Nicht meine Welt; Bilanz Frankreich
28. juli 2024, Italien ⋅ ☀️ 28 °C
La Souche - Irgendwo zwischen Monaco und Italien
Nach einer ruhigen, zeltfreien Nacht und erstem Frühstück geht es zunächst nach La Bastide. Dort decke ich mich mit frischem Brot und Käse vom Markt ein und verputze direkt eine weitere Leckerei (irgendein Kuchen mit Cremefüllung). Im Anschluss geht es durch eine steppenartige Berglandschaft. Erste Teslas und andere teure Autos deuten bereits darauf hin, dass man sich der Küste der Reichen nähert.
Etliche Kilometer vor der Küste sind die Berge schon deutlich stärker besiedelt. Campen würde bereits hier, aber auch an der Küste schwierig werden. Campingplätze sind natürlich ungemein teuer und ich stelle mich bereits auf eine lange Fahrt ein.
Eine erste, sehr schöne Abfahrt durch die Gorges du Loup führt mich an den Wasserfällen Saut du Loup vorbei. Nach ein paar weiteren Kilometern mit teilweise gutem Radweg komme ich in Vence an, einer kleinen, sehr touristischen, aber schönen Stadt.
In Nizza angekommen, werden die Touristenmassen, die ich bisher gesehen habe, nochmal bei Weitem übertroffen. Straßen, Restaurants und Strände sind gut gefüllt. Sympathisch ist mir das Ganze hier allerdings nicht. Die Privatjets am Flughafen, immer mehr und teurere Autos und vollgeschminkte Gesichter zeigen doch ein spezielles Klientel, das sich hier – unter anderem – bewegt. Es wirkt anonym und egozentrisch, und je weiter ich nach Monaco komme, desto mehr nimmt dies zu.
Es dämmert bereits, als mich kurz vor Monaco ein Jogger anspricht, so wie man als Radreisender eben häufig angesprochen wird. Woher kommt man? Wohin fährt man? Was macht man? Wo schläft man? Und dann fragt er, wie als würde er jemanden nach der Uhrzeit fragen, ob ich ihm für 100 Bucks einen Blowjob geben würde - kein Scherz. Ich brauche eine Weile, bis ich checke, dass er das wirklich gerade gefragt hat. Doch er wiederholt es, ich habe mich nicht verhört. Was laufen hier bitte für kranke Leute rum? Oder macht das Geld die Leute hier krank?
Mir reicht es hier nun auf jeden Fall. Es ist krass, wie unwohl und auch unsicher man sich plötzlich in einer Gegend fühlen kann, wenn eine solche Frage kommt. Ich beschließe, noch so weit zu fahren, bis die Welt wieder etwas normaler wird und ich eine Gegend erreiche, in der ich mich halbwegs wohlfühle. Dabei durchquere ich noch Monaco, wo der Reichtum in Superjachten, Casinos und Automarken, die ich noch nie zuvor gesehen habe (und vor allem nicht in dieser Menge), gipfelt.
In einer Art Späti besorge ich mir noch einen Energydrink und fahre bis nach Italien weiter. Die Straße hinter der Grenze ist wegen herabfallender Deckenteile eines Tunnels gesperrt, was natürlich kein Problem für ein Fahrrad ist und einen potenziell ruhigen Ort zum Übernachten verspricht.
Es ist bereits fast halb drei, als ich eine Art Ausweichbucht oder einen alten Rastplatz finde und hier für ein paar Stunden mein Zelt aufschlage.
Bilanz Frankreich II (nach Andorra):
Strecke: 956 km
Kürzeste Strecke: 48 km
Längste Strecke: 142 km
Platten: 0
Reisetage (davon Radeltage): 11 (10)
Zelt (davon Campingplatz): 8 (2)
Unter freiem Himmel: 3
Verloren: Wassermelone
Geschenkt bekommen: Cantaloupe-Melone, Honig
Kaputtgegangen/Ersetzt: -
Wetter: Puh, heiß, aber zum Glück gibt es viele öffentliche Trinkwasserquellen
Essen: Baguette, Käse, die Reduziertbox bei Lidl und Super U
Auch das zweite Mal in Frankreich hat mir sehr gut gefallen. Es gibt einfach sehr viele Radfahrende und überhaupt sind die Franzosen und Französinnen – so mein Eindruck – offene, unternehmungslustige und freiheitsliebende Menschen. Die Natur war mit den Pyrenäen, den südlichen Ausläufern des Massif Central und der Provence einzigartig vielfältig und hat mir unglaublich gut gefallen, ganz im Gegenteil zur Côte d’Azur (und Monaco). Noch besser und noch mehr mitnehmen würde ich sicherlich mit ein paar Französischkenntnissen, doch das gilt sicherlich für jedes Land.Læs mere











RejsendeEs käme Dir vermutlich weniger anonym vor, wenn Du dort ebenfalls mit einem Privatjet angekommen wärst. Dann hätten Dich sicher sofort irgendwelche Schickimickis mit Bussi links und Bussi rechts begrüßt :-D Für 100 Bucks? Der Typ ist echt sowas von krank. In Monaco kostet das doch mindestens 300!
RejsendeBerichte doch bitte mal, wie Du es geschafft hast, eine Wassermelone zu verlieren - Ist die bei der Abfahrt weggerollt?
RejsendeWenn ich das wüsste hätte ich sie ja vermutlich wiedergefunden.😅
RejsendeNur dass wir uns richtig verstehen, wir sprechen doch von diesen fußballgroßen, grünen Früchten? Die kann nicht weg sein! Du hast nur nicht richtig hingesehen. Schau' doch noch einmal in sämtliche (Hosen-)Taschen! Vermutlich findest Du sie demnächst wieder, wenn Du ganz etwas anderes suchst, so ist das ja meistens ;-)