• Tag5: Der Domino-Verdun-Hirsch-Tag

    September 8 in France ⋅ ☀️ 20 °C

    21 Uhr! Ruhe! Nur in der Entfernung Geschirrklappern und Gesprächsfetzten. Wir sitzen vor Claus‘ Penthouse auf einer Holzterrasse mit den Maßen von ca. 2 x 2 m. Claus zu meiner Linken und Nina zu meiner Rechten. Es herrscht Ruhe auf dem Balkon. Die einzigen, die Krach machen sind meine Finger, die über die Tastatur huschen. Nina und Claus sind in das vertieft was man die moderne Kommunikation unter Menschen des 21.Jahrhunderts nennt: Handy glotzen.
    Das ist kein Vorwurf meinerseits, denn wenn ich nicht tippen würde, würde ich das Handy-Glotzen-Duo zu einem Handy-Glotzen-Trio erweitern.
    Noch ist‘s aber nicht soweit. Erst müssen die Fingerlein bewegt und die heutigen Eindrücke digitalisiert werden.
    Los ging‘s heute morgen um 8.30 vor dem Carrefour Supermarkt mit der Tagesaufgabe die gleichzeitig Sonderaufgabe war. Zur Erläuterung: Wir haben pro Tag zwei Tagesmissionen (Roadmissions), eine Tagesaufgabe (Daily Task) und Sonderaufgaben (Special Tasks), welche sich über den gesamten Rallyezeitraum erstrecken. Für jede erfüllt Aufgabe erhält das Team Punkte. Wer am Ende der Rallye die meisten Punkte hat, gewinnt die European 5000.
    Heute gab es besonders viele Punkte zu gewinnen, denn es war „Domino“Tag.
    Mit der Überreichung des Roadbooks erhielten wir auch verschiedene Utensilien, welche wir nicht näher zuordnen konnten. Eines der Dinge war ein großer hölzerner Dominostein. Heute nun, sollten sich so viele Teams als möglich zur „Continental Chain Reaction“ treffen. Wichtigstes Bestandteil dieser Chain Reaction waren die Dominosteine. Alle Dominosteine mussten aufrecht hintereinander gestellt werden. Der erste wurde angetippt und mit dem berühmten, von Hieronymus dem Staubigen erfunden, Dominoeffekt, fielen alle andere Steine nacheinander um. Tolle Idee! So entsteht positive Gruppendynamik.
    So fanden sich heute morgen 22 Teams am Carrefour ein. Wenige Minuten nach 8.30 Uhr begaben sich 22 Dominosteine von der Vertikalen in die Horizontale. „Klack-klack-klack“ und schon war die Sonderaufgabe Continental Chain Reaction erfüllt.
    So kann der Tag starten!
    Nach der Reaction der Steine war Action der Teams angesagt. Motor an und auf ging die Fahrt in Richtung Colle de Bonnet, dem höchsten durchgehend geteerten Pass in den Alpen. Wie immer kurvig. Wie immer steil. Dieses mal allerdings weniger eng. Da Wochentag (Dienstag) war, auch viel weniger Rad- und Motorradfahrer. Auch Wohnmobilisten legten heute anscheinend eine Pause ein.
    Nach dem Bonnet mit seinen 2.800 m ging‘s wieder in die Niederungen der französichen Alpen mit Richtung zum Grand Canyon von Frankreich. Spektakulär und in der Saison total überlaufen: Gorge de Verdun. Die Verdun Schlucht. Tolle, tolle Landschaft. Atemberaubend.
    Zum Lohn der bisherigen Mühsal, sozusagen als Goody für Claus und Nina, übernachten wir auf einem Campingplatz. Das ist an-und-für-sich nichts besonders, das Besondere ist, dass wir das erste Mal seit drei Nächten getrennt voneinander schlafen. Jeder in seinem eigenen Schlafgemach. Claus in seinem hölzernen Penthaus. Nina ist noch unentschlossen, ob sie unterm Sternenzelt, im Fiat oder als Untermieterin im Penthouse unterkommt. Der Tipper dieser Zeilen wird heute Premiere feiern! Zum aller, aller, aller ersten Mal im neuen Dachzelt mit neuer Matratze. Welch aufregende Nacht!
    Da sich mit leerem Magen schlecht schnarchen lässt, wurde heute nochmals eine Premiere gefeiert. Zum aller, aller, aller ersten Mal wurde auf dem Induktionsfeld im Dicken gekocht. Anlässlich dieses erhabenen Ereignisses, gab‘s was ganz besonderes. Für die Männer: Nudeln mit Hirschgulasch und für Nina (Vegetarierin) Nudeln mit Tomaten-Pilzsauce.
    Ich muss sagen, s‘ hat alles geklappt. Technisch top und kulinarisch mmmhhh.
    So top und mmmmhhh, dass die beteiligen Personen sich dem Handy Glotzen hingeben und alles-in-allem einen zufriedenen Eindruck machen.

    Und ich, ich schließe diese Zeilen mit einem „Gute Nacht“ in die weite, weite Welt.

    Fußnote: Ich hab‘ wenig über den Gemütszustand im Bereich der Störungsmeldungen des Dicken geschrieben. Also ich weis ja nicht, aber Dicke scheint Selbstheilungskräfte zu haben. Am Sonntag noch fünf Störungsmeldungen. Alle mit dem Tenor „Werkstatt aufsuchen“. Heute? Vielleicht eine oder auch mal eine zweite. Und immer, wenn der Motor abgestellt und wieder eingeschaltet wurde: 0!
    Ein Wunder!!!
    Vielleicht sollte ich beim Vatikan um die Heiligsprechung ersuchen bei all der Wundertätigkeit? 🤔
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