• Alles entspannt hier...Was machen wir zu Hause?

    June 30 in Indonesia ⋅ ⛅ 28 °C

    Wir genießen das Hotelleben mit etwas Arbeitsvorbereitung für D.
    Zum Restaurantfrühstück und Abendessen haben wir es Luftlinie 30 m. Zum Pool sind es 10 m. Hält man aus.

    Gerade habe ich Zeit, denn der angemietete Motorroller .....ist nicht bereit. Alles entspannt.
    So auch die 5 Arbeitenden, die die Pooleinfassung verputzen (10 m x 35 cm = rechnerisch 3,5 m²), 2 h mit 5 Leuten ( davon wohl 2 Lehrlinge). 3,5 Personen von 5 gucken -> alles entspannt. Ich frage mich, wie die Hotelanlage entstehen konnte. Aber irgendwie ging es wohl. Das Geheimnis und die Triebfeder sind wohl die Freundlichkeit. Das kann man den Leuten hier wirklich nicht absprechen. Sie strahlen übers ganze Gesicht und nicken, auch wenn sie nichts verstanden haben. D a s ist verblüffend anders. So ist hier die Welt möglicherweise in Ordnung. Wir konnten es bisher nicht ergründen.
    Was könnte den Leuten hier wichtiger sein?

    Ich sehe gerade, der "Altgeselle" bringt gerade ein Knäuel. Das wird die Richtschnur für die obere Begrenzung der Ziegelmauer. Das Entwirren wird halt bissel dauern, bis Mittag, das sind noch 20 min. Die anderen wursteln weiter. Der mit dem weißen Shirt hat noch nix angefasst. Aber irgendwas wird. Was wäre wenn w i r hier Ausbilder oder so was sein sollten? Vielleicht würden wir nach 3 Tagen rausfliegen.

    30. Juni heute, ja- nee, oder? Das wollten wir gar nicht so schnell.... und wir wollen doch nicht unbedingt in gut 3 Wochen nach Hause.
    Das liegt wohl u. a. daran, dass wir immernoch miteinander reden (können) :) :)
    Den Stress und Aktivismus etwas innerhalb von 3 Wochen "abarbeiten" zu müssen haben wir auch nicht (Das ist ein Segen). Dann ist auch das Rollerproblem keines. Dann wird es eben anders. Früher hätten wir die Ereignisse bissiger oder ironischer kommentiert, glaube ich.
    Apropos Freundlichkeit, (im Urlaub ist ja immer alles easy und der Mensch von Natur aus freundlich und neugierig) auch für Touristen die nach Deutschland kommen sind die Deutschen freundlich, wie wir uns sagen lassen haben. Na klar.
    Wir werden es in Deutschland beim Flughafen- oder Behördenpersonal bemerken. Freundlich einladendes Nicken und helfende Hände beim Ticketziehen. Ich sehe es quasi vor mir und denke auch schon an die Zulassungsstelle :)

    Werden wir zu Haus gelassen bleiben (können)? Oder dies sein, wenn wir die Zeitung lesen und wieder näher an Allem dran sind?

    So komme ich gedanklich wieder zu den Werten einer Gesellschaft. Wo wollen wir hin? Ist denn der getriebene Material-Konsum-Turbo-Kapitalismus das richtige Modell? Was könnte anders, im Sinne von besser (für die gesamte Gesellschaft) sein? Was kann/ könnte jeder, was können wir beitragen? Was ist wichtig? Wie s c h n e l l muß man tatsächlich sein.... auf Kosten von ..... was? Was macht das Lebensgefühl in einer Region aus?

    Wahrscheinlich können Außenstehende besser einschätzen, was/ob nach einem Jahr Abwesenheit für uns anders ist.
    Was uns fehlen wird, kann ich schon benennen:
    1. Blick von Außen auf viele Dinge und Themen,
    2. Weite, von mir aus auch Kontemplation, Kopf aus, oder wie auch immer man das benennt (hoffentlich verlernen wir das nicht so schnell wieder :) )
    3. Sommer
    4. Immer wieder Neuigkeiten sehen
    5. Unkompliziertheit in vielen Abläufen
    6. das Grün für 5 Monate (Nov. - März)
    7. Nur dann arbeiten, wenn Lust und Atmosphäre dafür wie geschaffen sind

    Was ist im Ausland anders, was ist unweigerlich festzustellen:
    - man ist v i e l mehr für sich und seine Sicherheit verantwortlich
    - die Leute sind (vorsichtig ausgedrückt) nicht weniger rücksichtsvoll oder aufmerksam als zu Hause (sei es auch zum Selbstschutz). Auch wenn es nicht immer so aussieht. Spricht man Leute an sind sie grundsätzlich offen und freundlich (Vietnam spielt für mich ausnahmsweise in einer anderen Liga)
    - es fühlt sich in Summe nirgends besonders kriminell an
    - sicherer ist es in Japan, Singapore und Skandinavien. Wäre gut für eine Gesellschaft nach den Ursachen zu suchen, wenn sie es sicherer haben möchte.
    - Soziales wird woanders über Effizienz gestellt
    - man wird nicht ohne weiteres durch das Essen krank.
    - Absprachen funktionieren i.d. R. v i e l besser als man vermutet (und wenn nicht, wird zügig improvisiert.)
    - die Jugendlichen sind in vielen Ländern körperlich viel fitter.
    - die größten Hindernisse für eine Nationen sind als erstes die Korruption. Gerade in Indonesien muss die Korruption groß sein, gleich gepaart mit Staatsschutz durch die Polizei gegen die Bevölkerung. Deswegen gibts das Benzin nicht an der Tankstelle, sondern in Flaschen auf der Strasse.
    Ein schlechtes Bildungssystem ist das Zweite. Schlechte Infrastruktur als Rückgrat ist der dritte Pfeiler.
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