Rückkehr
July 9 in Germany ⋅ ☀️ 19 °C
09.07.26, Donnerstag
Rückkehr
Die Nacht über wurde es doch ein bisschen kälter, so dass ich mir noch etwas mehr anziehen musste. Um 4:30 Uhr heißt es dann aufstehen und abbauen. Spätestens um 11 Uhr muss ich an der Alpe Eschbach sein, damit mich der Bus rechtzeitig zum Bahnhof in Oberstdorf bringt. Aber es geht ja fast ausschließlich bergab. Anfangs bin ich noch nicht warm und komme ein paar Mal ins Rutschen und Stolpern. Das wäre schon reichlich blöd, wenn ich mir jetzt noch die Haxen brechen würde. Aber es geht alles gut. Der Weg ist einfach und ich komme schnell voran. Einzig die Kühe versuchen mich aufzuhalten. Dass sie lieber die Wege vollscheixxen ist ja logisch. Wer kaxxt schon auf sein Essen? Aber warum legen sie sich lieber auf diese harten, steinigen Wanderwege und nicht lieber ins weiche Gras?
Kurz nach der Schwarzen Hütte ist Zeit für Frühstück und die Möglichkeit, sich frisch zu machen und das Hemd zu wechseln. Der Proviant ist damit fast vollständig aufgebraucht, der Rucksack entsprechend leicht.
Mehr aus Versehen komme ich vom Trail ab und latsche die Straße einfach weiter. Dadurch umgehe ich die Petersalpe und das Singletrail-Stück mit seinen Höhenmetern. Soll mir heute ganz recht sein. Abkürzungen sind jetzt ja erlaubt 😁.
Nach dreieinhalb Stunden erreiche ich um 9.00 Uhr die Bushaltestelle an der Alpe Eschbach und habe in Oberstdorf noch Zeit für einen Kaffee und ein Brötchen. Ich nehme gleich den nächsten Zug nach Ulm, bekomme dort in einem Nordsee-Restaurant von einer netten Dame einen Gutschein, mit dem ich zum halben Preis dort essen kann und schaue mir das Münster von außen an. 😊
Jetzt sitze ich im Zug am Hbf. Münster, der bislang pünktlich ist. So pünktlich, wie meine Reiseplanung verlaufen ist. Für die Grobplanung hatte ich immer ein Zeitfenster vom 01.05. bis 10.07. vor Augen. Abhängig vom Wetter in Schleswig-Holstein und von meiner Wandergeschwindigkeit. Starten konnte ich tatsächlich erst am 01.05.. Und nun komme ich nur einen Tag früher zurück.
Nun denn. Fortsetzung folgt irgendwann. Je nachdem, wie ich wieder Zeit und Lust auf den NST habe und wie das Wetter irgendwo in Deutschland gerade ist.Read more
Finished
July 8 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C
08.07.26, Mittwoch
Von Oberstdorf zum Haldenwanger Eck
Bei meinen ganzen Planungen im Vorfeld meiner Reise hatte ich immer die Vorstellung, dass ich am letzten Tag ganz früh starte, früh oben bin und früh zurück um dann nach Erreichen meines Ziels am Abend irgendwo gut Essen zu gehen und mich selbst ein bisschen zu feiern. Am nächsten Morgen würde ich dann in aller Ruhe nach Hause fahren.
Nun aber habe ich es mir aber gestern Abend schon sehr gut gehen lassen und sozusagen schon vorgefeiert. Denn meine heutige Planung sieht vor, noch die Nacht in der Nähe des Ecks zu verbringen. Von dort geht es dann zum Bahnhof. Es macht daher auch keinen Sinn, früh zu starten. Stattdessen nehme ich das sowieso bezahlte Frühstück im Hotel mit. Außerdem erinnere ich mich noch an den Spruch von Soulboy in einem seiner Filme: "Kein Ei, kein Speck, kein Haldenwanger Eck." So ähnlich jedenfalls.
Der Respekt vor der Strecke ist noch da, auch wenn er nicht mehr so groß ist. Die Touren im Oberallgäu hatten mehr Höhenmeter als die heutigen 1.300. Von daher bin ich mir sicher, das heute zu packen und freue mich auf die Tour.
Ich starte um 8 Uhr. Der Himmel ist bedeckt. Das wird auch so bleiben. Ist mir ganz recht. Das Ganze ist dann nicht so schweißtreibend und man muss sich nicht die Haut mit Sonnenmilch vollkleistern. Der Nachteil ist, dass die Fotos nicht so schön werden. Aber ich bin Wanderer und kein Fotograf.
Der Weg führt auf Schotterstraßen aus dem Ort in den Wald. Die Skisprungschanze reckt sich in den Himmel und an der Fellhornbahn ist schon jede Menge Betrieb
Betrieb ist auch auf den Wegen. Jede Menge Wanderer und vor allem Radfahrer sind unterwegs. Ist in Bayern wieder irgendein Feiertag, von dem ich nichts weiß?
Am (geschlossenen) Berggasthof Einödsbach mache ich Bekanntschaft mit Leo und Felix. Sie sind die Vorhut einer Schulklasse, die Richtung Rappenseehütte unterwegs ist. Weil die beiden so schnell sind, müssen sie immer auf die anderen warten, weshalb wir uns mehrfach über den Weg laufen.
Der Weg bleibt eine Schotterstraße. Eigentlich hätte ich es ihm übel genommen, aber ich bin zu gut gelaunt.
Seit Tagen habe ich kein Glück mit dem Grüßen. Um mich dem Gastland sprachlich etwas anzupassen, grüße ich in Bayern nicht immer mit "Hallo", sondern mit "Servus". In 80% der Fälle bekomme ich als Antwort ein "Hallo" zu hören. Natürlich nicht, wenn ich selbst "Hallo" sage. Aber heute, an meinem letzten Tag, kriege ich auf mein "Servus" ein deutliches "Moin" zu hören. Ha! Das habe ich mir seit dem Siegsteig abgewöhnt. Ein Ehepaar aus Braunschweig. Sie machen eine Tageswanderung und haben immerhin einige Schilder zum Haldenwanger Eck gesehen. Ich muss auf dem richtigen Weg sein.
Nach 12 km biegt der Weg endlich auf einen schönen Singletrail ab. Dort ist es gefühlt am vollsten. Der Spaß dauert aber nur einen Kilometer. Nach der Petersalpe, wo ich mir ein Stück Kuchen gönne, wechselt der Belag auf Asphalt. Und das für die nächsten 8 km. Irgendwie hatte ich mir die Strecke anders vorgestellt.
Bezüglich der Nacht suche ich schon mal nach Zeltmöglichkeiten. Aber entweder ist das Gelände zu uneben oder die Gegend zu einsehbar.
An der Schwarzen Hütte gibt's noch ein leckeres Brot und dann beginnt auch bald der Anstieg zum Eck. Es ist aber kein Vergleich zum Weg zum Staufner Haus. Die Höhe lässt sich relativ bequem bewältigen. Nicht sonderlich viel Geröll oder technisch anspruchsvolle Passagen. An der Trifthütte, dem südlichsten Gebäude Deutschlands, mache ich eine letzte Pause. Den Getränkebrunnen finde ich nicht. Gibt's den noch?
Dann der letzte Aufstieg. Jetzt gibt es noch kurz was zu klettern und dann sehe ich ihn. Den Grenzstein Nr. 147. Und dann bin ich da.
Es war kein Thruhike. Und vom gesamten Nord-Süd-Trail dürfte ich jetzt wohl nur knapp über die Hälfte geschafft haben. Es sind noch große Lücken zu schließen. Dennoch ist dieser Moment etwas sehr Besonderes. Ich hatte diese Reise über ein Jahr geplant, war knapp 10 Wochen unterwegs, war mit etlichen neuen Herausforderungen konfrontiert und habe sie alle gemeistert. Ein bisschen erfüllt mich das mit Stolz.
Es ist windstill und von den Temperaturen her angenehm. Ich bleibe noch eine halbe Stunde oben und telefoniere kurz mit der besten Wanderin von allen.
Dann muss ich mich ja noch um einen Schlafplatz kümmern. Ich gehe erstmal wieder runter zur Trifthütte und mache mir was zu essen. Dann entscheide ich mich, heute Nacht hier zu bleiben. Das Gras auf dem Grundstück war gerade gemäht worden. Ich mache mir eine kleine Fläche halbwegs plan. 2 Stunden muss ich noch aushalten. Dann baue ich um 9 Uhr das Zelt auf. Es ist ziemlich frisch geworden und auf einmal wird's sehr windig. Mit den Bierzeltgarnituren baue ich mir einen Windschutz. Als ich nachts noch einmal rausgehe, nehme ich den Sternenhimmel wahr. So kenne ich ihn von Zuhause nicht. Diese Dunkelheit gibt's bei uns nicht mehr.Read more
Dem Ziel entgegen
July 7 in Germany ⋅ ☁️ 27 °C
07.07.26, Dienstag
Von irgendwo vor Ofterschwang nach Oberstdorf
Heute trocken aufgewacht. Zelt abgebaut und los. Gestern war das Wasser knapp. Heute der Strom. Die Powerbank ist leer gelutscht und das Smartphone nicht ganz voll. Also wird nur gewandert. Keine Fotos, keine überflüssigen Streckenkontrollen, kein Blick aufs Wetter. WhatsApp und FindPenguins behandele ich seit Tagen ja schon etwas stiefmütterlich.
Die Strecke hat nur ein unmerkliches Höhenprofil, so dass ich gut vorankomme. Viel Asphalt, viel Schotter, etwas Wald. Auch wenn die großen Aussichten nicht mehr da sind, ist es doch ganz schön. In Fischen gibt es neben etwas Strom auch was zu essen. Dann geht es Richtung Oberstdorf, wo ich mir ein Hotelzimmer gebucht habe. Für eine Nacht.
Denn morgen geht's auf die Zielgerade. Und nach derzeitiger Planung werde ich noch eine letzte Nacht im Zelt verbringen.Read more
Gipfelsturm
July 6 in Germany ⋅ ☁️ 21 °C
06.07.26, Montag
Von irgendwo hinter Balderschwang bis irgendwo vor Ofterschwang
In der Nacht ist niemand mehr gekommen – nur der Regen. Aber richtig. Es prasselte dermaßen, dass an Schlaf nicht zu denken war. Aber auch danach habe ich nur sehr unruhig und wenig geschlafen. Heute Morgen konnte ich erstmal etwas Wasser aus den Schuhen kippen. Das wird heute eine feuchte Wanderung, egal wie das Wetter wird. Ich baue ab und ziehe los um erstmal warm zu werden. Außerdem muss ich nach Wasser Ausschau halten.
Nach einer Weile komme ich an einem zweistöckigen Holzhaus auf einer Weide vorbei. Es hat eine Holzbank und einen Brunnen. Es ist von einem Elektrozaun umgeben und sieht etwas verlassen aus. Eigentlich einen optimaler Ort. Wenn der Zaun nicht wäre... . Egal! Ich krieche unter dem Zaun durch und mache es mir auf der Bank bequem. Meine Regenklamotten und Schuhe lasse ich in der Sonne trocknen, während ich mir mein Frühstück mache und Wasser auffülle.
Als ich aufbreche, sind die Schuhe zwar noch nicht trocken aber der Tag ist ja noch lang.
Es geht weiter auf einem sehr schönen Weg durch das Niedermoos, einem Hochlagenmoor. Die Alpe Dinjörgen hat keinen Ruhetag (!), dafür aber Kaffee und Strom für die Powerbank. Außerdem nehme ich mir noch ein Stück Käse und Brot als Wegzehrung mit.
Danach geht's dann hoch und runter und wieder hoch und wieder runter und wieder hoch und so weiter. Riedberger Horn, Großer Ochsenkopf, Weiherkopf, Rangiswanger Horn und Ofterschwanger Horn. Teilweise richtig heftige Anstiege und natürlich auch Abstiege mit Kletterpassagen. Irgendwann habe ich keinen Bock mehr auf Gipfel. Außerdem wird mein Wasser knapp. Kurz vor dem Weiherkopf, weist ein Schild auf die Bergstation der Hörner Bahn hin. 15 Minuten runter. Wahrscheinlich eine halbe Stunde wieder rauf. Aber Wasser gibt es sonst nicht. Ich muss runter und schaffe es in 9 Minuten. Das Lokal ist voll mit einer spanischen Jugendgruppe. Es ist ziemlich laut. Ich trinke eine Johannisbeerschorle, aber als ich noch einen Kuchen möchte, erklärt mir die Dame, dass sie jetzt schließen und sie mit der letzten Bahn nach unten müssten. Naja, wäre schön gewesen. In 17 Minuten bin ich wieder am Weiherkopf.
Die Suche nach einem Zeltplatz ist wieder schwierig. Auf einer Kuhweide muss ich ein wenig warten, bis mir die Leitkuh Durchlass gewährt. Die Gegend ist übersät mit Kuhweiden und außerdem sehr uneben. Nach dem Über- und Unterqueren von zwei Elektrozäunen finde ich schließlich ein halbwegs geeignetes Plätzchen im Wald. Die Schuhe sind mittlerweile trocken. Der Wald auch. Und ich glaube nicht, dass doch jemand kommt.Read more
Zimmer gesucht
July 5 in Germany ⋅ ⛅ 20 °C
05.07.26, Sonntag
Vom Staufner Haus bis irgendwo hinter Balderschwang
Gestern Abend bin ich um 21.15 Uhr hoch aufs Zimmer. Da war schon alles dunkel. Und alle drei Mitschläfer schliefen schon. Ich musste aber noch meine Kulturtasche suchen. Habe sie im zweiten Anlauf auch gefunden. War mir etwas unangenehm. Die Nacht war nicht so toll. Dicke Luft und zwei Schnarcher.
Morgens dann als Erster hoch. Beim Verlassen des Hauses nehme ich den Kaffeeduft wahr und bedaure es etwas, kein Frühstück gebucht zu haben. Aber nur kurz. Nach 15 Minuten komme ich an der Bergstation der Hochgratbahn vorbei. Da ist ein Spielplatz mit Picknickmöglichkeiten und einer tollen Aussicht. Gute Gelegenheit für ein Frühstück. Und noch während der Gaskocher arbeitet, wird es voll. Einige kommen vom Gipfel, andere mit der Bahn. Und mein Frühstück wird irgendwie öffentlich. Es ist 7.00 Uhr morgens und die Kinder turnen schon wie wild auf den Geräten rum. Das wäre mir früher nicht eingefallen. Als ich dann noch mein Wasser auf dem WC des Restaurants auffülle, sehe ich, dass der Laden schon proppevoll ist. Zeit, weiterzuziehen.
Eine Unterkunft für heute Nacht habe ich noch nicht. Ich spekuliere auf die Köpfle-Alpe hinter Balderschwang. Eine Nacht im Mehrbettzimmer werde ich wohl noch aushalten. Nur gibt es dort keine Wanderzimmer. Der Blick auf die Preisliste lässt meine Unterkunft erstmal weiter unklar.
Die Höhenmeter, die ich mir gestern erarbeitet hatte, muss ich wieder runter, viel auf steinigen Wegen mit Kletterpassagen. Ich wäre lieber raufgeklettert. Der Himmel ist etwas bedeckt, aber ich habe immer noch tolle Aussichten, besonders auf einigen Gratwanderungen, wo sich zu beiden Seiten ein tolles Panorama erstreckt.
In Balderschwang gibt's Kuchen und Strom für die Powerbank. Auf der Köpfle-Alpe hat die Küche schon zu, aber eine Ingwer-Limetten-Limo geht. Am Brunnen fülle ich dann Wasser für die Nacht auf, denn ich werde mir irgendwo ein Plätzchen suchen müssen. Für den Abend ist Regen angesagt.
Bis dahin ist aber noch viel zu gehen. Beim überqueren einer Kuhweide bahne ich mir einen Weg durch die Kühe. Daraufhin laufen zwei Kühe hinter mir her. Ich gebe Hackengas. Irgendwann geben Sie auf.
Als ich mir mein Chili "koche", fängt es zu regnen. Ich esse unter dem Schirm. Es ist noch zu früh, das Zelt aufzubauen. Als es soweit ist und es nicht mehr regnet, bin ich in einem Moorgebiet. Naturschutz. Es ist sowieso nicht einfach, einen Zeltplatz zu finden, weil es hier so wenig ebene Flächen gibt. Um 20:45 Uhr entscheide ich mich dann, das Zelt im Wald mitten auf dem Weg aufzubauen. Bis 5 Uhr kommt hier wahrscheinlich keiner hoch. Oder?Read more
Hoch und schön
July 4 in Germany ⋅ ☀️ 18 °C
04.07.26, Samstag
Von Oberstaufen zum Staufner Haus
Mein Shuttleservice bringt mich morgens pünktlich nach Oberstaufen. Es ist aber Zeit des Abschieds. Heute Nachmittag wird mir niemand entgegenkommen und mich den Rest des Weges begleiten. Es waren ja nur drei Tage. Trotzdem ist es irgendwie ein komisches Gefühl, auch wenn wir uns in wenigen Tagen ja sowieso wiedersehen. Ohnehin bin ich seit einigen Tagen in recht merkwürdiger Stimmung. Es schlägt das Gefühl durch, dass meine Reise bald zu Ende ist. Wenn ich meinen Standort in FindPenguins oder Wanderfreund betrachte, dann wird mir bewusst, dass sich das Haldenwanger Eck mehr und mehr nähert. Der Endspurt hat sozusagen begonnen. Wobei von einem Spurt abzuraten ist. Heute steht eine beeindruckende Etappe an. Sehr fordernd, sehr anstrengend aber trotzdem zum Genießen.
Ein Höhepunkt ist der Buchberger Wasserfall, zu dem es steil -zum Teil auch über Treppen - nach unten geht. Und anschließend natürlich auch wieder hoch. Und da heute mal wieder Samstag ist und alle Welt - wie ich ja auch - die Natur genießen will, herrscht reger Gegenverkehr.
An der Alpe Simasgund kehre ich kurz für ein Stück Himbeerkuchen ein. An einem Tisch sitzen eine Musikertruppe, die immer wieder ein paar Volkslieder zum besten gibt. Das treibt mich zum Aufbruch, denn jetzt stehen 900 Höhenmeter am Stück an. Die Chance, die Hochgratbahn zu nutzen, hatte ich verpasst. Aber mir wäre das schönste Stück meiner Reise entgangen. Der Weg führt über lange Strecken steil bergauf, teilweise mit Klettereinlagen. Oberhalb von 1600m führt ein Panoramaweg zum Hochgratgipfel. Die Aussicht zu beiden Seiten ist phänomenal. Rechts das Allgäu mit dem Bodensee, links das Allgäu mit dem Alpenpanorama im Hintergrund. Und mit jedem Höhengewinn wird die Aussicht besser. Ich war schon einige Male in den Alpen und im Allgäu. Aber eine solche Sicht habe ich noch nie genossen.
Trotzdem bin ich froh, um 18.00 Uhr das Staufner Haus zu erreichen. Dort habe nach vier Telefonaten noch ein Zimmer im Gemeinschaftsraum bekommen. Das Essen war schon mal gut. Das Internet ist quasi nicht vorhanden. Mal sehen, wie die Nacht wird.Read more
Durch die Hausbachklamm nach Oberstaufen
July 3 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C
03.07.26, Freitag
Von Lindenberg nach Oberstaufen
Ich nutze meinen persönlichen Shuttleservice nach Lindenberg. Der nächtliche Regen hat rechtzeitig aufgehört und für den Rest des Tages soll es trocken bleiben.
Der Weg von Lindenberg nach Weiler ist nicht so prickelnd. Ich bin aber etwas abgelenkt, weil ich feststellen muss, dass ein Teilstück der Strecke nicht auf meiner Uhr gespeichert ist. So muss ich heute mal etwas öfter aufs Smartphone schauen. Ab Weiler führt der Weg dann durch die Hausbachklamm, ein ganz tolles Teilstück. Auch danach ist der Weg lange Zeit sehr schön bis er eine Stunde vor Oberstaufen ziemlich asphaltlastig wird. Aber da habe ich schon wieder eine nette Wanderbegleitung, die das Ganze erträglich macht.Read more
Abschied vom Bodensee
July 2 in Germany ⋅ ⛅ 23 °C
02.07.26, Donnerstag
Von Wasserburg nach Lindenberg
Die Sonne scheint und die beste Wanderin von allen bringt mich nach Wasserburg, von wo aus ich zunächst Richtung Lindau starte. Auf dem Weg herrscht reger Fahrradverkehr. Als Wanderer sollte man nicht zu viel hin und her pendeln.
Der Weg aus Lindau raus ist nicht schön. Viel Straße, viel Verkehr. Im letzten Herbst sind wir auf dem Pilgerweg München - Lindau schöner in die Stadt gekommen. Anschließend wird er auch nicht viel besser. Ich lege mir Musik auf die Ohren. Erst jazzig, dann rockig. Und das eine ganze Weile. Beim Bäcker in Schlachters gibt es Erdbeerkuchen und einen guten Kaffee. Später wird die Strecke etwas schöner, erst recht, als mir die beste Wanderin von allen entgegenkommt und wir den Rest des Wegs nach Lindenberg gemeinsam zurücklegen.Read more
Die Sonne geht auf, oder?
July 1 in Germany ⋅ 🌧 19 °C
01.07.26.26, Mittwoch
Von Langenargen nach Wasserburg
Die beste Wanderin von allen ist da und die Sonne geht auf. So könnte es heißen. Tatsächlich ist sie da und der Himmel öffnet alle Schleusen. Die lang ersehnte Abkühlung tritt ausgerechnet jetzt ein dazu mit einer lang anhaltenden Dusche.
Aufgrund des Wetters brechen wir spät auf und fahren nach Wasserburg. Von dort geht's mit der Bahn nach Langenargen weiter, wo ich meine Wanderung gestern beendet hatte. Als es richtig anfängt zu schütten, suchen wir Unterschlupf in einer Bäckerei und vertreiben uns die Zeit bei Kaffee und Kuchen. Als es nach einer Stunde noch nicht aufhört bestellen wir noch einen Tee. Wir sind nicht die einzigen , die auf Zeit spielen.
Aber irgendwann müssen wir los. Der Regen wird bei schwächer und dann nimmt er wieder zu. Von dem Tornado, der heute über den Bodensee zieht, bekommen wir nichts mit. Nach 12 km sind wir dann wieder in Wasserburg, wo es was zu essen gibt. Morgen setze ich meine Wanderung zunächst alleine von hier aus fort. Vielleicht scheint dann ja wieder die Sonne.Read more
Wieder vereint
June 30 in Germany ⋅ ⛅ 29 °C
30.06.26, Dienstag
Von Immenstaad nach Langenargen
Gestern Abend habe ich mich nach dem Essen nochmal für eine Stunde an den Bodensee gesetzt. Wenn sie nicht so hart gewesen wäre, wäre ich dort eingeschlafen. Klar, dass ich das Public Viewing verpasst habe. Und ich bereue nichts.
Geschlafen habe ich dann weniger gut. Der Zeltplatz liegt zwar im Schatten, aber an einer Hauptstraße. Außerdem war mir bei der Platzwahl der Schatten wichtiger als die Ebene, so dass ich nicht ganz gerade gelegen habe. Man muss halt Prioritäten setzen.
Aufbruch um 6:45 Uhr. Frühstück beim Bäcker in Immenstaad. Der Weg gibt sich Mühe, möglichst viel im Schatten zu bleiben. Dafür bin ich ihm dankbar. Was mir aber auffällt ist, dass man hier kaum Schmetterlinge, Bienen oder andere Insekten sieht. Nicht mal Mücken. Und das schon, seit ich das Hegau verlassen habe. Wein- und Obstanbau fordern ihren Tribut von der Natur.
In Friedrichshafen fülle ich Wasser auf und gönne mir etwas Kaltes aus der Waffel. Hinter Friedrichshafen finden Baumfällarbeiten statt. Ich muss einen Umweg gehen, der nicht so schön ist. Auf einer Bank am Wegesrand strecke ich mich einfach mal aus. Ich glaube sogar, ich habe ein bisschen geschlafen. Danach habe ich erstmal keine Lust weiterzugehen. Der Weg wird sonniger und es wird heiß. Zwar nur 30°, aber es reicht.
Ich erreiche Langenargen und mich erreicht ein Anruf. Die beste Wanderin von allen ist im Allgäu eingetroffen und wird mich für vier Tage in einer Ferienwohnung beherbergen, meine Klagen über Hitze und geschlossene Biergärten anhören, einen professionellen Blick auf mein lädiertes Bein werfen, einen Teil meines Gepäcks verwahren und mich einige Kilometer begleiten. Es dauert noch etwas Zeit und etliche Bus-, Zug- und Autokilometer bis wir letztendlich zueinander kommen, aber die Wiedersehensfreude ist doch riesig. 😊Read more
Besuch
June 29 in Germany ⋅ ☁️ 29 °C
29.06.26, Montag
Von Überlingen nach Immenstaad
Heute morgen hatte ich Besuch. Als ich meinen Rucksack aus der Abside zog, kroch darunter eine Maus hervor. Ich hatte vorher schon etwas rascheln gehört, dem aber keine Bedeutung geschenkt. War noch zu früh. An meine Essensvorräte ist sie aber nicht gelangt.
Heute habe ich nicht so viel auf dem Plan. Bis zum Campingplatz vor Immenstadt sind es nur 17 km. Dabei ist der Himmel teilweise bedeckt, was die Tour ganz angenehm macht. Sie führt auch nicht stumpf am Wasser entlang. Ab zu geht's auch mal etwas hoch und führt durch Naturschutzgebiete. Besonders schön ist der Abschnitt um die Seefelder Aachmündung. Meersburg gucke ich mir etwas näher an.
Am Campingplatz muss ich auf die Öffnung der Rezeption warten. Vertreibe mir die Zeit mit einer Apfelschorle im dazugehörigen indischen Restaurant. Ist auch was für heute Abend. Bei der Anmeldung bekomme ich noch ein Begrüßungsbier. Ist noch kalt. Muss jetzt getrunken werden.
Das Bad im Bodensee ist zum ersten Mal angenehm. Nicht ganz so warm wie die beiden Male zuvor.
So! Gerade mit dem Essen beim Inder fertig. Heute Abend läuft hier noch im Public Viewing das Deutschlandspiel. Ich weiß nicht. Ist ja nicht mein Turnier. Aber auf die nächsten vier Tage freue ich mich.Read more
Überlingen
June 28 in Germany ⋅ ☀️ 33 °C
28.06.26, Sonntag
Von Bodman nach Überlingen
Um 4 Uhr wurde ich von einem Schwachmaten geweckt, der zunächst äußerst lautstark mit irgendwem redet, um dann lauthals zu verkünden, dass er aufs Klo müsste. Vielen Dank! Dann brauche ich meinen Wecker nicht zu bemühen. Ich stehe auf, baue ab und gehe los.
Auf dem Weg von Bodman nach Ludwigshafen bemerke ich, dass ich mich mitten in einem Touristenzentrum befinde. Alle Mülltonnen überfüllt. Hochachtung vor denen , die sie wieder entleeren müssen. Und mancher Müll liegt noch nicht mal in der Nähe einer Tonne. Auch Schwachmaten!
Der Weg nach Überlingen verläuft zum Glück viel durch den Wald. Zwischen den Bäumen schimmert ab und zu der Bodensee durch. Ist schön. Mit dem Einlauf in Überlingen komme ich auch wieder unter Menschen. Viele Menschen. Und alle suchen einen Schattenplatz an einem der vielen Badestrände. Das wird die nächsten beiden Tage wohl so anhalten. Irgendwie habe ich da keine Lust drauf. Aber wat mutt, dat mutt. Immerhin macht mein Schienbeinmuskel keine großen Probleme mehr. Es tut zwar jetzt zum Ende der Tour an anderen Stellen weh. Aber alles in normalem Rahmen.
Mit dem Campingplatz habe ich Glück. Sehr klein und übersichtlich und ein Platz im Schatten! 😊Read more
Frühstart
June 27 in Germany ⋅ ☀️ 35 °C
27.06.26, Samstag
Von Singen nach Bodman
Heute übertreffe ich mich selbst. Start um 2.40 Uhr. Ich will der Hitze unbedingt ausweichen. Außerdem steht sowieso noch eine Nachtwanderung aus. Die hatte ich mir ja vorgenommen. In Singen ist nichts los. Nur ein paar junge Autofahrer sind auch früh aufgestanden und diskutieren wichtige Sachen an einer Tankstelle. Als ich Singen verlasse, geht es zunächst über einen frisch geschotterten Forstweg, der im Schein der Stirnlampe gut erkennbar ist. Kurz darauf geht's aber auf einen schmalen Pfad, der durch Pflanzenbewuchs sehr verengt wird. Das ist irgendwie richtig spannend. Meine Hoffnung auf ein besonderes Wildtier-Erlebnis erfüllt sich aber nicht. Es gibt auch keine besonderen Geräusche, die mich aufschrecken lassen. Da bin ich ein ganz kleines bisschen enttäuscht.
Um 4.30 Uhr komme ich an einer Grillhütte vorbei. Hunger habe ich nicht, aber es ist trotzdem die beste Gelegenheit für ein Frühstück. Es fängt jetzt auch an zu dämmern. Um 5 Uhr komme ich durch Steißlingen und eine Frau ist dort schon bei der Gartenarbeit. Warum wohl?
Auf der Burgruine Homburg habe ich zum ersten Mal einen Blick auf den Bodensee. Auf der Burgruine Alt-Bodman bin ich noch näher dran.
Als ich in Bodman einlaufe, ist es schon wieder richtig heiß. Ich bleibe ein bisschen am Wasser, hole noch ein Paket an der Packstation ab und gehe dann noch einen schönen Weg zum Campingplatz. Der ist proppevoll. Ich kriege aber noch einen Platz im Schatten. 😊
Zelt aufbauen. Ab ins Wasser, das im Uferbereich teilweise Badewannentemperatur hat und keine Erfrischung bietet. Und ich bin hundemüde. Es fehlt die Gelegenheit, den Schlaf der letzten Nacht nachzuholen.
Am Abend spielt eine Blues Band. Die wird jetzt im 2. Teil richtig gut.Read more
Ruhe in Singen
June 26 in Germany ⋅ ⛅ 35 °C
26.06.26, Freitag
Ruhetag in Singen
Gestern Abend hatte ich noch ein paar Tapas in einem spanischen Lokal um die Ecke verzehrt. War sehr gut. Da gehe ich heute Abend noch mal hin. Das Iberico-Schwein testen.
Der heutige Vormittag stand voll und ganz im Zeichen der Rekonvaleszenz. Lang geschlafen, spät gefrühstückt. Ausgiebige Faszienbehandlung (wie gut, dass ich meinen Korkball dabei habe). Und Tape erneuern. Das ist ohne scharfe Schere nicht so einfach.
Anschließend geht's dahin, wo es kühl und schattig ist. Nicht in den Supermarkt. Besser ins Museum MAC 2 Arts & Cars. Da werden auf fünf Etagen einige Oldtimer und Nobelkarossen ausgestellt, verbunden mit künstlerischen Werken und Lichtinstallationen. Ich bin ja nicht so der Autofreak. War aber ganz nett, aber am faszinierendsten fand ich eine Foto-Serie über Marilyn Monroe.
Beim Rausgehen werde ich noch auf ein anstehendes Blues Konzert am Abend im Museumsgarten aufmerksam. Das wäre natürlich klasse. Allerdings würde es spät werden. Und ich habe morgen Besonderes vor. Werde doch eher zum Spanier gehen.
Anschließend schaue ich mir noch ein bisschen die Innenstadt von Singen an. Für einen längeren Aufenthalt ist es aber zu heiß.
Essen war gut. Und morgen wird es interessant und etwas kühler.Read more
Kopf runter und Beine nach vorne
June 25 in Germany ⋅ ☀️ 35 °C
25.06.26, Donnerstag
Von Engen nach Singen
Gestern Abend fühlte es sich schon so an, dass sich am heutigen Tag etwas entscheidet. Fest steht, dass ich einen Ruhetag brauche . Ich muss irgendwo hin, wo ich meinen Fuß hochlegen kann. Der Campingplatz scheidet aus. Ich muss weiter. Und zwar nach Singen. Da steht das nächste Hotel. Das sind 28 km bei bis zu 35 Grad. Also wird heute nur gewandert. Keine langen Pausen. Keine Pflanzenbestimmungen. Kein Warten auf Schmetterlinge, dass sie sich perfekt auf einer Blüte drapieren. Am besten gar keine Fotos. Nach unten gucken, Beine nach vorne und hoffen, dass die Muskulatur hält.
Aufstehen um 4:30 Uhr. Frühstück beim Bäcker in Engen, der schon um 5:30 Uhr (!) auf hat 👍.
Und so geht's los. Erst noch bei angenehmen Temperaturen. Aber schon ab 8 Uhr wird es warm. Die Sonnencreme, die ich auftrage, wird schon mit Schweiß vermischt. Halbiert sich jetzt der Lichtschutzfaktor?
Ansonsten gibt es nichts zu berichten. Ich gucke ja nach unten. Nur einmal blicke ich hoch und sehe einen Rotmilan, den einzigen Raubvogel, den ich sicher identifizieren kann. Ohne Flügelschlag kreist er minutenlang über sein Jagdgebiet. Faszinierende Vögel.
Der Weg führt fast nur durch pralle Sonne und hat ein paar heftige Anstiege. Das kommt mir heute gelegen, denn wenn es runter geht, meldet sich das Schienbein. 5 km vor dem Ziel wird das ganz heftig und ich versuche, die Belastung mit den Stöcken abzumildern. Ich schenke mir auch die Burgruine Hohenkrähen. Hole ich mal nach, wenn ich mal wieder in der Nähe bin.
Glück habe ich in einem Lokal, wo ich 5 Minuten bevor sie schließen noch eine Apfelschorle bestellen kann. Danach komme ich gut runter nach Singen. Unterwegs ist noch Zeit für ein Eis aus der Waffel und einen Kaffee.
Als ich im Hotel ankomme, ist der Fuß noch dick. Aber ich bin guter Dinge, dass ich nach dem Ruhetag weitergehen kann. Ich weiß nur noch nicht, was ich morgen bei 35 Grad in Singen machen kann.Read more
Von Tengen nach Engen
June 24 in Germany ⋅ ☀️ 31 °C
24.06.26, Mittwoch
Von Tengen nach Engen
Heute wird es doch kein Zero-day. Keiner will mit mir Beachsoccer spielen, meinen Tennisschläger hatte ich vergessen und die Alpakas würden meinen Rucksack nicht zum nächsten Etappenziel tragen. Ich nehme mir aber bewusst nur eine kurze Tour zum nächsten Campingplatz vor. Vielleicht kann ich meine muskulären Probleme dort auskurieren.
Heute sind keine Wolken da, um der Sonne ein bisschen Einhalt zu gebieten. Und der Weg verläuft bis jetzt vorwiegend schattenlos. An der ersten Hütte nehmen zwei Wanderinnen, die auf dem Querweg unterwegs sind, die letzten Schattenplätze vor der Hütte ein. Sie bieten mir an, mich dazu zu setzen, aber ich verzichte auf die nette Gesellschaft und ziehe doch lieber den Schatten in der Hütte vor. Der Weg führt weitgehend in praller Sonne weiter. Er bietet aber die ganze Zeit ein imposantes Panorama. Der Querweg gefällt mir bis jetzt ausgesprochen gut. Für die Hitze kann er nichts.
Mittags schon komme ich am Campingplatz Sonnental in Engen an. Der Betreiber weist mir einen Platz außerhalb der Zeltwiese im Schatten zu. Thanx! Den Nachmittag verbringe ich lesend auf der Terrasse des "Restaurants".
Das Thema Ruhetag ist noch nicht durch. In der zweiten Tourhälfte hatte ich wieder Probleme und mein Fuß ist jetzt etwas angeschwollen. Aber ein Ruhetag hier? Der Platz gibt nicht so viel her. Ich entscheide morgen früh.Read more
Ich weiß es jetzt!
June 23 in Germany ⋅ ☁️ 30 °C
23.06.26, Dienstag
Von Blumberg zum Campingplatz Hegau
Heute morgen im Hotel ein stilles Frühstück eingenommen. Obwohl schon einige Gäste um 7 Uhr am Tisch saßen, habe ich noch nie beim Frühstück eine solche Stille erlebt.
Beim Auschecken habe ich noch eine sehr nette Begegnung mit Alexej, einem jungen lettischen Fahrstuhlmonteur, der gerade im Hotel einen Auftrag erledigt. Er wandert selbst gerne in der Schweiz und sehr an meiner Tour interessiert. Es ist interessant, wie solche Begegnungen die Stimmung heben können.
Als ich aufbreche, ist es schon sehr warm. Beim Auslauf aus Blumberg schaffe ich es, eine alte Dame mit Rollator am Berg zu überholen. Wir wechseln ein paar Worte und sie wünscht mir eine schöne Wanderung.
Der Weg führt dann wie erwartet erstmal bergauf. Ich bin dankbar dafür, dass dieser Abschnitt ausschließlich im Schatten verläuft. Meinen Schienbeinmuskel merke ich dabei gar nicht. Oben angekommen ist der Ausblick an der Buchberghütte traumhaft. Ich hatte sie ursprünglich mal als Übernachtungsmöglichkeit in Erwägung gezogen. Aber gestern wäre es noch zu früh gewesen. Und heute sowieso. Aber ich bleibe eine Weile hier sitzen und schreibe diese Zeilen. Nur sollte ich langsam mal aufbrechen, sonst trinke ich hier oben noch meinen Wasservorrat leer.
Als ich aus dem Wald heraustrete, habe ich Glück. Eine Wolke ☁️ hat sich vor die Sonne geschoben und ich habe es auf dem freien Teilstück nicht so warm. Auch bei einer weiteren Pause auf einer Bankliege ist es gerade sehr angenehm. Imposant ist der Blaue Stein, ein bewachsener Felsen, der quasi eine Baumkrone trägt.
In Randen und Riedöschingen fülle ich meine Wasservorräte auf. Irgendwann wird es doch heiß, aber es ziehen Gewitterwolken auf. Für den Fall der Fälle ist meine Taktik klar. Der Rucksack kriegt seine Frischhaltefolie. Dann kommt der Regenschirm zum Einsatz. Und sonst nichts. Ein bisschen Abkühlung tut mal ganz gut. Ich verlasse den Trail Richtung Campingplatz Hegau und dann geht's schnell. Donner, Blitze, erste Regentropfen. Frischhaltefolie, Schirm, gerade noch geschafft. Aber dann kriege ich die volle Breitseite. Starke Sturmböen von der Seite, starker Regen. Der Schirm hält stand. Ich erreiche eine Baumreihe. Da stelle ich mich unter. Aber das Schutz ist minimal. Vor allem weil der Wind noch in die ungünstigste Richtung dreht, ich die Breitseite nun von vorne kriege und der Regen noch teilweise in Hagel übergeht. Ich ziehe mich vollends ins Gebüsch zurück. Das bringt etwas Schutz, trotzdem ist mein Wunsch nach Abkühlung mittlerweile befriedigt.
Als der Regen nachlässt, gehe ich das letzte Stück zum Campingplatz, wo die Software abgestürzt ist und es etwas dauert, bis ich einchecken kann. Es ist ein 5-Sterne-Campingplatz für einen 5-Sterne-Preis. Was die nicht alles haben: Hallen-Erlebnisbad, Badesee, Beachvolleyball, Beach Soccer Feld, Tennishalle, Tretkart-Verleih, Hundedusche, Tennishalle, Fußballgolf, Alpaka-Gehege. Kurz: Alles, was ein Wanderer braucht. Den Badesee habe ich tatsächlich genutzt. Das Restaurant auch. Das war aber nur mäßig.
Dennoch bin ich am überlegen, hier einen Ruhetag einzulegen. Meine Schienbeinmuskulatur hat sich ab Mitte der Wanderung wieder gemeldet, obwohl die heutige Tour weder lang noch anstrengend war.
Mittlerweile weiß ich auch, wie Deutschland gespielt hat. Es wird nicht mehr mein Turnier.Read more
Die Reste von gestern
June 22 in Germany ⋅ ☀️ 31 °C
22.06.26, Montag
Von Hütte 525 nach Blumberg
Um 5:15 Uhr baue ich mein Innenzelt in der Hütte ab. Mein Hüttengenosse richtet sich nicht nach Uhrzeiten. Er steht auf, wenn er fit ist. So ziehe ich los und der Weg macht da weiter, wo er gestern aufgehört hat. Nur ohne Gegenverkehr. Einfach nur fantastisch. Es ist schade, dass man die Atmosphäre nicht auf Fotos oder anderweitig bannen kann.
Der Kiosk Wutachmühle hat geschlossen. Das WC ist aber offen. Und es gibt nicht nur wieder Internetz, sondern sogar ein freies WLAN. Aber es wird jetzt richtig heiß. Die Strecke wird wieder öde bis es nach Blumberg raufgeht. Dann wird es noch mal schön, aber anstrengend als es zu den Schleifenbachfällen geht. Ich bin ziemlich fertig, als ich oben an einer Schattenbank rauskomme. Mein Schienbeinmuskel macht mir jetzt doch erheblich zu schaffen und ich buche mir ein Hotel in Blumberg. Ich darf sogar um 13 Uhr einchecken und nutze die Zeit für meinen ersten Nachmittagsschlaf seit sieben Wochen. Die beste Wanderin von allen gibt mir noch eine Anleitung zum Schienbeinmuskeltapen und ein paar Tipps zum Dehnen. Dann nur noch kurz einkaufen und eine Pizza und ein kühles Bier rausholen. Ich habe einen kleinen Balkon mit Tisch und Stühlen. Das passt!
Wie hat Deutschland eigentlich gespielt?Read more
Netzlos
June 21 in Germany ⋅ ⛅ 32 °C
21.06.26, Sonntag
Von Lenzkirch zur Hütte 525
Abends war ich noch in der anliegenden Brauerei essen. Leckeres Bierbrot als Vorspeise und ein gutes Dunkles. Schnitzel, wie man es erwarten kann.
Fußball habe ich nicht geguckt. Die Zeltwiese ist überwiegend mit Wohnmobilen besetzt und gegenüber läuft der Fernseher. Als ich im Zelt liege, höre ich die Geräusche. Ab und an klingt es nach vergebenen Torchancen. Einen Torschrei höre ich nicht. Und irgendwann schlafe ich ein.
Heute Morgen werde ich um 5.00 Uhr durch drei Böllerschüsse aus der Ferne geweckt. Anschließend setzt Marschmusik ein, die nach einem Stück zunächst verstummt und eine Viertelstunde später wieder einsetzt. Hä? Mich interessiert's ja nicht. Ich will sowieso los, aber was ist denn mit der Nachtruhe? Auf dem anliegenden Pferdehof ist auch schon Betrieb und da erfahre ich, dass heute wohl ein ganztägiges Event mit großer Reiterprozession mit Hunderten von Pferden in der Gegend stattfindet. Bis zum Abend. Und die Blaskapelle hat nicht nur geprobt. Sie ist schon unterwegs.
Mit dem Beginn der Wutachschlucht beginnt der Schluchtensteig für mich erst richtig. Es ist ein traumhafter Weg mit vielen kleinen An- und Abstiegen. Teilweise führt er auch auf ebener Strecke dem Fluss entlang. An der Schattenmühle ist Zeit für eine ausgiebige Pause. Jetzt fängt es an Gewittern und es folgt ein heftiger Regenschauer. Ich scheine ein Talent dafür zu haben, Regen auszuweichen und sitze trocken auf der überdachten Terrasse. Ich hätte jetzt vielleicht nach einem Zimmer fragen und meine Tour unterbrechen sollen, denn es wird mir bewusst, dass ja heute Sonntag ist. Und das ist gut, weil dann Lokale wie die Schattenmühle geöffnet sind. Und auch, weil viele Menschen dann unterwegs sind, auch viele Familien mit Kindern, die die Natur entdecken wollen. ABER... Ja, genau. Als ich um 14.00 Uhr wieder aufbreche, herrscht auf dem Weg ein reger Verkehr, vorwiegend Gegenverkehr. Da der Weg an allen Stellen eng ist, sind bei allen Begegnungen stillschweigende Abmachungen zu treffen. Ich will gar nicht den Genervten spielen. Ich nerve die anderen ja auch mit meiner Anwesenheit. Aber achöner wäre es am Montag.
Am Diethfurter Wasserfall, einem der Top-Spots meiner gesamten Reise, sind gerade mehrere Familien. Die Kinder spielen unter und hinter der Regenwand. Teenager brauchen 5 Minuten, um ihre Haare zu befeuchten. Und ein Mann, der mich mit seinem Hund zuvor überholt hatte, turnt in Badehose herum. Aber ich gehe nicht ohne ein Foto vom menschenleeren Wasserfall.
Der Tag ist nun schon etwas vorangeschritten. Ich wollte eigentlich bis Blumberg kommen. Allerdings habe ich etwas Probleme mit meiner Schienbeinmuskulatur. Die möchte ich nicht weiter überanstrengen. An der NST-Hütte 525 versuche ich meine Möglichkeiten zu sondieren. Eventuell "Schlafen im Stroh" kurz vor Blumberg? Aber ich habe hier weder Internet noch ein Mobilfunknetz. Die Hütte ist ganz schön, aber ich habe nicht genug Wasser und an die Wutach komme ich hier nicht dran. 500 m weiter sehe ich einen Trampelpfad zum Fluss. Den nutze ich ohne weitere Pflanzen zu zertrampeln mache mich ausgiebig frisch, filtere meine Flaschen voll und gehe wieder zurück zur Hütte.
Es ist jetzt 17 Uhr und es fängt an zu gewittern und als heftiger Regenschauer niedergeht, erscheint ein junges Pärchen und sucht Schutz. Sie wollen noch zur Schattenmühle fragen mich wo ich denn noch hinwolle. Mit meiner Antwort, dass ich hier bleibe, können Sie nicht so viel anfangen.
Um 19 Uhr kommt noch ein weiterer Wanderer an. Seine Bekleidung deutet zunächst auf Super-ultraleicht-Wanderer hin. Ärmelloses Unterhemd, eine Art dünne, kurze Schlafanzughose mit mehreren Löchern und Sandalen. Sein Rucksack ist aber so groß wie meiner und 14 kg schwer. Dazu trägt er vor dem Bauch einen weiteren Rucksack mit vier Kilo Nahrung. Unter anderem hat er auch einen kleinen Holzofenkocher und eine Kaffeemühle mit. Er ist, wie ich, seit sieben Wochen unterwegs. Seine Tour umfasste das Jura, die Vogesen und ein bisschen Alpen. Jetzt will er noch zum Titisee und dann nach Hause fahren. Er erzählt mir von seinen Touren in Europa, unter anderem von einer Radtour in der Ukraine vor zwei Jahren. Am NST ist er nicht so interessiert, empfiehlt mir aber, den Bodensee südlich entlang zu laufen. Aber: Was nicht geht, geht nicht. Er bleibt auch über Nacht und so muss ich zum ersten Mal nach sieben Wochen nicht alleine schlafen.
Aber wie Deutschland nun bei der WM gespielt hat, weiß ich immer noch nicht.Read more
Ja, wo sind sie nur?
June 20 in Germany ⋅ ☀️ 29 °C
20.06.26, Samstag
Von St. Blasien nach Lenzkirch
Um 5:45 Uhr bin ich heute auf der Piste. Auf das Hotelfrühstück verzichte ich, obwohl es im Preis eingeschlossen ist. Aber Beginn wäre erst um 7:30 Uhr. Das hieße, ich käme erst um 8:30 Uhr los. Dann wäre es schon viel zu warm. Auch heute stehen zu Beginn wieder über 300 Höhenmeter an. Die absolviere ich lieber in der Morgenkühle.
Die Tour beginnt vielversprechend. Als ich aus St. Blasien rauskomme, geht es gleich durch einen Bannwald auf einem wunderschönen dunklen Single Trail, einem schnellen Bachlauf mit vielen kleinen Stromschnellen entgegen. Ich bin begeistert.
Diese Gedanken hat der Steig wohl aufgenommen und sich gesagt: "Okay, Sirius ist erstmal zufrieden. Dann brauche ich mich nicht mehr anzustrengen." Und dann geht es kilometerweit nur auf breiten Forststraßen weiter. Zunächst lang und beständig bergauf. Danach abwärts. Ich lege mir Musik auf die Ohren , was ich grundsätzlich nie in schöner Natur mache. Aber jetzt pusht es und ich komme sehr gut voran.
Am Pfaffenbrünnele frühstücke ich und fülle Wasser auf. Der Weg geht unverändert weiter. Die Vesperstube am Anfang des Schluchsees hat offiziell noch nicht geöffnet. aber ich bekomme trotzdem eine Apfelschorle. Außerdem spare ich einen Schaufeleinsatz. Weiter geht's um den Schluchsee rum. Viele Radfahrer sind unterwegs. Zum Teil auf Tagestour, zum Teil auf der Suche nach einer Badestelle. Vom Weg aus führen kleine Abzweigungen zum See. Eine kleine Abkühlung könnte ich auch gebrauchen. Meine Badehose hatte ich zwar aus Gewichtsgründen nach Hause geschickt, aber an einer entlegenen Stelle... Eine solche Stelle finde ich aber nicht mehr. Chance verpasst. Am Seglerhaus gibt's noch ein Stück Käsekuchen und dann geht's weiter. Der Weg führt weg vom Schluchsee und ist auf einmal voller Wanderer, Tageswanderer. Sogar welche ganz ohne Rucksack oder Trinkflasche. Bemerkenswert finde ich Vater und Sohn beim Trailrunning in der Mittagshitze. Der Weg führt steinig nach unten und der ca. zehnjährige Junge meistert ihn mit Bravour. Vater folgt mit kurzem Abstand. Es sieht sehr leicht aus. Und irgendwie sind sie den Berg ja auch mal hochgekommen. Chapeau!
In Lenzkirch kaufe ich kurz was ein und dann geht es in praller Sonne und ohne Luftzug weiter zum Campingplatz Kreuzhof. Liegt ein bisschen abgelegen, sodass heute wieder 30 km voll gemacht werden.
Das Rheinsteig-Training scheint sich auszuzahlen. Ich komme jetzt sehr gut voran und erreiche die Wandergeschwindigkeit, die ich mir vorgestellt habe.
Auf einem Schild entlang des Wegs habe ich über die heutige Etappe gelesen, dass sie weitgehend schluchtenfrei verliefe. Das war sie. Wie die beiden vorhergehenden auch. Ich verstehe noch nicht ganz, wie der Schluchtensteig zu seinem Namen kam. Was wäre denn der Rheinsteig ohne den Rhein? Oder der Natursteig Sieg ohne die Sieg? Ich habe schon mehr als die Hälfte des Steigs durchwandert und habe da ein bisschen mehr erwartet.
Aber gut. Hier auf dem Campingplatz laufen die Vorbereitungen für das Public Viewing des Deutschland-Spiels um 22.00 Uhr. Ich möchte morgen ja wieder um 6 Uhr los. Mal gucken, ob ich gucke.Read more
Wo sind die Schluchten?
June 19 in Germany ⋅ ⛅ 30 °C
19.06.26, Freitag
Von Todtmoos nach St. Blasien
Heute morgen bin ich um 6 Uhr raus aus dem Hotel. Es wird heute wieder heiß und der Weg aus Todtmoos beginnt gleich mit 300 Höhenmetern. Die möchte ich hinter mich bringen solange es noch kühl ist. Ich nehme auch nur wenig Wasser mit, denn nach 3 km und den 300 Höhenmetern komme ich an die Wehra-Quelle. Der Weg dahin ist angenehm, die Steigung moderat und das Gefühl absoluter Zufriedenheit, das ich jeden Tag morgens habe, verstärkt sich noch je früher ich losgehe.
An der Quelle mache ich mir erstmal ein Frühstück und fülle Wasser auf. Danach wird der Weg breiter und ich komme ins Freie. Jetzt steht die Sonne schon höher und ich merke die kommende Hitze. Aber heute habe ich nicht so viel vor. In St. Blasien soll heute Schluss sein.
Als ich eine Kuhweide überquere, überkommt mich doch ein etwas mulmiges Gefühl. Denn die Mutterkühe schützen ihre Kälber. Und tatsächlich beäugen mich zwei von ihnen misstrauisch. Also einfach ruhig weitergehen, nicht hingucken, aber das Holzauge wachsam sein lassen. Komisch. Bei meinem Erlebnis mit den Wildschweinen war ich gelassener.
An einer anderen Kuhweide mache ich eine weitere kleine Rast. Viel zu früh. Viel zu lang. Da kommt der Pausenfreund in mir wieder durch. Aber ich habe heute ja Zeit.
An der Kreuzfelsenhütte ist viel los. Die ganze Zeit bin ich niemanden begegnet und jetzt habe ich die Hütte für mich alleine, aber jede Menge Wanderer kommen vorbei, vorwiegend aus der Gegenrichtung. Keiner möchte in der Hütte Pause machen. Als ich anschließend weitergehe, weiß ich auch wieso. Nach kurzem Weg komme ich zum Klosterweiherhof. Mit Terrasse an einem kleinen See. Und vor allem: Geöffnet. Also Zeit für eine Pause. Nach der ganzen mediterranen und asiatischen Küche der letzten Tage muss jetzt mal etwas regionales auf dem Tisch. Ein Schwarzwälder Schinkenbrett. Ist gut. Und ein Schwarzwälder Kirschwasser ist auch noch dabei. Hatte ich auf der Karte irgendwie übersehen. Ob das gut ist? Bei sengender Hitze? Aber ich will ja neue Erfahrungen sammeln.
Am Lehenkopfturm überlege ich. Will ich da rauf? Der ist doch bestimmt barrierefrei. Ist er nicht. Aber ich steige trotzdem hoch. Hat sich gelohnt.
Der Weg nach St. Blasien ist über weite Teile schattenlos. Hin und wieder mal ein schöner Single Trail, aber ich vermisse die Schluchten. Vermutlich ist es gut, dass ich den Weg entgegen der Hauptroute laufe. So erlebe ich vermutlich das Beste zum Schluss.😊
In St. Blasien gehe ich erst einmal am Dom vorbei. Zunächst gibt's Eis und Kaffee. Dann einchecken, duschen und dann noch mal raus. Zwischenzeitlich hat es anscheinend geregnet. Davon habe ich nichts mitbekommen. Dadurch ist das etwas kühler geworden. Angenehm.
Es geht zuerst in den Dom. Und das ist ergreifend. Obwohl der weiße Marmor und die weiße Bestuhlung das Ganze etwas steril wirken lassen, ist es imponierend. Ich setze mich in die Mitte und lasse alles auf mich wirken. Immer wieder muss ich gerade nach oben auf das Deckengewölbe mitsamt seinem Gemälde schauen. Irgendwann kriege ich eine Genickstarre.
Wieder draußen muss ich mich um ein Problem kümmern. Meine Girocard ist anscheinend nicht mehr funktionsfähig. Am Automaten der Sparkasse bestätigt sich das trotz vorheriger intensiver Reinigung. Dann muss jetzt wohl die Kreditkarte herhalten oder das gute alte Bargeld. Das wird hier ohnehin viel lieber genommen.
Am Rathaus setze ich mich auf ein Lounge-Sofa eines Restaurants, bestelle mir ein Bier und führe ein wenig Tagebuch. Hinter mir plätschert einen Springbrunnen.
I feel good. Auch ohne Schluchten.Read more
Schluchtensteig - Es fängt gut an
June 18 in Germany ⋅ ☀️ 28 °C
18.06.26, Donnerstag
Von Wehr nach Todtmoos
Gestern hatte ich mich nach dem Duschen einfach nur aufs Bett geworfen. Und bin eingeschlafen. Die gestrige Wanderung hatte mir wohl doch einiges abgefordert. In den 32 km waren auch noch 700 Höhenmeter versteckt. Das verlangte nach Schlaf.
Heute Morgen um 7 Uhr ist der Frühstücksraum schon von einigen Arbeitern belegt. Erst später kommen auch andere Gäste dazu. Da ich noch mit dem Bus zum Startpunkt des Schluchtensteigs fahren muss, komme ich erst um 9 Uhr auf den Trail. Das Schild am Trailhead kündigt für mich heute 925 Höhenmeter bis Todtmoos an. Und es sollen heute 33° C werden. Ich habe wieder zweieinhalb Liter Wasser im Gepäck. Ziemlich am Anfang meiner heutigen Tour ist eine Brücke über die Wehra gesperrt. Wegen Einsturzgefahr. Ich darf wieder zurückgehen. Eine Ausschilderung gibt es zwar, aber nur für die Normalwanderer. Ich gehe den Weg ja in Gegenrichtung. Warum soll man mich auch darauf hinweisen? Ich habe ja nur über 1000 km in den Beinen und 925 Höhenmeter vor mir. Da kommt es auf den Extra-Kilometer nicht an. Die Normalos, die sich auf der heutigen Etappe von der Schwerkraft runtertragen lassen können, die muss man natürlich auf die Umleitung hinweisen. Aber was rege ich mich auf? Von Einheimischen erfahre ich noch, dass die Brücke wohl gar nicht mehr instandgesetzt wird, weil es sich um eine private Brücke handelt.
Nach drei Kilometern treffe ich ein Paar, das auf dem Endspurt des Schluchtensteigs ist. Sie sind mit Hängematten unterwegs und meinten , dass es mit dem Zelten schwierig werden würde. Ich habe allerdings schon in der zweiten Hälfte einige Campingplätze im Blick.
Dann treffe ich mal wieder einen NST-Hiker. WhiteWanderer, der den Nord-Süd-Trail auch häppchenweise erobert und auch schon am Haldenwanger Eck war. Nette Begegnung. Er nimmt mir auch meine Sorge ums Wasser, weil wohl unterwegs jede Menge Bachläufe folgen, wo man wieder auftanken kann. Und so ist es auch. Ich nutze diese Punkte um T-Shirt und Buff mal auszuspülen und am Körper trocknen zu lassen. Auch die Füße danken für einen kleines Bad.
Die Höhenmeter sind gut zu bewältigen. Es geht ständig rauf und runter. Das macht Spaß. Außerdem ist der Weg hauptsächlich bewaldet und es ist daher nicht so warm. In der Kernzone des Biosphärengebiets gehe ich einen traumhaften Single Trail. Kilometerlang führt er auf engen Wald- und Wurzelwegen durch einen dunklen Bannwald. Teilweise an einem Bach entlang, an Moos überwucherten Felsen vorbei, dabei geht's immer auf und ab. Ich bin soweit, dass ich die heutige Tour zur bislang schönsten meiner ganzen Reise küren möchte. Aber leider können die letzten 8 km dieses Niveau nicht halten. Es geht auf breiten Forststraßen und teilweise auf Asphalt hoch nach Todtmoos. Das Ganze auch mehr und mehr in praller Sonne und voller Hitze.
Eine Großbaustelle vor meinem Hotel verschafft mir zum Einchecken wohl noch einen weiteren halben Kilometer. Die Einrichtung scheint aus den 80ern zu stammen. Auch der Röhrenfernseher. Aber ich habe auf meiner Tour ohnehin noch kein Fernsehen geguckt. Und bei 44 € für die Nacht will ich nicht klagen.
Essen beim Vietnamesen. Und anschließend in den Kurpark, wo ich gerade sitze und mein Tagebuch führe.🙂Read more
Main-Neckar-Rhein-Weg
June 17 in Germany ⋅ ☀️ 29 °C
17.06.26, Mittwoch
Von Haltingen nach Wehr
Main-Neckar-Rhein-Weg
Gestern Abend auf dem Rückweg vom Italiener ist mir noch ein alter Mann mit einem abgewrackten, schmutzigen Rollkoffer begegnet. Er fragte mich mit österreichischen Akzent, ob ich eine Unterkunft wüsste. Ich sagte, dass ich mich nicht auskenne und konnte nur auf die umliegenden Hotels verweisen. Das schien für ihn aber keine Option. Und es war schon 21:30 Uhr. Nachdem ich am Geldautomaten noch etwas Bares gezogen hatte, sah ich ihn mit seinem Koffer noch suchend in anderer Richtung umherziehen. Diese Begebenheit lies mich etwas nachdenklich zurück.
Heute morgen habe ich es dann geschafft, um 5 Uhr das Bett verlassen. Ich war noch deutlich zu früh am Bad Bellinger Bahnhof und nahm den Zug um 6:02 Uhr. Eine Viertelstunde später war ich in Haltingen. Dort gibt es einen Bäcker, der um diese Zeit schon auf hat. Nur Kaffee gibt's da keinen. Es ist halt eine einfache Bäckerei. Es war im Internet nicht so ganz ersichtlich. Also musste ich zum Rewe-Bäcker. Dort noch 20 Minuten gewartet, aber ein Frühstück und einen guten Kaffee bekommen.
Um 7:30 Uhr geht's dann endlich los. Wie alle Orte liegt auch Haltingen irgendwo unten. Aso muss ich erstmal rauf.
Und dann komme ich an einen Punkt, wo ich schon mal gewesen sein muss, auch wenn ich mich nicht daran erinnere. Ich bin auf dem Westweg und nehme jetzt die Abzweigung auf den Main-Neckar-Rhein-Weg Der erste Blick auf Lörrach offenbart auch die Vielfältigkeit des Nord-Süd-Trails. Man sieht jetzt keine Bänke vor Seen mehr, keine Bäume im See, keine Burgen am Rhein, dafür aber die ersten Bergpanoramen.
Ich habe etwas Sorge um meinen Wasservorrat. Es wird heute und auch die nächsten Tage sehr heiß. An einer Quelle fülle ich zusätzlich meinen Wasserfilter auf, so dass ich jetzt mit 2,5 Litern unterwegs bin.
Runter nach Lörrach, zum Teil über Treppen, kurz zu dm rein, raus aus Lörrach, zum Teil über Treppen. Danach geht's moderat bergauf über schöne Single trails. Bänke sind hier rar. Darum nehme ich diese hier, auf der ich gerade sitze und mache Pause.
Es geht dann erstmal weiter auf Waldautobahnen und als der Wald endet auf Asphaltwegen zwischen Wiesen. Ein bisschen viel Asphalt zwischen Wiesen. Habe ich schon geschrieben, wie toll es auf dem Rheinsteig war?
Bei einer Pause quatscht mich ein Motorradfahrer voll. Hat fürs Wandern nicht unbedingt Verständnis. Und Marathonläufer sind sowieso bekloppt. Wenn der wüsste... Bei einem Brunnen filtere ich noch etwas Wasser und weiche meinen Buff ein. Zur Kühlung für den Schädel. In praller Sonne geht es hoch zur hohen Flum. Auf den Turm muss ich natürlich rauf. Der weitere Weg bietet schöne Aussichten und ist aufgrund des flachen Profils gut zu gehen. So habe ich es mir an meinem letzten Rheinsteig-Tag ja gewünscht. Die Beine machen nach dem Ruhetag auch gut mit und so schaffe ich es tatsächlich bis Wehr.
Hier scheint es viele Verkehrsidioten zu geben. Ein Motorradfahrer fährt an mir vorbei, nur auf dem Hinterrad fahrend. Mehrere Autos setzen immer wieder zu Zwischenspurts an.
Es ist 18 Uhr. Die Geschäfte und Eisdielen machen dicht. Mein Hotel ist 5 km außerhalb. Weil es dort kein Restaurant gibt, gehe ich hier noch schnell zum Griechen. Rinderleber und Bier. Sehr gut zubereitet und nicht so massig.
An der Bushaltestelle treffe ich dann noch einen Wanderer, der gerade den Schluchtensteig absolviert hat. Mit Gepäcktransport. Jetzt will er nur sein Auto aus Stühlingen abholen.
Morgen geht's für mich auf den Schluchtensteig. Vielleicht einer der Höhepunkte der Tour. Ich lass' mich überraschen.Read more
Start Main-Neckar-Rhein-Weg
June 17 in Germany ⋅ ☀️ 29 °C
Schon wieder Patrick Kelly?
June 16 in Germany ⋅ ☁️ 29 °C
16.06.26, Dienstag
Von Ingelheim nach Bad Bellingen
Heute also Ruhe- und Reisetag. Mit dem Zug soll es von Ingelheim nach Weil am Rhein gehen. Die Suche nach einem Hotel in Weil gestaltet sich aber schwierig. Es ist keines aufzutreiben. Auch nebenan in Lörrach nicht. Gibt Patrick Kelly etwa wieder ein Konzert? Nein, diesmal ist in Basel eine Kunstmesse. Für 200 € plus könnte ich natürlich ein Zimmer kriegen. Aber nö. Ich plane um und buche mir ein Zimmer in Bad Bellingen. Da wollte ich schon immer mal hin.
Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Zugfahrt mit Verspätung. Dabei musste ich in einer voll besetzten Regionalbahn meinen Rucksack auf meinem Schoß lagern. Ich nehme alles zurück. Gerne trage ich meinen Rucksack auf dem Rücken.
Abends Nudeln mit Lachs beim Italiener. Das Frühstück im Hotel habe ich abgestellt. Morgen wird's warm. Da will ich früh raus. Mal sehen, ob's klappt.Read more



























































































































































































































TravelerHerzlichen Glückwunsch, na dann, kann man sich ja nochmals über den Weg laufen. 😁
Sirius.Ja, jetzt weiß ich ja immer, wo du steckst. 😉