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  • Day21

    Diamants & best friends, Kimberley

    May 1, 2019 in South Africa ⋅ ☀️ 20 °C

    ... auch noch den Rest-Text am Vortag lesen.

    Zuhause in Deutschland ist nicht nur schönes Wetter, wie ich von Biene am Tel erfahre, sondern auch Feiertag. Und wie immer mittwochs ist Paul-sitting angesagt – Biene’s Oma-Lieblingsbeschäftigung. Und Paul liebt diese Tage auch mit seinen fast 2 Jahren. Heute hilft er Oma bei Salat putzen. Konzentriert und mit Engagement, wie ich dem Foto entnehmen kann..
    Bei uns kommt sich die Vermieterin verabschieden – ausserdem bekommt sie noch den Verlängerungstag von mir bezahlt, den Airbnb – aus welchem Grund auch immer – bei mir nicht angenommen/abgebucht hat. Mit Interesse fragt sie nach unseren nächsten Zielen und zieht die Augenbrauen hoch, als wir davon erzählen, dass wir in den Tswalu Kalahari Reserve Park wollen. ‚Wollt Ihr dort etwa übernachten‘ kommt die erschrockene Frage… Nein – dort ist es uns zu teuer! Sie nickt verständnisvoll mit dem Kopf. Das sein nur für die Superreichen, wie wir erfahren und bestätigen. Der Park ist privat und gehört der Familie Oppenheimer – eine der reichsten Familien der Welt – die Übernachtung kostet 25.000 Rand ( ca 1.600 Euro) pro Person und Nacht. Vollpension – aber Spa-Anwendungen extra. Der Park ist zwar sehr tierreich – die exclusiven Touren beginnen morgens um 05:00 h – Tages-Gäste im Reserve sind ihres wissens nach nicht üblich. Da die Tour zur Tour eine mehrstündige Tortur über dirty roads ist, beschließen wir, den Park aus unserer Tour zu streichen!!! Auch von dem ‚kristallklaren Teich‘ in Kuruma rät sie uns ab. Dieser sei von ‚den Schwarzen‘ vollkommen zerstört worden. Und dort sei eins der heissesten Pflaster, was die Kriminalität angeht. Die bösen Schwarzen…. Neben Johannesburg – das ‚Paradies für Gangster‘ wie sie uns wissen läßt. Also fällt auch der Wegpunkt ‚Kuruman-Teich‘ der Einheimischen-Empfehlung zum Opfer. Und die Routenführung passt sich automatisch an, den autobahnvermeidenden Weg nach Sun City zu finden. Ihrer Körpersprache ist anzusehen, dass sie das was sie sagt sehr, sehr ernst meint. Wir wissen es ja nicht besser, als man es uns sagt. Als Deutsche aus Deutschland sind wir mit solchen massiven Kriminalitätsproblemen doch nicht in diesem Maße konfrontiert, wie das hier wohl der Fall ist. Kaum ein Gespräch in dem wir nicht vor der Kriminalität der Schwarzen gewarnt werden. Die hätten weder Respekt vor fremdem Eigentum und ein Menschleben bedeutet ihnen rein gar nichts. Niemand läßt deutliche Warnungen aus und jeder rät nachdrücklich und dringend sehr vorsichtig zu sein. Diebstahl, Raub und Mord seien an der Tagesordnung. Es ist keiner dabei, der nicht aus eigener Erfahrung, aus Verwandten- oder Bekanntenkreis Erlebniserzählungen parat hat, die einem Schauer über den Rücken jagen. Beim Zigarettenholen fast umgekommen, weil ihm ein Steinbrocken auf den Kopf geschlagen wurde; Auto auf Bestellung geklaut; Weiße haben abends in Südafrika nicht auf die Straße zu gehen usw etc. Die 100%ige Creditkarten-Akzeptanz (also auch Beträge < 1 Euro), die wir hier erleben – und für modern und fortschrittlich im Vergleich zu Deutschland empfinden – sei reiner Prakmatismus. Niemand – kein Supermarkt, keine Tankstelle, kein Hotel etc – möchte Bargeld haben. Damit sei man potenzielles Ziel von Räubern und die vielen gut gesicherten Geldtransporte seien tägliche Ziele von Überfällen. Klingt alles logisch und passt zum Platz 123 von 163 in der Kriminalitätsstatistik der Welt. Und erklärt auch die enorm hohen Sicherheitsvorkehrungen in jedem Haus, in jeder Wohnung, in jedem Haushalt – und sei er noch so abgelegen. Mögen wir in den letzten Tagen unserer Tour auch weiterhin von dieserlei Erfahrungen verschont bleiben. Wir denken – formal ist die Apartheim abgeschafft. In der Praxis und in den Köpfen aber noch nicht. Das riesengroße Gefälle von arm, bitterarm und reich bis superreich – ohne einen nennenswerten Mittelstand – bessert das Problem nicht, solange nicht grundsätzlich dagegen vorgegangen wird. ‚Wie‘ – weiß ich leider auch nicht. Vielleicht Hilfe zur Selbsthilfe; Bildung und auskömmlich bezahlte Jobs für alle – keine Ahnung wie man das hinbekommen soll. Wenn die USA so was auch nicht schafft….
    Nach dem Kuruman-Teich steht das Big Hole in Kimberley auf unserem Wegpunktplan. Der Wegpunkt ist richtig gesetzt, doch muß Olaf sich auf den Verkehr in der 100.000-Einwohner zählenden Stadt konzentrieren, so das er den Wegpunkt ungesehen überfährt und wir erst noch 2 Schleifen drehen, bis wir dort sind.
    In einem Film erfahren wir etwas über die Geschichte von Diamanten, dem Big Hole, dieser Stadt und vieles mehr. Dieses Big Hole ist sage und schreibe 1.600 im Durchmesser und 400 m tief. Und das größte Loch der Welt, dass rein von Hand mit Schaufel und Pickel geschaffen wurde. Begonnen in der frühen 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und Grundstein für sowohl erfolgreiche Gründungen wie z.B. DeBeers – dem Unternehmen, das weltweit den Diamantenmarkt beherrscht – als auch für zahllose Schicksale unbekannten Ausgangs. Zufalls-Millionäre; Glücksritter; sich-zu-Tode-Schuftende; Prostituierten; Händlern und Räubern. Am Ende des Diamanten-Rush’s gab es keinen einzigen Schwarzen mehr, dem auch nur 1 Claim gehörte, sondern 40.000 von ihnen fuhren täglich 12-h-Schichten für 16 cent die Stunde. Bei hohem Risiko für Leib; Seele, Gesundheit und Leben. Das Big Hole ist die Wiedereröffnung eines Vulkankraters, aus dem die Diamanten aus großer Tiefe bei Ausbrüchen nach oben gespült wurden. Aktuell ist das Big Hole wieder mit 40 m tiefem Wasser gefüllt und der Guide fragte scherzhaft nach Tauchern, die hier nach weiteren Diamanten tauchen sollten. Olaf und Fritz – beides Taucher – lehnen aber ab…. ;-))) Hier am Big Hole wurden insgesamt 2.700 Kilo Diamanten – das sind 14,5 Millionen Carat – gefunden. Wieviele dabei umkamen oder an Erde verschafft werden mußte, hat man nicht gesagt. Die 5 schönsten, bekanntesten, berühmtesten Diamanten konnten wir als Replika sehen – sogar der wichtigste Stein der englischen Kronjuwelen ist dabei.
    Nach einem frühen, lecker-guten Dinner finden wir wieder Unterkunft mit Hilfe von Airbnb in Boshof. Auf einer Farm mit vielen Hunden; Katzen und einer großen Vogelvoliere. Wir setzen uns noch für ein Bier auf die Terasse und als es zu kalt wird, gehen wir ins Bett. Mit dem Ziel morgen Sun City mit dem ‚Palace of lost city‘ zu erreichen.
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