• Gásadalur

    March 1 in Faroe Islands ⋅ 🌬 6 °C

    Heute Morgen nochmal ganz entspannt gefrühstückt, letzter Blick aufs Meer, dann ausgecheckt und mit dem Mietwagen Richtung Flughafen in Vágar gefahren. Der Weg ist ja mittlerweile fast schon vertraut, diese lange, kurvige Strecke durch Tunnel, über Pässe, vorbei an Wasserfällen. Natürlich musste ich nochmal einen kurzen Stopp am Norðradalsskarð einlegen – meinem allerersten Spot hier auf den Inseln. Wieder windig, wieder Regen von der Seite, aber die Aussicht auf die vorgelagerten Inseln war trotz allem grandios. Diese Mischung aus Wolkenfetzen, Lichtstrahlen und dunklem Meer – typisch Färöer.

    Die Wanderung hoch zum bekannten Aussichtspunkt über dem Sørvágsvatn habe ich diesmal ausgelassen. Bei Regen macht das wenig Sinn, vor allem wenn der Wind von der Seite drückt. Aber selbst von der Straße aus war die Landschaft wieder beeindruckend. Dieses „See-über-dem-Meer“-Phänomen am Sørvágsvatn – der größte See der Färöer mit rund 3,4 km² – bleibt schon speziell. Er liegt etwa 30 Meter über dem Meeresspiegel, und von der richtigen Perspektive wirkt es, als würde das Wasser direkt ins Meer kippen.

    Ich bin weitergefahren bis ganz ans Ende der Bucht nach Gásadalur.

    Links draußen im Meer diese Felsformationen mit Zacken und Spitzen – besonders die Felsen von Drangarnir sehen wirklich aus wie ein versunkener Drache, der noch halb aus dem Atlantik ragt. Total surreal. Dunkles Wasser, weiße Gischt, darüber tiefe Wolken – fast wie aus einem Fantasy-Film.

    Dann nochmal durch so einen einspurigen Tunnel. Diese alten, dunklen Röhren ohne Licht, nur mit Ausweichbuchten – immer ein bisschen nervös, wenn man nicht weiß, ob einem jemand entgegenkommt. Diesmal Glück gehabt. Auf der anderen Seite öffnet sich plötzlich dieses kleine, abgeschiedene Tal von Gásadalur. Bis 2004 war das Dorf tatsächlich nur zu Fuß über den Pass erreichbar, heute verbindet ein Tunnel das Dorf mit dem Rest der Insel Vágar. Gerade mal eine Handvoll Häuser, vielleicht 15–20 Einwohner – komplett isoliert wirkend.

    Und dann der Wasserfall Múlafossur.

    Er fällt rund 30 Meter direkt ins Meer – einer der ikonischsten Spots der Färöer. Drohnenverbot, was absolut Sinn macht, gerade wegen der Brutgebiete der Papageitaucher. Auch wenn jetzt Ende Februar sowieso noch keine Puffins da sind – die kommen typischerweise erst ab April zurück – bei dem Wind hätte ich die Drohne ohnehin nicht hochbekommen. Aber auch ohne Drohne: spektakulär. Die Gischt, die hochzieht, das dunkle Wasser, die kleinen schwarzen Häuser mit Grasdächern im Vordergrund. Ein perfekter Abschluss.

    Dann zurück zum Flughafen. Auto abgegeben, jetzt sitze ich hier und warte auf meinen Flug nach Kopenhagen.

    Ein paar Tage reichen hier, um ein gutes Gefühl für die Inseln zu bekommen. Die Färöer haben rund 55.000 Einwohner, verteilen sich auf 18 Inseln, verbunden durch Tunnel, Brücken und Fähren. Wetterwechsel im 10-Minuten-Takt, dramatische Landschaft, kaum Bäume, dafür Schafe überall.

    Die Vögel fehlen jetzt noch – keine Puffins, kaum große Kolonien. Das heißt: Vielleicht nochmal wiederkommen zur richtigen Vogelzeit, Mai oder Juni, wenn die Klippen leben. Mit Drohne wird es dann zwar noch restriktiver, aber fotografisch wahrscheinlich nochmal eine ganz andere Liga.

    Genialer Trip. Rau, wild, ungeschönt. Genau so, wie man sich die Färöer vorstellt.
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