn. Also kramte ich die Regenjacke aus meiner Radtasche. Natürlich war die ganz zuunterst, denn ich dachte ja, dass ich dieses Kleidungsstück am allerwenigsten brauchen würde.
Welch‘ eine Fehleinschätzung.
Die Regenjacke wurde zu meinem Ganztages-Begleiter.
Ei-jei-jei, es regnete mal mehr mal weniger. Es gab sogar Regenpausen. Ab Mittag war‘s jedoch rum mit Pausen und die letzten 30 Kilometer war‘s Dauerregen.
Ausser, dass es natürlich bei Sonnenschein immer schöner ist unterwegs zu sein, ging‘s ganz gut. Jacke war dicht, kein Wind und doch angenehme Temperaturen.
Als die Sache mit der Regenjacke geklärt war, ging‘s an die heutige Route und die Planung, so wie sie Komoot mir vorgeschlagen hatte.
Ich wusste von Schapbach ging‘s steil nach oben bis nach Freudenstadt. Dem höchsten Punkt des heutigen Tages. Komoot hatte mir eine Route zusammengestellt, die zwar immer im Wald und auf Nebenstraßen verlief, doch immer wieder auf die Verbindungsstraße Schapbach - Freudenstadt, die L 404 stieß.
Da der Mensch ein lernendes Wesen ist und im konkreten Fall nicht unkalkuliert Strom (Watt) verballern wollte, entschied ich mich, die gesamte Strecke nach Freudenstadt auf der L 404 zu fahren. Diese von Komoot geplant Links-rechts-hoch-an-den-Hängen würde einfach zu viel Akku fressen. Und das schon gleich zu Anfang der Tour.
Ergo: L 404! Und ich hab‘s nicht bereut. Höhenmeter sind Höhenmeter. Das Ziel -Freudenstadt- war gesetzt, nur der Weg war dieses Mal nicht Waldboden, sondern geteerte Straße.
Zum Glück war wenig los auf der Straße. Tatsächlich wurde ich von nur wenigen Fahrzeugen überholt. Es kamen mir mehr entgegen als von hinten überholend.
Aber eins muss ich sagen, dieser Qualm, dieser Gestank, dieser Lärm der Fahrzeuge, NEIN DANKE, wenn‘s irgendwie geht vermeiden.
So saß ich denn auf meinem Rad, Regen von oben, Gestank von der Seite, Kopf nach unten und Beine kurbelnd.
Wie immer im Leben, hat jede Steigung mal sein Ende. Dieses Ende hieß in meinem Fall Zwieselberg. Ein kleiner Ort oben auf der Höhe, kurz vor Freudenstadt. Ab da ging‘s dann wieder auf wunderbaren Waldstraßen in Richtung Rottenburg.
Mittagspause war in Glatten, einem Ortsteil von Freudenstadt. Es kristallisiert sich heraus, dass Bäckereien, welche an einen Supermarkt angeschlossen sind, die idealen Anlaufstellen sind.
Sie haben Cola, was Süßes, was Herzhaftes… …und… …eine freie Steckdose… …und saubere Toiletten. Perfekt!
So gab‘s für beide Futter. Für Fury gab‘s Strom und für den Pilger gab‘s Cola mit Beilage.
Guten 45 Minuten später ging‘s im Dauerregen weiter, noch 40 Kilometer to go. Irgendwann, irgendwie schmolzen die Kilometer dahin. Komoot mit seiner Routenführung war Grütze, meine Gangschaltung muckt (sie überspringt Gänge bzw. schaltet erst garnicht), doch was soll‘s, irgendwann bog ich auf den Neckarradweg ein, an dem mein Tagesziel Rottenburg lag/liegt.
Und jetzt? Jetzt sitzt ich im Hotel. Draußen ist der Himmel blau und die schräg stehende Sonne sendet wunderbar wärmende Strahlen in mein Zimmer.
Die Heizkörper hängen voll mit Klamotten. Musste alles mal durchspülen. Entweder war alles nass vom Regen oder vom Schweiß. Hinzu kam/kommt der Dreck, da ich keine Schutzbleche habe. Ts, ts, ts, irgendwas fehlt immer, und wenn‘s nur Schmutzabweiser sind.
Morgen geht‘s los!
Der eigentliche Grund meines Hiersein.
Der MeinRadweg.
Hier in Rottenburg (bzw. in der Umgebung) wurde Meinrad kurz vor 800 geboren. Im alemannischen, der damals vorherrschende Sprache, hieß Meinrad = Meginrat. Meginrat bedeutete „großer Ratgeber“. Tja und morgen geht‘s als erstes in die Taufkirche von Meinrad, der Sülchenkirche. Dort gibt‘s den Pilgerpass, einen ersten Stempel und noch so einiges anderes vom Heiligen Meinrad.
Etappenziel ist Hechingen. Das sind rund 23 entspannte Kilometer.
Und was sagt die Wettervorhersage: ☀️☀️☀️
Und was sag ich dazu: 😁😁😁
Bis morgen!Read more
Bei Meinrads‘ & Wilhelms‘ Zuhause!
June 17 in Germany ⋅ ⛅ 27 °C
Heut’ ging‘s los!
Meinrad 21. Jahrhundert trifft auf Meinrad 1. Jahrhundert.
Da Meini aus dem 1. Jahrhundert nicht mehr beweglich ist, da längst in höhere Sphären aufgestiegen, obliegt es dem neuzeitlichen Meini, die Fährte auf zu nehmen.
Wo fängt man an?
Im katholischen Sinne dort, wo man Katholik geworden ist. Und das ist?
Genau: Dort wo man -ungefragt- kaltes Wasser ins Gesicht bekommen hat, alle Umstehenden glücklich dreinschauten und ein Mann in wallenden Gewändern salbungsvolle Worte gesalbt hat. Am Taufbecken!
Meinrads‘s Taufe -so wird angenommen- fand in eben jener Sülchenkirche statt, die damals die Hauptkirche der Region war. In der Sülchenkirche gibt‘s denn auch den Pilgerpass mit Kick-Off-Stempel. Draussen steht ein in Stein gemeißelter Meinrad. Ich find er ist ganz gut geraten. Er schaut auch nicht so leidend drein, wie oft Heilige dargestellt werden.
Das Wetter war hervorragend, der Akku voll, die Sitzhöcker eingecremt und die Oberschenkel frisch. Auf geht‘s in den MeinRadweg.
Der gedruckte Pilgerführer bietet super detaillierte Wegbeschreibungen. Wie aus vor-digitalen Zeiten: 100 m links, dann rechts, dann an der zweiten Birke am dritten Graben scharf links…
In Zeiten von digitalen Karten und Satellitennavigation ist das etwas antiquiert, aber vielleicht will jemand auch authentisch wie im vor-digitalen Zeiten pilgern. Ich nicht! Die gesamt Route gib‘s bei Outdoor Active als .gpx Datei runter zu laden. Hab‘ die Dateien in Komoot importiert und so wandele ich auf den original Spuren des non-digitalen Meinrads in digitaler Weise.
In der digitalen Wegführung mittels Komoot war heute Hechingen als Tagesziel angegeben.
Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, oder ein Faible für‘s deutsche Kaisertum hegt, bei dem klingelt beim Namen „Hechingen“ in ganzes Glockengeläut.
Yes! Hechingen ist die Herkunftsregion der Adelsdynastie der Hohenzollern. Die lieben Herren Hohenzollern stellten preussische Könige und nicht zuletzt die letzten beiden deutschen Kaiser. Wie üblich, machte man es sich mit der Namensgebung einfach und numerierte die Herren durch. Im Fall der Hohenzollern waren es die Wilhelms.
Somit befinden wir uns nicht nur im Meini-Land sondern auch im Willi-Land.
Hechingen ist deshalb Station auf der Meini-Tour, weil sich über Jahrhunderte das Gerücht hielt, dass der liebe Meinrad ein Sprößling der selben Sippe sei, wie die Hohenzollern. Ob das stimmt weiß man nicht, aber sicher ist, dass der Meini aus dem 1. Jahrhundert ein Kind adliger Abstammung war.
Sodom und Gomorra halt.
Die Burg der Hohenzollern thront über der ganzen Region und ist schon sehr imposant. Da ich sehr früh in Hechingen war, strampelt ich noch hoch bis vor die Burgtore, um dort für schlappe 29 € in die Welt der Wilhelms ein zu tauchen.
Die Burg ist gut in Schuß und hat sogar eine Schatzkammer. In eben jener sind neben Gewändern und Orden des ersten deutschen Reiches auch die Kaiserkrone des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm des II. zu sehen. Eben jener Wilhelm, der den ersten Weltkrieg vom Zaun brach und damit auch ursächlich für den zweiten Weltkrieg (Versailler Vertrag, Reparationen etc.) war. Kein Ruhmesblatt! Da sind wir Taglöhner-Kinder mal froh, dass es die Adels-Heilig(Hörig)keit nicht in die Neuzeit geschafft hat.
Aprops Neuzeit. Die Neuzeit spricht in Hechingen kaum (kein) Deutsch und ist tätowiert bis zum Hals.
Ich wohne hier in einem Hotel mit Namen Bären. So richtig urgermanisch: Bären.
Es befindet sich im Stadtzentrum von Hechingen und ist umgeben von einer Eisdiele und weiteren Kneipen. In eben jener Eisdiele war ich mittags, als ich noch nicht wusste, was ich mit dem Tag anfangen sollte. An einem Tisch saßen drei Männer. Alle drei in wunderbar klassich stylischen Jogginghosen, weiße Sneaker und T-Shirt. Einer hatte sogar so eine Männerhandtasche. Alle drei tätowiert bis zum Haaransatz. Alles für mich sichtbare, ausser dem eigentlichen Gesicht, war tätowiert. Der unschuldige Schwarzwälder, der ich nun mal bin, dachte, „Was machen denn so drei Haudegen am heiter hellen Tag hier? Haben die denn nix zu schaffen.“
Man(n) bildet sich ja so sein (Vor)Urteil.
Und, gucke da, als ich zum Hoteleingang des Bären ging, stand einer von den Dreien auf und stellte sich mir als „Hotlier“ vor. Selbstverständlich lächelte ich das beste Gutmenschen Lächeln. So ein Gutmenschen Lächeln, wie es nur die echten Gutmenschen in Freiburg können. Tatsächlich war gleichmal klar, dass er das Kommando hatte, denn er wusste von der Buchung und kannte die Zimmernummer.
Wie sich rausstellte gehören auch die anderen Beiden zum Inventar des Bären. Der, nebenbei bemerkt, kein einziges Deutsches Gericht auf der Karte hatte (muss er auch nicht, dann auch Bären sind weltgewandt).
Jedenfalls war ich ganz schön baff über die Welt, in der ich heute mein Haupt betten werden.
Heute Abend, beim Abendessen, gesellten sich noch viele andere Menschen hinzu. Lokale Menschen. Allen ist gemein, dass hochdeutsch und auch schwäbisch nicht ihre Muttersprache ist.
So ist‘s in Hechingen. Im Bären von Hechingen. Ach ja, und alle tätowiert. Und zwar keine rosa Rosen oder weinende Herzen, sondern Flammen, Monster, irgendwelche Hieroglyphen und sonstige wenig ästhetischen Körperbilder.
Nicht, dass ich ob meiner Zeilen Haue von Seiten der Leserschaft bekomme; ich beschreibe nur wie es hier im Bären ist. Die hohenzollernsche Neuzeit!
Die hohenzollernsche Altzeit thront noch dort oben auf dem Berg. Und ich bin froh, dass die vorbei ist.
Nachtrag: Natürlich hab‘ ich im Bären gegessen. Sehr gut sogar. Es gab Spagetti Frutti de Mare und danach noch ne Pizza Quattro Stagioni.
Natürlich bestand ich nicht auf einen steuerlich einwandfreien Bewirtungsbeleg, sondern reichte ihm die Summe rüber, die er -schnell Kopf rechnend- nannte.
Und, sein Hals war nicht tätowiert, der Rest schon. Und, er war/ist anscheinend doch Italiener. Der Rest nicht.
Nun ist 20 Uhr. Genug geschrieben. Ich geh‘s noch mal raus. Vielleicht gibt‘s neben dem Bären auch noch einen Löwen oder Hirsch?
Morgen ist wieder eine lange Tour. Rund 70 Kilometer mit rund 1.100 Höhenmetern. Von Hechingen nach Beuron. Laut Pilgerführer sind jede Menge Kirchen am Wegesrand zu besichtigen.
Wir werden sehen. Ich werde berichten.Read more
Arsch am Arsch!
June 18 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C
S‘isch so! Diese umgangssprachlichen 3 Worte sind genau das, was ich heute dachte, als ich in Beuron vom Fahrrad stieg.
In war heute morgen schon kurz nach sieben Uhr auf der Straße. Ich wusste, ich hab rund 70 Kilometer zu fahren, habe zwei Alb-Aufstiege vor der Brust und es wird ein heißer Tag.
Von den rund 70 Kilometer war nur ein ganz geringer Anteil Wald bzw. Schatten, der größte Teil fuhr ich auf geteerten Straßen. Wahrscheinlich hatten das die Planer des MeinRadweges so ausgetüftelt, da heute ja viele Kirchen auf dem Programm standen.
Was bzw. welche ich alle besucht hatte, lass‘ ich der Länge wegen weg.
Zwei Dinge, nein, drei Dinge, in Sachen Kirche, welche Weltanschauungen in Frage stellten bzw. bestätigten.
Erstens: Ich sag immer, wenn ich irgendwo eine Kneipe/Gastwirtschaft suche, halte ich Ausschau nach dem Kirchturm. Bei jeder (?!) Kirche ist ne Kneipe/Gasthof nebendran -so meine unumstößliche Lebensweisheit-.
Im Schwabenlande nicht! Bei keiner der von mir besuchten Kirchen (ausser Beuron) war ne Kneipe nebendran. Ausnahme war die evangelische Kirche in Balingen, da war ein Döner und eine Eisdiele nebenbei.
Zweitens: Alle Kirchen sind kalt (Temperatur). Jawoll! Da war ich heute Gott-froh d‘rum. Im wahrsten Sinn des Wortes eine coole Sache.
Drittens: Neben jeder Kirche gibt es Toiletten. Ja, ist so! Ich hab in den vergangen Tagen schon zweimal Gebrauch von dem Angebot gemacht. Auch heute war ich dringend auf der Suche nach einem stillen Örtchen. Die nächst gelegene Anlaufstelle war die katholische Kirche in Balingen. Und Tatsache, nebendran waren saubere, gut ausgestattete Toiletten. Alles ohne Schlüssel und ohne dafür bezahlen zu müssen. Feine Sache!
Das ist übrigens im Glottertal auch so, nur nimmt man dies nicht wo wahr, weil man sie nicht braucht.
Zusammenfassung: 3 Erkenntnisgewinne, die sich ins tägliche Leben einbauen lassen.
Und sonst? Ja, ansonsten hab ich mich gefragt, wie es denn all die anderen machen. Die anderen Radfahrer. Ob die auch so schnaufen wie ich? Ob denen die Pobacken auch so brennen? Ob die, diese Tourenlängen (ca. 70 Kilometer pro Tag) einfach so wegstecken?
Und das womöglich ohne E (ohne Strom = BioBike) tun?
Ich für mich kann ausschließen, diese Tour ohne eBike machen zu können. Das geht -für mich- ganzgarnimmernicht.
Mit anderen Pilgern hatte ich tatsächlich noch keinen (0,0) Kontakt. Grundsätzlich sind Radpilger nicht von „normalen“ Radlern zu unterscheiden und grundsätzlich ist sehr wenig los auf den Radwegen.
Die wenigen, die man trifft, sind kommunikationstechnisch echt schwäbisch, die sagen nix und gucken grantig. Ob das nun schwäbisch ist oder nicht (ich liebe ja die Schwaben), aber auf jeden Fall ist‘s -für mich- auffallend. Es wird nicht gegrüßt und es gibt kein Smalltalk. Das totale Gegenteil von der Pilgerwanderung Porto-Santiago.
Nett war heute eine Begegnung mit den Fleischfachverkäuferinnen der Metzgerei Mauch in Nusplingen.
Es war kurz vor halb Eins, als ich in Nusplingen einfuhr. Vor mir lag der zweite Alb-Aufstieg. Es war echt warm (heiß). Ich wollte noch irgendwo was trinken, was essen und mich runterkühlen, bevor‘s an den Aufstieg ging. In Nusplingen gab‘s/gibt‘s keinen Rewe, Edeka o.ä., die ich für eine Pause hätte nutzen können.
Was es gab war die Metzgerei Mauch. Ich also rein, ne Cola aus dem Kühlschrank und mir an der warmen Theke so eine Blätterteigschnecke mit Käse und Brät gekauft. Es war wunderbar herrlich kühl im Laden und so fragte ich die Damen, ob ich bei ihnen drin essen und trinken darf. „Ha Noi! Mir han scho g‘schlosse!“ Nach Klärung aller meiner Fragezeichen im Kopf, stellte sich heraus, das die Metzgerei Mauch pünktlich um 12.30 schließt und ich der letzte Kunde gewesen sei. Das war nun aber extrem doof! Ich also mein charmantestes Holzhändler-Lächeln aufgesetzt und den Damen meine Situation geschildert (Aufstieg-heiß-Durst-hungrig-runterkühlen). Da erweichten sich die Damen der Metzgerei Mauch für mein Ansinnen und meinten „Wisset‘ se, mir miesset nu putze. Un so lang mir putze, kennet sie nu da bleibe.“ Gesagt und schon schloßen die Damen die Ladentüre ab und gingen ans Putzen.
So verbrachte ich wunderbar kühle 20 Minuten mit Zucker&Schnecke (Cola&Blätterteig) und den putzenden Damen der Metzgerei Mauch.
Ich schloß dann selbst die Ladentüre auf und entfleuchte in den heißen Nachmittag zum letzen großen Alb-Aufstieg.
Und nun im Kloster Beuron.
Meine Pobacken sind fett eingecremt und werden mir diese Strapazen schon irgendwie, irgendwann verzeihen. Doch morgen müssen sie schon wieder ran. Allerdings hauptsächlich abwärts -so der Plan-. An den schönen Bodensee, auf die Insel Reichenau geht‘s. Der olle Meinrad war dort. Die Reichenau war von existenzieller Bedeutung für den jungen Meinrad. Morgen dazu mehr… …wen‘s interessiert.
Wünsche einen angenehmen schönen lauen Sommerabend mit wunderbar kühlen Getränken.Read more
Es Meinradelt!
June 19 in Germany ⋅ ☀️ 27 °C
Ein heißer Tag nimmt sein donnerndes Ende.
Bin auf der Reichenau angekommen und logiere im Mohren.
Nicht Ochs, nicht Bär, nicht Pelikan, sondern Mohren.
Warum dass sich der Mohren „Mohren“ nennen darf, trotz politisch supergrüner Kreisstadt Konstanz ist mir nicht bekannt. Vielleicht sollte man das mal bei bestimmten Stellen lancieren. Das wär’ doch mal ein schöner Shitstorm.
Ein Sturm braucht sich zusammen, da draussen über‘m Bodensee. Im Restaurant waren die Bedienungen ganz wuselig unterwegs. Das Restaurant/Hotel ist ausgebucht und der Garten -wo eigentlich alle sitzen wollen- wurde komplett abgeräumt und alles nach innen verlagert.
Da hab ich‘s als willfähriger, Pobacken-leidender Pilger einfacher. Ein Platz an der Theke hat mir gereicht. Hab bestimmt 1 1/2 Liter Johannisbeerschorle getrunken - nachdem ich vorhin schon zwei Weizen als Express-Löscher inhaliert hab‘-.
Heut war heiß! Glücklicherweise bin ich auf Kirchentour, denn die waren heute die Inseln der Glückseeligkeit. So wunderbar kühl. Genial.
Von Beuron ging‘s auf dem Donauradweg in Richtung Bodensee. Kurioserweise radelte ich flußaufwärts. Das hat mich denn doch irritiert. Ich dachte ich radle in Richtung Süden, da Konstanz/Reichenau ja südlich ist. Die Donau kommt -wie wir alle wissen- aus dem Brigach- und Bregtal (Donaueschingen), also quasi aus der Heimat. Das würde beim flußaufwärts radeln bedeuten, dass ich irgendwann in Donaueschingen ankommen würde. Bin ich aber nicht. S‘ ist die Reichenau geworden.
Bevor ich mich um‘s „Häh? Wieso? Warum?“ Gedanken machen konnte, stand ich schon vor der ersten Stempelstelle. Heute war Stempeltag!
Eine Menge an Radkirchen standen auf dem Programm. Radkirchen werden im Pilgerführer jene Kirchen genannt, bei denen der MeinRadweg vorbeiläuft und die Pilgerstempel ausgeben.
So machte ich heute Bekanntschaft mit durchaus vielen Dorfkirchen und deren Innenleben. Nicht bei allen trafen meine Beobachtungen/Analysen von gestern zu.
Es gab heute mehr Kneipen bei den Kirchen und weniger Toiletten. Kühl waren sie aber alle. Manche Kirchen lagen nur wenige Kilometer voneinander getrennt, waren jedoch komplett unterschiedlich. Nee, klaro, einen Altar und eine Orgel hatten selbstverständlich alle, aber die Bauweise, die Innengestaltung waren völlig anders.
Die Kirche des Heiligen St. Meinrad in Radolfszell ist weder von außen noch von innen schön. Und zwar schön, wie ich als Meinrad eine Kirche finde. Im Kircheninneren waren Gerüste aufgebaut, an den Spotstrahler hingen. Es hingen Segel (richtige Segelschiff-Segel) von der Decke und im Raum. Vor dem Altarraum hingen hunderte Taschentücher von der Decke. Alle unbenutzt, alle sauber, alle aus Stoff. Warum? Keine Ahnung. Alles in allem sah‘ es eher nach einer Event(Party)Kirche aus. Andere Kirchen waren wiederum die Klassiker. Opulent, viel Holz, Marmor, viel vergoldete und verzierte Statuen und Altäre.
Wenn man(n) -ich- bewußt so eine Kirche nach der anderen anschaut, dann stellt man(n) -ich- fest, dass alle die Abbildungen von Heiligen, die Statuen, die Gemälde, alle eher dunkel, trübe und wenig positiv sind. Alle gucken leidend, niemand lächelt! Niemals! Nirgendwo! Kein einziges lächelndes, positiv schauendes Gesicht auf allen Gemälden, Fresken, Statuen.
Da ist wirklich nix, überhaupt nix, von einer lebensbejahenden, liebenden Religion zu spüren/sehen. Alle leiden und gucken leidend.
Gesetzt den Fall wir bekommen Besuch von Outer Space, sagen wir mal aus dem Sternensystem der Plejaden. Die Wesen aus dem All landen bei uns und wollen ein bisschen Sightseeing machen. Dinge tun, die Touristen eben tun.
Wenn man denen erzählt, dass das höchste Gebot der kath. Kirche „Liebe Deinen Nächsten“ ist und dass Liebe, verzeihen können, Gemeinschaft bilden, sozial sein mit anderen, die Grundpfeiler dieser Religion sind, dann werden die Touristen aus dem All interessiert zuhören… …und völlig fassungslos bzw. verunsichert sein, wenn sie in den Kirchen in die Gesichter der Statuen/Figuren und in die Gemälde schauen.
Da ist aber auch überhaupt nichts von Liebe etc. zu sehen, sondern nur Leid, Tot und (Gries)Gram. Diese lieben Besucher aus dem Sternbild der Plejaden werden denken: „Ts, ts, ts, diese Menschen sind wirklich sonderbare Wesen. Reden von Liebe, von Verzeihen, von Vergebung, von Freude; malen und bildhauern jedoch das genaue Gegenteil.“ Und um‘s mal so zu sagen: Dieses“Missverhältnis“ macht es nicht einfach, die katholische Kirche interessant und cool zu finden. ….meine Sicht der Dinge.
Oha, jetzt hab ich aber viel wundersinniges Zeug geschrieben. Vielleicht‘s liegt‘s an dem Gewitter, welches vor dem Fenster tobt. Aber egal, für heute reicht‘s!
Morgen geht‘s in die Schweiz! Eine relativ kurze Etappe von der Reichenau ins Kloster Fischingen steht an. Läppische 60 Kilometer. Da kann ich noch zum Shoppen in Konstanz vorbei schauen.
Bis denne!Read more
Grenzerfahrungen!
June 20 in Switzerland ⋅ ☀️ 24 °C
Was für ein schöner Sommerabend!
Sitze in meiner kargen Mönchsklause im Hotel des Kloster Fischingen. Bette mein Haupt im zweiten Stock des Ordenshauses auf harte Pritschen.
Bei geöffnetem Fenster höre ich Geräusche/Gespräche der Gäste des Kloster-Restaurantes. Dünne Suppen und altes Brot. Gewürzt mit dem Mantra: „Dankbar sein für dies Mal, denn es schmeckt uns jedesmal.“
Als ich hier in Fischingen ankam, so gegen 14.30 h, war ich echt durch. Es war verdammt heiss. Die Strecke bestand fast ausschließlich aus Straßenkilometern, d.h. maximale Sonneneinstrahlung. Radkirchen mit Abkühlungsmöglichkeiten gab es einige, doch ich möchte nicht beschönigen, dass es heute gereicht hat.
Ankommen und erst mal ein schön gekühltes, alkoholfreies Weizen trinken. Das ist so eine Vorstellung, die den strampelnden Pilger unter der glühenden Sonne des lieben Gottes, weiter strampeln lässt. Ein Ziel. Eine Hoffnung. Eine Erlösung!
Und dann!
Kein alkoholfreies Weizen!
Na dann eben Weizen mit Alkohol.
Was kam? Pilgerbier mit Namen „Josefi Weizenbock“
Geschmacksrichtung: Nelke, Banane aromatisiert, mild!
Echt jetzt? Ja, echt!
Ich hätte ja die Geschmacksrichtung Pomelo-Drachenfrucht-Hibiskus bevorzugt, aber soweit waren/sind die Mönche in ihrer Braukunst noch nicht.
Den bußfertigen Pilgerradler, der seit dem Frühstück keine feste Nahrung mehr zu sich genommen hat, verlangte es nach etwas Herzhaftem, etwas lokalem.
Käse aus dem Kloster sollte es werden bzw. wurde es.
Ja, ja, Mönch sein ist ein entbehrungsreiches Leben.
Diese Erkenntnis brannte sich in meine Gehirnwindungen, als mir die freundliche Rezeptionistin den Zimmerschlüsse in die Hand gab.
Mein ausgedörrter Körper durfte in der Meinradus Klause nächtigen.
Pilgern ist ja kein Zuckerschlecken, das lernt man ja schon im katholischen Kindergarten der Gemeinde Glottertal, anlässlich der Züchtigung mit Rohrstock -zur damaligen Zeit gang-und-gebe (1960ziger)- durch die Aufsicht führende Ordensschwester. Aber: No hard feelings. So war das damals. Die Schwestern hatten ja auch keine Chance gegen diese babyboomenden Babyboomer mit aufsteigenden Testosteronwerten.
Oh, jetzt bin ich abgeschweift… …wo war ich… …auch so… …Meinradus Klause!
Meinen überhitzen, Nelke-Banane-Bier verarbeitenden Körper, schleppte ich via Aufzug in den zweiten Stock. Schloß die Türe auf und betrat die kleine, enge Klause mit seiner harten, harten Pritsche. Was für ein Leben! (seufz!)
Sodele, meine lieben Mitleserinnen und Mitleser, so ihr bis dato noch mit an Bord seid hoffe ich, dass euer Ironiedetektor beim Lesen der Zeilen sich fortwährend gemeldet hat.
Und Ja, er hat recht! Es ist genau das Gegenteil!
Meine Meinradus-Klause ist ein sensationell großes Zimmer. Das Bett bzw. die Betten, ein Traum! Die Klosterküche ist genial, kann ich nur empfehlen. Wirklich super. Einzig das Nelken-Banane-Bier wird nicht auf meine Hitliste kommen. Das Kloster Fischingen schön. Wirklich, wirklich sehr schön hier. Echt!
Wenn schon Fischingen so toll ist, wie wird erst Einsiedeln sein, welches ja das wichtigste Kloster der gesamten Schweiz ist?! Morgen Abend weiß ich mehr.
Grenzerfahrungen! So habe ich den Footprint getauft. Warum? Weil ich jetzt tatsächlich in zwei Ländern unterwegs war/bin und somit Erfahrungen/Beobachtungen über Grenzen hinweg gemacht hab.
Wichtigstes Fazit: Uns geht‘s allen gut! Bei den Schweizern sieht zwar alles noch etwas idyllischer aus als bei den Deutschen, aber das sind Nuancen. Ich fahre ja nun durch viele kleine Ortschaften und sehe überall gepflegte Häuser, kein Verfall, hübsche Ortskerne und fruchtbare, blühende Landschaften.
Egal welche Region ich nehme, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Hegau oder jetzt Thurgau, überall wächst und gedeiht es. Kulturlandschaft in paradiesischem Ausmaß.
Den Menschen in diesen Regionen geht es gut! Das ist, was ich als durchradelnder Pilger sehen kann. Kein Mangel erkennbar.
Nur die Sache mit dem Wasser, das ist so ein Ding. Also wer so einen See, wie z.B. den Bodensee, vor der Nase hat, also der hat tatsächlich in Sachen Lebensqualität die Nase noch etwas weiter vorn. …aber nur ein bisschen… …na ja, ein bisschen viel weiter vorn….
Was soll‘s! Das Leben ist wie das Leben ist. Wir sollten dankbar sein für das was wir haben… …und nicht vorschnell über andere urteilen… …was ich ja gerne mal tue… …so auch heute…
Ich saß in der idyllischen Gartenterrasse des Klosters Fischingen und verschlang die exzellente Käseplatte (keine Ironie! War gut!). Einige Tische weiter saß eine Dame, die hatte einen -sagen wir mal- extravaganten Haarschnitt und war auch etwas derb gekleidet. Ungefähr mein Alter. Extravaganter Haarschnitt heisst, eine Seite des Kopfes kürzer als Streichholzlänge rasiert, die andere Hälfte so lang, dass die Haare als Zopf gebunden waren.
Ich dachte, was treibt eine Frau in meinem Alter um, sich so zu kleiden und so zu präsentieren. Und diese „ich dachte“ war jetzt nicht ein vorurteilsfreies „ich dachte“.
Tja, dann stand diese Frau auf, nimmt ihren Blindenstock und geht den Stock vor sich her schwingend von dannen.
Und ich dachte: „Meini Du Arsch!“
In diesem Sinne wünsche ich allen einen erfolgreichen Fußballabend.Read more
Zum Finale nochmal feinstes Pobacken glühen!
June 21 in Switzerland ⋅ ☁️ 29 °C
Von nun an geht‘s bergab! …schon wieder!
Es ist der 21. Juni. Sommersonnwende!
Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.
Es war ein sehr heißer Tag.
Der heißeste in 2026?
Die Aussicht auf mega viel Sonne und rund 60 Kilometer inkl. zwei Pässen, ließen mich heute morgen schon um kurz nach 7 Uhr in den Sattel schwingen.
Perfekte Temperaturen.
Beste Voraussetzung für den ersten der zwei Pässe. Von Kloster Fischingen ging‘s hoch auf den Hulftegg-Pass. Mit 952 m, der höchste Punkt des MeinRadwegs. Was ich nicht wusste war/ist, dass diese Passstraße sehr beliebt ist bei Motorradfahrern und Autofahrern die gerne mal mit dem Leben bzw. mit PS‘e spielen wollen. Morgens um 7 war ich nicht alleine unterwegs.
Während ich hoch strampelte rasten dauern Motorräder und Autos an mir vorbei. Das waren keine Ausflügler, das waren Racer. Der Krach der Motorräder und der Gestank der Autos nervten kolossal. Also wenn so Motorräder an mir vorbeigeschossen kamen, fühlte es sich an, als ob eine Düsenjet an mir vorbei jagt.
Hatte ich eine Wahl? Nee, hatte ich keine! Die Verbrenner waren nicht einzigen, die heute morgen schon unterwegs waren. Ziemlich viele Radfahrer wollen mit ihren Rennrädern den Berg hinauf. Und ich, der mit seinem eBike zwar Strom, aber irgendwie halt doch nur Alte-Männer-Power hat, durfte die jungen HeldenInnen der Bio-Biker-Szene an mir vorbei ziehen lassen. Einmal hab ich innerlich gefeixt. Mich hatte im unteren Bereich ein junger Mann auf seinem Rad flott überholt. Der wird gedacht haben: „Alter Mann, geh heim.“ Im oberen Drittel stand der junge Mann in einer Kurve. und das Fahrrad lag neben ihm. Mit seiner Wasserflasche bespritzte er sein überhitztes Gesicht. Ich dachte „Alter Mann mit Strom ist besser als junger Mann mit zuviel Testosteron.“
Oben auf der Hulftegg gab‘s keine Pause. Mein Ziel war es, den zweiten noch steileren Pass vor Mittag zu schaffen. Ich wollte vermeiden in die volle Mittagssonne zu kommen.
Also ging‘s bergab. Von 950 auf 400 m, an den Zürichsee. Genauer gesagt an den oberen Zürichsee. Dort erwartete mich die erste Stempelstelle des Tages. Eine Meinradkapelle auf einer kleinen Landzunge. Die war echt schön! Die Zufahrt ging nur über einen Bauernhof, der gleichzeitig eine Wirtschaft betrieb (Wirtshaus am Hof). Die Kapelle war einfach und kühl. Kühl war gut und tat Not, denn den Pass hoch und runter und jetzt am See entlang, das war schon sehr erhitzend.
Die Leute von der Wirtschaft waren super nett. Hab‘ mich mit denen nett unterhalten und mir eine kleines Rivella Frühstück gegönnt.
Denn auch das war klar: Ich brauch Flüssigkeit. Viel Flüssigkeit.
Am See entlang würde es zwar Kneipen geben, aber ich hatte ja meinen Plan im Kopf vor Mittag oben auf dem zweiten Pass zu sein. Also keine weiteren Stopps, sondern Treten was die Oberschenkel hergaben.
Bei Jona ging‘s über den Zürichsee. Das muss man nicht haben. Zuviel Abgase und Gestank. Auf der anderen Seite wartete Pfäffikon und damit der Beginn es Aufstiegs zum Etzel Pass (der oben St. Meinrad Pass heißt). Rund 5 Kilometer im Prinzip senkrecht zur Höhenline. Da hab ich denn doch auch mal den Turbo-Modus benutzt. Vor allem die letzen Kurven, die waren ätzend. Aber nur vom Kopf her. Hätte ich den Kopf ausgeschaltet und einfach weitergestrampelt wär alles easy gewesen. Irgendwann hab‘ ich aber angefangen auf meinem Komoot Navi nach die Höhenlinien zu schauen. „Was, ich bin erst bei Höhenline 700? Ich muss ja noch hoch bis 950! Oh, Mann.“ Dieses Höhenline schauen wurde zu einer fixen Idee und diese war nicht motivierend. Da ging -auf dem Display- einfach nix vorwärts (höher).
Kurzum, viele-Wörter-wenig-Sinn, irgendwann war ich oben.
Was sich schon an einer Straßengabelung andeutete, bestätige sich auf dem Pass. Ab jetzt war ich im Meinrad-Land! Meinrad Pass, Meinrad Kappelle, Meinrad Gasthaus, Meinrad Straße, Einsiedeln.
Ist schon komisch. Meinrad kommt so selten vor, ist ein so unüblicher Name, kommt man jedoch in die richtige Region, dann ist‘s ein Allerweltsname.
Einsiedeln! Kloster Einsiedeln! Monemantal! Prachtvoll! Das größte/wichtigste Pilgerzentrum der Schweiz.
Nun kommt der Wehrmutstropfen für alle Meinrad-Fans. Nicht etwa wegen Meinrad ist Einsiedeln so wichtig und berühmt, sondern wegen der Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Die Frauen mal wieder. Stehlen den unbescholtenen Männern mal wieder die Show.
Als ich auf den Vorplatz kam, dachte ich, dass Indien einen Massenausflug nach Einsiedeln macht. Mengen an Frauen in wunderbar farbigen Saris und Männer in schicker Hose und Hemd. Ich dachte, das seien alles Touristen. Bis ich in die Klosterkirche ging. Die war voll! Indien hatte die Klosterkirche okkupiert! Häähh, was war denn hier los? Ein Messe war im Gange. Vorne am Alter eine Menge Priester und MinistrantInnen (alle dunkler Teint). Die Musik war lebhaft, schmissig, schön.
Was war denn hier im Busche?!
Draussen war ein Stand aufgebaut, der mit der Flagge „Pilgerbetreuung“ warb. Mein place-to-go. Ich also hin und mit den beiden Herren ins Gespräch gekommen.
Es ist also so, dass das keine Inder waren/sind, sonder Tamillen. Und zwar Tamillen, die in der Schweiz leben. Zweimal im Jahr macht die tamillische Gemeinde der Schweiz einen Wallfahrt nach Einsiedeln um die Schwarze Jungfrau Maria zu verehren. Ich hatte bis zu diesen Minuten keinen blassen Schimmer, dass so viele Tamillen in der Schweiz wohnen. Kleidung wie InderInnen (sehr schön), die Sprache tamillisch (nehme ich an). Deutsch bzw.. Schweizerdeutsch hab‘ ich nichtgehört.
Diese Ansammlung an Farbenpracht mit tamillischem Teint, brachte -für mich- einiges durcheinander. So war meine Stempelstelle -die FINALE Stempelstelle- in einem Bereich, der unzugänglich war (Tamillen). Ich klagte den Pilgerbetreuern mein Leid. Diese linderten daraufhin mein Leid, indem sie mich in den Verwaltungstrakt des Klosters brachten, wo ich von einer netten Stempelbeauftragen mit finalen MeinRadweg Stempel erhielt. Tolle Sache, runde Sache!
Das Tüpfelchen auf dem i war denn noch die Pilgerurkunde. Auf die musste ich noch bis in den Spätnachmittag warten, da auch hier Tamillien und das Vesper der Mönche, den Zeitplan ducheinander brachten.
Doch nun ist alles in „Sack-und-Tüten“.
Mein Plan, zu meinem Geburtstag, den Tag mit dem Heiligen Meinrad zu verbringen / zu beginnen, hat geklappt. Runde Sache!
Wissende wissen, das mein Geburtstag nicht heute ist, aber es war der Plan am 21zigsten einzuradeln und dann am Jubeltag des Herren, auf Plausch mit dem Heiligen Meini, den lebenden Meini ein Jahr reifer werden zu lassen.
Und, ganz ehrlich, um zu testen, ob die alten Knochen, diese Strapazen noch aushalten. Zugegebenermaßen an die Pobacken hatte ich nicht gedacht.
Die Knochen und das Herz und die Bänder, die Sehnen, alles tip-top. Muskulatur stimmt.
Pobacken? Schau‘n m‘ mal!
Der eigentliche MeinRadweg ist abgeschlossen. Morgen früh geht‘s in drei Etappen zurück in die Heimat. Es steht mit rd. 77 Kilometer die längste Strecke an. Das dürfte aber kein Problem werden, da es -wie mit der Tageslänge- bergab geht. Der Weg führt mich bis kurz hinter Zürich. Übermorgen dann an den Schluchsee. Und am Mittwoch -wenn alle guten Geister mir gewogen sind- erfolgt die Abschlußfahrt ins schöne Föhrental.
Wünsche alle eine angenehme Sommersonnwende!Read more




































































































































































































zebraPunktWas für eine Story...! 🙆🏻♂️ 👍🏽
Ich find dich einfach nur cool ....Meinrd [Ulla]
Traveler… ich bin begeistert! Kreativität ohne Grenzen.