Chios: Wartezeit zum Baumharz kauen
13. november 2024, Grækenland ⋅ ☁️ 18 °C
Alles, was in der Türkei mit Tourismus verbunden ist, kostet unverhältnismäßig viel, auch die halbstündige Fährfahrt nach Chios: genauso viel wie von Spanien nach Marokko bzw. mehr als mit Bus und Bahn quer (2000 km) durch die Türkei zu fahren. Die Fähre nach Chios ist eben eine touristische Strecke.
Immerhin komme ich ohne Probleme an und kann auch direkt das Ticket für heute Abend nach Athen lösen. Die Insel Chios wechselte in der Vergangenheit einige Male ihre Besitzer: Griechenland, die Perser, Genua, das Osmanische Reich und nun wieder Griechenland – wohl auch, weil die Insel in der Vergangenheit recht wohlhabend durch den Mastix-Anbau war. Im Vergleich zur Türkei ist aber inzwischen ein deutlicher Sprung ins Westliche zu erkennen, insbesondere modern wirkende Bäckereien – mit endlich mal wieder abwechslungsreichem Brot – und Kaffeehäuser mit alternativem Vibe, die ich direkt zum Aufwachen ausprobiere. Hier recherchiere ich, wie ich meinen Tag auf der Insel verbringen kann. Die Windmühlen direkt in der Stadt und die alte Stadtmauer sind direkt nebenan und damit gesetzt.
Neben vielen weiteren Sehenswürdigkeiten seien wohl noch das Kloster Nea Mone und das Mastix-Museum zu empfehlen. Da ich immer noch keine Ahnung habe, was denn nun in dieses Mastix ist und das Wetter auch nicht das Beste ist, fällt die Entscheidung leicht.
Schnell finde ich heraus, dass der grüne Bus ins Museum fährt, aber einen ungünstigen Fahrplan hat – wie schön, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Ich hoffe nur, dass auf den 25 Kilometern und 500 Höhenmetern zum Museum und auf der Rückfahrt kein Platter oder sonstige Probleme dazwischenkommen, damit ich meine Fähre am Abend erwische. Bis auf etwas Regen, der mich zu einem Zwischenstopp bei Lidl zwingt – endlich wieder gute Haferflocken –, geht alles gut. Ich bleibe trocken und Lidl hat nun ein neues Lidl+ Mitglied – herzlichen Glückwunsch!
Im Museum verstehe ich dann auch, warum die automatische Website-Übersetzung den Fährhafen immer mit "Kaugummi" übersetzt hat: Hinter dem Mastix-Anbau auf der Insel verbirgt sich eine Harzproduktion. Dieses Harz wird als Zusatz in Lebensmitteln, für Öle, Cremes und eben zur Herstellung von Kaugummis verwendet oder direkt gekaut. Funfact: Jegliche Versuche, den Mastix-Baum in anderen Mittelmeerregionen zu kultivieren und das Harz zu ernten, schlugen fehl, da die Insel ein spezielles Sommerklima hat. Aufgrund der bewaldeten Berge im Norden wird der Wind abgeschwächt und Feuchtigkeit zurückgehalten, sodass es im Süden zu trockenen Sommern kommt, die für die Mastix-Produktion notwendig sind.Læs mere
















Rejsende
Klasse und wieder mal mega-spannend: Dass sie so ganz anders aussehen, als bei uns, ist - das habe ich gerade nachgelesen - auf klimatische Unterschiede sowie unterschiedliche funktionale Anforderungen und technologische Einflüsse zurückzuführen. Griechische Mühlen sind meist auf den Ägäis-Inseln zu finden, wo sie oft starken, aber wechselnden Winden ausgesetzt sind. Ihre Flügel bestehen typischerweise aus Holzrahmen, die mit Stoff bespannt sind. Diese Konstruktion ermöglicht eine schnelle Anpassung an die Windrichtung und -stärke, indem der Bespannungswinkel verändert oder die Flügel teilweise abgedeckt werden können.