Grand Canyon - Abstieg zur Phantom Ranch
May 22, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 25 °C
Heute stehen wir früh auf und beeilen uns mit dem Frühstück, schließlich haben wir Großes vor – wir wollen ja den Grand Canyon durchwandern. Wir sind über eine Stunde früher am Parkplatz des Bright Angel Trailhead als gestern, aber anders als gestern sind alle Parkplätze belegt. Wir müssen also ein Stück weiter an der Straße parken, aber einen halbwegs passablen Platz finden wir da auch. Wir schultern unsere Rucksäcke und los geht’s. Es ist viertel vor acht, und Komoot sagt, daß wir etwa neun Stunden brauchen. Kurz nach dem Start hören wir Muli-Geklapper. Kein Problem, sage ich, die kommen uns entgegen und außerdem sind sie viel schneller als wir. In beidem lag ich falsch! Sie waren auch auf dem Weg nach unten und deutlich langsamer als wir, aber wir konnten sie nicht überholen. Das unangenehmste aber war der Gestank. Die Mulis lassen ständig alles fallen, vorne und hinten und das stinkt wirklich erbärmlich, zumal wenn dann noch die pralle Sonne drauf scheint. Also lassen wir ihnen einen Vorsprung, auch wenn uns das ausbremst. Manche der Reiter sitzen ganz fest im Sattel, aber die beiden hintersten vor dem Schlußmann sind junge College-Boys, die völlig unsicher und mit wenig freudiger Mine darauf balancieren – na ja, jeder, was er muß. Kurz vor dem Tunnel (bei etwa 4 km) schließen wir auf, da machen sie bestimmt eine Pause, dann ziehen wir vorbei. Und tatsächlich, da sitzen alle ab und wir huschen durch den Tunnel und vorbei. Was wir nicht wußten, aber dann gemerkt haben, die Muli-Tour war dort ohnehin zu Ende, danach ging es wieder hinauf. Wir können nun aber den Canyon genießen und es wird eine ganz tolle Wanderung. Es ist anstrengend, weil es immer heißer wird. Die Jacken mit dem Innenfutter sind längst über den Rucksäcken und an jeder der Wasserstationen (davon gibt es zum Glück einige) tanken wir nach. Der erste Teil der Strecke ist wirklich sehr steil, das ist der Abstieg in den Bright Angel Canyon, einem Seitenarm des Grand Canyon. Nach knapp der Hälfte der Strecke kommen wir am Cottonwood Campground vorbei, ab da wird es dann etwas flacher. Die Szenerie ist hochalpin, hohe Berge und steile Felswände um uns herum, nur die Vegetation ist anders. Waren oben noch Kiefern vorherrschend, gibt es nun mehr Wacholder (die werden hier baumhoch) und Sagebrush, die typischen Büsche des Westens, sowie einige Agavenarten, die hohe Blütenstengen ausbilden. Es ist eine phantastische Wanderung, zum Schluß wird die Schlucht immer enger und der Bach unter uns immer größer. Schließlich erreichen wir gegen 16:30 die Phantom Ranch, das Ziel des heutigen Tages. Einen Platz zum Abendessen können wir leider nicht mehr bekommen, alles ausgebucht, aber zum Frühstück morgen um fünf hatten wir noch zwei Plätze buchen können. Erst einmal lassen wir uns ein gutes Bierchen zischen, dann gehen wir zu unserer Campsite, die Nr. 33 ganz am Ende. Wir hatten zum Glück etwas zum Essen mitgenommen (jeder einen Topf mit Haferflocken und Joghurt, das hält sich gut und macht satt), das ist gut. Ich baue unser Tunnelzelt auf, indem ich die Schnur zwischen zwei Bäumen spanne und die unteren Ränder mit Steinen fixiere, Es sieht tatsächlich aus, wie ein Tunnelzelt, nur am Giebel offen. Claudia ist skeptisch – da will sie nicht hinein, es ist leider eher flach. Ich versuche es, aber es ist tatsächlich eher unangenehm. Da es warm ist und nicht nach Regen aussieht, beschließen wir, direkt unter freiem Himmel zu schlafen. Ich mache die Schnur weg, der First fällt herunter und was eben noch ein Zelt war, ist nun eine Unterlage, auf der wir gut schlafen können. Ganz spät kommt noch ein junger Mann an, der ein Fahrrad trägt. Ja, wirklich, ein Mountain-Bike, das er auf einem speziellen Tragegurt befestigt hat. Wir fragen ihn, und er meint, daß er den Arizona-Trail per Fahrrad macht, aber hier im Grand Canyon ist ja das Fahrrad nicht erlaubt, also muß er es tragen. Wow, das ist auch eine Leistung! Die Nacht wird sehr angenehm, allerdings ist fast Vollmond, es bleibt eher hell, aber es bleibt warm und in unseren dicken Schlafsäcken schlafen wir sehr gut.Read more





















TravelerWow, was für eine Leistung, der Abstieg. Da habt ihr euch ja was vorgenommen. Auch der Typ mit dem Mountain-Bike hat ja eine extreme Leistung erbracht und interessant, was es alles so gibt.