Camp Kigali Memorial
September 14 in Rwanda ⋅ ⛅ 26 °C
Unser Guide Godwin hat uns am späten Morgen von unserem Hotel abgeholt und als nächstes ging's zum Camp Kigali Memorial. Das Gebäude sieht man schon von weitem an den unzähligen Einschusslöchern in der Fassade, die Wand ist komplett durchsiebt. Drinnen ist der Raum, in dem alles passiert ist, mit Blumen und einem symbolischen Sarg hergerichtet, dazu die belgische und die ruandische Flagge und eine Gedenktafel mit den Namen und Gesichtern der zehn Soldaten. Draußen im Garten stehen zehn graue Steinstelen im Kreis, jede für einen von ihnen, oben abgebrochen. Ein sehr stiller, bedrückender Ort.
Was dort passiert ist: Am 7. April 1994, dem Tag nach dem Abschuss des Flugzeugs von Präsident Habyarimana, sollten zehn belgische UN-Blauhelmsoldaten die ruandische Premierministerin Agathe Uwilingiyimana beschützen, eine gemäßigte Hutu, die von den Extremisten als Verräterin gesehen wurde. Die Soldaten wurden von Einheiten der ruandischen Armee umzingelt, zur Aufgabe und Entwaffnung gezwungen und dann ins Camp Kigali gebracht, wo sie stundenlang gefoltert und schließlich ermordet wurden. Am selben Tag begann der Völkermord an den Tutsi, bei dem in gut hundert Tagen schätzungsweise 800.000 Menschen getötet wurden. Belgien zog nach dem Mord seine Truppen komplett aus Ruanda ab, danach war die UN-Mission praktisch handlungsunfähig und die Gewalt eskalierte ungebremst weiter. Die zehn Steinsäulen im Garten sind deshalb bewusst ungeschliffen und identisch gestaltet, unten trägt jede die Initialen eines der Männer.
Die Geschichte zwischen Belgien und Ruanda reicht aber viel weiter zurück. Ruanda war erst deutsche, nach dem Ersten Weltkrieg belgische Kolonie beziehungsweise UN-Treuhandgebiet. Die Belgier haben die eigentlich fließenden sozialen Kategorien Hutu und Tutsi zu festen "Rassen" gemacht, ab 1933 sogar mit Ausweisen, auf denen die Zugehörigkeit stand, und dabei die Tutsi-Minderheit systematisch bevorzugt. Diese künstliche Spaltung gilt heute als einer der wichtigsten Nährböden für den späteren Völkermord. Aktuell sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern ziemlich angespannt, Ruanda hat 2025 wegen des Konflikts im Ost-Kongo sogar vorübergehend alle diplomatischen Beziehungen zu Belgien abgebrochen, mittlerweile wird aber wieder vorsichtig an einer Annäherung gearbeitet.
Sind schon bedrückende Zeitzeugen. Wir sind dann weiter Kigali Genozid Memorial gefahren. Das gehört bei einem Besuch in Ruanda mit dazu. Es sind jetzt gerade mal 30 Jahre vergangen und muss uns allen eine Lehre sein.Read more








