Via de la Plata IV
29. april 2024, Spanien ⋅ ⛅ 20 °C
Da ich heute gezeltet habe, wache ich bei Sonnenaufgang auf. Das Frühstück gibt es direkt im Zelt. Dann mache ich mich auf nach Mérida, einer alten Römerstadt mit vielen beeindruckenden und gut erhaltenen Bauwerken: eine Römerbrücke, ein sehr großes Viadukt, ein Theater und ein Amphitheater.
Die letzten beiden kosten etwas mehr Eintritt und ich schaue sie mir nicht an. Verpasse ich etwas? Muss ich mir alles anschauen? Ja und nein! Man verpasst immer etwas bei (so einer langen) Reise. Wenn ich nach links abbiege, sehe ich nicht, was auf dem rechten Weg passiert, wenn ich Stadt A in die Route einbaue, sehe ich Stadt B nicht. Doch es nützt nichts, zu grübeln, welcher Weg der bessere ist, welches Museum man sich anschauen soll usw. Auf allen Wegen gibt es etwas zu entdecken, eine Begegnung, etwas zu lernen, ein Abenteuer - ganz egal, wie man sich entscheidet. Basierend auf dieser Erkenntnis ist es einfacher, sich nicht zwanghaft alles anschauen zu wollen und es einfach entspannt anzugehen. So genießt man die einzelnen Sehenswürdigkeiten und Momente mehr – anders geht es eigentlich auch nicht, da es immer (unendlich) mehr zu sehen gäbe. Eigentlich ist es wie ein endloses Buffet mit den verschiedensten, leckeren und exotischsten Speisen. Auch hier kann man nicht alles probieren, irgendwann ist man voll, es schmeckt nicht mehr, man hat sich den Teller zu voll geladen und überfressen. Deswegen nimmt man nur kleine Portionen, probiert nur manche Dinge und freut sich, dass man beim nächsten Mal noch Neues probieren kann – es bleibt etwas Besonderes und wird keine Fressorgie.
Handygedanken:
In der Stadt zeigt sich wieder, was einem das Handy alles abnimmt und wo es Erleichterungen schafft: Anderen RadfahrerInnen kann ich Orte direkt auf der Karte zeigen, Recherchen zu Orten und Sehenswürdigkeiten sind schnell erledigt bzw. finden sich Infos im Online-Camino-Reiseführer und den Weg aus der Stadt würde man auch schnell mit dem Handy finden. Wenn man versucht, das Handy in der Tasche zu lassen, wird einem dies erst einmal wieder bewusst. Gleichzeitig stoppt allerdings die Nachrichtenflut, ich bin weniger abgelenkt und habe mehr Zeit, Augen und Ohren für das Hier und Jetzt.
Der Weg aus der Stadt ist dann doch wieder schnell gefunden und führt nach einigen Kilometern an den Römerstausee von Proserpina. Von hier wurde Mérida mit Wasser versorgt. Es scheint auch ein schöner Ort für ruhige Freizeitaktivitäten zu sein, allerdings sind (noch?) alle Bars geschlossen und bis auf ein paar Camper ist hier nichts los. Ich mache hier Pause, springe in den See, esse etwas und lese ein bisschen – es ist wundervoll ruhig und quasi einsam hier. Das setzt sich auch beim Weiterfahren fort. Hinzu kommt wunderschöne Natur, sodass ich meinen bisherigen Plan, in einem spendenbasierten Kloster in Alcuéscar zu übernachten, verwerfe. Stattdessen halte ich 10 km vorher in einem bilderbuchreifen Tal mir einer Ausdehnung von vielleicht 500 oder 1000 m. Es ist von grünen Hügeln eingeschlossen, besitzt saftige, mit Bäumen und Sträuchern gesprenkelte Blumenwiesen und durch die Mitte fließt ein kleiner Bach. Letzterer sorgt für ein paar feuchte Moorbereiche in denen Gräser und Blumen wachsen.
Das Wetter ist gut und ich beschließe, auf einem Hügel unter freiem Himmel zu übernachten, koche und genieße den Sonnenuntergang. Die Strecke heute war sicherlich eine der schönsten.Læs mere











Rejsende
Hattest Du keine Angst vor den Schlangen?
RejsendeSolange ich nicht den Schlafsack mit ihnen teilen muss nicht;)
RejsendeWunderschöne Landschaften! 😍
Rejsende
Oh wow! 😍