• Bilbao - Guernica: Caféhopping

    June 19, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 17 °C

    Heute trinke ich einfach nur Kaffee, ich erwarte noch das Paket und muss dementsprechend Zeit überbrücken. Von Lezama fahre ich daher zunächst eine andere Strecke zurück nach Bilbao und lege auf der Hälfte meinen ersten Cafés-Stopp ein. Eine klassische Bar, an der die Einheimischen aus und ein gehen, Zeitung lesen, Nachrichten schauen, Kreuzworträtsel lösen und den einen oder anderen Pincho essen.
    Als Nächstes suche ich das Café im Maritim Museum auf. Da der Eintritt gestern kostenlos war und man auch nichts spenden konnte, trinke ich einfach einen Kaffee – kurioserweise verlasse ich das Café mit gut 20 Euro mehr und habe zudem noch einen Pincho ausgegeben bekommen (Erklärung unter [1]).
    Für Kaffee Nummer drei fahre ich in die Altstadt, wo auch mein Paket ankommen soll. Interessanterweise läuft in Bilbao viel Popmusik-Klassiker und weniger spanische Musik. Ob das an der gewissen Abneigung gegenüber Spanien oder den vielen Engländern liegt, die hier Urlaub machen, bleibt ungeklärt.

    Als ich die drei Kaffees hinter mir habe und auch ein paar FindPeguins geschrieben habe, ist mein Paket endlich angekommen – ich kann weiterradeln. Nächste Station: Guernica, die Stadt, die 1937 im Auftrag Francos von Nazi-Deutschland und italienischen Fliegern dem Erdboden gleichgemacht wurde. Es ist etwas komisch, hierherzufahren, zumal ich eingeladen wurde. Ich komme bei Etore unter, den ich auf dem Jakobsweg kennengelernt habe, und bekomme noch eine kleine Stadtführung. Im Anschluss gibt es Essen, und nach einem kurzen Mario-Kart-Duell, das ich haushoch verliere, heißt es: Gute Nacht.

    [1] Wie hat sich das zugetragen?
    Als ich gerade aufbrechen will, spricht mich ein Amerikaner auf mein schwer bepacktes Fahrrad an. Er sagt, er hätte mich beobachtet und fragt, ob ich noch ein Pincho möchte. Ich denke mir nichts dabei (bzw. nur, dass er an meiner Reise interessiert ist) und nehme die Einladung an. Als er dann selbst gar nichts mehr bestellt und mir das Wechselgeld überlassen will, kann ich dies gerade noch abwimmeln und bin bereits etwas verdutzt. Wir unterhalten uns kurz, als er plötzlich zusammen mit seiner Begleiterin aufbricht und mir 20 Euro in die Hand drückt. Nun bin ich wirklich verwirrt und versuche wieder abzulehnen. Doch da ich zwischen Wand und Tisch sitze, sind die beiden schon aus der Tür verschwunden. Ich fühle mich etwas unwohl. Sehe ich mit meinem vollbepackten Rad bemitleidenswert aus? So, als hätte ich Geld nötig? Mir kommen Amerika-Stereotype in den Kopf: Der reiche Amerikaner, der Geld verteilt? Sollte man sich überhaupt eine solche Frage stellen? Oder einfach akzeptieren, sich freuen, dass jemand – aus welchen Gründen auch immer – einen unterstützt? Am Ende kann ich das Geld ja auch weitergeben, spenden oder was auch immer damit tun. Also, warum sollte man es nicht annehmen und sich einfach darüber freuen?
    Ich esse auf und fahre den beiden hinterher, um mich zumindest noch einmal zu bedanken. Dann gibt es auch noch eine kurze Erklärung: Er habe mich als Reisenden und Abenteurer wahrgenommen, es hätte ihn an seine Jugend erinnert und er fand gut, was ich mache. Ein Foto, ein Mailaustausch. Die Situation fühlt sich nun besser an.
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