• Via de la Plata II

    27. april 2024, Spanien ⋅ ⛅ 15 °C

    Das erste Mal werde ich bereits gegen fünf Uhr wach, als die ersten PilgerInnen aufbrechen. Was zur Hölle? Es ist dunkel und kalt draußen. Ich starte erst ein paar Stunden später, als bereits alle die Herberge verlassen haben, da sind die Temperaturen auch viel geeigneter zum Radfahren.

    Die heutige Etappe steht der Gestrigen in Sachen Landschaft und Wegführung in nichts nach. Sie ist geprägt von Pferde- und Schafswiesen und vielen (teils sehr steilen) Hügeln, die teils leicht bewaldet oder mit Wiesen überzogen sind. Hier und da findet sich ein kleiner Teich. Auch wenn alles landwirtschaftlich genutzt wird (Tiere oder Zäune sind fast überall zu sehen), wirkt es natürlich, schön und zeichnet ein stimmiges Bild. In diesem ersten Abschnitt zwischen Almadén de la Plata und El Real de la Jara komme ich langsam voran und muss teilweise absteigen und steile Hügel hinauf oder hinunter zu schieben. Natürlich hätte ich auch stärker auf die Alternativroute für Radler ausweichen können, aber das wäre ja langweilig.

    Abschnitt zwei und drei rollen dann wieder flüssiger. Im Laufe des Tages hole ich einige der PilgerInnen aus der Herberge wieder ein. So sieht man sich immer zweimal, abends oder morgens in der Herberge und im Laufe des Tages. Das ist eigentlich ganz interessant am Pilgern mit dem Fahrrad, da man viele interessante Leute mit spannenden Geschichten trifft - gleichzeitig ist es sicherlich beim Pilgern zu Fuß schön, über einen längeren Zeitraum mit denselben Menschen unterwegs zu sein und mitzubekommen, wie sie den Jakobsweg erfahren und welchen Wandel es gibt.
    Eine interessante Begegnung war Amelie, die ich beim Mittagseinkauf im Supermarkt wieder traf. Sie ist Seefrau und damit eigentlich immer unterwegs und mit Leuten verschiedenster Nationen in Kontakt. Ein spannendes und aufregendes Lebens und gleichzeitig in gewisser weise auch eintönig, hat und mit wenig Privatsphäre, wenn man Wochen ode Monate auf einem Schiff unterwegs ist.

    Ich komme heute wieder fast ohne Handy(karten) aus (nur Übersetzungsapp und Reiseführerinfos zur Route). Allerdings gestaltet sich die Herbergssuche ohne Karte und stattdessen durch fragen, nicht verstehen, wieder fragen deutlich aufwendiger, zumal für die Herberge in Calzadilla de los Barros eine Nummer (zum Check-in) anzurufen ist. Mit wird erstmal bewusst wie viel Zeitersparnis (und gleichzeitig 'Kontaktersparnis' zu Einheimischen etc.) so ein Handy mit sich bringt, wie es viele Dinge erleichtert und wie wir die gewonnene Zeit direkt wieder mit irgendwelchen Apps verschwenden.

    In der Herberge treffe ich einen Deutschen (Namen vergessen) und Aga aus Polen. Wir alle wollen eigentlich noch etwas einkaufen. Weil die Öffnungszeiten, des Dorfladens, aber stündlich neu gewürfelt werden, gestaltet sich das etwas schwierig. So überbrücken wir die Zeit bei einem Bier in der Bar und springen auf, als wir erfahren, dass der Laden nun für eine halbe Stunde geöffnet hat.
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