• Kunsthaus - Moser Bau

    February 15 in Switzerland ⋅ ☁️ 3 °C

    Im älteren Gebäudeteil des Kunsthauses waren wir zuerst in der großen Ausstellung „Berührung des Essenziellen“ von Wolfgang Laib. Die ruhigen, fast meditativen Arbeiten mit Blütenstaub, Reis, Bienenwachs und Milch wirkten in den hohen, von Oberlicht durchfluteten Räumen besonders intensiv. Die reduzierten Formen und natürlichen Materialien entfalten dort eine enorme Präsenz – leise, aber eindringlich.

    Danach der abrupte Stilwechsel zur Pop Art – und hier hingen tatsächlich Werke von Roy Lichtenstein und Andy Warhol. Bei Lichtenstein war die typische Bildsprache sofort erkennbar: klare, schwarze Konturen, starke Primärfarben und die charakteristischen Ben-Day-Dots, die an vergrößerte Comic-Druckraster erinnern. Seine Arbeiten spielen bewusst mit der Ästhetik der Massenmedien, zitieren Comic-Panels oder Alltagsmotive und heben sie auf Museumsniveau – kühl, ironisch und zugleich extrem präzise komponiert.

    Andy Warhol war mit ikonischen Motiven vertreten, die Konsumkultur und Starkult thematisieren. Serielle Wiederholungen, leuchtende Farbvariationen, Siebdrucktechnik – dieses Spiel mit Reproduktion und Oberfläche ist typisch für ihn. Ob Alltagsprodukte wie Suppendosen oder stark stilisierte Porträts – Warhols Werke wirken auf den ersten Blick simpel, entfalten aber bei genauerem Hinsehen eine starke gesellschaftliche Aussage über Massenproduktion, Medien und Celebrity-Kultur.

    Gerade im Kontrast zu Wolfgang Laib wurde deutlich, wie unterschiedlich künstlerische Positionen sein können: hier kontemplative Reduktion mit Naturmaterialien, dort grelle, mediale Bilderwelt der 1960er-Jahre. Und dann weiter zu den Alten Meistern im nächsten Saal.

    Die Räume mit den grün gefassten Wänden, schweren Goldrahmen und dem großen Glasoberlicht vermitteln eine klassische Museumsatmosphäre. Landschaften, Historienbilder und fein ausgearbeitete Figurenstudien zeigen die handwerkliche Virtuosität vergangener Jahrhunderte. Das Licht fällt gleichmäßig von oben ein und lässt die Farben weich leuchten. In der Mitte des Raumes eine Skulptur auf einem Sockel – fast wie ein ruhender Mittelpunkt zwischen den großen Erzählungen an den Wänden.

    Der ältere Bau des Kunsthauses mit seiner klaren Achsenstruktur, den hohen Decken und dem natürlichen Licht bietet dafür die perfekte Bühne. Er wirkt würdevoll und ruhig, fast zeitlos – und genau das macht diesen Teil des Museums so besonders.
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