Spanien - Frankreich: tierreich
June 24, 2024 in France ⋅ 🌙 15 °C
Heute Nacht hat es tierisch geklappert. Ich dachte zunächst an einen Waschbären, der draußen in den Müll durchwühlt. Am Morgen waren die Spuren allerdings eindeutig: Mäuse hatten bei mir etwas Brot angefressen und feinsäuberlich ein rundes Loch in ein leeres Tomatensaucen-Tetrapak geknabbert. Die anderen hatten weniger Glück – ein Großteil ihrer Vorräte war angefressen und landete in der Mülltüte. Also Obacht in Pyrenäen-Hütten!
Von der Hütte bis zum Pass nach Frankreich waren es nur wenige Kilometer. Zu meiner großen Freude schien hier oben plötzlich die Sonne. Das war allerdings nicht die einzige Veränderung: Hinter gefühlt jedem Berg tauchte nun eine Fromagerie auf (in der ersten deckte ich mich direkt mit Käse ein), der Kaffee kostete plötzlich doppelt so viel und in den kleinen Dörfern gab es plötzlich keine Läden mehr, nicht einmal eine Boulangerie. Nun hatte ich zwar ein halbes Kilo Käse, aber kein Brot – super Ausgangsbedingungen für die Pässe, die heute anstanden.
Mit viel Fluchen kurbelte ich mich diese ganz langsam hoch. Neben weiten Bergketten, Schafen, Ziegen und Kühen gab es auch jede Menge Raubvögel zu sehen. Ob das wohl Rudeltiere sind? Tatsächlich ja, Gänsegeier leben laut Wikipedia in Kolonien und schwärmen einzeln aus, um nach Beute/Aas zu suchen. Dies schien auch erfolgreich geklappt zu haben, da die ganzen Geier immer wieder an einer Stelle landeten und sich mit lautem Gezeter um ein verendetes Tier stritten. Ein Fernglas oder eine richtig gute Kamera wäre hier mal wieder praktisch gewesen.
Zum Übernachten steuere ich wieder eine Berghütte an. Sie stellt sich als etwas älter heraus und zeigt Spuren früherer Nutzung. Alte Gaskartuschen, leere Konservendosen, ein altes Zelt, eine alte Luftmatratze, ein Kartenspiel und noch einiges an Kleinkram. Die Hütte erinnert eher an ein Basecamp oder eine Schutzhütte in entlegenster Gegend, hoch in irgendwelchen Bergen. Dabei sind es hier nur gut 1000 m und keine 2 km weiter stehen etliche Ferienwohnungen. Vermutlich zeugt sie von vergangenen Zeiten, in denen hier wirklich nichts los war.
War ich am Abend bis auf ein paar Spinnen noch allein gewesen, so höre ich in der Nacht wieder Gesellschaft. Das Geräusch kommt mir aus der letzten Hütte bekannt vor. Um meine Vorräte zu sichern, spende ich der Maus eine Müsli- und Nuss-Opfergabe und erhalte dafür sogar noch ein paar Fotos.Read more








