• Via de la Plata V

    30. april 2024, Spanien ⋅ ☁️ 15 °C

    Kurz vor fünf Uhr wache ich das erste Mal auf und fotografiere den Mond und Nachthimmel im Halbschlaf. Das nächste Mal werde ich zwischen sechs und sieben Uhr wach. Es ist immer noch dunkel, die letzte Stadt einige Kilometer entfernt und trotzdem sehe ich unten im Tal bereits eine Stirnlampe pilgern – die Frühaufsteher. Ich schlafe noch weiter, bis dir Sonne wirklich aufgegangen ist, aus dem Schlafsack kriecht es sich trotzdem schwer.
    Die ersten Kilometer sind holprig und das Wetter frisch und bewölkt. Im Konvent in Alcuéscar hole ich mir meinen Stempel ab und mache Frühstückspause.

    Der Abschnitt heute ist wieder sehr schön grün und blumig und lässt mich einige Mittelalter- und Römerbrücken passieren. Verwitterte Meilensteine zeugen von der alten Römerstraße. Unterwegs treffe ich eine 70-jährige Deutsch-Kanadierin – man ist scheinbar nie zu alt zum Reisen. Als ich mich nach einem kurzen Gespräch verabschiede, wechselt der Hund, der ihr schon seit Kilometern folgt, den Besitzer. Nun habe ich also einen Hund als Haustier. Nach einigen Kilometern wird mir sein Hin- und Hergehopse aber etwas zu gefährlich. Ich fahre etwas schneller, sodass er nicht mehr hinterherkommt und im Rückspiegel verschwindet – das fühlt sich gemein an, aber was soll ich mit einem Hund?

    Am Nachmittag fängt es an zu regnen. Ich passiere ein altes Flugfeld mit vielen Hangars und lege eine Regenpause zum Erkunden ein. Die Tür zu einer ehemaligen Bar steht offen, die Einrichtung ist noch vorhanden, als wäre hier vor einer Woche noch Betrieb gewesen. Ein intakter, nicht zerstörter Lost Place.
    Schließlich kann ich mich wieder losreißen und lege die letzten Kilometer bis Valdesalor zurück. Dort gibt es eine 3-Euro-Herberge, in der ich den letzten Platz ergattere.
    Etwas später kommen erst die Siebzigjährige und dann noch zwei PilgerInnen an. Ein Glück, dass es noch ein sehr langes Sofa und meine Isomatte gibt. In der Herberge ist nun richtig was los. Eine Pilgergruppe, die mal wieder überwiegend aus Deutschen besteht, startet ein größeres Kochvorhaben, zu dem ich auch noch eingeladen werde.
    Meine Gewürzvorräte können den Abend etwas pikanter machen und tragen aufgrund ihrer Variation und Menge zur allgemeinen Belustigung bei. Mit am Esstisch sitzen lustigerweise Maria und Josef. Das passt ja zum Jakobsweg!
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