Athen
14. november 2024, Grækenland ⋅ ⛅ 21 °C
Der frühe Vogel fängt den Wurm, oder der, der kurz nach 6 Uhr mit der Fähre in Athen ankommt.
Mein erster Eindruck von Athen war allerdings nicht der allerbeste: einige Gebäude, Ruinen in bester Lage, verhältnismäßig viele Obdachlose, manche davon pinkelnd an Gebäuden oder Straßenecken. Die Bereitstellung von Toiletten und Waschmöglichkeiten durch Moscheen in muslimischen Ländern ist definitiv etwas, wovon sich Europa etwas abschauen könnte.
Ein Highlight ist dann aber das „Stavros Niarchos Foundation Cultural Center“ [1], das Bibliothek, Ausstellungen, Opernhaus und Cafés beherbergt. Im Jahr 2016 erbaut, ist es mit einem großen Gründach, das vorwiegend mit Regen- und Grauwasser bewässert wird [2], und einem Hektar Solarfläche (3,1 GW p. a.) versehen, die wohl einen „Großteil des Energiebedarfs decken“ soll (laut Wikipedia [2], auf der Homepage finden sich 24 % [3], ein Beispiel für „traue niemals Wikipedia“). Neben dem modernen Innenraum mit Millionen von Büchern gibt es auch einen Park mit verschiedenen Sportmöglichkeiten. Umweltaspekte, architektonische Vielfalt und praktischer Nutzen lassen sich also sehr gut miteinander vereinbaren.
Nur der umliegende Straßenlärm, den man draußen hört, ist etwas störend, aber dafür wird sich in Zukunft sicherlich auch noch eine Lösung finden.
Im Anschluss geht es dann zum „Museum of Ancient Greek Technology“. Verrückt, was man damals schon für kreative und smarte Ideen hatte: Weinbrunnen, Spendenautomaten für Weihwasser, Krane, astronomische Geräte oder Wecker auf Wasserbasis.
Da der frühe Fährfahrer den Fisch fängt, habe ich noch so viel vom Tag, dass ich noch den Bikelane-Workshop aufsuche, den ich überhaupt umzuschauen, was ich gefunden habe. Hier will ich einmal Kette und Kassette wechseln. Da der Eigentümer ebenfalls Bikepacker und Fahrradreisender ist, macht er dies kostenlos, und wir quatschen noch eine Weile zusammen. Ich bekomme noch ein paar Empfehlungen für Restaurants und das Radeln in Griechenland. Als Dankeschön gebe ich ihm ein Paket türkischen Kaffee da.
Tag 2:
Hier erklimme den Filopappou-Hügel, der ebenfalls einige antike Sehenswürdigkeiten beherbergt und eine wundervolle Sicht auf die Akropolis bietet. Aus irgendeinem Grund schien es aber Zeus zu verärgern, der dunkle Wolken heraufbeschwor und anschließend mit Donner und Blitzen um sich schmiss – leider keine, die ich mit meiner Kamera einfangen konnte, das wäre hier sonst natürlich mega gewesen.
Auf diese Weise landete ich dann aber in einem klassischen griechischen Mittagsrestaurant (Vromiko) mit wirklich gutem Essen zu günstigen Preisen.
Im Anschluss besuchte ich im Eilverfahren noch die Akropolis. Die alten Tempel der Akropolis sind die eine Besonderheit, was sie allerdings meiner Meinung nach einzigartig macht, ist die erhobene Lage auf dem Berg mit dem freien Blick Richtung Sonnenuntergang und dementsprechend auch die orangenen Sonnenstrahlen, die die antiken Säulen beleuchten.
Ich mache eine Menge Fotos und lerne dabei Mehmet kennen. Er ist Kurde, lebte zuletzt in Schweden und ist nun nach Athen gezogen. Nach der ausgedehnten Fotosession begeben wir uns gemeinsam auf die Suche nach einem griechischen Restaurant und landen aus Versehen in einem kurdischen.
Für Italiener, Kurden, Türken, Chinesen, Vietnamesen bzw. eigentlich Menschen sehr vieler Nationen, die Restaurants häufig in anderen Ländern betreiben, muss es doch immer ganz cool sein, in fremden Ländern in bekannten Restaurants essen und seine Muttersprache sprechen zu können. Warum gibt es eigentlich nirgendwo deutsche Restaurants?
Es kommt noch ein weiterer Bekannter von Mehmet dazu. Wir unterhalten uns über vieles, auch über ihre Heimat Kurdistan, das Gebiet Kurdistan, das im Norden des Irak existiert, de facto von Kurden bewohnt und verwaltet wird, aber immer noch unter gelegentlichem türkischem Beschuss steht (weil sich eben auch PKK-Kräfte in die Berge zurückgezogen haben). Gleichzeitig gäbe es eine funktionierende Wirtschaft und es sei in mancher Hinsicht moderner als Athen, wie Mehmet mir versichert. Inzwischen sei es (im Rest des Landes) eigentlich auch sicher, der IS sei eigentlich vollständig zurückgedrängt, wie der Bekannte, der syrischer Kurde ist, sagt. Zwei seiner Cousins seien dabei gestorben bzw. dem IS zum Opfer gefallen – auf die Beileidsbekundung Mehmets sagt er nur trocken: „It's normal.“
[1] Funfact: Laut Wikipedia ist das gesamte Gebäude eine Schenkung einer Stiftung an den griechischen Staat.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Stavros_Niarchos_…
[3] https://www.snfcc.org/en/snfcc/sustainability-hub/Læs mere





















Rejsende
Spannend
Rejsende
Fast 2500 Jahre bauen die jetzt an dem Parthenon rum, wann soll denn das Dings endlich mal fertig werden?
RejsendeSoweit ich weiß noch vor <Deutsches Großprojekt einfügen >
RejsendeJa, die Chancen stehen sicher gut :-D
Rejsende
Tolles Foto