• Bundesstraße nach Sarajevo

    23. august 2024, Bosnien-Hercegovina ⋅ ☀️ 32 °C

    Blidinje jezero - Sarajevo

    Ich möchte es heute bis nach Sarajevo schaffen und entscheide mich daher für den direkten Weg. Das macht den Radeltag zur Nahtoderfahrung. Insbesondere von Jablanica auf der M17 den Berg hinauf. Auf einer deutschen Autobahn auf dem Seitenstreifen hätte ich mich vermutlich sicherer gefühlt als hier. Die Autos fahren relativ rücksichtslos, schnell und einen Seitenstreifen gibt es nicht. Statt in die Landschaft zu schauen, schaue ich quasi durchgehend in den Rückspiegel. Gute 40 km geht das so, bis ich in Bradina auf eine kleine Straße ausweichen und Höhenmeter gegen Sicherheit und Ruhe eintauschen kann. Oben am Gipfel angekommen, erfreue ich mich über eine kühle Quelle, an der ich eine erholsame Pause einlege, bevor es an die letzten Kilometer nach Sarajevo geht.

    Auffällig bei diesem Abenteuer waren übrigens die vielen Restaurants am Straßenrand, an denen Lamm (Jagnjetina) am Spieß mit überdimensionalen betonmischerartigen Drehrädern rotierte (vielleicht kann ich irgendwo noch einmal ein Foto schießen). Und Tanklaster waren hier etliche unterwegs, als würden in ganz Sarajevo heute die Autos befüllt.

    Bereits in Sarajevo angekommen, sehe ich in einem Randbezirk eine 40 Personen große Gruppe Flüchtlinge. Sie warten an einer Art Auto-Raststätte neben der großen Straße, die Hälfte hat es sich auf den Schienen der Bahnstrecke nebenan (un)bequem gemacht. Am Rand hält ein glänzend polierter Mercedes mit einem gelben Taxischild auf dem Dach. Geld wird hin und her geschoben. Das Schlepperhandwerk lässt sich live beobachten, wobei ich mich nicht so ganz traue, genau hinzuschauen. Einen der Flüchtlinge spreche ich kurz an und frage nach: Sie kommen aus Afghanistan, sind seit vier oder fünf Monaten unterwegs und wollen nach Deutschland oder so. Das ist alles, was ich verstehe, auch wenn mir etliche andere Fragen durch den Kopf gehen: Was war der entscheidende Moment, Afghanistan zu verlassen? Warum sind es nur Männer? Ist das Verbleiben in Afghanistan für Frauen sicherer als die Fluchtroute? Wie viel kosten die Schlepper und wie läuft das überhaupt ab?

    Ansonsten entdeckte ich heute noch neue Geheimtipps für die kostenlose WLAN-Nutzung: Neben Cafés scheinen insbesondere Tankstellen und gelegentlich größere Supermärkte geeignet.

    Bilanz: Slowenien - Sarajevo
    Kürzeste Strecke: 53 km
    Längste Strecke: 124 km
    Strecke Gesamt: 834 km, 10881 hm
    Platten: 0
    Reisetage (davon Radeltage): 10 (10)
    Zelt (davon Campingplatz): 8 (1)
    Airbnb/Hostel: 1
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