• Reyn

    February 28 in Faroe Islands ⋅ 🌬 6 °C

    Zurück in Tórshavn bin ich dann noch durch die Altstadt gezogen, durch Tinganes – oder wie man hier sagt: úti á Reyni. Das ist wirklich einer der schönsten Flecken der Stadt. Alte, niedrige Holzhäuser, schwarz geteert, rote Fensterrahmen, dazwischen schmale Gassen aus Kopfsteinpflaster. Und oben drauf diese typischen Grasdächer, dick gewachsen, als würde das Haus direkt aus der Landschaft herauswachsen.

    Tinganes gehört zu den ältesten noch erhaltenen Parlamentsorten der Welt. Schon im 9. Jahrhundert, zur Wikingerzeit, trafen sich hier die freien Bauern zum sogenannten „Thing“, also zur Volksversammlung. Daraus entwickelte sich später das färöische Parlament, das Løgting – eines der ältesten Parlamente überhaupt. Bis heute sitzen Teile der Landesregierung in genau diesen historischen Gebäuden. Es ist also keine Museums-Altstadt, sondern ein lebendiger politischer Ort.

    Die Schilder, die überall stehen, weisen tatsächlich darauf hin, dass viele Häuser privat oder Regierungsgebäude sind. Man soll respektvoll sein, nicht einfach in Höfe gehen oder Leute fotografieren. Aber heute war ohnehin niemand unterwegs. Fast gespenstisch ruhig. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit, vielleicht am Wetter. Es wirkte fast wie eine Filmkulisse – nur ohne Statisten.

    Ein paar Schritte weiter steht der Dom von Tórshavn, die Dómkirkjan. Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert, genauer von 1788, wobei es an gleicher Stelle schon deutlich früher Kirchen gab. Sie ist eine der ältesten erhaltenen Holzkirchen der Färöer. Außen schlicht weiß mit dunklem Dach, innen sehr reduziert, protestantisch geprägt, mit einem markanten Altarbild und einem historischen Taufbecken. Leider war sie geschlossen – laut Aushang erst morgen Abend wieder offen. Schade, gerade im Abendlicht wäre das sicher besonders schön gewesen.

    Tórshavn selbst zählt heute rund 13.000 Einwohner und ist damit zwar Hauptstadt, wirkt aber eher wie eine größere Kleinstadt. Gerade hier in der Altstadt spürt man die Geschichte besonders stark: vom Wikinger-Treffpunkt über die dänische Verwaltung bis hin zur modernen autonomen Regierung der Färöer innerhalb des Königreichs Dänemark.

    Die Farben waren heute perfekt. Das Schwarz der Holzhäuser, das Rot der Fensterrahmen, das satte Grün der Dächer – alles im klaren, tief stehenden Licht. Kaum Wind, kaum Menschen.
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