• Kigali Genocide Memorial

    September 14 in Rwanda ⋅ ⛅ 27 °C

    Weiter ging's zum Kigali Genocide Memorial. Über zweihundertfünfzigtausend Opfer des Genozids sind hier begraben, gefunden in den Straßen, Häusern und Flüssen von Kigali und Umgebung. Das Memorial wurde bewusst an Yad Vashem in Jerusalem angelehnt, fühlt sich aber trotzdem ganz anders an, viel afrikanischer irgendwie, mit den Bambushecken und der Wärme drumherum. Trotzdem geht es einem genauso unter die Haut.

    Die Wurzeln des Ganzen liegen tief in der Kolonialzeit. Erst die Deutschen, dann ab 1916 die Belgier haben Ruanda regiert und dabei aus zwei Bevölkerungsgruppen, die eigentlich eine gemeinsame Sprache und Kultur hatten, zwei starre Ethnien gemacht. Die Belgier führten in den Dreißigern Ausweise ein, auf denen stand, ob man Hutu oder Tutsi war, angeblich anhand von Körpermerkmalen. Vorher war das viel durchlässiger gewesen, eher eine soziale als eine ethnische Frage. Die Tutsi wurden von den Kolonialherren bevorzugt, was später, nach der Unabhängigkeit, zu jahrzehntelangem Hass und wiederkehrender Gewalt gegen sie führte.

    Der eigentliche Auslöser für den Genozid war der 6. April 1994. An diesem Tag wurde das Flugzeug von Präsident Habyarimana über Kigali mit einer Rakete abgeschossen, er kam dabei ums Leben. Wer genau dahintersteckte, ist bis heute umstritten. Innerhalb von Stunden begannen Hutu-Extremisten mit systematischen Tötungen, angeheizt durch Hetzradio, das die Tutsi offen zu Feinden erklärte. In nur hundert Tagen wurden schätzungsweise achthunderttausend Menschen ermordet, die meisten Tutsi, aber auch gemäßigte Hutu, die sich weigerten mitzumachen. Beendet wurde der Genozid erst im Juli 1994, als die Rebellenarmee RPF unter Paul Kagame Kigali einnahm.

    Das Memorial in Gisozi dokumentiert all das, erklärt die koloniale Vorgeschichte genauso wie die hundert Tage selbst. Es gibt einen eigenen Bereich nur für die Kinder, die getötet wurden, mit ihren Lieblingsspielsachen und letzten Worten. Das war das Schlimmste für mich. Wir waren mitten in den Kwibuka-Feierlichkeiten, dem jährlichen Gedenken, diesmal war es der 32. Jahrestag. Deshalb waren auch so viele Uniformierte und Delegationen aus anderen Ländern da, auch aus Deutschland war eine dabei, aber wo genau die herkamen, haben wir nicht rausgefunden. Alle in schönen Anzügen und Uniformen.
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