Premium EV Infrastruktur, Nachtrag Türke
5 dicembre 2024, Italia ⋅ ⛅ 1 °C
Es war nicht viel los heute… trotz langem und gutem Schlaf sind die Halsschmerzen noch da und sogar etwas stärker geworden. Heißt: Thermoskanne mit Tee füllen und los.
Als nächstes: Cappuccino, Toiletten- und Elektronikladepause im nächsten Städtchen, bevor es schließlich den letzten Pass vor den Alpen zu absolvieren gilt. Funktioniert mit Musik im Ohr wieder ganz gut.
Auf der anderen Seite rolle ich hinab zum nächsten Bäcker und mache Mittagspause. Im darauffolgenden Supermarkt werden Ricola gekauft und nun fleißig Halsbonbons gelutscht. So geht es weiter bis nach Bologna, welches ich bereits im Dunkeln etwas umfahre.
Kurz hinter Bologna stoße ich wieder auf den Eurovelo 7. Dieser ist hier nun tatsächlich auch beschildert und zwar nicht nur mit kleinen Pfeilchen, sondern mit allem, was die Beschilderung so hergibt. Auch sonst scheint die Infrastruktur richtig gut zu sein: Der Weg führt auf einer alten Bahnstrecke entlang, und an einem alten Bahnhof wurde eine Raststätte errichtet. Hier gibt es nicht nur Picknickbänke, sondern auch Fahrradwerkzeug (wenn es nicht geklaut worden wäre), fließendes Wasser und – unglaublich aber wahr – Strom! Das alte Bahnhofsgebäude scheint von irgendeinem Verein genutzt zu werden und hat einen wunderbar abgehängten Außenbereich (vermutlich als Verkaufsstand oder Bar genutzt), der sich optimal zum Zelten eignet.
Nachtrag:
Bilanz Türkei:
Tja, wie fasst man dieses Land mit seinen vier Klimazonen und unglaublich vielseitigen Landschaften zusammen? Es war auf jeden Fall klasse, hier zu radeln. Eigentlich ein perfektes Land für Radreisende. Warum? Weil Wildcampen eigentlich kein Problem ist, die Menschen super hilfsbereit und gastfreundlich sind, es wirklich tolle Gegenden und Orte gibt und man gerade mit dem Fahrrad zwischen den touristischeren Sehenswürdigkeiten die eigentliche Kultur entdeckt. Es waren etliche tolle und warmherzige Menschen, die ich getroffen habe oder die mich zu sich oder auf einen der unzähligen Çays eingeladen haben.
Was das Radreisen ebenfalls entspannt macht, sind die Wasserstellen, Waschmöglichkeiten und häufig auch Toiletten, die sich schon aufgrund der Moscheen quasi überall finden. Die einzigen Mankos, die es eben auch in vielen Ländern gibt, sind sicherlich der Umgang mit Müll und das Umweltbewusstsein. Und auch wenn man sich selbst dessen bewusst ist und versucht, auf Plastik zu verzichten, wird einem doch alles doppelt und dreifach und trotz eines Neins in Tüten eingepackt. Und politisch? Von der aktuellen Politik bekommt man wenig im Alltag mit, sicherlich auch wegen der Sprachbarriere. Präsent sind allerdings die Porträts von Atatürk und zum Teil Erdoğan (letzterer eigentlich nur in staatlichen Institutionen oder auf Plakaten). Im Alltag der Menschen scheinen diese aber weniger eine Rolle zu spielen bzw. hört man die meisten eher die Regierung für zu wenig Erdbebenhilfe oder die wirtschaftliche Lage und Inflation kritisieren. Was allerdings dennoch zu spüren ist: Der Nationalstolz der Türken und Kurden, der in einigen Regionen sicherlich noch einiges an Konfliktpotenzial birgt.
Istanbul - Çeşme:
Kürzeste Strecke: 13 km
Längste Strecke: 99 km
Platten: 5 (oder mehr?)
Reisetage (davon Radeltage): 48 (33)
Zelt (davon wild/nachgefragt/Campingplatz): 21 (10/8/3)
Hütte/Ruine/Restaurant/Tankstelle (kostenlos): 8
WarmShowers: 4
Einladungen: 9
Hostel/Hütte/Herberge: 3
Airbnb: 0
Bus/Fähre: 2
Verloren: Buff
Verloren und Wiedergefunden: Packsack Daunenjacke
Geschenkt bekommen: unglaublich viel Çay, und Essen, ein paar Socken, Zucker, Schmerztabletten
Mit dem Rad umgefallen: 1 glimpflich verlaufener Crash mit einem Stein
Kaputgegangen/Ersetzt: Kette verbogen, das ein oder andere Loch in Radtaschen, ein gebrochenener Aufhänger der Ortliebtasche
Wetter: alles von über 30 Grad bis zu Nächten mit - 8 Grad, viel Sonnenschein und überwiegend trocken
Essen: Unglaublich vielseitig und auch mit vielen vegetarischen Optionen. Die Haferflocken sind allerdings nicht mehr so lecker hier, sodass das Frühstück häufig aus Ekmek oder Pide (Brot) mit Oliven, Honig, Käse oder Erdnussbutter bestand. Ansonsten waren die Lokantas oder Dönerläden natürlich Pflicht. Das Top-Gericht: Pilav (Reis) mit Fasulye (Bohnen), meistens mit einem kleinen Salat und immer mit Brot (man muss etwas aufpassen, dass letzteres in den Plastikbehältern noch gut ist) dazu. Aber es gab eben auch viele weitere Gerichte: Die klassische Çorba Mercimek (Linsensuppe), Moussaka, verschiedene Gemüse mit und ohne Fleisch, gefüllte Paprika oder Auberginen, Lahmacun und am Ende immer einen Çay. Und das waren nur die Lokantas. Ansonsten war natürlich das herzhafte kurdische Frühstück bei den Bäckern ein Highlight: Ofenfrisches Brot, Käse, ofenfrisch gegarte Aubergine, Paprika, Zwiebel, Knoblauch und Kartoffeln.
Der Iskender Döner, den ich unbedingt probieren sollte, war zwar nicht so das Highlight, dafür aber die veganen Çiğköfte Dürüms oder eine Kumpir (gefüllte Ofenkartoffel). Weiterhin gibt es häufig leckeren gegrillten fritieren oder gebratenen Fisch, da die halbe Türkei immer an irgendwelchen Ufern steht und unermüdlich am Angeln ist. Ebenfalls häufig anzutreffen: Fleischsspieße mit allem, was man an Fleisch eben so aufspießen kann. Ach ja und natürlich Manti, die Türkischen Tortellini mit Joghurt-Tomatensauce.
Und dann gibt es noch die riesige Auswahl an Süßspeisen. Baklava, Knafeh (ursp. Arabisch?), Halva, Lokma und Halka Tatlisi (die Türkischen Churros), Lokum (Gelewürfel) und Kekse (in letzter Zeit wurden die Bomba berühmt).
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