• GG72
  • Elias Gerner
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Ruanda und Uganda

Was kann man in einer Woche aufregendes tun? Viel :-)
Es sollte Ruanda und Uganda sein. Wir werden natürlich zu den Gorillas in de Bergen von Ruanda fahren und sonst ein paar Tage Ostafrika erleben.
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  • Trip start
    September 13, 2026

    Letzte Vorbereitungen

    September 12 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Morgen geht’s los. 10:30 geht der Flieger erst mal nach Istanbul.
    Heute Abend müssen wir noch kurz packen. Für die Woche braucht man ja nicht viel. 6 schwarze T-Shirts. Ersatzhose und Wanderschuhe. Badehose und Flip Flops. Waschzeug und ein paar Medikamente. Kamera natürlich! Drohne ist leider nicht. Darf man nicht mitbringen und hatte sie ja eh letzte Woche geschrottet.

    Dann ging es am Morgen aber schon los. Tamara hat uns zum Flughafen gefahren. Flug nach Istanbul easy. Einen Film geschaut und das Essen war auch gut. Fensterplatz ohne Fenster. Das hatten sie wohl vergessen. Auch schade.
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  • Istanbul Airport

    September 13 in Turkey ⋅ ☁️ 20 °C

    Nach unserem ersten Flug sind wir in Istanbul angekommen. Ein paar Stunden Aufenthalt lagen vor uns, also sind wir erst einmal durch einen Teil des riesigen Flughafens gelaufen. Der Istanbul Airport wurde 2018 eröffnet und hat 2019 den alten Atatürk-Flughafen als wichtigstes internationales Drehkreuz der Stadt abgelöst. Allein das große Terminal hat eine Fläche von rund 1,4 Millionen Quadratmetern und gehört damit zu den größten Flughafenterminals der Welt. Turkish Airlines nutzt Istanbul als großes Drehkreuz und verbindet von hier aus Europa mit Afrika, Asien und vielen weiteren Teilen der Welt.

    Die Dimensionen merkt man spätestens, wenn man zum Gate muss. Die Wege können hier wirklich lang werden. Bei uns war es F4B, also noch einmal ein ordentliches Stück zu laufen.

    Davor gab es natürlich noch einen Kaffee bei Starbucks. Vermutlich der teuerste Starbucks-Kaffee meines Lebens. Überhaupt sind die Preise für Essen und Getränke am Flughafen erstaunlich hoch – da musste ich schon zweimal hinschauen.

    Danach hieß es warten, Boarding und weiter. Jetzt beginnt der eigentlich spannende Teil der Reise: raus aus Europa und Richtung Afrika. Unser Ziel ist Kigali, die Hauptstadt von Ruanda. Darauf sind wir wirklich gespannt.
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  • Camp Kigali Memorial

    September 14 in Rwanda ⋅ ⛅ 26 °C

    Unser Guide Godwin hat uns am späten Morgen von unserem Hotel abgeholt und als nächstes ging's zum Camp Kigali Memorial. Das Gebäude sieht man schon von weitem an den unzähligen Einschusslöchern in der Fassade, die Wand ist komplett durchsiebt. Drinnen ist der Raum, in dem alles passiert ist, mit Blumen und einem symbolischen Sarg hergerichtet, dazu die belgische und die ruandische Flagge und eine Gedenktafel mit den Namen und Gesichtern der zehn Soldaten. Draußen im Garten stehen zehn graue Steinstelen im Kreis, jede für einen von ihnen, oben abgebrochen. Ein sehr stiller, bedrückender Ort.

    Was dort passiert ist: Am 7. April 1994, dem Tag nach dem Abschuss des Flugzeugs von Präsident Habyarimana, sollten zehn belgische UN-Blauhelmsoldaten die ruandische Premierministerin Agathe Uwilingiyimana beschützen, eine gemäßigte Hutu, die von den Extremisten als Verräterin gesehen wurde. Die Soldaten wurden von Einheiten der ruandischen Armee umzingelt, zur Aufgabe und Entwaffnung gezwungen und dann ins Camp Kigali gebracht, wo sie stundenlang gefoltert und schließlich ermordet wurden. Am selben Tag begann der Völkermord an den Tutsi, bei dem in gut hundert Tagen schätzungsweise 800.000 Menschen getötet wurden. Belgien zog nach dem Mord seine Truppen komplett aus Ruanda ab, danach war die UN-Mission praktisch handlungsunfähig und die Gewalt eskalierte ungebremst weiter. Die zehn Steinsäulen im Garten sind deshalb bewusst ungeschliffen und identisch gestaltet, unten trägt jede die Initialen eines der Männer.

    Die Geschichte zwischen Belgien und Ruanda reicht aber viel weiter zurück. Ruanda war erst deutsche, nach dem Ersten Weltkrieg belgische Kolonie beziehungsweise UN-Treuhandgebiet. Die Belgier haben die eigentlich fließenden sozialen Kategorien Hutu und Tutsi zu festen "Rassen" gemacht, ab 1933 sogar mit Ausweisen, auf denen die Zugehörigkeit stand, und dabei die Tutsi-Minderheit systematisch bevorzugt. Diese künstliche Spaltung gilt heute als einer der wichtigsten Nährböden für den späteren Völkermord. Aktuell sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern ziemlich angespannt, Ruanda hat 2025 wegen des Konflikts im Ost-Kongo sogar vorübergehend alle diplomatischen Beziehungen zu Belgien abgebrochen, mittlerweile wird aber wieder vorsichtig an einer Annäherung gearbeitet.

    Sind schon bedrückende Zeitzeugen. Wir sind dann weiter Kigali Genozid Memorial gefahren. Das gehört bei einem Besuch in Ruanda mit dazu. Es sind jetzt gerade mal 30 Jahre vergangen und muss uns allen eine Lehre sein.
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  • Kigali Genocide Memorial

    September 14 in Rwanda ⋅ ⛅ 27 °C

    Weiter ging's zum Kigali Genocide Memorial. Über zweihundertfünfzigtausend Opfer des Genozids sind hier begraben, gefunden in den Straßen, Häusern und Flüssen von Kigali und Umgebung. Das Memorial wurde bewusst an Yad Vashem in Jerusalem angelehnt, fühlt sich aber trotzdem ganz anders an, viel afrikanischer irgendwie, mit den Bambushecken und der Wärme drumherum. Trotzdem geht es einem genauso unter die Haut.

    Die Wurzeln des Ganzen liegen tief in der Kolonialzeit. Erst die Deutschen, dann ab 1916 die Belgier haben Ruanda regiert und dabei aus zwei Bevölkerungsgruppen, die eigentlich eine gemeinsame Sprache und Kultur hatten, zwei starre Ethnien gemacht. Die Belgier führten in den Dreißigern Ausweise ein, auf denen stand, ob man Hutu oder Tutsi war, angeblich anhand von Körpermerkmalen. Vorher war das viel durchlässiger gewesen, eher eine soziale als eine ethnische Frage. Die Tutsi wurden von den Kolonialherren bevorzugt, was später, nach der Unabhängigkeit, zu jahrzehntelangem Hass und wiederkehrender Gewalt gegen sie führte.

    Der eigentliche Auslöser für den Genozid war der 6. April 1994. An diesem Tag wurde das Flugzeug von Präsident Habyarimana über Kigali mit einer Rakete abgeschossen, er kam dabei ums Leben. Wer genau dahintersteckte, ist bis heute umstritten. Innerhalb von Stunden begannen Hutu-Extremisten mit systematischen Tötungen, angeheizt durch Hetzradio, das die Tutsi offen zu Feinden erklärte. In nur hundert Tagen wurden schätzungsweise achthunderttausend Menschen ermordet, die meisten Tutsi, aber auch gemäßigte Hutu, die sich weigerten mitzumachen. Beendet wurde der Genozid erst im Juli 1994, als die Rebellenarmee RPF unter Paul Kagame Kigali einnahm.

    Das Memorial in Gisozi dokumentiert all das, erklärt die koloniale Vorgeschichte genauso wie die hundert Tage selbst. Es gibt einen eigenen Bereich nur für die Kinder, die getötet wurden, mit ihren Lieblingsspielsachen und letzten Worten. Das war das Schlimmste für mich. Wir waren mitten in den Kwibuka-Feierlichkeiten, dem jährlichen Gedenken, diesmal war es der 32. Jahrestag. Deshalb waren auch so viele Uniformierte und Delegationen aus anderen Ländern da, auch aus Deutschland war eine dabei, aber wo genau die herkamen, haben wir nicht rausgefunden. Alle in schönen Anzügen und Uniformen.
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  • Kimironko Market

    September 14 in Rwanda ⋅ ☁️ 29 °C

    Vom Memorial hatten wir dann auch wirklich genug. Wir haben unserem Guide gesagt, wir wollen jetzt lieber auf den Markt. Die Fahrt dahin war zäh, dichter Stau, alles sehr gemächlich, aber kaum wer hat gehupt, das fand ich schon bemerkenswert entspannt für so eine Stadt. Am Markt angekommen waren wir dann aber schon richtig in Afrika. Wir haben uns einen Guide genommen, der uns eigentlich durch die Gänge führen und ein bisschen beschützen sollte. Hat aber nicht wirklich geholfen, ständig kamen andere Verkäufer und wollten uns unbedingt zu ihrem Laden ziehen. Nervig, aber irgendwie gehört das wohl dazu.

    Am Eingang saßen vor allem Frauen zwischen Bergen von Früchten, alles wunderschön sortiert, Bananen, Mangos, Tomaten, Wassermelonen, richtig zum Fotografieren schön. Weiter drin, an den Rändern der Halle, reihten sich Frauen an alten Nähmaschinen, die aus den bunten Stoffen Kleider genäht haben, direkt vor Ort. Und dann ging es hinein in dieses dunkle Labyrinth aus Gängen mit Fußballtrikots, T-Shirts und Kunsthandwerk, eng, ein bisschen chaotisch, aber genau deshalb so ein tolles Flair. Ein kleines Souvenir haben wir am Ende gekauft. Beim Kaffee wollten wir handeln, aber die Preise waren einfach unverschämt hoch und keiner ist runtergegangen.

    Der Markt heißt Kimironko Market und ist der größte und meistbesuchte Markt Kigalis. Hier bekommt man wirklich alles, Obst und Gemüse aus Ruanda, Uganda, Kenia und dem Kongo, dazu Stoffe, Kleidung, Haushaltswaren. Die Männer in den gelben Shirts, die einem ständig hinterherlaufen, sind übrigens offiziell als Träger und Guides organisiert, viele Familien verpachten ihre Stände hier schon seit Generationen.

    Kigali selbst ist noch eine ziemlich junge Stadt. Gegründet wurde sie 1907 als deutscher Verwaltungsposten, richtige Hauptstadt wurde sie erst 1962 nach der Unabhängigkeit von Belgien. Bei der Unabhängigkeit lebten hier gerade mal 6000 Menschen. Heute sind es über 1,7 Millionen, Tendenz stark steigend, die Stadt wächst rasant. Wirtschaftlich ist Ruanda immer noch eines der ärmeren Länder, das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei etwa 1000 US-Dollar im Jahr. Ein Großteil der Menschen lebt vom informellen Handel, genau solche Märkte wie Kimironko sind für viele Familien die Haupteinnahmequelle.
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  • Fahrt in den Norden

    September 15 in Rwanda ⋅ ⛅ 25 °C

    Heute ging's früh los. Nach dem Frühstück hat uns Godwin kurz nach acht abgeholt, und dann sind wir Richtung Norden gerollt – Ziel war der Vulkane-Nationalpark. Und was für eine Fahrt das wurde!

    Rwanda nennt man nicht umsonst das "Land der tausend Hügel". Kaum ist man aus Kigali raus, wird's grün und hügelig, überall Felder, kleine Dörfer, ab und zu ein etwas größerer Ort. Das Land ist wahnsinnig dicht besiedelt – auf jedem Stück Erde, das nicht zu steil ist, wird irgendetwas angebaut. Man sieht Bananenstauden, Zuckerrohr, Mais, Bohnen, alles fein säuberlich in Terrassen die Hänge hoch.

    Was mich am meisten beeindruckt hat: die Fahrräder. Hier ist das Fahrrad nicht Sport, sondern Lastesel. Wir haben Männer gesehen, die ihr Rad mit Zuckerrohrstangen beladen haben, so hoch und breit, dass man das Rad selbst kaum noch erkennt – und dann schieben sie das Ding die Berge hoch, Meter für Meter. Oben angekommen, setzen sie sich drauf und sausen mit einer Geschwindigkeit wieder runter, bei der mir fast schwindlig wurde. Ein Stück weiter dasselbe Bild, nur mit riesigen Büscheln grüner Kochbananen beladen – zwei im Team, da sie von hinten schieben und gar nicht lenken können. Das Fahrrad ist hier oft die einzige Transportmöglichkeit, mit der man Erträge vom Feld zum Markt bringt, wenn man sich kein Auto leisten kann. Für viele Männer ist das sogar ein richtiger Beruf – als Lastenradfahrer ("abemera" nennt man sie hier) verdienen sie sich damit ihren Lebensunterhalt.

    Auch zu Fuß ist ordentlich was los am Straßenrand: Frauen mit Säcken auf dem Kopf balanciert, dazu noch Taschen in beiden Händen, unterwegs zum nächsten Markt oder Feld. Kopflasten tragen ist hier tief verwurzelt – man lernt das quasi von klein auf, und es ist erstaunlich, wie mühelos das aussieht, obwohl da locker 20, 30 Kilo oben drauf liegen können.

    Irgendwann kamen wir an einem Markt vorbei, mitten auf freiem Feld, mit bunten Kleidern und Tüchern, die an Schnüren zum Trocknen bzw. zur Schau hingen. Solche Wochenmärkte sind das Herz jeder Gemeinde hier – hier wird verkauft, gehandelt, getratscht, und man bekommt fast alles, von Second-Hand-Kleidung bis Kanistern für Wasser oder Benzin. Die gelben Kanister übrigens sieht man überall in Ostafrika, meist zum Wasserholen.

    Zwischendurch dann wieder Stille: sanfte, grüne Hügel, einzelne Bauernhöfe verstreut in der Landschaft, im Hintergrund schon die ersten vulkanischen Berge, die Richtung Norden immer markanter werden – wir nähern uns der Vulkankette, zu der auch die Virunga-Berge gehören, unser eigentliches Ziel.

    Eine tolle, kurzweilige Fahrt – man sieht auf so einer Strecke mehr vom echten Rwanda als in jedem Museum.
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  • Ellen DeGeneres Campus

    September 15 in Rwanda ⋅ ☁️ 21 °C

    Nach der Fahrt durchs grüne Hügelland sind wir heute Mittag in der Da Vinci Lodge angekommen und haben gleich eingecheckt. Die Lodge liegt am Fuß der Vulkane, ganz in der Nähe von Kinigi, dem Tor zum Vulkane-Nationalpark – und sie ist wirklich hübsch gemacht, viel Holz, gemütliche Zimmer, sehr einladend.

    Zum Mittagessen gab's dann erstmal ein Hühnchen mit Paprika und Reis, dazu die obligatorische Coke Zero – nach der langen Fahrt hat das richtig gutgetan.

    Am Nachmittag sind wir dann noch zum Ellen DeGeneres Campus des Dian Fossey Gorilla Fund rüber, gleich in der Nähe der Lodge. Das Gebäude ist ziemlich neu und architektonisch schon beeindruckend – ein runder Bau, der sich elegant in die Landschaft duckt. Finanziert hat den Bau übrigens tatsächlich Ellen DeGeneres, die sich schon lange für den Schutz der Berggorillas engagiert. Sehr informativ und der perfekte Einstieg in die Welt der Berggorillas.

    Drinnen gibt's eine Ausstellung über Dian Fossey, die Frau, die man untrennbar mit den Berggorillas verbindet. Sie kam in den 60er-Jahren hierher, um die Tiere zu erforschen – zu einer Zeit, in der kaum jemand etwas über sie wusste und sie durch Wilderei fast ausgerottet waren. Sie hat jahrelang mitten im Vulkanwald gelebt, in einer einfachen Hütte, ganz nah bei den Gorillafamilien, und war eine der ersten, die zeigte, dass man mit den sanften Riesen auf Vertrauen statt auf Distanz setzen kann. In der Ausstellung steht sogar eine Nachbildung ihrer alten Feldhütte – mit Schreibmaschine, Petroleumlampe, ihren Feldnotizen und unzähligen alten Fotos von den Gorillafamilien, die sie über die Jahre beobachtet hat.

    1985 wurde sie unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen in ihrer Hütte im Wald ermordet – vermutlich im Zusammenhang mit ihrem kompromisslosen Kampf gegen Wilderer. Ihr Erbe aber lebt weiter: Die Forschungsstation, die sie gegründet hat, existiert bis heute, und dank ihrer Arbeit und des Schutzprogramms, das daraus entstand, hat sich der Bestand der Berggorillas in den Virunga-Bergen und in Ruandas Nationalpark seither tatsächlich wieder erholt – eine echte Erfolgsgeschichte des Naturschutzes.

    Um die Gebäude gab es einen netten Rundweg mit einigen Vögeln. Konnten die Kamera schon mal gut testen, morgen bei den Gorillas muss das ja alles funktionieren. Schön!
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  • Kunsthandwerk und Draufgänger auf zwei Rädern

    September 15 in Rwanda ⋅ ☁️ 20 °C

    Zwischen dem Museum vom Dian-Fossey-Gorilla-Fund und unserer Lodge lag noch ein kleiner Umweg über einen Craft Shop – eigentlich nicht groß geplant, aber offenbar Teil des Programms. War ganz OK.

    Drinnen saßen mehrere Frauen und junge Männer auf kleinen Holzhockern und haben live gezeigt, wie ihr Kunsthandwerk entsteht. Manche flochten aus getrockneten Grashalmen die typischen runden Ruanda-Körbe – die kennt man ja von Fotos, aber live zuzusehen, wie geschickt die Finger da arbeiten, ist nochmal was anderes. Andere saßen an einer uralten Tretnähmaschine und nähten aus bunten Kitenge-Stoffen kleine Taschen und Accessoires zusammen – wirklich schön anzusehen, wie aus einzelnen Stoffresten am Ende ein fertiges Stück wird. Wieder andere fädelten winzige Perlen zu Ketten und Schmuck auf, in kleinen Plastikschüsseln lagen die Perlen nach Farben sortiert bereit.

    Zum Abschluss mussten sie dann noch für uns singen und tanzen – klar, das gehört zu solchen Besuchen ja irgendwie dazu, auch wenn's ein bisschen inszeniert wirkt. Wir haben am Ende eine Kleinigkeit gekauft und noch was zu trinken bekommen. Alles in allem eine nette Sache – aber ehrlich gesagt nicht der Höhepunkt des Nachmittags.

    Viel spannender war nämlich der Weg zurück zur Lodge zu Fuß. Da kamen uns nämlich wieder diese Radfahrer entgegen – schwer beladen, mit halsbrecherischem Tempo den Berg runter. Und das Verrückte: Die meisten Fahrräder hier haben offenbar gar keine richtig funktionierenden Bremsen. Stattdessen haben sich die Fahrer ein Stück von einem alten Fahrradschlauch um den Fuß gewickelt und schleifen damit bei Bedarf über den Asphalt, um überhaupt zum Stehen zu kommen. Fuß runter, Schlauch auf den Boden, Funken sprühen fast – wirklich abenteuerlich anzuschauen, und man fragt sich automatisch, wie oft das schiefgeht.

    Zurück in der Da Vinci Lodge gab's dann noch einen schönen Ausklang: Am Abend loderte ein Kohlefeuer unter einem schmiedeeisernen Grilldach neben unserem Tisch.
    Zum Essen gab's dann noch echtes ruandisches Hausmannskost-Feeling: kleine Portionen Ugali (der feste Maisbrei, hier oft aus Maniok- oder Bananenmehl gemacht) dazu Isombe, eine würzige Sauce aus zerstampften Maniokblättern – kräftig grün, leicht erdig im Geschmack, typisch für die Region.
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  • Gorilla Trekking

    September 16 in Rwanda ⋅ ☁️ 12 °C

    Die Nacht davor war ehrlich gesagt nicht die erholsamste. Trotz Heizdecke und Heizkissen hatte ich nicht wirklich gut geschlafen. Es hatte auch die ganze Nacht in Strömen geregnet.
    Um 6 Uhr gab's dann Frühstück mit frischem Obst, dazu Gamaschen gegen die Nässe und Brennnesseln, und um 6:30 Uhr wurden wir zum Hauptquartier der Park Ranger gebracht.

    Dort läuft alles sehr organisiert ab: Die Besucher werden in Gruppen eingeteilt, je nach Fitness und Wunsch – wegen meines Knies hatte ich eine "Medium"-Gruppe gebucht, in der wir dann tatsächlich mit ein paar Amerikanern unterwegs waren. Der Volcanoes National Park hat übrigens ein knappes Dutzend habituierter Gorillafamilien, das heißt Gruppen, die über Jahre langsam an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt wurden. Pro Gruppe dürfen maximal acht Besucher pro Tag rein, und eine Trekking-Genehmigung kostet stolze 1.500 US-Dollar – ein Preis, der bewusst hoch angesetzt ist, um den Tourismus kontrolliert zu halten und gleichzeitig den Gorillaschutz zu finanzieren.

    Bis zum eigentlichen Startpunkt am Fuß des Vulkans war es dann nochmal eine Fahrt von fast zwei Stunden – eine Stunde auf Asphalt, eine Stunde auf einer brutalen Hoppelpiste. Wir waren quasi direkt an der Grenze zum Kongo unterwegs. Dort ging es dann los: zu Fuß den Berg hinauf, durch eine unglaublich dichte, grüne Vegetation. Der Park ist in klare Höhenzonen eingeteilt – unten Ackerland und lichter Wald, dann Bambuswald, darüber die sogenannte Hagenia-Hypericum-Zone mit knorrigen Bäumen, und weiter oben schließlich Lobelien- und Heidezonen. Wir waren mitten im dichten, feuchten Unterholz unterwegs, wo an jeder Ecke etwas blüht – kleine gelb-orange Blütenbüschel an saftigen Stängeln, ein paar Meter weiter violett-samtige, fast wie Kletten wirkende Blütenknäuel mit weißem Flaum. Typisch für diese Vegetationszone, in der auch die Gorillas den Großteil ihrer Nahrung finden.

    Einen Träger hatten wir auch dabei – gebraucht hätten wir ihn eigentlich nicht, aber es ist so üblich und eine schöne Art, die Menschen aus den umliegenden Dörfern direkt am Tourismus teilhaben zu lassen. Nach etwa anderthalb Stunden Aufstieg waren die Tracker schon vor uns unterwegs und in Funkkontakt mit unseren Guides. Diese Tracker begleiten die Gorillafamilien praktisch den ganzen Tag und wissen deshalb immer ungefähr, wo sie stehen. GPS-Sender tragen die Tiere übrigens keine – zu riskant, falls doch mal Wilderer unterwegs sind, und die Grenze zum Kongo ist von hier aus wirklich nicht weit.

    Rucksäcke und Stöcke mussten wir dann zurücklassen, und keine Minute später um die nächste Ecke: eine kleine Lichtung, und mittendrin saßen sie – 15 Gorillas, ganz entspannt, als wären wir gar nicht da. Ein wirklich überwältigender Moment. Eine Stunde durfte man bleiben, beobachten, Fotos machen, einfach nur staunen.

    Der Abstieg war dann schon deutlich matschiger als der Weg hoch, der nächtliche Regen hatte seine Spuren hinterlassen, der ein oder andere ist ausgerutscht – die Guides und Träger natürlich nicht, die kennen den Boden im Schlaf. Zurück am Ausgangspunkt schnell die Schuhe gewechselt, allen Dank gesagt, und zurück ging's Richtung Lodge.
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  • Unsere Gorilla Familie

    September 16 in Rwanda ⋅ ☁️ 14 °C

    Und dann standen wir da – mitten im dichten Grün, nur ein paar Meter von der Isimbi-Familie entfernt. Im Zentrum: Muturengere, ihr Silberrücken, laut unserem Guide einer der größten und schwersten im ganzen Park, über 200 Kilo schwer. Um ihn herum seine Weibchen und mehrere Babys – wie viele genau, konnten wir gar nicht so richtig zählen, so viel war los.

    Die Isimbi-Gruppe gibt es eigentlich erst seit 2012, entstanden durch eine Abspaltung von der Karisimbi-Familie. Angeführt hat sie damals ein anderer Silberrücken, Getty – der aber schon Ende 2013 an einer Infektion gestorben ist. Muturengere war damals noch ein junger "Blackback" und musste die Gruppe quasi über Nacht übernehmen, mit Hilfe eines erfahrenen Weibchens namens Poppy. Seitdem hat er die Familie nicht nur zusammengehalten, sondern auch mehrfach gegen andere Gruppen verteidigt, die Weibchen abwerben wollten. Heute ist Isimbi eine der größeren Familien im Volcanoes-Nationalpark, mit über 20 Tieren.

    Ein Silberrücken ist das erwachsene, dominante Männchen einer Gorillagruppe – der Name kommt vom silbrig-grauen Fell auf dem Rücken, das sich ab einem Alter von etwa 12 bis 13 Jahren zeigt. Er ist Beschützer, Anführer und meist auch Vater eines Großteils der Gruppe. Eine typische Gorillafamilie im Volcanoes-Nationalpark besteht aus einem oder mehreren Silberrücken, mehreren erwachsenen Weibchen und ihrem Nachwuchs – insgesamt können das leicht zehn bis zwanzig Tiere sein.

    Und die Blicke aus der Nähe – wirklich beeindruckend. Diese tiefbraunen Augen, die einen so ruhig und fast nachdenklich ansehen, dabei komplett unbeeindruckt von der Menschentraube ein paar Meter weiter. Mountain-Gorillas gelten als erstaunlich entspannt gegenüber habituierten Besuchergruppen – sie haben über Jahre gelernt, dass von uns keine Gefahr ausgeht, ignorieren uns aber auch einfach meistens komplett. Ab und zu ein kurzer Blick rüber, mehr nicht.

    Viel spannender war sowieso, was innerhalb der Gruppe passierte: Gegenseitiges Fellputzen, ganz genüsslich, dazwischen mal in der Nase gebohrt – ziemlich menschlich irgendwie. Zwei Weibchen saßen eng zusammen, eines mit einem Baby im Arm, das einfach nur döste, während direkt daneben die Jüngeren herumtollten, sich gegenseitig jagten und dabei komplett aus dem Häuschen waren. Genau dieser Moment mit dem kreischenden, lachenden Jungtier – Arme in der Luft, Zähne blitzen, pure Lebensfreude – das war einer dieser Augenblicke, die man einfach nicht vergisst.

    Nach der vollen Stunde, die man bei jeder Gorillafamilie verbringen darf, waren wir gedanklich schon fast auf dem Rückweg, hatten die Kameras schon eingepackt – da ist plötzlich Muturengere losgestürmt, hat einem anderen Männchen eins auf den Rücken gegeben, stand für einen Wimpernschlag nur drei, vier Meter vor uns in seiner ganzen imposanten Größe, und war im nächsten Moment schon wieder im Dickicht verschwunden. Kein Einziger aus der Gruppe hat es geschafft, ein Foto davon zu machen – zu überraschend, zu schnell. Aber genau solche Momente sind es, die einem zeigen, welche unglaubliche Kraft in diesem Tier steckt, auch wenn er die meiste Zeit so friedlich und gelassen wirkt.
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  • Landwirtschaft um die Vulkane

    September 16 in Rwanda ⋅ ☁️ 17 °C

    Der Norden Ruandas, rund um Musanze und die Vulkane, ist eine der fruchtbarsten Ecken des Landes. Vulkanische Erde, viel Regen, kühle Höhenlagen zwischen 1.800 und 2.500 Metern – hier wächst fast alles, was gebraucht wird. Und weil kaum jemand einen Traktor besitzt, läuft fast die gesamte Landwirtschaft noch in reiner Handarbeit ab: gepflanzt, geerntet und transportiert wird mit Hacke, Kopf und Fahrrad.

    Das mit Abstand wichtigste Grundnahrungsmittel hier sind Kartoffeln – "Irish Potatoes", wie sie in Ostafrika heißen. Die Distrikte Musanze, Burera, Nyabihu und Rubavu liefern zusammen einen Großteil der Kartoffelernte des ganzen Landes. Früher wurde vieles davon einfach lokal auf kleinen Märkten verkauft, doch inzwischen gibt es gezielte Programme, die den Handel professioneller organisieren – mit dem Ziel, aus der reinen Subsistenzware ein echtes Exportprodukt zu machen, das auch in Nachbarländer wie Uganda oder die DR Kongo geht.

    Noch spannender ist eine zweite Pflanze, die man hier überall auf den Feldern sieht: Pyrethrum, kleine weiße Blüten, die wie Gänseblümchen aussehen, botanisch aber zur Chrysanthemen-Familie gehören. In ihnen steckt Pyrethrin, ein natürliches Insektengift, das seit den 1930er-Jahren rund um die Virunga-Berge angebaut wird – die kühlen Vulkanhänge sind weltweit einer der wenigen Orte, an denen die Pflanze wirklich gut gedeiht, neben Kenia, Tansania und dem australischen Tasmanien. Nach dem Genozid 1994 lag der Anbau fast komplett brach; heute wird er von der Firma Horizon Sopyrwa wieder organisiert, die den Bauern feste Abnahmepreise zahlt und sogar Kühe als Prämie verteilt, weil deren Mist wieder als Dünger für bessere Ernten sorgt.

    Geerntet wird von Hand, Blüte für Blüte, dann wird alles auf Planen am Straßenrand oder vor dem Haus in der Sonne getrocknet – genau solche Trocken-Teppiche sieht man hier ständig. Anschließend geht die getrocknete Ware in die Verarbeitungsanlage in Musanze, wo das Pyrethrin extrahiert wird. Von dort aus wird das Konzentrat exportiert – vor allem in die USA, nach Europa und Asien, wo es zu biologisch abbaubaren Insektiziden verarbeitet wird: Mückensprays, Fliegenschutz, auch Mittel für Haustiere. Ein kleinerer Teil bleibt im Land und wird direkt zu lokalen Insektensprays verarbeitet. Der Clou an Pyrethrin: Es wirkt zuverlässig gegen Insekten, ist aber für Menschen und Säugetiere kaum giftig und zerfällt durch Sonnenlicht schnell wieder – deshalb ist die Nachfrage aus dem "Bio"-Segment stetig gewachsen.

    Und wie kommt das alles von den Feldern weg? Genau hier kommt das Fahrrad ins Spiel – für viele Kleinbauern das einzige Transportmittel, das sie besitzen. Beladen mit riesigen Säcken voller Kartoffeln, Getreide oder getrockneten Blüten, oft zu zweit oder dritt geschoben, geht es über staubige Pisten zu den nächsten Sammelstellen oder kleinen Dorfmärkten. Von dort übernehmen dann Kleinbusse und Lkw den Weitertransport in die größeren Städte – meist Richtung Kigali, wo die Waren entweder auf den großen Märkten landen oder für den Export weiter zum Flughafen oder über die Straße Richtung Hafen von Mombasa in Kenia gebracht werden. Ein einfaches, aber beeindruckend gut eingespieltes System: von der Vulkanerde über das Fahrrad bis auf den Weltmarkt.
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  • Golden Monkeys

    September 17 in Rwanda ⋅ ☁️ 15 °C

    Schon wieder um 6 Uhr raus aus den Federn – aber wer in Ruanda unterwegs ist, gewöhnt sich schnell an den frühen Rhythmus. Frühstück, 6:30 Uhr Abholung, 7 Uhr Treffen am Parkeingang – diesmal ging's nicht zu den Gorillas, sondern zu den Golden Monkeys, die praktisch direkt hinter unserer Lodge im Volcanoes-Nationalpark leben.

    Und was für Typen das sind! Kaum angekommen, ging's rund: fressen, herumhüpfen, klettern, wieder fressen – die kleinen Kerle mit dem goldbraunen Rücken und dem schwarzen Fell drumherum kennen kein Stillhalten. Sie kamen so nah, dass sie regelrecht zwischen unseren Beinen durchgelaufen sind. Einer hat sich sogar, direkt neben mir, ein Chamäleon geschnappt und verspeist – so viel zum Vorurteil, Affen wären reine Vegetarier.

    Die Golden Monkeys (Cercopithecus kandti) sind eine stark gefährdete Art, die es nur in den Virunga-Vulkanen gibt – dem Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und der DR Kongo. Sie leben in großen Gruppen von bis zu 100 Tieren in den Bambuswäldern der Vulkanhänge und ernähren sich hauptsächlich von Bambustrieben, jungen Blättern und – wie wir gesehen haben – gelegentlich auch von tierischer Kost. Weil ihr Lebensraum sehr begrenzt ist, gelten sie als ebenso schützenswert wie die berühmteren Berggorillas, die im selben Park leben.

    Irgendwann sind unsere Monkeys über die Mauer geklettert, die den Park von den umliegenden Feldern trennt, und haben sich kurzerhand die restlichen Kartoffeln von den Äckern geholt. Das ist hier keine Seltenheit – die Bauern rund um den Park kennen das Problem, die Tiere sind eben pragmatisch. Der Rückweg führte uns dann knapp eine Dreiviertelstunde zu Fuß durch genau diese Felder, und das war fast genauso beeindruckend wie die Monkeys selbst: Mit einfachsten Mitteln – Hacke, Handarbeit, keine großen Maschinen – bewirtschaften die Menschen hier ihr Land, und trotzdem stehen die Äcker super da. Dank des milden Vulkanklimas und der fruchtbaren Böden wird hier bis zu dreimal im Jahr geerntet.
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  • Ruanda

    September 17 in Rwanda ⋅ ☁️ 28 °C

    Angekommen in Kigali, war die erste Überraschung, wie modern und aufgeräumt die Stadt wirkt: breite Straßen, die sich über die berühmten tausend Hügel Ruandas ziehen, überall Taxi-Mopeds im Verkehr, dazwischen ganz normale Autos. Eine saubere, dichte Stadt. Fahrräder sind innerorts als Transportmittel verboten – das fällt einem erst auf, wenn man merkt, wie anders es draußen wird.

    Kaum verlässt man die Stadtgrenze, ändert sich die Welt komplett. Der Transport verlagert sich fast vollständig auf menschliche Kraft: Frauen tragen Wasserkanister, Feuerholz und riesige Säcke auf dem Kopf, Männer bewegen mit dem Fahrrad Lasten, die kaum zu glauben sind. Auf den Feldern wird mit den einfachsten Mitteln gearbeitet – kein einziges landwirtschaftliches Gerät habe ich in der ganzen Zeit gesehen, nur Hacke und Hände. Dabei wirkt der Boden erstaunlich fruchtbar, mehrere Ernten im Jahr scheinen hier möglich zu sein. Die Landwirtschaft trägt tatsächlich rund ein Drittel zur ruandischen Wirtschaftsleistung bei und beschäftigt etwa 70 Prozent der Bevölkerung.

    Was mir auf der Fahrt besonders aufgefallen ist: die schiere Menge an Kindern. Morgens waren sie zu Hunderten auf dem Weg zur Schule zu sehen, tagsüber aber auch immer wieder auf den Feldern bei der Arbeit. Das passt zu den Zahlen: Ruanda hat eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt, mit einem Medianalter von rund 20 Jahren und einer Fruchtbarkeitsrate von etwa 3,6 Kindern pro Frau. Fast 37 bis 39 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt – die Alterspyramide ist entsprechend extrem breit an der Basis. Zwar werden fast alle Kinder eingeschult, aber weniger als die Hälfte schließt die Grundschule tatsächlich ab; Armut und Kinderarbeit auf den Feldern der Familien gehören zu den Hauptgründen dafür.

    Überrascht hat mich, wie wenig Englisch die Kinder sprachen – meist nur einzelne Wörter. Dabei ist Englisch seit 2008/2009 offiziell die Unterrichtssprache an ruandischen Schulen, nachdem zuvor Französisch dominierte. In der Praxis hapert es aber gewaltig an der Umsetzung: Nur ein Bruchteil der Grundschullehrer beherrscht Englisch selbst gut genug, um darin zu unterrichten, und im Alltag sprechen ohnehin fast alle Ruander Kinyarwanda – laut Regierungsangaben sprechen nur rund 4 Prozent der Bevölkerung Englisch und 8 Prozent Französisch als Zweitsprache. Für die Kinder auf dem Land, die außerhalb der Schule kaum Kontakt zu Englisch haben, bleibt es entsprechend eine Fremdsprache, die sie bestenfalls bruchstückhaft beherrschen.

    Der Transport spiegelt letztlich die ganze Gesellschaft: wie einfach die Menschen hier leben, aber auch, wie jung, wie ländlich und wie sehr im Umbruch begriffen dieses Land noch ist. Mit wachsendem Wohlstand wird sich vieles ändern – Lastwagen werden kommen, Maschinen werden Handarbeit ersetzen, Schulen werden sich weiterentwickeln müssen. Ruanda war für mich trotzdem ein absolut positives, wunderschönes Reiseland – aber eines, das noch einen langen Weg der Entwicklung vor sich hat.
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  • Viktoriasee

    September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 20 °C

    In Uganda sind wir mitten in der Nacht angekommen, der Flug ist gut gelaufen. Am Flughafen hat uns Keke, unser neuer Guide, schon erwartet und uns direkt ins Hotel gebracht – praktischerweise nur wenige Minuten entfernt. Ab jetzt werden wir mit einem Landrover Oltimer unterwegs sein. Ich würde sagen 30 Jahre ist das Teil schon alt. Anlassen ist eine kleine Kunst und kann wegen der schwachen Batterie schon mal länger dauern.
    Am nächsten Morgen dann der erste große Moment: Sonnenaufgang direkt am Viktoriasee, mit hohen Palmen, die fast bis ins Wasser wachsen. Das Hotelgelände ist zum See hin etwas abgesperrt, ein paar Tore mussten wir aufschließen, aber dann standen wir am Ufer und hatten diesen riesigen, ruhigen See vor uns. Abends hätten wir am hoteleigenen Pool zwischen den Palmen genauso gut den Tag ausklingen lassen können.

    Für den Vormittag hatten wir eine Bootstour auf dem Viktoriasee geplant. Elias war leider nicht ganz fit, also bin ich alleine losgezogen. Und der See ist wirklich kein Klacks: Mit rund 68.800 Quadratkilometern ist er der größte See Afrikas und nach dem Oberen See in Nordamerika der zweitgrößte Süßwassersee der Erde – ungefähr so groß wie Bayern. Er liegt in einer flachen Senke zwischen den beiden Armen des Ostafrikanischen Grabenbruchs, auf rund 1.100 Metern Höhe, und wird von drei Ländern geteilt: Kenia, Tansania und Uganda. Sein Wasser bekommt er vor allem aus Regen – erstaunlicherweise stammt der größte Teil direkt aus Niederschlag, der auf die Seeoberfläche selbst fällt – und aus Zuflüssen wie dem Kagera-Fluss, der aus Ruanda und Burundi herunterkommt. Der einzige nennenswerte Abfluss ist der Weiße Nil, der bei Jinja in Uganda den See verlässt und von dort aus als Victoria-Nil seine lange Reise Richtung Mittelmeer beginnt, über den Sudan und Ägypten. Die einheimischen Baganda nennen den See übrigens Nalubaale, "Heimat des Geistes".

    Für die Menschen ringsum ist der See überlebenswichtig: Über 30 Millionen Menschen leben an seinen Ufern und hängen direkt oder indirekt von ihm ab – als Trinkwasserquelle, für Bewässerung, Wasserkraft und vor allem als Fischgrund. Genau das habe ich auf dem Wasser auch hautnah erlebt: Fischer, die knietief im flachen Wasser standen und geduldig ihre Netze auswarfen und wieder einholten, andere, die mit einfachen, oft kräftig rot und schwarz bemalten Holzkanus unterwegs waren und die Netze im Vorbeifahren auslegten. Diese traditionelle Fischerei prägt bis heute das Bild am See, obwohl er mit über 200 Fischarten – der bekannteste ist der Nilbarsch – längst auch eine riesige kommerzielle Bedeutung hat und die Lebensgrundlage für Millionen Menschen in der Region bildet, wirtschaftlich einer der wichtigsten Sektoren Ostafrikas überhaupt.
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  • Schuhschnabel-Safari

    September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach der ersten Bootstour über die Bucht des Viktoriasees stand ein zweites Highlight an: eine Schuhschnabel-Safari. Zuerst ging es mit dem Motorboot über die Bucht, dann direkt an den Rand der Papyrus-Sümpfe – vermutlich Ausläufer der berühmten Mabamba-Sümpfe am Viktoriasee, einem der bekanntesten Vogelparadiese Ostafrikas. Schon auf der Fahrt dorthin gab es kaum eine ruhige Minute für die Kamera: ein Malachiteisvogel in leuchtendem Blau-Orange, der auf einem Papyrushalm saß, ein Graufischer mit seinem markanten schwarz-weißen Gefieder, ein kleiner Bienenfresser mit grünem Rücken und gelber Kehle, ein knallgelber Webervogel und sogar ein Langzehenkiebitz mit auffällig roten Augen und pinkfarbenen Beinen, der zwischen den Seerosenblättern balancierte.

    In einem kleinen Dorf am Sumpfrand haben wir dann das Boot gewechselt – gegen ein flacheres Kanu, mit dem man tiefer in die Sümpfe vordringen kann, dazu einen neuen, ortskundigen Guide, der uns mit einer Stange lautlos durchs dichte Papyrusgras stakte. Und dann, nach einer Weile konzentrierter Suche, stand er plötzlich da: ein Schuhschnabel, nur sieben, acht Meter entfernt, völlig regungslos. Dieser Vogel ist wirklich ein Ausnahmetier – bis zu 1,20 Meter groß, mit einem riesigen, schuhförmigen Schnabel, mit dem er blitzschnell nach Fischen, Schlangen oder sogar kleinen Krokodilen schnappt. Genetisch steht er übrigens den Pelikanen näher als den Störchen, auch wenn er auf den ersten Blick wie ein Verwandter von ihnen wirkt. Weltweit gibt es schätzungsweise nur noch 5.000 bis 8.000 Exemplare, als "gefährdet" eingestuft – umso beeindruckender, einem so nah gegenüberzustehen. Nach einigen Minuten des stillen Beobachtens und vielen Fotos ist er dann einfach abgehoben, was bei so einem wuchtigen Körper fast unwirklich aussah.

    Kurz danach sind wir noch zu einem Nest mit einem Küken gefahren – und das war fast das Erstaunlichste an dem ganzen Ausflug. Schuhschnäbel legen nur zwei, manchmal drei Eier, von denen meist nur ein einziges Küken überlebt, weil die Elterntiere sich stark auf den kräftigsten Nachwuchs konzentrieren. Dafür wachsen die Jungen unglaublich schnell: Nach nur wenigen Wochen war dieses Küken schon fast so groß wie ein ausgewachsener Vogel, konnte aber noch nicht richtig stehen und wurde von den Eltern fleißig mit Fisch gefüttert. Ein flauschiges, fast prähistorisch wirkendes Etwas mit erstaunlichem Gefieder.

    Die Guides waren dabei angenehm zurückhaltend, nie aufdringlich, haben aber alles genau erklärt, wenn man nachgefragt hat – und die Ruhe in den Sümpfen, nur unterbrochen vom gelegentlichen Vogelruf, war selbst schon die Fahrt wert. Über den Viktoriasee ging es dann zurück, ich habe Elias wieder eingesammelt, und gemeinsam sind wir weiter Richtung Jinja gefahren. Ein wirklich wunderschöner Vormittag.
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  • Nilbrücke

    September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 27 °C

    Auf dem Weg nach Jinja sind wir gleich zweimal über die neue Nilbrücke gefahren, einmal hin und einmal wieder zurück, und beide Male im Abendlicht, mit orangefarbenem Himmel über den Hügeln. Die Brücke ist wirklich beeindruckend: eine Schrägseilbrücke mit zwei markanten, y-förmigen Pylonen, die sich über 500 Meter über den Nil spannt, ausgestattet mit dutzenden weißen Seilen, die abends sogar beleuchtet werden. Offiziell heißt sie "Source of the Nile Bridge", weil sie ganz in der Nähe der Stelle liegt, an der der Nil aus dem Viktoriasee entspringt.

    Die Geschichte dahinter fanden wir richtig spannend. Die erste Brücke über den Nil bei Jinja gab es schon 1931 – davor musste man mit einer Fähre übersetzen. Gebaut wurde sie, weil die Eisenbahnlinie von Kenia nach Uganda weiter nach Kampala verlängert werden sollte und dafür eine feste Nilquerung nötig war. 1954 kam dann der nächste große Einschnitt: Die Briten errichteten bei Jinja den Owen-Falls-Staudamm (heute Nalubaale-Damm), eingeweiht von Königin Elisabeth II. persönlich. Der Damm ließ die berühmten Ripon-Fälle im Fluss verschwinden, lieferte aber fortan Strom für weite Teile Ugandas und sogar Kenias – und diente gleichzeitig als Straßenbrücke über den Nil, jahrzehntelang die einzige feste Verbindung an dieser Stelle.

    Diese alte Damm-Brücke wurde aber mit der Zeit zum echten Nadelöhr: Sie war die einzige direkte Straßenverbindung zwischen der kenianischen Grenze und Kampala, also die zentrale Handelsroute des Landes – und nach über 60 Jahren Nutzung zunehmend marode. Deshalb wurde ab 2014 die neue Brücke gebaut, komplett von Japan finanziert, mit umgerechnet etwa 82 Millionen Dollar, und 2018 eröffnet. Über 800 Menschen haben daran gearbeitet, die allermeisten davon Ugander. Die alte Brücke auf dem Staudamm gibt es übrigens immer noch, sie wird heute nur noch von Fußgängern, Motorrädern und Fahrrädern genutzt.

    Für uns war die Fahrt über die neue Brücke jedenfalls ein echtes Postkartenmotiv: die schnurgerade, fast leere Straße, die imposanten Pylonen im Gegenlicht der untergehenden Sonne, und im Hintergrund die grünen Hügel rund um Jinja. Gleichzeitig war spürbar, wie wichtig diese Verbindung für das Land ist – hier läuft praktisch der gesamte Warenverkehr zwischen Uganda und Kenia durch.
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  • Der Nil

    September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 26 °C

    In Jinja angekommen, haben wir uns gleich eine weitere kleine Bootstour gegönnt, diesmal direkt auf dem Nil beziehungsweise an der Stelle, wo er aus dem Viktoriasee heraustritt. Zuerst ging es gemütlich an bewaldeten Ufern entlang, mit unglaublich viel Vogelleben – wir haben wohl gefühlt tausend Fotos gemacht, so schön war das Licht am späten Nachmittag, mit imposanten Wolkentürmen, die sich im spiegelglatten Wasser verdoppelten. Dann kam plötzlich Strömung ins Spiel, das Boot wurde unruhiger, und um eine Flussbiegung herum stand da ein Schild: "The Source of River Nile". Genau hier verlässt der Nil den Viktoriasee.

    Ich muss zugeben, mir war das vorher gar nicht so bewusst: Ich dachte immer, ein Fluss braucht eine klassische Quelle, einen einzelnen Ursprungspunkt irgendwo in den Bergen. Beim Nil ist das anders. Da der Viktoriasee selbst keinen einzigen großen Zufluss hat, sondern hauptsächlich durch Regen und viele kleine Flüsse gespeist wird, gilt genau diese Stelle bei Jinja, wo das Wasser den See wieder verlässt, offiziell als Beginn des Nils. Entdeckt und identifiziert wurde sie 1862 vom britischen Forscher John Hanning Speke, der jahrelang nach dem Ursprung des Flusses gesucht hatte – einem der großen Rätsel der viktorianischen Entdeckungsreisen. Von hier aus tritt der Nil seine gewaltige Reise an: über rund 6.650 Kilometer durch zehn Länder bis ins Mittelmeer, was ihn zum längsten Fluss der Erde macht (auch wenn manche Geografen inzwischen dem Amazonas diesen Titel streitig machen). Als Victoria-Nil fließt er zunächst durch Uganda, unter anderem über die berühmten Murchison Falls, wo sich die gesamte Wassermasse durch eine gerade einmal sieben Meter breite Felsspalte zwängt, bevor er weiter in den Sudan und schließlich nach Ägypten strömt.

    Kurz nach der Quelle sind wir dann in unserer Lodge angekommen, direkt am Fluss gelegen, mit Blick auf tosende Stromschnellen fast schon Wasserfall-Charakter – ein Vorgeschmack auf die berühmten Bujagali-Stromschnellen etwas weiter flussabwärts, die heute zu den beliebtesten Wildwasser-Spots Ostafrikas zählen. Jetzt sitzen wir auf der Terrasse, vor uns der rauschende Nil, ein kühles Nile Special in der Hand (passenderweise "True Reward from the Source" auf dem Etikett) – ehrlich gesagt ein ziemlich perfekter Moment, um diesen Tag ausklingen zu lassen.
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  • Busowoko Falls

    September 19 in Uganda ⋅ ☁️ 20 °C

    Unseren letzten Tag verbringen wir in der The Haven Eco River Lodge, rund 20 Kilometer außerhalb von Jinja direkt am Weißen Nil. Die Lodge liegt oberhalb der Stromschnellen, den Busowoko Falls, und eigentlich kann man hier stundenlang sitzen und einfach beobachten, was auf und über dem Fluss passiert.

    Vor allem die Vogelwelt ist beeindruckend. Kormorane sitzen auf den Felsen und in den Bäumen am Wasser, Reiher und Ibisse ziehen vorbei und immer wieder sieht man größere Wasservögel über den Nil fliegen. Typisch für diesen Abschnitt sind außerdem Schlangenhalsvögel, Eisvögel und Störche (Afrikanischer Klaffschnabel).

    Direkt neben uns bauen die Webervögel ihre kunstvollen Nester in die Palmen. Die Männchen flechten aus Gräsern und Pflanzenfasern richtige kleine Kugeln beziehungsweise Taschen, die frei an den Zweigen hängen. Dazu kommen die Red-tailed Monkeys, die ständig durch die Bäume turnen.

    Und natürlich dreht sich hier vieles um den Nil. Nur wenige Kilometer flussaufwärts verlässt der Victoria-Nil den Viktoriasee bei Jinja. An unserer Lodge wird der Fluss deutlich wilder und läuft über Felsen und durch Stromschnellen. Genau diese Mischung aus ruhigen Bereichen und schnell fließendem Wasser macht die Landschaft hier so schön.

    Für die Menschen am Fluss ist der Nil aber vor allem Lebensgrundlage. Wir können die Fischer direkt von der Lodge aus beobachten. Manche arbeiten mit Netzen, andere mit Haken und Leinen und wieder andere haben Fischfallen beziehungsweise Reusen zwischen den Felsen angebracht. Gefangen werden hier unter anderem Tilapia, Yellowfish und Nilbarsch. Gerade die traditionelle Fischerei ist für viele Familien entlang des Flusses Einkommen und Nahrungsquelle.

    Interessant ist allerdings auch das Schild am Ufer: „Beware of Bilharzia“. Bilharziose oder Schistosomiasis wird durch winzige Parasiten übertragen, deren Larven in Süßwasser vorkommen und beim Baden durch die Haut in den Körper gelangen können. Und die Warnung ist hier keineswegs nur theoretisch: Bei einer Untersuchung von Reisenden mit Wasserkontakt am oberen Nil im Raum Jinja zeigten 12 von 69 Personen später Hinweise auf eine Infektion. Selbst schnell fließendes Wasser und Rafting schließen das Risiko also nicht aus; besonders problematisch sind ruhigere und flache Uferbereiche.

    Eine weitere Gefahr in Uganda ist Malaria. Deshalb gehören Mückenschutz und Moskitonetze auch hier weiterhin dazu. Daneben sollte man beim Nil generell etwas vorsichtig sein: starke Strömungen und Stromschnellen sind wahrscheinlich die unmittelbar sichtbarste Gefahr. Also lieber Pool statt Nil zum Schwimmen.

    Ansonsten ist The Haven für unseren letzten Tag genau richtig. Wir sitzen oberhalb der Stromschnellen, hören permanent das Rauschen des Wassers, schauen den Fischern zu, fotografieren Vögel und beobachten die Affen in den Bäumen. Nach einer ziemlich ereignisreichen Woche in Ruanda und Uganda darf der letzte Tag ruhig genau so aussehen.
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  • Uganda

    September 19 in Uganda ⋅ ☁️ 27 °C

    Das war’s dann also mit Uganda – und damit auch mit unserer Reise durch Ruanda und Uganda. Wir sitzen im Flughafen und warten auf unseren Nachtflug zurück nach Istanbul und dann gleich weiter nach Nürnberg.

    Obwohl die beiden Länder direkte Nachbarn sind, hätten unsere Eindrücke kaum unterschiedlicher sein können. Schon kurz nach der Grenze fühlte sich Uganda anders an. Größer, voller, hektischer und irgendwie lauter. Uganda hat mit rund 51 Millionen Einwohnern mehr als dreimal so viele Menschen wie Ruanda mit knapp 15 Millionen. Und das merkt man auf den Straßen.

    Besonders auffällig waren die Mopeds. In Ruanda hatten wir auf dem Land unglaublich viele Fahrräder gesehen. Darauf wurde praktisch alles transportiert: Säcke, Bananen, Holz, Wasser und manchmal unglaubliche Mengen an Waren. In Uganda scheint diese Rolle vielfach das Motorrad übernommen zu haben. Überall stehen und fahren Mopeds, als Transportmittel, Taxi oder kleines Nutzfahrzeug. Dazu kommen die kleinen Pick-ups, auf deren Ladefläche einfach transportiert wird, was gerade transportiert werden muss.

    Auch die Dörfer wirkten auf uns anders. Kleine Geschäfte, Apotheken, Mobile-Money-Stände, Straßenhändler, Reifenstapel und überall Menschen, die irgendetwas verkaufen oder transportieren. Fleisch hängt zum Verkauf an der Straße, Obst wird direkt vom Fahrrad verkauft und an fast jeder Ecke scheint irgendein kleines Geschäft zu entstehen. Dazu viel mehr Verkehr und ein ziemliches Gewusel.

    Unser Eindruck war deshalb zunächst, dass die Menschen auf dem Land in Uganda materiell etwas besser ausgestattet sein könnten. Ganz so eindeutig bestätigen die Zahlen das allerdings nicht. Beim Einkommen pro Einwohner liegen beide Länder erstaunlich dicht zusammen. Für 2025 nennt die Weltbank rund 1.206 US-Dollar pro Einwohner für Uganda und 1.124 US-Dollar für Ruanda. Beim Anteil der Menschen unter der internationalen Armutsgrenze schneiden die verfügbaren Weltbankdaten dagegen für Ruanda besser ab; die Vergleichsjahre sind allerdings nicht überall identisch und deshalb nur eingeschränkt direkt vergleichbar.

    Das zeigt ganz gut, wie vorsichtig man mit Reiseeindrücken sein muss. Ein Moped vor einem Haus bedeutet nicht automatisch mehr Wohlstand. In Ruanda besitzen beispielsweise laut Volkszählung 2022 nur rund 1,3 Prozent der ländlichen Haushalte ein Motorrad, während Fahrräder mit knapp 12 Prozent wesentlich häufiger sind. Genau dieses Bild haben wir unterwegs eigentlich ziemlich perfekt gesehen.

    Ruanda wirkte auf uns insgesamt geordneter, ruhiger und kontrollierter. Die kleinen Felder an praktisch jedem Hang, Menschen mit Hacken auf den Feldern, Fahrräder als Transportmittel und die unglaublich sauberen Straßen. Uganda dagegen fühlte sich freier und etwas chaotischer an. Mehr Handel an der Straße, mehr Verkehr, mehr Mopeds, mehr improvisierte Geschäfte und insgesamt deutlich mehr Bewegung.

    Und dann sind da natürlich die Landschaften und Tiere, wegen denen wir überhaupt hierhergekommen sind. Die Gorillas und Golden Monkeys in den Vulkanbergen Ruandas auf der einen Seite und Uganda mit dem Nil, dem Viktoriasee, den Stromschnellen, den vielen Vögeln und Affen auf der anderen. Zwei Nachbarländer, aber zwei ziemlich unterschiedliche Welten.

    Vielleicht ist genau das unser stärkster Eindruck am Ende dieser Reise. Auf der Landkarte liegen Ruanda und Uganda direkt nebeneinander. Man fährt über eine Grenze – und plötzlich ändern sich Tempo, Geräusche, Verkehr, Handel und das ganze Straßenbild. Welches davon „weiter“ oder „besser“ ist, lässt sich nach ein paar Tagen kaum beurteilen. Aber den Unterschied kann man sehen und spüren.

    Und damit endet unsere kleine Reise durch Ostafrika. Viele Kilometer, Gorillas, Golden Monkeys, Vulkane, der Viktoriasee, Schuhschnabel, der Nil, unzählige Vögel und vor allem sehr viele Bilder vom ganz normalen Leben entlang der Straße. Ruanda und Uganda waren komplett unterschiedlich – und genau deshalb war die Kombination so interessant.

    Schöne Woche!
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  • Trip end
    September 20, 2026