Kopenhagen
February 24 in Denmark ⋅ ☁️ 1 °C
Um vier Uhr morgens klingelte der Wecker. Eigentlich war alles schon gepackt, aber man schaut ja doch noch dreimal über alles drüber. Tamara hat mich zum Glück zum Flughafen gefahren – um diese Uhrzeit ist Nürnberg noch komplett im Schlafmodus. Der erste Flieger ging um sechs nach Frankfurt. Kurz nach dem Start dieser besondere Moment: die Skyline von Frankfurt am Main ragt aus dem Nebel – immer wieder beeindruckend, wie „amerikanisch“ Deutschlands Finanzhauptstadt wirkt.
Von dort direkt weiter nach Kopenhagen. Der Anflug über die Ostsee, viel Wasser, klare Strukturen, Windräder – man merkt sofort, dass man in Skandinavien ist. Kopenhagen hat rund 650.000 Einwohner, im Großraum über 1,3 Millionen. Damit ist es zwar deutlich kleiner als viele deutsche Metropolen, wirtschaftlich aber extrem stark: Sitz zahlreicher internationaler Unternehmen, eine der wichtigsten Life-Science-Regionen Europas (Stichwort Novo Nordisk), bedeutender Hafenstandort und regelmäßig ganz vorne in Rankings zu Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Innovation. Dänemark insgesamt steht für hohe Produktivität, Digitalisierung und eine sehr moderne Arbeitskultur – das spürt man sofort.
Vom Flughafen ging es mit dem Uber direkt in die Stadt ins Büro. Das neue Cognizant Office – schön in einen der alten Gebäude in der Innenstadt.
Mittags mehrere Meetings – konzentriert, effizient, wenig Smalltalk, schnell bei den Themen. Die dänische Art ist angenehm direkt und gleichzeitig sehr respektvoll. Danach am Abend noch rüber Richtung Frederiksberg zum Essen – ein netter Spaziergang durch die Stadt. Kopenhagen ist extrem fahrradfreundlich, breite Radwege, entspanntes Tempo, viele junge Leute unterwegs. Die Mischung aus historischem Kern, moderner Architektur und Wasser überall gibt der Stadt eine ganz eigene Atmosphäre.
Später ins Hotel, kurzer Blick auf den morgigen Kalender – und dann einfach nur zufrieden ins Bett gefallen. Ein langer Tag, aber ein richtig guter Start hier im Norden. Kopenhagen fühlt sich sofort strukturiert, hochwertig und gleichzeitig angenehm entspannt an. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen.Read more
Novo Nordisk
February 25 in Denmark ⋅ ☁️ 2 °C
Heute früh sind wir zum Hauptbahnhof gelaufen und haben dort in einem netten Hotel gefrühstückt – sehr entspannt, guter Kaffee, alles etwas ruhiger als sonst. Danach ging es mit dem Zug raus Richtung Göteborg zu unserem Kunden Novo Nordisk.
Den ganzen Tag Workshops – konzentriert, aber in einer sehr angenehmen Atmosphäre. Man spürt, dass die Leute wissen, was sie tun. Klar, aktuell stehen sie etwas unter Druck: Die Aktienkurse haben zuletzt deutlich nachgegeben, vor allem weil der Wettbewerb im Bereich Adipositas-Medikamente aus den USA stärker wird und Investoren extrem sensibel auf Studienergebnisse und Produktionszahlen reagieren. Aber operativ ist das Unternehmen beeindruckend aufgestellt.
Ein paar Fakten, die man im Hinterkopf haben sollte:
Novo Nordisk wurde 1923 gegründet – ursprünglich aus zwei dänischen Firmen, die früh mit der Produktion von Insulin begonnen haben, kurz nachdem dieses weltweit verfügbar wurde. Seitdem ist das Thema Diabetes das Herzstück des Unternehmens. Heute ist Novo Nordisk Weltmarktführer bei Insulin und GLP-1-basierten Therapien gegen Diabetes und Adipositas (u. a. mit Produkten wie Ozempic und Wegovy). Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 60.000 Mitarbeitende und erzielt Umsätze in zweistelliger Milliardenhöhe – ein erheblicher Teil davon fließt direkt oder indirekt in die dänische Wirtschaft zurück.
Für Kopenhagen und ganz Dänemark ist Novo Nordisk von enormer Bedeutung.
• Es ist eines der wertvollsten Unternehmen Europas.
• Ein großer Teil der dänischen Exporte im Pharmabereich geht auf Novo Nordisk zurück.
• Das Unternehmen trägt spürbar zum dänischen BIP bei.
• Über die Novo Nordisk Foundation werden Milliardenbeträge in Forschung, Bildung und Nachhaltigkeit investiert – ein echter Standortfaktor für das Land.
Man könnte fast sagen: So wie SAP für Deutschland oder Roche für die Schweiz, so ist Novo Nordisk für Dänemark – nur in manchen Phasen sogar noch dominanter.
Ein intensiver, aber wirklich guter Workshop-Tag. Am Abend haben wir uns ein Auto gemietet und sind über die Brücke nach Schweden zum Abendessen gefahren …Read more
Vyn
February 25 in Sweden ⋅ ☁️ 2 °C
Toll – am Abend haben ein Auto gemietet und sind einfach rüber nach Schweden gefahren. Einmal über die Øresundbrücke, dann durch die dunkle Landschaft von Skåne Richtung Ostsee. Ziel: Vyn von Daniel Berlin – dieses geniale Restaurant ganz im Süden von Schweden, irgendwo bei Simrishamn, direkt am Meer gelegen.
Wir kamen natürlich später als geplant. 18:30 Uhr war die Idee – 19:30 Uhr standen wir dann vor der Tür. Dunkel, winterlich, ein bisschen Schnee in den Beeten, die Bäume dramatisch angestrahlt – fast schon wie eine kleine Inszenierung. Und trotzdem: total entspannt empfangen. Kein Stress, kein erhobener Zeigefinger. Einfach: „Schön, dass ihr da seid.“
Und dann ging es auch schon los. Ein Menü, das sich nicht aufdrängt, sondern erzählt. Nordisch, klar, präzise. Extrem produktfokussiert. Jeder Gang wirkte reduziert, aber voller Tiefe. Auf einem der Bilder sieht man dieses perfekt rosa Stück Fleisch – auf den Punkt gegart, saftig, mit einer dunklen, intensiven Jus. Großartig.
Dazu Weinbegleitung – unter anderem ein Brunello di Montalcino, der wunderbar mit der kraftvolleren Aromatik harmoniert hat. Die Gläser im warmen Licht, der Raum minimalistisch, viel Holz, ruhige Atmosphäre. Kein unnötiger Schnickschnack – alles sehr skandinavisch klar.
Was ich besonders stark fand: Trotz des 2-Sterne-Niveaus keinerlei Steifheit. Sehr aufmerksam, aber nie überpräsent. Man fühlt sich als Gast wirklich gewollt.
Nach dem Essen dann nur noch ein paar Schritte – denn wir haben gleich im Hotel übernachtet, das zum Restaurant gehört. Architektur zum Runterkommen. Warme Materialien, klare Linien, tolle Details – sogar die Tür mit den geschnitzten Naturmotiven war ein kleines Kunstwerk. Draußen die nächtliche Gartenanlage mit Lichtinszenierung im Schnee – fast schon meditativ.
Ein Abend, für den sich jede Minute Autofahrt gelohnt hat.
Von Kopenhagen raus in die schwedische Nacht – und kulinarisch ganz weit vorne angekommen.Read more
Sonnenaufgang über der Ostsee
February 26 in Sweden ⋅ 🌬 3 °C
Am Morgen bin ich direkt von unserem genialen Hotel, das ja unmittelbar mit dem Restaurant verbunden ist, runter zur Ostsee gelaufen. Die Luft war klar und kalt, dieser typische salzige Geruch vom Meer lag in der Luft. Was für ein unglaublicher Sonnenaufgang – der Himmel in Orange- und Rosatönen, die Wolken vom Wind zerzaust, das Meer darunter richtig stürmisch.
Die Wellen sind kraftvoll gegen die Küste gerollt, immer wieder Gischt in der Luft. Zwischen all dem – völlig entspannt – ein paar Schwäne, die sich vom Wind kaum beeindrucken ließen. Größere Seevögel sind im perfekten Timing über die Wellenkämme gesegelt. Es war frisch, fast schon beißend kalt, aber genau das macht es ja aus.
Ich bin noch ein Stück die Küste entlanggelaufen, Drohne kurz hoch, ein paar Fotos geschossen – das Licht war einfach zu gut. Diese Mischung aus rauer Natur und absoluter Ruhe, kaum Menschen unterwegs, nur Wind und Meer.
Und dann, fast auf die Minute pünktlich, wieder zurück ins Hotel zum Frühstück. Da haben sie uns nocheinmal verwöhnt bevor wir wieder aufgebrochen sind.
Wir sind hier im südlichsten Teil Schwedens, in Skåne – einer Region, die sich ganz anders anfühlt als das klassische Bild von Schweden mit tiefen Wäldern und roten Holzhäusern. Hier ist es weiter, offener, fast schon dänisch geprägt. Kein Wunder – bis ins 17. Jahrhundert gehörte Skåne zu Dänemark.
Die Küste ist rau, mit langen Sandstränden, Dünen und dramatischen Steilküsten.
Österlen, die Gegend rund um unser Hotel, gilt als eine der schönsten Landschaften Südschwedens. Sanfte Hügel, kleine Höfe, Galerien, viel Kunst und eine starke kulinarische Szene. In den Sommermonaten ist das hier fast so etwas wie das „schwedische Hamptons“.
Ganz in der Nähe liegt auch Ystad, eine charmante Kleinstadt mit Fachwerkhäusern und Kopfsteinpflaster – bekannt aus den Wallander-Krimis. Historisch wichtig war die Region schon in der Hansezeit, heute lebt sie von Landwirtschaft, Tourismus und – ganz klar – von dieser einzigartigen Kombination aus Meer, Licht und Weite.Read more
Ales Stenar
February 26 in Sweden ⋅ 🌬 3 °C
Auf dem Rückweg nach Kopenhagen sind wir noch bei Ales Stenar vorbeigefahren. Unten am kleinen Hafen geparkt und dann ging es erstmal 10 bis 15 Minuten den Hügel hoch. Schnee, eisiger Wind, links immer wieder der Blick auf die Ostsee. Der Aufstieg hatte schon etwas Besonderes.
Oben stehen sie dann plötzlich vor einem – 59 riesige Steine in Form eines Schiffs, etwa 67 Meter lang und rund 19 Meter breit. Direkt auf der Klippe über dem Meer. Der Wind pfeift durch die Steine, das Meer unter einem, Horizont ohne Ende – schon beeindruckend.
Die Anlage stammt aus der späten Eisenzeit, ungefähr 600 bis 1000 nach Christus, also aus der Wikingerzeit. Früher wurde spekuliert, ob sie vielleicht noch viel älter sei und aus der Bronzezeit stammt, aber archäologische Untersuchungen und Datierungen sprechen klar für die jüngere Eisenzeit.
Die Form als Schiff ist kein Zufall. In der nordischen Kultur war das Schiff ein zentrales Symbol. Es stand für Macht, Status, Handel, Krieg – aber auch für die letzte Reise ins Jenseits. Solche sogenannten Schiffssetzungen gibt es in Skandinavien häufiger, oft in Verbindung mit Gräbern oder Kultplätzen. Bei Ales Stenar geht man davon aus, dass es entweder eine monumentale Grabstätte für eine bedeutende Persönlichkeit war oder ein zeremonieller Versammlungs- und Ritualplatz. Ein klassisches Grab mit reichen Beigaben wurde dort allerdings nicht gefunden, was eher für einen symbolischen Ort spricht.
Besonders spannend ist die astronomische Ausrichtung. Die Steine sind so gesetzt, dass zur Sommersonnenwende die Sonne genau über einem der Endsteine untergeht und zur Wintersonnenwende über dem gegenüberliegenden Stein aufgeht. Das zeigt, dass die Menschen damals ein erstaunlich genaues Verständnis für die Sonnenstände hatten. Ob die Anlage zusätzlich als Kalender diente, ist umstritten, aber die bewusste Ausrichtung auf die Sonnenwenden gilt als gesichert.
Die einzelnen Steine wiegen teilweise bis zu fünf Tonnen. Sie stammen aus der näheren Umgebung, mussten aber dennoch hier hoch transportiert und aufgerichtet werden. Das war mit Sicherheit ein riesiges Gemeinschaftsprojekt und ein klares Zeichen von Organisation und Macht.
Die Lage direkt über der Ostsee ist sicher ebenfalls kein Zufall. In der Wikingerzeit war das Meer Lebensader und Verkehrsweg. Von hier oben hat man eine weite Sicht über die Küste. Der Ort wirkt wie eine Verbindung zwischen Meer, Himmel und Land – fast wie ein Übergangsort zwischen den Welten.
Mit Schnee unter den Füßen und Wind im Gesicht hatte das Ganze etwas Zeitloses. Man steht dort oben und merkt sehr deutlich: Dieser Platz wurde bewusst gewählt und mit Bedeutung aufgeladen.Read more
Färöer
February 26 in Faroe Islands ⋅ 🌬 7 °C
Zurück in Kopenhagen. Diese Stadt geht einfach immer. Zwischen Nyhavn mit seinen bunten Häusern, dem Hafen, der kleinen Meerjungfrau und all den Fahrrädern fühlt sich alles leicht an. Kopenhagen ist mit rund 650.000 Einwohnern das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Dänemarks, Sitz vieler großer Unternehmen, Design-Hotspot, Food-Metropole mit einer der höchsten Michelin-Dichten Europas. Man kann hier Tage verbringen: durch Christianshavn laufen, am Wasser entlang joggen, moderne Architektur in Ørestad anschauen oder einfach nur in einem Café sitzen und das nordische Lebensgefühl aufsaugen.
Und dann gibt es noch die Option: einfach weiterfliegen. Richtung Nordatlantik.
Also ab in den Flieger auf die Färöer. Der Flug war entspannt, die letzten sieben Minuten allerdings ordentlich bumpy – willkommen im Nordatlantik. Das Wetter sah vorher eher grau aus, aber hier oben weiß man: Das ändert sich alle zehn Minuten. Sonne, Regen, Nebel, wieder Sonne – alles in einer Stunde möglich.
Gut gelandet, Mietwagen abgeholt, rein ins Abenteuer. Schon die Fahrt vom Flughafen Richtung Hauptstadt ist spektakulär. Links und rechts Wasserfälle, die direkt von den steilen, grasbedeckten Hängen ins Meer stürzen. Viel Regen von oben, viel Wasser von den Bergen – aber genau das macht die Landschaft so dramatisch. Grün, schwarz, grau, tiefblau. Roh. Ungefiltert.
Die Färöer bestehen aus 18 Inseln mit rund 54.000 Einwohnern. Politisch gehören sie zum Königreich Dänemark, sind aber weitgehend autonom, mit eigener Regierung, eigener Sprache (Färöisch) und eigener Kultur. Wirtschaftlich dominiert die Fischerei und Aquakultur – Lachs ist hier allgegenwärtig. Tourismus wächst stark, aber noch ist alles angenehm unaufgeregt.
Die Hauptstadt Tórshavn zählt nur etwa 20.000 Einwohner und gehört damit zu den kleinsten Hauptstädten Europas. Kleine bunte Häuser, viel Holz, viel Gras auf den Dächern, der alte Stadtteil Tinganes mit seinen rot gestrichenen Regierungsgebäuden direkt am Hafen – alles kompakt, alles nah am Wasser.
Das Klima ist ozeanisch: milde Winter, kühle Sommer, viel Wind. Keine Bäume von Bedeutung – dafür Schafe. Mehr Schafe als Menschen, ungefähr doppelt so viele. Die Straßen sind hervorragend ausgebaut, mit Unterseetunneln, die ganze Inseln verbinden. Man fährt durch Berge und unter dem Meer hindurch – infrastrukturell beeindruckend für so ein kleines Land.
Mein Hotel: tolle Lage, schöne Aussicht über das Wasser. Wolken ziehen schnell, Lichtstimmungen wechseln im Minutentakt. Genau der Ort, wo man abends einfach aus dem Fenster schaut und merkt, wie klein man hier oben eigentlich ist.
Ach ja. Land #121 laut meiner „Been“ App :-)Read more

TravelerJa schön, so kann man auch gut Länder sammeln. Wir schielen schon lange mal auf eine passende Kreuzfahrt, doch so geht es natürlich auch. Es soll dort eine spannende Verbindung zwischen Inseln geben mit einem sehenswerten Kreisverkehr unter dem Meer?
Norðradalur
February 27 in Faroe Islands ⋅ 🌬 2 °C
Nach einem leckeren Frühstück im Hotel - natürlich mit Lachs von den Inseln und noch ein paar Calls habe ich es dann do h am frühen Nachmittag noch geschafft und bin mit meinem Auto los.
Das Wetter? Komplett Färöer. Wind, Schnee, Regen, Sonne – alles gleichzeitig. Keine zehn Minuten gleich, ständig neue Lichtstimmungen. Oben auf dem Kamm, von wo man in die Bucht schaut, war es so extrem windig, dass ich echten Respekt hatte. Und das soll was heißen. Man spürt hier oben die rohe Kraft des Atlantiks. Der Wagen wackelt, die Böen drücken, und gleichzeitig reißt der Himmel auf und taucht die Landschaft in dieses fast unwirkliche, helle Grün.
Dann die Abfahrt ins Tal. Diese scharf geschnittene Küstenlinie, die steilen Flanken, unten die riesigen Wellen, die mit voller Wucht einschlagen. Dazwischen immer wieder Wasserfälle, die sich von den Bergen Richtung Meer ziehen. Kleine Rinnsale neben mächtigen Kaskaden. Und über allem dieses permanente Wechselspiel aus Licht und Schatten.
Unten im Bauerndörfchen Norðradalur dann fast schon Idylle. Ein paar verstreute Häuser mit Gras auf dem Dach, Schafe auf den Hängen, und überall Stare. Erstaunlich viele – hier überwintern sie. Die Schwärme ziehen tief über die Wiesen, setzen sich in die Hänge, fliegen wieder auf. In Kombination mit dem wechselnden Licht wirkt das fast wie eine Inszenierung.
Kein großes Spektakel im klassischen Sinne. Kein Café, kein Souvenirshop. Nur Wind, Wasser, Felsen und Weite.
Genialer Einstieg in die Färöer-Inseln.Read more
Saksun
February 27 in Faroe Islands ⋅ 🌬 1 °C
Nach einem kurzen Stopp in Kollafjørður – so heißt das Dorf tatsächlich – mit der kleinen, dunklen Holzkirche direkt neben dem Supermarkt ging es weiter Richtung Saksun. Kollafjørður liegt auf Streymoy, etwa 800 Einwohner, ein langgezogenes Dorf am Fjord entlang, viel Fischerei, ein paar bunte Häuser, alles sehr ruhig. Die Kirche dort stammt ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert, typisch färöisch: schwarzes Holz, weiß gerahmte Fenster, rotes Dach – schlicht, aber wunderschön in dieser rauen Landschaft.
Dann weiter in die Sackgasse nach Saksun. Schon die Anfahrt war abenteuerlich. Eine schmale, einspurige Straße, links und rechts steile Abhänge, gefühlt ein Meter bis ins Nichts. Und dann kam der Schneesturm. Sichtweite vielleicht zehn Meter. Der Wind hat das Auto ordentlich durchgeschüttelt. Teilweise konnte ich kaum erkennen, wo die Straße endet und wo einfach nur Weiß beginnt.
Saksun selbst ist ein winziges Dorf mit vielleicht 10 bis 15 Häusern, dramatisch gelegen am Ende einer Lagune, die früher ein offener Fjord war. Nach einer Sturmflut im 17. Jahrhundert wurde die Bucht durch Sand vom Meer abgetrennt – heute ist es eine stille, gezeitenabhängige Lagune mit schwarzem Sandstrand, eingerahmt von steilen, fast senkrechten Bergen. Und mittendrin steht sie: die weiße Kirche von Saksun mit ihrem dunklen Grasdach. Ursprünglich stand sie in Tjørnuvík und wurde 1858 hierher versetzt. Klein, weiß, extrem fotogen – wenn man sie denn sieht.
Ich kam an und konnte nicht einmal aussteigen. Heftigster Schneesturm, horizontaler Schnee, Windböen ohne Ende. Ich habe die Kirche nicht gesehen, obwohl sie vielleicht 200 Meter entfernt war. Komplett weiß. Also im Auto geblieben. Zum Glück hatte ich einen zweistündigen Call. Währenddessen hat sich das Wetter gefühlt 27 Mal geändert. Sonne, wieder Schneewand, dann plötzlich blauer Himmel, dann wieder alles grau.
Und dann, fast wie auf Knopfdruck, wurde es ruhig. Der Sturm legte sich, die Wolken rissen auf, und plötzlich lag die Lagune vor mir, die weiße Kirche klar sichtbar, die Berge dramatisch im Hintergrund. Ich konnte endlich aussteigen, ein Stück Richtung Bucht laufen, Fotos machen. Das Licht war fantastisch – diese Mischung aus Restschnee, dunklen Felsen und hellem Himmel. Genau diese Momente machen die Färöer aus.
Und dann, wie zur Erinnerung, warum hier alles so unberechenbar ist, zog das nächste Wetterband rein. Innerhalb von Minuten wieder Schnee, Wind, kaum Sicht. Also zurück ins Auto und weiter.
Schöner, wilder, echter Stopp. Genau deshalb bin ich dich hier, oder?Read more
Die Schafe der Färöer
February 27 in Faroe Islands ⋅ 🌬 1 °C
Wer auf die Färöer-Inseln fährt, begegnet ihnen überall. Wirklich überall. Auf grünen Hügeln, direkt neben der Straße, auf Klippen über dem Atlantik, zwischen Häusern mit Grasdächern – und manchmal auch mitten im Kreisverkehr. Die Schafe sind hier keine Nebendarsteller. Sie sind ein zentrales Element der Inseln.
Auf den Färöern leben rund 80.000 bis 90.000 Schafe – bei nur etwa 54.000 Einwohnern. Das heißt: mehr Schafe als Menschen. Die traditionelle Rasse heißt „Føroya seyður“, das färöische Kurzschwanzschaf. Eine extrem robuste, kleine, widerstandsfähige Rasse, perfekt angepasst an Wind, Regen, Schnee und steile Hänge.
Wirtschaftlich spielen die Schafe seit Jahrhunderten eine enorme Rolle. Früher war Wolle neben Fisch eines der wichtigsten Exportgüter. Noch heute gibt es hochwertige Wollprodukte, Strickwaren, Pullover mit traditionellen Mustern. Auch Lammfleisch ist ein zentraler Bestandteil der Küche. Das berühmte „ræst kjøt“, luftgetrocknetes, fermentiertes Schaffleisch, hängt oft monatelang in offenen Schuppen im Wind. Der konstante, salzige Atlantikwind übernimmt die Konservierung – eine Methode, die nur in diesem Klima so funktioniert.
Was mich fasziniert: Die Tiere stehen wirklich überall. Es gibt kaum Zäune. Die Hügel sind offen, nur lose Steinmauern oder Drahtabschnitte. Man fährt über Landstraßen, und plötzlich steht eine ganze Gruppe auf der Fahrbahn. Sie bewegen sich langsam, völlig entspannt. Man bremst – sie entscheiden, wann sie weitergehen. Ganz klare Hierarchie.
Wie halten sie das Klima aus? Das Wetter wechselt hier im Zehn-Minuten-Takt. Sturm, horizontaler Regen, Schneeschauer, dann wieder Sonne. Die Schafe haben ein extrem dichtes, öliges Fell, das Wasser abweist. Unter der groben äußeren Wolle liegt eine feine, isolierende Schicht. Selbst bei Minusgraden und starkem Wind stehen sie draußen, oft exponiert auf Bergrücken. Sie suchen natürliche Mulden oder windgeschützte Stellen hinter Felsen, aber viele bleiben einfach stehen und drehen sich mit dem Rücken zum Wind.
Übernachten tun sie meist im Freien. Anders als in Mitteleuropa gibt es kaum große Stallanlagen. Nur zur Lammzeit oder bei extremen Bedingungen werden Tiere teilweise hereingeholt. Ansonsten sind sie ganzjährig draußen. Das funktioniert, weil die Winter zwar stürmisch, aber selten extrem kalt sind – meist knapp über oder um den Gefrierpunkt.
Gefressen wird, was wächst. Und das ist vor allem Gras. Die Inseln sind fast komplett mit Gras und niedriger Vegetation bedeckt. Bäume gibt es kaum. Die Schafe halten die Landschaft kurz – sie prägen das gesamte Erscheinungsbild der Färöer. Ohne sie wären viele Hänge deutlich dichter bewachsen. Im Sommer ist das Gras saftig grün, im Winter eher gelblich-braun, aber immer noch ausreichend.
Im Frühjahr sieht man überall Lämmer. Kleine weiße Punkte in der Landschaft, oft dicht bei der Mutter. Das wirkt idyllisch, besonders wenn im Hintergrund dramatische Klippen und Wasserfälle liegen. Gleichzeitig ist es harte Natur – nicht jedes Lamm überlebt die ersten Stürme.
Historisch waren Schafe sogar Teil des politischen Systems. Die Inseln wurden in sogenannte „hagar“ eingeteilt – Weidegebiete, die bestimmten Bauern oder Dörfern zugeordnet sind. Diese Strukturen existieren bis heute. Die Weiderechte sind genau geregelt und werden teilweise vererbt.
Und dann gibt es noch die besondere Verbindung zwischen Schaf und Architektur. Viele Häuser haben Grasdächer – nicht nur aus Tradition, sondern auch aus Isolation. Und wer das erste Mal ein Schaf auf einem Grasdach stehen sieht, versteht sofort, wie selbstverständlich Tier und Landschaft hier zusammengehören.
Für mich sind die Schafe das Symbol der Färöer. Sie wirken stoisch. Unbeeindruckt vom Sturm. Während ich im Auto sitze und denke, dass ich bei dem Wetter nicht aussteigen kann, stehen sie einfach draußen und kauen weiter. Wind? Egal. Schnee? Egal. Regen? Auch egal.Read more
Tjørnuvík
February 27 in Faroe Islands ⋅ 🌬 2 °C
Einen Stopp habe ich mir noch zugetraut, bevor es dunkel wird. Also weiter die Straße entlang des Fjords und dann in die nächste Sackgasse – bis ganz nach hinten. Ziel: Tjørnuvík, ganz im Norden von Streymoy gelegen, vielleicht 60 Einwohner, umgeben von Bergen auf drei Seiten und vorne komplett offen zum Nordatlantik. Dramatischer kann ein Dorf kaum liegen.
Schon auf dem Weg dorthin wieder diese typisch färöischen Szenen: kleine Orte mit vielleicht zehn, zwanzig Häusern, fast immer eine Kirche dabei, rot oder schwarz, mit weißem Turm. Dazwischen immer wieder die runden Anlagen der Lachszucht im Wasser. Die Aquakultur ist heute einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Färöer – neben dem klassischen Fischfang. Atlantischer Lachs wird hier in großen Netzgehegen in den Fjorden gezüchtet, das kalte, saubere Wasser bietet perfekte Bedingungen. Ein erheblicher Teil des Exports der Inseln stammt inzwischen aus dieser Zucht. Wenn man an der Bucht entlangfährt und diese kreisrunden Farmen im Wasser sieht, merkt man, wie modern und gleichzeitig abgelegen das alles hier ist.
Und dann kommt man in Tjørnuvík an. Die Straße endet einfach. Dahinter nur noch Strand und Meer. Der Ort selbst wirkt fast wie aus einer anderen Zeit: verstreute Häuser mit Grasdächern, schmale Wege, alles sehr ruhig. Und direkt davor dieser schwarze Sandstrand. Kein tropisches Schwarz, sondern eher dunkelgrau, vulkanisch geprägt, grobkörnig. Die Wellen rollen kraftvoll rein – offen zum Atlantik, keine schützende Insel davor.
Hier stehen sie auch, die berühmten zwei Felsen draußen im Meer: Risin und Kellingin, „der Riese und das Weib“. Der Legende nach wollten sie die Färöer nach Island ziehen, wurden aber vom Sonnenaufgang überrascht und zu Stein. Heute stehen sie wie zwei Wächter im Wasser, leicht versetzt nebeneinander, und sind eines der ikonischsten Motive der Inseln. Vom Strand aus hat man den perfekten Blick.
Was mich überrascht hat: Es gibt tatsächlich Surfbretter zum Ausleihen. Tjørnuvík gilt als einer der wenigen Surfspots der Färöer. Die Wellen sind konstant, die Kulisse spektakulär. Nur die Wassertemperatur… sagen wir so: Neopren ist hier kein Accessoire, sondern überlebenswichtig. Bei ein paar Grad über Null Außentemperatur habe ich das Thema Surfen dann doch vertagt.
Die Berge rund um das Dorf steigen steil an, fast amphitheaterartig. Wenn Wolken durchziehen, ändert sich die Stimmung im Minutentakt. Am Rückweg hatte ich dann das perfekte Timing: Die Sonne kam tief rein, hat die beiden Felsen draußen im Meer goldorange angeleuchtet, während das Dorf selbst schon halb im Schatten lag. Diese Kontraste – dunkler Strand, kaltes Meer, warmes Licht auf den Felsen – wirklich genial.
Tjørnuvík ist so ein Ort, an dem man einfach stehenbleibt und schaut. Kein Café, kein großes Programm, kein Trubel. Nur Natur, Wellen, Wind – und diese zwei Türme aus Stein draußen im Atlantik. Wunderschöner Abschluss, bevor es dunkel wurde.Read more
Fossá
February 27 in Faroe Islands ⋅ 🌬 1 °C
Kein neuer Stopp geplant – aber auf dem Heimweg musste ich einfach noch anhalten. Direkt an der Straße tauchte plötzlich der größte Wasserfall der Färöer auf: der beeindruckende Fossá. Man fährt quasi daran vorbei, sieht das Wasser in mehreren Kaskaden den Berg hinunterstürzen und denkt sich: Das kann doch nicht wahr sein, wie nah das alles hier ist.
Natürlich konnte ich es nicht lassen. Obwohl es eigentlich viel zu windig war, habe ich mich tatsächlich noch getraut, die Drohne steigen zu lassen. Auf den Färöern weiß man ja: Wind ist immer – die Frage ist nur, wie viel. Kurz gewartet, Wind beobachtet, gestartet. Ging erstaunlich problemlos hoch. Und noch viel wichtiger: sie kam auch wieder sauber runter. Oben dieser Blick – das Wasser schießt über mehrere Stufen Richtung Meer, grüne Hänge, Wolkenfetzen, alles in Bewegung. Genau diese Dramatik macht die Inseln aus. Das Wetter sieht auf dem Handy immer katastrophal aus – und zehn Minuten später ist es magisch.
Fossá ist mit rund 140 Metern Fallhöhe der höchste Wasserfall der Färöer. Er liegt auf Streymoy, zwischen Haldórsvík und Tjørnuvík, und ist einer der wenigen großen Wasserfälle, die man direkt von der Straße aus erreicht. Kein langer Hike, kein großes Spektakel – einfach Natur pur.
Danach noch gut eine Stunde Fahrt zurück nach Tórshavn. Die Straßen schlängeln sich durch Täler, vorbei an Fjorden, immer wieder Regenbänder, dann wieder Licht. Diese Mischung macht es hier so besonders. Man fährt, hält an, staunt, fährt weiter.
Schöner Ausflug. Wirklich toll.Read more
Sonnenaufgang bei Tórshavn
February 28 in Faroe Islands ⋅ 🌬 5 °C
Ganz am Ende also doch noch Glück gehabt mit dem Wetter. Kein Regen, kein Schnee, kaum Wind – das gibt es hier auf den Färöern nicht so oft. Also im Dunkeln runter ans Meer, Drohne aufgebaut, alles vorbereitet. In der Nähe von Tórshavn langsam hochgestiegen, perfektes Licht am Horizont. Zeitraffer gestartet. Der Sonnenaufgang kam kraftvoll, auch wenn sich dann eine dicke Wolke genau vor die Sonne geschoben hat. Typisch Färöer. Aber genau das macht diese Stimmung ja aus – dieses Wechselspiel aus Licht, Meer, Wolken, Bergen. Dramatisch und ruhig zugleich.
Danach noch kurz runter in den Hafen. Es war komplett menschenleer, nur ein paar Möwen, leises Klacken von Masten im Wind, ganz weiches Morgenlicht auf den Booten.
Tórshavn ist mit rund 23.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt der Färöer – bei insgesamt nur etwa 54.000 Einwohnern im ganzen Land. Der Name bedeutet wörtlich „Thors Hafen“, benannt nach dem nordischen Gott Thor. Schon im 9. Jahrhundert ließen sich hier Wikinger nieder. Der Ort entwickelte sich früh zu einem politischen Zentrum, denn auf der kleinen Halbinsel Tinganes – mit den heute noch stehenden rot gestrichenen Holzhäusern mit Grasdächern – tagte bereits um das Jahr 900 eines der ältesten Parlamente der Welt, das Løgting.
Der Hafen war immer das Herz der Stadt. Die Färöer leben traditionell vom Fischfang, und Tórshavn wurde zum zentralen Umschlagplatz für Kabeljau, Schellfisch, Hering und später auch für die stark wachsende Lachs-Aquakultur. Im 19. Jahrhundert endete das dänische Handelsmonopol, und Tórshavn entwickelte sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Knotenpunkt. Heute sitzen hier Regierung, Banken, Reedereien und große Fischereiunternehmen. Auch moderne Offshore- und Dienstleistungsbetriebe haben sich angesiedelt.
Der Hafen selbst ist eine Mischung aus Fischereihafen, Yachthafen und Fährterminal. Von hier legt auch die Smyril Line Richtung Dänemark und Island ab. Morgens, wenn noch keine Aktivität herrscht, wirken die bunten Boote, die Lagerhallen und die modernen Gebäude fast meditativ. Gleichzeitig weiß man, dass hier tagsüber tonnenweise Fisch verarbeitet und verschifft wird – ein enormer Wirtschaftsfaktor für das ganze Land. Der Fischereisektor macht einen großen Teil der Exporterlöse der Färöer aus und prägt bis heute Politik und Gesellschaft.
Die Stadt selbst ist spannend, weil sie Tradition und Moderne so eng verbindet. Zwischen alten schwarzen Holzhäusern mit Torfdach stehen moderne Glasbauten. Cafés, Designläden, kleine Galerien – alles sehr nordisch, sehr reduziert. Und doch bleibt es überschaubar. Man ist in fünf Minuten vom Zentrum draußen in der Natur, in weiteren zehn Minuten auf einem Hügel mit Blick über Fjorde und Berge.
Gerade heute Morgen war diese Ruhe fast surreal. Kein Mensch unterwegs, nur das Licht, das langsam über die Dächer von Tinganes wanderte und die Boote im Hafen golden färbte. Nach den stürmischen Tagen ein perfekter Abschluss. Faröer können wild sein – aber sie können eben auch ganz leise.Read more
Kirkjubøur
February 28 in Faroe Islands ⋅ ☁️ 6 °C
Vor dem Frühstück hatte ich tatsächlich noch Zeit – also schnell ins Auto und rüber auf die andere Seite nach Kirkjubøur. Die Straße schlängelt sich über die Hügel, immer wieder Blick aufs Meer, und dann taucht es plötzlich auf: dieses kleine Dorf direkt an der Küste, schwarze Holzhäuser mit Grasdächern, die Kirche, dahinter die Ruine der alten Kathedrale. Was für ein Fleck. Ganz ruhig, kein Mensch unterwegs. Ein paar Stare sind über die Wiesen gehüpft, ein paar Wasservögel am Ufer. Das Meer ganz glatt, graublau. Und dann – typisch Färöer – fängt es plötzlich an zu schneien und zu regnen. Innerhalb von Minuten. Also zurück ins Auto. Zehn Minuten später wieder Sonne. Diese Inseln spielen wirklich ihr eigenes Wetter-Spiel.
Kirkjubøur ist einer der geschichtsträchtigsten Orte der Färöer. Der Name bedeutet „Kirchdorf“ – und genau das war es über Jahrhunderte. Schon im Mittelalter war Kirkjubøur das geistliche Zentrum der Inseln. Hier residierte der Bischof, hier war der Sitz der katholischen Kirche auf den Färöern.
Die Ruine der Magnus-Kathedrale stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde nie fertiggestellt – vermutlich wegen politischer Umbrüche und wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach der Reformation. Trotzdem steht sie heute noch imposant da, direkt über dem Meer, und erzählt von einer Zeit, in der die Färöer viel enger in die norwegische und kirchliche Welt eingebunden waren.
Gleich daneben steht die weiß getünchte Ólavskirkjan aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist bis heute in Gebrauch und damit eine der ältesten noch genutzten Kirchen der Inseln. Innen hängen alte Kirchenbänke und eine kunstvoll geschnitzte Kanzel – man spürt sofort, wie tief hier Geschichte verankert ist.
Und dann natürlich das berühmte Kirkjubøargarður, eines der ältesten bewohnten Holzhäuser Europas. Seit rund 17 Generationen lebt hier dieselbe Familie. Das schwarze Holz, die Torfdächer, der Blick aufs Meer – alles wirkt archaisch und gleichzeitig unglaublich lebendig.
Die Besiedlung der Färöer begann vermutlich schon im 7. oder 8. Jahrhundert durch irische Mönche, bevor im 9. Jahrhundert die Wikinger kamen und die Inseln dauerhaft besiedelten. Kirkjubøur entwickelte sich rasch zum religiösen Machtzentrum. Hier wurden Priester ausgebildet, hier wurden Dokumente geschrieben, hier lag Wissen. Im Mittelalter war das Dorf politisch und kirchlich bedeutender als das heutige Tórshavn.
Heute leben nur noch etwa 80 Menschen hier. Und doch fühlt es sich an wie ein Geschichtsbuch unter freiem Himmel. Wenn man morgens ganz allein zwischen den Häusern steht, die Stare über die Wiesen hüpfen und das Meer im Hintergrund rauscht, versteht man, warum dieser Ort über Jahrhunderte eine so zentrale Rolle gespielt hat.
Jetzt aber Frühstück!Read more
Nólsoy
February 28 in Faroe Islands ⋅ 🌬 6 °C
Nach einem leckeren Frühstück im Hotel bin ich wieder los. Eigentlich dachte ich, ich muss noch shoppen gehen, aber das Angebot war überschaubar – also Plan geändert und runter zum Hafen. Von dort habe ich die Fähre nach Nólsoy genommen, direkt gegenüber von Tórshavn. Genau dorthin, wo ich heute früh schon den Sonnenaufgang gesehen hatte. Eine halbe Stunde über den Nólsoyarfjørður, frische Luft, kaum Wind, herrlicher Blick zurück auf Streymoy und die bunten Häuser von Tórshavn, die immer kleiner wurden.
Nólsoy selbst ist ein kleines, sehr ursprüngliches Dorf mit rund 200–250 Einwohnern. Die Siedlung liegt geschützt an der Ostseite der Insel, fast alle Häuser gruppieren sich rund um den kleinen Hafen. Typisch färöisch: schwarze Holzhäuser mit weißen Fenstern, dazwischen immer wieder kräftige Farben – rot, blau, grün. Vorne am Hafen steht die kleine Kirche von Nólsoy, schlicht, weiß, mit Blick aufs Meer – wie so oft auf den Färöern wirkt alles reduziert, aber stimmig.
Historisch war Nólsoy stark von Fischerei geprägt. Viele Männer waren Fischer oder Seefahrer, und das Meer war über Generationen Lebensgrundlage. Heute pendeln einige Bewohner nach Tórshavn, die Fähre ist also nicht nur für Touristen da, sondern echte Lebensader. Gleichzeitig ist die Insel ein wichtiger Ort für Natur- und Vogelbeobachtung: In den Klippen brüten große Kolonien von Sturmvögeln, und Nólsoy gilt als einer der besten Plätze, um die berühmten Färöer-Sturmschwalben zu sehen – allerdings eher nachts und in der Saison. Leider ist gerade noch gar keine Saison für Vögel.Read more
Reyn
February 28 in Faroe Islands ⋅ 🌬 6 °C
Zurück in Tórshavn bin ich dann noch durch die Altstadt gezogen, durch Tinganes – oder wie man hier sagt: úti á Reyni. Das ist wirklich einer der schönsten Flecken der Stadt. Alte, niedrige Holzhäuser, schwarz geteert, rote Fensterrahmen, dazwischen schmale Gassen aus Kopfsteinpflaster. Und oben drauf diese typischen Grasdächer, dick gewachsen, als würde das Haus direkt aus der Landschaft herauswachsen.
Tinganes gehört zu den ältesten noch erhaltenen Parlamentsorten der Welt. Schon im 9. Jahrhundert, zur Wikingerzeit, trafen sich hier die freien Bauern zum sogenannten „Thing“, also zur Volksversammlung. Daraus entwickelte sich später das färöische Parlament, das Løgting – eines der ältesten Parlamente überhaupt. Bis heute sitzen Teile der Landesregierung in genau diesen historischen Gebäuden. Es ist also keine Museums-Altstadt, sondern ein lebendiger politischer Ort.
Die Schilder, die überall stehen, weisen tatsächlich darauf hin, dass viele Häuser privat oder Regierungsgebäude sind. Man soll respektvoll sein, nicht einfach in Höfe gehen oder Leute fotografieren. Aber heute war ohnehin niemand unterwegs. Fast gespenstisch ruhig. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit, vielleicht am Wetter. Es wirkte fast wie eine Filmkulisse – nur ohne Statisten.
Ein paar Schritte weiter steht der Dom von Tórshavn, die Dómkirkjan. Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert, genauer von 1788, wobei es an gleicher Stelle schon deutlich früher Kirchen gab. Sie ist eine der ältesten erhaltenen Holzkirchen der Färöer. Außen schlicht weiß mit dunklem Dach, innen sehr reduziert, protestantisch geprägt, mit einem markanten Altarbild und einem historischen Taufbecken. Leider war sie geschlossen – laut Aushang erst morgen Abend wieder offen. Schade, gerade im Abendlicht wäre das sicher besonders schön gewesen.
Tórshavn selbst zählt heute rund 13.000 Einwohner und ist damit zwar Hauptstadt, wirkt aber eher wie eine größere Kleinstadt. Gerade hier in der Altstadt spürt man die Geschichte besonders stark: vom Wikinger-Treffpunkt über die dänische Verwaltung bis hin zur modernen autonomen Regierung der Färöer innerhalb des Königreichs Dänemark.
Die Farben waren heute perfekt. Das Schwarz der Holzhäuser, das Rot der Fensterrahmen, das satte Grün der Dächer – alles im klaren, tief stehenden Licht. Kaum Wind, kaum Menschen.Read more
Klaksvík und der Blick vom Klakkur
February 28 in Faroe Islands ⋅ ☁️ 6 °C
Die Fahrt nach Klaksvík ist schon Teil des Erlebnisses. Die Norðoyatunnilin verbindet die Inseln unter dem Meer – und mittendrin dieser surreal große Kreisverkehr tief unter Wasser. Kurz falsch abgebogen, aber egal: Man kommt immer wieder raus. Und dann plötzlich diese Kulisse. Viel steiler, dramatischer als weiter südlich. Berge links und rechts, fast wie Mauern, die den Fjord umarmen.
Klaksvík ist die zweitgrößte Stadt der Färöer und so etwas wie die Hauptstadt des Nordens. Sie liegt auf Borðoy, gehört zu den Norðoyggjar, und lebt sichtbar vom Meer. Fischerei ist hier nicht Folklore, sondern Alltag und Identität – große Fischfabriken am Hafen, moderne Schiffe, viel Industrie für färöische Verhältnisse. Gleichzeitig ist es ein erstaunlich lebendiger Ort: Schulen, Kulturhaus, Schwimmbad, Cafés, Fußball, Konzerte. Kein Museumsdorf, sondern echtes Leben zwischen Bergen und Atlantik.
Historisch war Klaksvík lange ein Flickenteppich aus kleinen Siedlungen, die erst im 20. Jahrhundert zusammengewachsen sind. Der Boom kam mit der Industrialisierung der Fischerei, später auch mit besserer Infrastruktur. Heute sind die Tunnel der Gamechanger: Was früher abgelegen war, fühlt sich plötzlich nah an. Tórshavn ist nur noch eine entspannte Autofahrt entfernt – unter dem Meer durch.
Der Abstecher hinauf zum Klakkur ist Pflicht. Die Straße schraubt sich hoch, oben wird es schnell windig, aber das Licht… Wahnsinn. Von dort oben liegt Klaksvík wie ein Modell zu Füßen: der Hafen mit den Schiffen, die Häuser dicht an dicht, eingerahmt von steilen, fast schwarzen Bergen. Man schaut tief in den Fjord hinein und gleichzeitig hinaus Richtung offene See. Bei klarer Sicht erkennt man mehrere der Norðoyggjar, die sich wie gezackte Zähne aus dem Wasser schieben.
Für die Drohne ist der Spot spektakulär – aber Respekt ist angesagt. Der Wind kann oben brutal sein, böig und unberechenbar. Wenn es aber passt, bekommt man diese typischen Färöer-Shots: harte Kanten, tiefes Blau, wechselndes Licht, Wolken, die an den Gipfeln hängen bleiben. Genau diese Mischung macht den Norden der Färöer so besonders.Read more
Gásadalur
March 1 in Faroe Islands ⋅ 🌬 6 °C
Heute Morgen nochmal ganz entspannt gefrühstückt, letzter Blick aufs Meer, dann ausgecheckt und mit dem Mietwagen Richtung Flughafen in Vágar gefahren. Der Weg ist ja mittlerweile fast schon vertraut, diese lange, kurvige Strecke durch Tunnel, über Pässe, vorbei an Wasserfällen. Natürlich musste ich nochmal einen kurzen Stopp am Norðradalsskarð einlegen – meinem allerersten Spot hier auf den Inseln. Wieder windig, wieder Regen von der Seite, aber die Aussicht auf die vorgelagerten Inseln war trotz allem grandios. Diese Mischung aus Wolkenfetzen, Lichtstrahlen und dunklem Meer – typisch Färöer.
Die Wanderung hoch zum bekannten Aussichtspunkt über dem Sørvágsvatn habe ich diesmal ausgelassen. Bei Regen macht das wenig Sinn, vor allem wenn der Wind von der Seite drückt. Aber selbst von der Straße aus war die Landschaft wieder beeindruckend. Dieses „See-über-dem-Meer“-Phänomen am Sørvágsvatn – der größte See der Färöer mit rund 3,4 km² – bleibt schon speziell. Er liegt etwa 30 Meter über dem Meeresspiegel, und von der richtigen Perspektive wirkt es, als würde das Wasser direkt ins Meer kippen.
Ich bin weitergefahren bis ganz ans Ende der Bucht nach Gásadalur.
Links draußen im Meer diese Felsformationen mit Zacken und Spitzen – besonders die Felsen von Drangarnir sehen wirklich aus wie ein versunkener Drache, der noch halb aus dem Atlantik ragt. Total surreal. Dunkles Wasser, weiße Gischt, darüber tiefe Wolken – fast wie aus einem Fantasy-Film.
Dann nochmal durch so einen einspurigen Tunnel. Diese alten, dunklen Röhren ohne Licht, nur mit Ausweichbuchten – immer ein bisschen nervös, wenn man nicht weiß, ob einem jemand entgegenkommt. Diesmal Glück gehabt. Auf der anderen Seite öffnet sich plötzlich dieses kleine, abgeschiedene Tal von Gásadalur. Bis 2004 war das Dorf tatsächlich nur zu Fuß über den Pass erreichbar, heute verbindet ein Tunnel das Dorf mit dem Rest der Insel Vágar. Gerade mal eine Handvoll Häuser, vielleicht 15–20 Einwohner – komplett isoliert wirkend.
Und dann der Wasserfall Múlafossur.
Er fällt rund 30 Meter direkt ins Meer – einer der ikonischsten Spots der Färöer. Drohnenverbot, was absolut Sinn macht, gerade wegen der Brutgebiete der Papageitaucher. Auch wenn jetzt Ende Februar sowieso noch keine Puffins da sind – die kommen typischerweise erst ab April zurück – bei dem Wind hätte ich die Drohne ohnehin nicht hochbekommen. Aber auch ohne Drohne: spektakulär. Die Gischt, die hochzieht, das dunkle Wasser, die kleinen schwarzen Häuser mit Grasdächern im Vordergrund. Ein perfekter Abschluss.
Dann zurück zum Flughafen. Auto abgegeben, jetzt sitze ich hier und warte auf meinen Flug nach Kopenhagen.
Ein paar Tage reichen hier, um ein gutes Gefühl für die Inseln zu bekommen. Die Färöer haben rund 55.000 Einwohner, verteilen sich auf 18 Inseln, verbunden durch Tunnel, Brücken und Fähren. Wetterwechsel im 10-Minuten-Takt, dramatische Landschaft, kaum Bäume, dafür Schafe überall.
Die Vögel fehlen jetzt noch – keine Puffins, kaum große Kolonien. Das heißt: Vielleicht nochmal wiederkommen zur richtigen Vogelzeit, Mai oder Juni, wenn die Klippen leben. Mit Drohne wird es dann zwar noch restriktiver, aber fotografisch wahrscheinlich nochmal eine ganz andere Liga.
Genialer Trip. Rau, wild, ungeschönt. Genau so, wie man sich die Färöer vorstellt.Read more
Wieder zu Hause
March 2 in Germany ⋅ ☀️ 1 °C
Nach einem super schönen Flug von den Inseln über Norwegen, einer Nacht in Kopenhagen, ging es schon wieder zurück nach München. Pünktlich 8:30 im Büro mit frischen Cordanom Buns.






















































































































































































































































































































































































TravelerNa zum Glück nicht kürzlich der Direktflug ab München....