• Dades Sch. - Anti Atlas: Teezeremonie

    March 9, 2024 in Morocco ⋅ 🌬 20 °C

    Atlasglühen am Morgen. Wir fahren ohne Frühstück los und wollen uns dafür in der Oasenstadt Boumalne Dades etwas mehr Zeit in einem Café nehmen. Zunächst müssen wir uns dazu weiter entlang der Touristraße schlagen. Da wir es noch nicht allzu spät ist, hält sich die Anzahl an Wohnwagen, Motorräder und Reisebussen noch halbwegs in Grenzen, dennoch deuten prunkvolle Häuser und Hotels am Straßenrand auf die spätere Tourisaison hin.

    Als wir in die Stadt hinein fahren, treffen wir noch einen alleinreisenden Franzosen, von dem ich mir ein paar Reisetipps geben lasse. Im Anschluss suchen wir das nächste, uns ansprechende Café auf und frühstücken mit einer Portion Meloui, Kaffee und Tee. Wir genießen die Zeit, hier einfach mal in Ruhe zu sitzen und das geschäftige Treiben auf der Straße vor uns zu beobachten. Dann ist Einkaufen angesagt. Wir decken uns mit Vorräten ein. Heute, morgen und ggf. übermorgen werden wir durch eine wüste und dünn besiedelte Gegend fahren. Die nächsten gut 30 km sind dann zunächst auch ganz schön knackig. Zwar ist die Straße asphaltiert, doch der Wind fordert uns heraus. Irgendwann ist der Abschnitt jedoch geschafft und wir biegen nach Süden in die hügelliege, steinige Gegend ab. Der Weg ist hier deutlich anspruchsvoller und wird immer steiniger. Dafür ist die Landschaft wunderschön und einsam. Wie aus dem Nichts taucht in einem sonst leer erscheinenden Flussbett plötzlich eine Oase auf. Ein Glück, dass Christoph hier Probleme mit seinem Lowrider bekommt, da kann die Zeit zum Erkunden genutzt werden;-)

    In der Oase ist es windig, grün und auf den ersten Blick ist kein Wasser zu sehen. Beim genauen Hinschauen und Durchstreifen der Umgebung finde ich allerdings eine kleine Pfütze, in der sogar Frösche und Mini-Fische leben, einfach unglaublich. Ich frage mich, wie lange die paar Tropfen Wasser hier wohl noch ausreichen. Ist der Grundwasserspiegel hier so niedrig und wird die Pfütze von unten mit Wasser gespeist? Ein paar Meter weiter schaut es zumindest so aus. Kleine, in den Sand gegrabene Mulden sind teils mit Wasser, teils mit feuchtem Sand gefüllt. Ich bin fasziniert. Der Gepäckträger von Christoph ist inzwischen repariert, es geht weiter.Unser eigentliches selbst gestecktes Ziel erreichen wir heute aufgrund der Straßenverhältnisse und Hügel leider nicht mehr. Wir beginnen nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau zu halten. Am Wegesrand stolpern wir über einen Wasserkanister mit zwei Bechern. Weiter unten in der Nähe eines Flussbettes sehen wir ein nahezu quadratisch gebautes Lehmhaus, aus dessen Innenhof ein Olivenbaum ragt. Wer hier Wasser bereitstellt, wird bestimmt freundlich sein. Wir steigen zum Häuschen hinab und fragen mit Händen, Füßen und einer schlechten Übersetzungsapp eine junge Frau, ob wir hier unser Zelt aufbauen dürfen. Dies wird uns freundlich gestattet, bis später Mutter und Vater der jungen Frau zurückkommen, letzterer auf einem Esel geritten, einem fehlenden Fuß und mit auffällig markanten, ernsten und Bestimmung ausdrückenden Gesichtszügen. Wir haben unsere Zelte bereits aufgebaut und sind bereits am Kochen. Mbark, so heißt der Mann, telefoniert und steht bei unseren Zelten. Mit Gesten und dem Hin und Her reichen des Telefons, auf dessen anderer Seite seine Nichte mit ein paar Worten Englisch spricht, wird uns zu verstehen gegeben, dass wir doch drinnen essen und schlafen sollen. Widerrede ist zwecklos und wir sagen zumindest zu, unser Essen im Haus einzunehmen. Es folgt eine Teezeremonie:
    Zunächst waschen wir uns dazu die Hände unter einer blauen Kuststoffkanne aus der Mbark lauwarmes Wasser gießt. Eine ebenso blaue Kunststoffschüssel fängt jenes wieder auf. Die Frau des Hauses serviert schließlich kleine Waffeln und bringt den Tee herein, steht ansonsten aber nur am Rande des Geschehens - scheinbar ein sehr konservatives Rollenverständnis. Die Tochter hingegen sitzt mit am Tisch, während Mbark den Tee im hohen Bogen ins erste Glas schüttet, kostet, das Glas weiter füllt und wieder zurück in die Teekanne kippt. Diese Prozedur wird einige Male wiederholt, bevor an uns alle ausgeschenkt wird. Wir beobachten in Stille.
    Die Kommunikation im Anschluss läuft leider etwas umständlich, aber halbwegs funktionierend mit Gesten, Übersetzungsapp und dem Hin- und Hergereiche des Telefons, aus dem die Nichte spricht. Am Ende können wir die Gastfreundschaft nicht 'abwimmeln' und werden überredet, drinnen zu übernachten - etwas umständlich, da wir nun wieder die Zelte abbauen und alles einpacken müssen;)

    Die Gastfreundschaft der doch sehr armen Familie ist unglaublich, eigentlich gibt es hier nicht viel, wie uns mitgeteilt wird, nicht einmal eine Toilette. Die Notdurft wird draußen verrichtet. Der Weg bis zum nächsten Dorf ist ewig weit, wie wir morgen feststellen werden, und die Gegend karg, wie wir auf unserem Weg bereits gesehen haben. Bestünde die Sprachbarriere nicht, würden wir vermutlich lauter Fragen stellen, wie es hier möglich ist, Felder zu bestellen, die Ziegenherde zu versorgen oder überhaupt ausreichend Wasser zu bekommen und welche Wege dafür zurückgelegt werden müssen.

    Ein schöner und spannender Abend, der leider nur dadurch etwas getrübt wurde, dass ich Christoph den ersten Platz im 'ich hab, was nicht vertragen' Wettbewerb streitig machen will. Eine ganze Weile versuche ich mich zusammenzureißen und bin dann froh, als die Gespräche enden und ich mich nach draußen verdünnisieren kann. Verdünnisiert sind dann auch andere Dinge. Mein Magen ist der Ansicht, alles muss raus und nutzt dafür alle vorgesehen Öffnungen. Die Nacht ist dann halbwegs OK, nur einmal muss ich aufstehen und in die Dunkelheit irren, war scheinbar noch nicht alles draußen ... voll der Scheiß und echt zum Kotzen, ich dachte, mein Magen kann was ab! Woran hat's jelegen frage ich mich? Die Meloui? Wir haben alle dasselbe gegessen, da fragt man sich schon worans jelegen hat. Woran hat's jelegen? Ich sach ma so am Ende fragt man sich immer woran's jelegen hat. Isso.
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