Dattenfeld
May 27 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C
Die Nacht auf der Bank unter dem Blätterdach der Buchen war in der ersten Stunde etwas unruhig. In den zwei Stunden, während der ich dort schon gesessen hatte, waren Mücken kein großes Problem. Aber kaum wollte ich in meinen Schlafsack kriechen, kamen sie in Scharen. Die erste Stunde hatte ich ein ständiges Sirren in den Ohren. Eigentlich war es noch viel zu warm, um den Schlafsack vollends zu schließen. Aber es musste sein. Wegen meines Gesichts vertraute ich auf mein Moskitonetz. Ich übte mich in Selbstbeherrschung und versuchte, meine Situation zu genießen. Es war schließlich das erste Mal, dass ich eine Nacht unter freiem Himmel verbrachte. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei. Ich schlief ein , wurde ein paar Mal wach und jedes Mal bekam ich beim Blick ins Blätter Dach oder auf die Wiese ein Lächeln ins Gesicht.Das Moskitonetz hat dicht gehalten. Ich habe die Nacht ohne Mückenstiche überstanden.
Um 6 Uhr bin ich dann aufgestanden und habe aus Wassermangel auf Frühstück und Zähneputzen vorerst verzichtet. Sachen zusammengepackt und los.
Nach einer Weile komme ich an einen kleinen Bach, nicht groß, nicht tief, aber es reicht, um den Wasserfilter vollzuschwenken (tolles Wort). Also die Flaschen aufgefüllt und weiter. Für eine kurze Katzenwäsche war noch Zeit. In Hurst kann ich dann auf einer Dorftratschbank frühstücken und anschließend die Zähne putzen.
Nächster größerer Bach. Ich nutze die Hitze aus. Nassgeschwitztes T-Shirt und Mütze gründlich ausgespült und gleich wieder angezogen. Unheimlich erfrischend. Trocknet ja schnell wieder.
Nächster Bach. Ideal zum Füße kühlen und Socken ausspülen. Die können auch gleich wieder angezogen werden.
Es ist geringfügig kühler als gestern. Es weht auch eine leichte Brise und mein Weg hat mehr schattige Passagen als gestern. Aber es geht munter rauf und runter. Teilweise sehr steil und manche Wege sind eng und von Brennesseln und Brombeerranken gesäumt. Ich könnte ja mit langer Hose laufen – aber nö. Hier müssen die Stöcke ihre Arbeit verrichten.
Der Natursteig Sieg schlängelt sich an den Ortschaften vorbei und um sie herum. Das hat natürlich zur Folge dass man öfter mal den Straßenlärm hört, auch wenn man auf wilden, verwunschenen Wegen unterwegs ist. Auf die Hauptverkehrsstraßen führt der Weg selbst immer nur kurz. Schnell ist man wieder im Wald.
Gastronomisch habe ich heute einmal Glück gehabt. Vor einem kleinen Laden, der auch Kaffee und Kaltgetränke verkauft, stehe ich zunächst vor verschlossenen Tür trotz gültiger Öffnungszeiten. Ich will schon weitergehen, da hält ein Auto an und die Betreiberin steigt aus. So komme ich doch noch zu einem Vitamalz.
Hinsichtlich der Unterkunft beschließe ich bis nach Dattenfeld zu gehen und dann nach Schladern zurückzufahren. Dort habe ich mir in einem Low Budget Hotel ein Zimmer gebucht. Mir kommt der Gedanke, den Shuttlezug in Anspruch zu nehmen. Die Orte sind bestens miteinander verbunden. Ich könnte das Zimmer für zwei oder drei Tage buchen und immer mit dem Zug zurückkommen. Dabei würde ich mit leichtem Gepäck wandern.
Also verlasse ich den Trail und gehe in Dattenfeld an der Sieg entlang zum Bahnhof. Es herrscht eine tolle Atmosphäre. Es gibt dort mehrere Badestrände, vor einiges los ist.
Vor dem Hotel empfangen mich zwei ausländische Arbeiter die vor einer Palette Dosenbier sitzen. Einer erklärt mir, wo mein Zimmer sein könnte. Die Besitzerin ist nicht da. Das Zimmer ist mit dem nötigsten ausgestattet, aber das Gemeinschaftsbad hat noch nicht mal Klopapier. Nicht mal eine Halterung dafür.
Ich dusche und gehe eine Pizza essen. Als ich zurückkomme, sitzen einige Leute auch Frauen, die etwas aufgebrezelt aussehen, vor der Tür und leeren die Palette. Sind aber ganz nett. Es wird noch längere Zeit laute Musik gespielt. Und ich sehne mich nach meiner Bank von gestern zurück.Read more







