The Green Line
January 24 in Cyprus ⋅ ☁️ 12 °C
Nikosia ist die letzte geteilte Hauptstadt Europas. Die Trennung verläuft nicht am Stadtrand, sondern mitten durch das urbane Gefüge. In der Altstadt, in der Ledra Straße, sind wir zu Fuß über die Grenzen. Der Übergang wirkt erstaunlich unspektakulär: Zunächst erfolgt die Ausreise aus dem südlichen Teil Zyperns, anschließend geht man etwa 100 Meter durch einen neutralen Streifen, bevor man auf der anderen Seite wieder einreist. Der gesamte Ablauf ist nüchtern, effizient und fast beiläufig – gerade das macht ihn so eindrücklich.
Historisch geht die Teilung Zyperns auf die Spannungen zwischen der griechisch-zypriotischen und der türkisch-zypriotischen Bevölkerung zurück, die sich bereits während der britischen Kolonialzeit zuspitzten. Nach der Unabhängigkeit 1960 blieb das politische System instabil. Der endgültige Bruch kam 1974 infolge eines griechisch-nationalistischen Putsches und der anschließenden militärischen Intervention der Türkei. Seitdem ist die Insel faktisch geteilt.
Zur Überwachung des Waffenstillstands richteten die United Nations eine Pufferzone ein – die sogenannte Green Line. Diese UN-Sicherheitszone zieht sich quer über die gesamte Insel und ist in Nikosia besonders sichtbar. Je nach Abschnitt besteht sie aus wenigen Metern oder mehreren hundert Metern Breite. In der Stadt umfasst sie verlassene Häuser, leerstehende Straßenzüge, Mauern, Zäune und improvisierte Sperren. Viele Gebäude stehen seit Jahrzehnten unberührt, als sei die Zeit stehen geblieben.
Nach dem Grenzübertritt verändert sich das Stadtbild deutlich. Die Beschilderung ist überwiegend auf Türkisch, es gibt Moscheen, türkische Cafés und einen anderen Rhythmus im Straßenleben. Gleichzeitig wirkt vieles baulich stark vernachlässigt. Zahlreiche Häuser sind in schlechtem Zustand oder stehen leer, was dem Viertel eine gewisse Schwere verleiht. Ein alter Markt mit Innenhof bot einen kurzen atmosphärischen Lichtblick, insgesamt blieb der Eindruck jedoch verhalten.
Der Gang durch die UN-Zone und über die Grenze ist weniger spektakulär als erwartet, dafür umso eindringlicher. Die Teilung Nikosias ist kein abstraktes politisches Konstrukt, sondern physisch sichtbar und im Alltag präsent. Nach etwa einer Stunde kehrten wir über denselben Weg zurück, passierten erneut beide Kontrollen und gingen zum Auto zurück – mit dem Gefühl, einen der politisch und historisch komplexesten Orte Europas zumindest ein Stück weit erlebt zu haben.Read more













TravelerWit hätten das bei unserem Besuch 2022 auch wahnsinnig gerne gemacht, doch damals wurde ein aktueller Test verlangt, was uns in Bezug auf unsere Kreuzfahrt zu heikel erschien...