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NST - Norden, Mitte und Süden

3 Teilabschnitte des NST. Einer im Norden von Flensburg bis Hamburg, in der Mitte von Siegen bis Bingen und im Süden vom Westweg zum Haldenwanger Eck. 10 Wochen Zeit. Mal sehen, was kommt. Read more
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    🇩🇪 St. Blasien, Deutschland

    Ja, wo sind sie nur?

    June 20 in Germany ⋅ ☀️ 29 °C

    20.06.26, Samstag
    Von St. Blasien nach Lenzkirch

    Um 5:45 Uhr bin ich heute  auf der Piste. Auf das Hotelfrühstück verzichte ich, obwohl es im Preis eingeschlossen ist. Aber Beginn wäre erst um 7:30 Uhr. Das hieße, ich käme erst um 8:30 Uhr los. Dann wäre es schon viel zu warm. Auch heute stehen zu Beginn wieder über 300 Höhenmeter an. Die absolviere ich lieber in der Morgenkühle.

    Die Tour beginnt vielversprechend. Als ich aus St. Blasien rauskomme, geht es gleich durch einen Bannwald auf einem wunderschönen dunklen Single Trail, einem schnellen Bachlauf mit vielen kleinen Stromschnellen entgegen. Ich bin begeistert. 

    Diese Gedanken hat der Steig wohl aufgenommen und sich gesagt: "Okay, Sirius ist erstmal zufrieden. Dann brauche ich mich nicht mehr anzustrengen." Und dann geht es kilometerweit nur auf breiten Forststraßen weiter. Zunächst lang und beständig bergauf. Danach abwärts. Ich lege mir Musik auf die Ohren , was ich grundsätzlich nie in schöner Natur mache. Aber jetzt pusht es und ich komme sehr gut voran. 

    Am Pfaffenbrünnele frühstücke ich und fülle Wasser auf. Der Weg geht unverändert weiter. Die Vesperstube am Anfang des Schluchsees hat offiziell noch nicht geöffnet. aber ich bekomme trotzdem eine Apfelschorle. Außerdem spare ich einen Schaufeleinsatz. Weiter geht's um den Schluchsee rum. Viele Radfahrer sind unterwegs. Zum Teil auf Tagestour, zum Teil auf der Suche nach einer Badestelle. Vom Weg aus führen kleine Abzweigungen zum See. Eine kleine Abkühlung könnte ich auch gebrauchen. Meine Badehose hatte ich zwar aus Gewichtsgründen nach Hause geschickt, aber an einer entlegenen Stelle... Eine solche Stelle finde ich aber nicht mehr. Chance verpasst. Am Seglerhaus gibt's noch ein Stück Käsekuchen und dann geht's weiter. Der Weg führt weg vom Schluchsee und ist auf einmal voller Wanderer, Tageswanderer. Sogar welche ganz ohne Rucksack oder Trinkflasche. Bemerkenswert finde ich Vater und Sohn beim Trailrunning in der Mittagshitze. Der Weg führt steinig nach unten und der ca. zehnjährige Junge meistert ihn mit Bravour. Vater folgt mit kurzem Abstand. Es sieht sehr leicht aus. Und irgendwie sind sie den Berg ja auch mal hochgekommen. Chapeau!

    In Lenzkirch kaufe ich kurz was ein und dann geht es in praller Sonne und ohne Luftzug weiter zum Campingplatz Kreuzhof. Liegt ein bisschen abgelegen, sodass heute wieder 30 km voll gemacht werden. 

    Das Rheinsteig-Training scheint sich auszuzahlen. Ich komme jetzt sehr gut voran und erreiche die Wandergeschwindigkeit, die ich mir vorgestellt habe.

    Auf einem Schild entlang des Wegs habe ich über die heutige Etappe gelesen, dass sie weitgehend schluchtenfrei verliefe. Das war sie. Wie die beiden vorhergehenden auch. Ich verstehe noch nicht ganz, wie der Schluchtensteig zu seinem Namen kam. Was wäre denn der Rheinsteig ohne den Rhein? Oder der Natursteig Sieg ohne die Sieg? Ich habe schon mehr als die Hälfte des Steigs durchwandert und habe da ein bisschen mehr erwartet.

    Aber gut. Hier auf dem Campingplatz laufen die Vorbereitungen für das Public Viewing des Deutschland-Spiels um 22.00 Uhr. Ich möchte morgen ja wieder um 6 Uhr los. Mal gucken, ob ich gucke.
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  • Wo sind die Schluchten?

    June 19 in Germany ⋅ ⛅ 30 °C

    19.06.26, Freitag
    Von Todtmoos nach St. Blasien

    Heute morgen bin ich um 6 Uhr raus aus dem Hotel. Es wird heute wieder heiß und der Weg aus Todtmoos beginnt gleich mit 300 Höhenmetern. Die möchte ich hinter mich bringen solange es noch kühl ist. Ich nehme auch nur wenig Wasser mit, denn nach 3 km und den 300 Höhenmetern komme ich an die Wehra-Quelle. Der Weg dahin ist angenehm, die Steigung moderat und das Gefühl absoluter Zufriedenheit, das ich jeden Tag morgens habe, verstärkt sich noch je früher ich losgehe. 

    An der Quelle mache ich mir erstmal ein Frühstück und fülle Wasser auf. Danach wird der Weg breiter und ich komme ins Freie. Jetzt steht die Sonne schon höher und ich merke die kommende Hitze. Aber heute habe ich nicht so viel vor. In St. Blasien soll heute Schluss sein.

    Als ich eine Kuhweide überquere, überkommt mich doch ein etwas mulmiges Gefühl. Denn die Mutterkühe schützen ihre Kälber. Und tatsächlich beäugen mich zwei von ihnen misstrauisch.  Also einfach ruhig weitergehen, nicht hingucken, aber das Holzauge wachsam sein lassen. Komisch. Bei meinem Erlebnis mit den Wildschweinen war ich gelassener. 

    An einer anderen Kuhweide mache ich eine weitere kleine Rast. Viel zu früh. Viel zu lang. Da kommt der Pausenfreund in mir wieder durch. Aber ich habe heute ja Zeit.

    An der Kreuzfelsenhütte ist viel los. Die ganze Zeit bin ich niemanden begegnet und jetzt habe ich die Hütte für mich alleine, aber jede Menge Wanderer kommen vorbei, vorwiegend aus der Gegenrichtung. Keiner möchte in der Hütte Pause machen. Als ich anschließend weitergehe, weiß ich auch wieso. Nach kurzem Weg komme ich zum Klosterweiherhof. Mit Terrasse an einem kleinen See. Und vor allem: Geöffnet. Also Zeit für eine Pause. Nach der ganzen mediterranen und asiatischen Küche der letzten Tage muss jetzt mal etwas regionales auf dem Tisch. Ein Schwarzwälder Schinkenbrett. Ist gut. Und ein Schwarzwälder Kirschwasser ist auch noch dabei. Hatte ich auf der Karte irgendwie übersehen. Ob das gut ist? Bei sengender Hitze? Aber ich will ja neue Erfahrungen sammeln.

    Am Lehenkopfturm überlege ich. Will ich da rauf? Der ist doch bestimmt barrierefrei. Ist er nicht. Aber ich steige trotzdem hoch. Hat sich gelohnt.

    Der Weg nach St. Blasien ist über weite Teile schattenlos. Hin und wieder mal ein schöner Single Trail, aber ich vermisse die Schluchten. Vermutlich ist es gut, dass ich den Weg entgegen der Hauptroute laufe. So erlebe ich vermutlich das Beste zum Schluss.😊

    In St. Blasien gehe ich erst einmal am Dom vorbei. Zunächst gibt's Eis und Kaffee. Dann einchecken, duschen und dann noch mal raus. Zwischenzeitlich hat es anscheinend geregnet. Davon habe ich nichts mitbekommen. Dadurch ist das etwas kühler geworden. Angenehm.

    Es geht zuerst in den Dom. Und das ist ergreifend. Obwohl der weiße Marmor und die weiße Bestuhlung das Ganze etwas steril wirken lassen, ist es imponierend. Ich setze mich in die Mitte und lasse alles auf mich wirken. Immer wieder muss ich gerade nach oben auf das Deckengewölbe mitsamt seinem Gemälde schauen. Irgendwann kriege ich eine Genickstarre.

    Wieder draußen muss ich mich um ein Problem kümmern. Meine Girocard ist anscheinend nicht mehr funktionsfähig. Am Automaten der Sparkasse bestätigt sich das trotz vorheriger intensiver Reinigung. Dann muss jetzt wohl die Kreditkarte herhalten oder das gute alte Bargeld. Das wird hier ohnehin viel lieber genommen.

    Am Rathaus setze ich mich auf ein Lounge-Sofa eines Restaurants, bestelle mir ein Bier und führe ein wenig Tagebuch. Hinter mir plätschert einen Springbrunnen. 

    I feel good. Auch ohne Schluchten.
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  • Schluchtensteig - Es fängt gut an

    June 18 in Germany ⋅ ☀️ 28 °C

    18.06.26, Donnerstag
    Von Wehr nach Todtmoos

    Gestern hatte ich mich nach dem Duschen einfach nur aufs Bett geworfen. Und bin eingeschlafen. Die gestrige Wanderung hatte mir wohl doch einiges abgefordert. In den 32 km waren auch noch 700 Höhenmeter versteckt. Das verlangte nach Schlaf.

    Heute Morgen um 7 Uhr ist der Frühstücksraum schon von einigen Arbeitern belegt. Erst später kommen auch andere Gäste dazu. Da ich noch mit dem Bus zum Startpunkt des Schluchtensteigs fahren muss, komme ich erst um 9 Uhr auf den Trail. Das Schild am Trailhead kündigt für mich heute 925 Höhenmeter bis Todtmoos an. Und es sollen heute 33° C werden. Ich habe wieder zweieinhalb Liter Wasser im Gepäck. Ziemlich am Anfang meiner heutigen Tour ist eine Brücke über die Wehra gesperrt. Wegen Einsturzgefahr. Ich darf wieder zurückgehen. Eine Ausschilderung gibt es zwar, aber nur für die Normalwanderer. Ich gehe den Weg ja in Gegenrichtung. Warum soll man mich auch darauf hinweisen? Ich habe ja nur über 1000 km in den Beinen und 925 Höhenmeter vor mir. Da kommt es auf den Extra-Kilometer nicht an. Die Normalos, die sich auf der heutigen Etappe von der Schwerkraft runtertragen lassen können, die muss man natürlich auf die Umleitung hinweisen. Aber was rege ich mich auf? Von Einheimischen erfahre ich noch, dass die Brücke wohl gar nicht mehr instandgesetzt wird, weil es sich um eine private Brücke handelt. 

    Nach drei Kilometern treffe ich ein Paar, das auf dem Endspurt des Schluchtensteigs ist. Sie sind mit Hängematten unterwegs und meinten , dass es mit dem Zelten schwierig werden würde. Ich habe allerdings schon in der zweiten Hälfte einige Campingplätze im Blick. 

    Dann treffe ich mal wieder einen NST-Hiker. WhiteWanderer, der den Nord-Süd-Trail auch häppchenweise erobert und auch schon am Haldenwanger Eck war. Nette Begegnung. Er nimmt mir auch meine Sorge ums Wasser, weil wohl unterwegs jede Menge Bachläufe folgen, wo man wieder auftanken kann. Und so ist es auch. Ich nutze diese Punkte um T-Shirt und Buff mal auszuspülen und am Körper trocknen zu lassen. Auch die Füße danken für einen kleines Bad.

    Die Höhenmeter sind gut zu bewältigen. Es geht ständig rauf und runter. Das macht Spaß. Außerdem ist der Weg hauptsächlich bewaldet und es ist daher nicht so warm. In der Kernzone des Biosphärengebiets gehe ich einen traumhaften Single Trail. Kilometerlang führt er auf engen Wald- und Wurzelwegen durch einen dunklen Bannwald. Teilweise an einem Bach entlang, an Moos überwucherten Felsen vorbei, dabei geht's immer auf und ab. Ich bin soweit, dass ich die heutige Tour zur bislang schönsten meiner ganzen Reise küren möchte. Aber leider können die letzten 8 km dieses Niveau nicht halten. Es geht auf breiten Forststraßen und teilweise auf Asphalt hoch nach Todtmoos. Das Ganze auch mehr und mehr in praller Sonne und voller Hitze. 

    Eine Großbaustelle vor meinem Hotel verschafft mir zum Einchecken wohl noch einen weiteren halben Kilometer. Die Einrichtung scheint aus den 80ern zu stammen. Auch der Röhrenfernseher. Aber ich habe auf meiner Tour ohnehin noch kein Fernsehen geguckt. Und bei 44 € für die Nacht will ich nicht klagen.

    Essen beim Vietnamesen. Und anschließend in den Kurpark, wo ich gerade sitze und mein Tagebuch führe.🙂
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  • Main-Neckar-Rhein-Weg

    June 17 in Germany ⋅ ☀️ 29 °C

    17.06.26, Mittwoch
    Von Haltingen nach Wehr
    Main-Neckar-Rhein-Weg

    Gestern Abend auf dem Rückweg vom Italiener ist mir noch ein alter Mann mit einem abgewrackten, schmutzigen Rollkoffer begegnet. Er fragte mich mit österreichischen Akzent, ob ich eine Unterkunft wüsste. Ich sagte, dass ich mich nicht auskenne und konnte nur auf die umliegenden Hotels verweisen. Das schien für ihn aber keine Option. Und es war schon 21:30 Uhr. Nachdem ich am Geldautomaten noch etwas Bares gezogen hatte, sah ich ihn mit seinem Koffer noch suchend in anderer Richtung umherziehen. Diese Begebenheit lies mich etwas nachdenklich zurück. 

    Heute morgen habe ich es dann geschafft, um 5 Uhr das Bett verlassen. Ich war noch deutlich zu früh am Bad Bellinger Bahnhof und nahm den Zug um 6:02 Uhr. Eine Viertelstunde später war ich in Haltingen. Dort gibt es einen Bäcker, der um diese Zeit schon auf hat. Nur Kaffee gibt's da keinen. Es ist halt eine einfache Bäckerei. Es war im Internet nicht so ganz ersichtlich. Also musste ich zum Rewe-Bäcker. Dort noch 20 Minuten gewartet, aber ein Frühstück und einen guten Kaffee bekommen. 

    Um 7:30 Uhr geht's dann endlich los. Wie alle Orte liegt auch Haltingen irgendwo unten. Aso muss ich erstmal rauf.

    Und dann komme ich an einen Punkt, wo ich schon mal gewesen sein muss, auch wenn ich mich nicht daran erinnere. Ich bin auf dem Westweg und nehme jetzt die Abzweigung auf den Main-Neckar-Rhein-Weg Der erste Blick auf Lörrach offenbart auch die Vielfältigkeit des Nord-Süd-Trails. Man sieht jetzt keine Bänke vor Seen mehr, keine Bäume im See, keine Burgen am Rhein, dafür aber die ersten Bergpanoramen.

    Ich habe etwas Sorge um meinen Wasservorrat. Es wird heute und auch die nächsten Tage sehr heiß. An einer Quelle fülle ich zusätzlich meinen Wasserfilter auf, so dass ich jetzt mit 2,5 Litern unterwegs bin. 

    Runter nach Lörrach, zum Teil über Treppen, kurz zu dm rein, raus aus Lörrach, zum Teil über Treppen. Danach geht's moderat bergauf über schöne Single trails. Bänke sind hier rar. Darum nehme ich diese hier, auf der ich gerade sitze und mache Pause.

    Es geht dann erstmal weiter auf Waldautobahnen und als der Wald endet auf Asphaltwegen zwischen Wiesen. Ein bisschen viel Asphalt zwischen Wiesen. Habe ich schon geschrieben, wie toll es auf dem Rheinsteig war? 

    Bei einer Pause quatscht mich ein Motorradfahrer voll. Hat fürs Wandern nicht unbedingt Verständnis. Und Marathonläufer sind sowieso bekloppt. Wenn der wüsste... Bei einem Brunnen filtere ich noch etwas Wasser und weiche meinen Buff ein. Zur Kühlung für den Schädel. In praller Sonne geht es hoch zur hohen Flum. Auf den Turm muss ich natürlich rauf. Der weitere Weg bietet schöne Aussichten und ist aufgrund des flachen Profils gut zu gehen. So habe ich es mir an meinem letzten Rheinsteig-Tag ja gewünscht. Die Beine machen nach dem Ruhetag auch gut mit und so schaffe ich es tatsächlich bis Wehr. 

    Hier scheint es viele Verkehrsidioten zu geben. Ein Motorradfahrer fährt an mir vorbei, nur auf dem Hinterrad fahrend. Mehrere Autos setzen immer wieder zu Zwischenspurts an.

    Es ist 18 Uhr. Die Geschäfte und Eisdielen machen dicht. Mein Hotel ist 5 km außerhalb. Weil es dort kein Restaurant gibt, gehe ich hier noch schnell zum Griechen. Rinderleber und Bier. Sehr gut zubereitet und nicht so massig. 

    An der Bushaltestelle treffe ich dann noch einen Wanderer, der gerade den Schluchtensteig absolviert hat. Mit Gepäcktransport. Jetzt will er nur sein Auto aus Stühlingen abholen.

    Morgen geht's für mich auf den Schluchtensteig. Vielleicht einer der Höhepunkte der Tour. Ich lass' mich überraschen.
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  • Schon wieder Patrick Kelly?

    June 16 in Germany ⋅ ☁️ 29 °C

    16.06.26, Dienstag
    Von Ingelheim nach Bad Bellingen

    Heute also Ruhe- und Reisetag. Mit dem Zug soll es von Ingelheim nach Weil am Rhein gehen. Die Suche nach einem Hotel in Weil gestaltet sich aber schwierig. Es ist keines aufzutreiben. Auch nebenan in Lörrach nicht. Gibt Patrick Kelly etwa wieder ein Konzert? Nein, diesmal ist in Basel eine Kunstmesse. Für 200 € plus könnte ich natürlich ein Zimmer kriegen. Aber nö. Ich plane um und buche mir ein Zimmer in Bad Bellingen. Da wollte ich schon immer mal hin.
    Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Zugfahrt mit Verspätung. Dabei musste ich in einer voll besetzten Regionalbahn meinen Rucksack auf meinem Schoß lagern. Ich nehme alles zurück. Gerne trage ich meinen Rucksack auf dem Rücken.
    Abends Nudeln mit Lachs beim Italiener. Das Frühstück im Hotel habe ich abgestellt. Morgen wird's warm. Da will ich früh raus. Mal sehen, ob's klappt.
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  • Rheinsteig-Blues und Ende Teil 2

    June 15 in Germany ⋅ ⛅ 20 °C

    15.06.26, Montag
    Vom Campingplatz Suleika nach Bingen

    Gestern nach meinem Käsekuchen bot mir die Betreiberin des Campingplatzes noch ein Stück Erdbeerkuchen für den Abend an. Eigentlich bin ich... aber ja. Das Craft Beer zum Abendessen war nicht so ganz mein Fall. Aber ich konnte noch den ganzen Abend auf der Terrasse sitzen. Zwar spielte die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes WM-Spiel, aber irgendwie fehlte mir das Interesse. Das Turnier wird wohl ohne mich stattfinden. 

    Im Laufe des Abends sind noch einige Bikepacker angereist. Unter anderem eine junge Holländerin, die von der Schweiz aus nach Dänemark will.

    Die Nacht über habe ich wenig geschlafen. War wohl gestern doch zu viel Kaffee. Morgens ist es noch kalt und ich breche um 8 Uhr ohne Frühstück auf. 

    Der Anstieg zum Trail ist recht heftig und auch danach geht es erstmal steil bergauf. Ich treffe eine Hundehalterin, die sich mit dem Rheinsteig ganz gut auskennt und für die auch der NST nicht unbekannt ist. An der ersten Hütte gibt's Frühstück.

    Der Weg führt durch Wald und Weinberge nach Assmannshausen. Meine Hoffnung auf einen Kaffee stirbt zuletzt, aber sie stirbt. Vor 12 Uhr gibt es hier nichts. Es ist das letzte Mal, dass der Rheinsteig mich verarxxxt. Dass er mich aus unvorstellbaren Höhen an den Rhein runter schickt, nur damit ich feststelle, dass es da nichts gibt. Und mich anschließend 250 m wieder hochtreibt.

    Zum Glück gibt es am Jagdschloss Niederwald nicht nur ein Wildgehege , wo eine Schulklasse mit viel Enthusiasmus Rehe füttert, sondern auch ein nettes Lokal, wo ich mir eine Apfelschorle gönne.

    Ich habe jetzt zum Abschluss irgendwie den Rheinsteig-Blues. Ich habe keinen Bock mehr auf dieses ständige Auf und Ab, wobei es gefühlt im Zweifelsfall immer bergauf geht und falls es immer noch Zweifel gibt, steil bergauf. Ich möchte einfach mal wieder ebene Strecken laufen. Als hätte der Steig meine Gedanken gelesen, startet er eine immense Überzeugungskampagne. Noch im Oststeinschen Niederwald mit seiner Zauberhöhle. Und dann mit gigantischen Ausblicken, die bei strahlendem Sonnenschein alle anderen Aussichten der letzten Tage in den Schatten stellen. Als Höhepunkt dann das Niederwalddenkmal, das mit seiner Größe und Gestaltung trotz seiner zweifelhaften Botschaft einfach nur beeindruckend ist.

    Beim Abstieg nach Rüdesheim schwebt über mir die Seilbahn hinweg. Da kommt mir ein Gedanke. Hatte nicht Soulboy bei seinem NST eben diese Bahn genutzt? Egal. Bin schon zu weit unten.

    Mit der Fähre setze ich von Rüdesheim nach Bingen über und gehe die Rheinpromenade entlang, überquere die Nahe und komme dann zu meinem Zielpunkt, dem Trailhead des Soonwaldsteigs, den ich irgendwann auch mal in Angriff nehmen werde.

    Der zweite - und wahrscheinlich anspruchsvollste - Teil meiner Reise ist damit abgeschlossen. Ich hatte großen Respekt davor und bin froh, es geschafft zu haben. 

    Zur Belohnung habe ich heute Abend die beste Unterkunft überhaupt. Bei lieben Freunden, die nicht nur ein richtiges Bett und eine warme Dusche für mich haben, sondern auch ein leckeres - und gesundes - Abendessen, ein neues, köstliches alkoholfreies Bier, einen Komplettwäscheservice und einen Shuttleservice. Vielen, vielen Dank dafür.
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  • Teilziel in Sicht

    June 14 in Germany ⋅ ☁️ 18 °C

    14.06.26, Sonntag
    Von Irgendwo bei Kaub zum Campingplatz Suleika

    Habe gut geschlafen. Die Einrichtung der Hütte mit Stühlen und Tisch überzeugen mich, dort noch zu frühstücken. Beim Blick in die Wanderfreund-App wird mir bewusst, dass ich ja schon auf der Zielgeraden des Rheinsteigs bin. Bis Bingen werde ich es heute nicht schaffen. So habe ich die Auswahl zwischen einer festen Unterkunft in Lorch oder dem Campingplatz Suleika, 8 km weiter. Lorch kommt zu früh. Der Campingplatz scheint sehr schön und naturnah zu sein. Außerdem bieten sie sonntags ein Kuchenbuffet an. Und heute ist: Sonntag! 😊 Die Frage hat sich also erledigt.

    Um 9 Uhr starte ich und laufe einfach drauf los. Es geht bergan. Wie kann es auf dem Rheinsteig anders sein? Aber das macht nichts. Die Luft ist kühl die Beine locker und ich mache meine Meter. Irgendwann fällt mir auf, dass ich schon lange keine Wegkennzeichen mehr gesehen habe. Zeit für eine Kontrolle. Und siehe da. Ich habe den total falschen Weg gewählt. Mindestens 800 m und dazu 50 Höhenmeter. Tja, wer keine Höhenmeter hat, der macht sich welche.

    An einem schön bepflanzten Aussichtspavillon treffe ich zwei Wanderinnen, die den Rheinsteig in Gegenrichtung gehen. Sie haben schon mehrere Jakobswege in Sektionen absolviert. Unter anderem von Lüneburg über die Schweiz nach Santiago. Das toppt sogar den NST. 

    Der Weg führt in Teilen zwischen Weinbergen den Rhein entlang. Das hatte ich mir häufiger so vorgestellt. In Lorch kehre ich in einem kleinen Café ein und bekomme einen unglaublich leckeren Apfelkuchen und den besten Kaffee auf meiner bisherigen Tour. In der öffentlichen Toilette am Museumsplatz fülle ich meine kleine Wasserflasche auf. Das wird reichen. Das Höhenprofil ist weitgehend flach, die Temperaturen angenehm. 

    Die Tour endet, wie sie begonnen hat. Ich folge zu lange der gespeicherten Tour und verpasse den Abzweig zum Campingplatz. Das bringt einen extra Kilometer. 

    Der Campingplatz ist wirklich sehr schön. Ich habe ein ganzes Areal für mich alleine. Es ist am Sonntag Nachmittag sehr wenig los. In Lorch hatte ich vergessen, dass es hier auch Kuchen gibt. Aber was macht das? Der Käsekuchen ist lecker und der Kaffee auch wirklich gut. Die Terrasse liegt schön geschützt. Kochen muss ich heute selbst. Aber für heute Abend habe ich ein Craft Beer in Aussicht. Fühlt sich an wie Urlaub. 😊
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  • Nichts gegen Patrick Kelly, aber...

    June 13 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C

    13.06.26, Samstag
    Von Camping Loreley bis irgendwo bei Kaub (Hütte)

    Die Nacht in vorwiegend weiblicher Umgebung endete um 6:30 Uhr. Kurz nach 7 Uhr verlasse ich den Campingplatz und stolpere über eine Bäckerei mit einem nett eingerichteten Gastraum. Gut, denke ich, dann dann nutze ich die Gelegenheit und frühstücke hier. Die Bäckerei ist voller Leute. Vorwiegend junge Frauen, vermutlich Kelly-Fans. Die meisten wollen nur Brötchen holen. Ich hätte jetzt gehen können, stelle mich aber trotzdem an. Das Angebot ist nicht überwältigend. So etwas wie belegte Brötchen gibt es nicht. Ich begnüge mich mit einem Croissant und Kaffee. 

    Weiter zum Rewe. Vorräte auffüllen. Als ich den Kassenbereich verlassen will, um beim dortigen Bäcker noch etwas Wegzehrung zu ergattern, komme ich gar nicht weiter. Alles verstopft. Vorwiegend mit jungen Frauen, bestimmt Kelly-Fans. Also muss ich ohne extra Ration gehen. 

    Nichts gegen Patrick Kelly, aber warum muss er ausgerechnet hier und heute ein Konzert geben? Die Kelly-Fans haben auch sämtliche Hotels und Herbergen in der Umgebung belegt. Da es im nächsten Streckenabschnitt auch keine Zeltplätze gibt, muss ich heute mal wieder gucken, wie der Tag so läuft.

    Am ersten Aussichtspunkt nutze ich die Gelegenheit, das Zelt zu trocknen. Dort treffe ich zwei NST-Hiker, Blasenfee und Wanderterminator. Sie laufen heute nur eine Etappe bis Kaub mit Tagesgepäck. Wir werden uns im Laufe des Tages noch häufiger treffen.

    An einer anderen Pausenbank kommt ein junges Pärchen dazu und besetzt die Bank nebenan. Er baut ein kleines Stativ auf und ich halte ihn für einen passionierten Hobbyfotografen, der jetzt eine tolle Kamera herausholt und richtig schöne Bilder vom Rhein machen will und auch kann. Aber er braucht das Stativ nur für sein Smartphone, mit dem er ein Selfie machen möchte. Das Stativ hält nicht und fällt mehrfach um. Ich frage, ob ich nicht vielleicht ein Foto von ihnen machen soll. Das scheint doch einfacher zu sein. Tatsächlich ist es das. 😆

    Als ich eine Hügelkuppe kurz vor der Loreley überquere, trifft mich der Schlag. Ein riesiger Parkplatz ist vollgestellt mit Autos. Und eine unendliche Menschenschlange steht in Reih und Glied und wartet darauf, auf das Konzertgelände zu kommen. Der Kontrast ist irre. Auf der Loreley ist ebenfalls jede Menge los, vor allem im Biergarten, den ich nur mal durchkreuze. Normalerweise hätte ich was getrunken, zumal es ein sonniger, warmer Tag ist, aber ich habe keine Lust anzustehen.

    Ein paar Kilometer später komme ich an die Rheinsteig Rast, wo es Kaffee, Kuchen und ein alkoholfreies Bier gibt. Da treffe ich neben Blasenfee und Wanderterminator auch zwei junge Frauen, die ebenfalls auf das Konzert wollen. Sie verbringen die Wartezeit aber nicht in der Schlange, sondern unternehmen stattdessen eine kleine Wanderung. Clever! Aber gut, dass das nicht alle machen. Dann wären die Wege überfüllt. 

    Ich habe mir inzwischen eine Hütte ausgeguckt, die noch 4 km hinter Kaub steht. Ist noch weit. Und die heutige Etappe ist wirklich ein ständiges Auf und Ab. Ziemlich anstrengend. 

    In Kaub esse ich in der Jugendherberge eine Tiefkühlpizza mit einem alkoholfreien Weizen und nutze die Gelegenheit um mein Wasser aufzufüllen und zu einer kleinen Katzenwäsche. Danach geht der Weg innerorts auf Asphalt steil bergauf. An einer Straußenwirtschaft, wo ordentlich was los ist, komme ich dann nicht vorbei. Der Weg war so steil. Ein Wein und ein Spundekäse gehen noch. Ich scheine aufzufallen. Als eine ü80 Gesellschaft aufbricht, fragt mich eine Dame ob ich den Eremiten kenne. Ich weiß nicht was sie meint. Roman? Bild? Nein, meint sie. Weil ich hier so alleine sitze. Verstehe ich nicht. Von einer anderen Gesellschaft erfahre ich, dass nächste Woche Roland Kaiser auf der Freilichtbühne auftritt. Na dann bin ich doch am richtigen Wochenende hier.

    Ich starte wieder und es geht hoch und hoch und hoch. Es ist aber ein sehr angenehmes Wandern. Die Luft ist kühl. Und eigentlich könnte ich auch in die Nacht reinlaufen. Aber um 21:30 Uhr erreiche ich die Hütte. Ich baue mein Zelt auf und lasse die Nacht kommen.
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  • Von der Hütte ins Zelt

    June 12 in Germany ⋅ ☁️ 18 °C

    12.06.26, Freitag
    Von Irgendwo bei Kamp-Bornhofen bis Camping Loreleystadt

    Die Nacht über habe ich kaum ein Auge zugemacht. In der Hütte war es erst zu kalt, so dass ich um 1 Uhr noch einmal aufstehen musste um mir mehr anzuziehen. Und danach hielt mich der ständig prasselnde Regen wach. Es ist ja unheimlich gemütlich. Aber irgendwie bin ich nicht eingeschlafen.
    Ursprünglich wollte ich um 5 Uhr aufstehen und um 6 Uhr auf die Piste. Um 7:30 Uhr platterte es noch immer. Dann frühstücke ich eben hier.
    Ich filtere mir noch etwas Wasser aus dem Rinnsal vom Hüttendach. Aber nur für den Notfall. Es ist etwas trüb. Vielleicht grün vom Moos oder grau von der Dachpappe.
    Um 9:30 Uhr lässt der Regen nach und ich starte. Der Flow von gestern will sich erstmal nicht einstellen. Eigentlich dachte ich auch ich sei von ziemlich hoch oben gestartet. Aber es geht noch höher und die Anstiege fallen schwer.
    Am Wanderkiosk alte Schule muss ich eine Enttäuschung hinnehmen. Er ist geschlossen. Als es wärmer wird, ziehe ich Regenjacke und Rock aus. Ein Fehler. Kurze Zeit später komme ich an einen Weg, der hüfthoch überwuchert ist von Gebüsch und Gras. Ich ahne, was für meine Hose bedeutet. Sie wird klatschnass. Und sie wird tatsächlich klatschnass.
    Uschis Wanderstation ist ein Highlight. Ich esse eine Erbsensuppe mit Würstchen. Ein alkoholfreies Weizen dazu. Und danach gibt's noch Käsekuchen mit einem Kaffee.
    An der Kuhtränke 1895 ersetze ich mein grün/graues Wasser gegen klares Punkt gibt doch ein besseres Gefühl.
    Nach der schlaflosen Nacht stand mir ursprünglich der Sinn nach einer Hotelübernachtung. Aber dann entscheide ich mich doch für den Campingplatz Loreleystadt. Beste Wahl. Nette Betreiber. Und ein kleines Restaurant, das mehr bietet, als Schnitzel und Pommes. Gönne mir noch ein Nudelgericht und zwei Grauburgunder und bin zufrieden.
    😊
    P.S. Auf der Loreley findet morgen ein Konzert von Patrick Kelly statt. An der Rezeption herrscht jetzt , 21.00 Uhr, geradeHochbetrieb. Neuanmeldungen vorwiegend von weiblichen Gästen.
    Und es werden (wahrscheinlich) gerade Lieder der Kelly Family gesungen und mit der Gitarre begleitet.
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  • Im Flow

    June 12 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    11.06.26, Donnerstag
    Von Lahnstein nach irgendwo bei Kamp-Bornhofen

    Im Hotel gab es Frühstück erst ab 8 Uhr. Aus verschiedenen Gründen schaffe ich es mal wieder, erst gegen 10 Uhr aufzubrechen. Heute ist mal wieder ein Spontantag, das heißt, ich weiß noch nicht, wo ich abends schlafen werde. Von der Wegstrecke her wäre Kamp-Bornhofen ein gutes Ziel. Damit ich aber nicht 200 m vom Trail absteigen muss, hatte ich bei einer Ferienwohnung/Wanderhütte per Mail nachgefragt und im Laufe des Tages auch mehrfach angerufen. Ohne Reaktion. Nach den vielen festen Unterkünften der letzten Tage könnte jetzt aber auch mal wieder eine Campingnacht anstehen. Campingplätze gibt's hier aber nicht, es stehen aber einige Hütten entlang des Weges. Schaun mer mal.

    Ich komme früh ins Rollen. Die Beine machen gut mit. Und irgendwas ist anders. Ich mache gar keine Pausen. Eine weitere Besonderheit dann in Braubach. Da hat ein Kaffee geöffnet. Und ich gehe vorbei. Wo ich doch sonst aufgrund der vielen geschlossenen Biergärten und Lokale eigentlich jede Gelegenheit nutze, irgendwo einzukehren. 

    Vielleicht liegt es daran, dass die Hütten, mit denen ich liebäugele, weiter weg sind und ich deshalb Kilometer machen muss. Aber es liegt eher an dem Flow, indem ich mich befinde. Der Weg ist auch dafür gemacht. Ein ständiges Auf und Ab. Immer nur kurz, so dass die Muskeln ihre Abwechslung haben. Ich spüre auch das Rucksackgewicht nicht mehr. 

    Auf der Marksburg ist gut was los. Mehrere Schulklassen, auch englische, hatten oder warten auf eine Führung. Ohne Führung kann man die Burg nicht besichtigen. Sie hat aber eine Burgschänke. Die ich ebenfalls auslasse! Und meinen Pausensnack in aller Ruhe in einem Bereich einiger Picknickbänke einnehme. Ich weiß nicht warum. Irgendwas ist anders. 

    Der Weg führt eine Weile oberhalb des Rheins entlang. Nahezu ohne Ab-und Anstiege. Und immer wieder tolle Aussichten auf den Rhein , auf Spay auf Osterspay und später auf Boppach. Ich komme gut voran, vertrödele aber zu viel Zeit mit Fotos, von denen ich weiß, dass ich die meisten sowieso wieder lösche. 

    In Filsen soll dann die Entscheidung fallen. Hotel oder Hütte. Ich suche das Restaurant Rheinblick auf und hoffe, dass es nicht so edel ist. Der erste Blick nimmt mir die Sorge Der Blick auf die Speisekarte auch. Kein Gericht dass man nicht mit Pommes serviert bekommt. Auf der Terrasse sitzen fünf Männer beim Bier. Drinnen sitzt auch eine Männergesellschaft zu zehnt. Da werden auch schon die ersten Schnäpse eingeschenkt. Vielleicht noch nicht mal die ersten. 

    Ich frage die Wirtin, ob man schon was zu essen kriegt. Sie sagt, das würde gehen. Sie hätten aber heute den ersten Tag geöffnet und nicht alle Speisen wären verfügbar. Aber alles an Fleisch hätte sie da und Pommes auch. Gut, denke ich, dann ist das Frittenfett wenigstens frisch. 

    Jetzt entscheide ich mich für die Hüttenübernachtung. Die Hütten liegen weit oben und es geht eine ganze Weile stetig bergauf aber ich bin immer noch im Flow trotz eines fettigen Essens, das ich jetzt mit mir rumschleppe.. Für 8 Uhr ist Regen angekündigt, der dann anhalten soll. Ich nehme die letzte Hütte 301. Die hat breite Bänke. Da brauche ich mein Zelt nicht aufzubauen. Ich koche mir noch einen Tee , knabbere ein paar gesalzene Nüsse. Dann setzt Regen ein. Ich bleibe noch ein bisschen vor der Hütte sitzen, bis ich mich dann in meinen Schlafsack verziehe. Und dann schüttet es wie aus Kübeln.
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  • Es wird wieder

    June 10 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C

    10.06.26, Mittwoch 

    Von Koblenz nach Lahnstein 

    Was war das für ein Kaxxtag gestern! Die Tage zuvor ging es mir morgens nicht so dolle, wurde dann aber besser. Gestern  lang geschlafen, lustlos mit dem Bus in die Stadt gefahren, eingekauft und wieder zurück in die Wohnung. Ich wollte zumindest ans Deutsche Eck und mir vielleicht noch die Festung Ehrenbreitstein näher anschauen. Aber ich hatte einfach keinen Bock und stand total neben mir. Nach der Rückkehr habe ich mich erstmal hingelegt und darüber sinniert, wie es weitergeht. Noch einen Ruhetag einlegen? Oder doch ein kurzes Stück wandern? Nach einem Telefonat mit der besten Wanderin von allen habe ich mir dann ein Hotel in Lahnstein für heute gebucht. 15 km entfernt und nah am Trail. Das muss irgendwie zu schaffen sein. Ich kann ja auch mal eine Pause machen.😉

    Zunächst war aber noch Kochen angesagt. Dazu musste ich erstmal in meinem Hiker-Trash-Wohn-Schlafzimmer Platz schaffen, um die Sachen aus der kleinen und vollgestellten Kitchen-Trash-Nische dort zwischenzulagern. Ich zauberte mir ein Festmahl zurecht, aber als ich den Tisch in HTWS-Zimmer deckte - bzw. einfach nur Platz schaffte – brannte mir ein Teil an. War nicht schlimm. Hat trotzdem geschmeckt. Nur der Abwasch dauerte etwas länger. Und dann musste ich ja noch die Kochnische wieder vollstellen.

    Heute morgen dann lang geschlafen und das hat gut getan. Die Erkältungsbeschwerden sind weg. Etwas maddelig fühle ich mich noch, aber heute steht ja nicht so viel an. Um 10 Uhr kaufe ich mir beim Bäcker ein Brötchen als Wegzehrung und dann bin ich auf der Piste. Diese führt zunächst stetig hoch, aber immer seicht, so dass es für einen alten kranken Mann noch zu schaffen ist. Eine Zeitlang führt der Weg einen kleinen Bach entlang, der mit lauter winzig kleinen "Stromschnellen" bestückt ist. Ich mag Stromschnellen, egal in welcher Größe.

    Unterwegs treffe ich dann tatsächlich eine NST-Wanderin, Hörnchen76, die den Trail von Nord nach Süd der Reihe nach abwandert und schon mehr als die Hälfte absolviert hat. War eine nette Begegnung. 

    Der Höhepunkt der Tour war dann der Abschnitt durch die Ruppertsklamm, die mir einen kleinen Vorgeschmack auf den Schluchtensteig gibt. Ich mag Schluchten. 

    Mein Hotel Waldhaus liegt nur 50 m ab vom Trail. Das tolle ist: Es hat eine Terrasse und es gibt dort Kuchen. Ein Stück Birnenkuchen genehmige ich mir, bevor ich auf's Zimmer gehe.

    Auch wenn ich von Koblenz nicht viel gesehen habe, so hat der Pausentag wohl doch positiv gewirkt. Ich komme wieder in die Spur.
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  • Pausenfreund

    June 8 in Germany ⋅ ☁️ 21 °C

    08.06.26
    Von Sayn nach Koblenz

    Ich bin ein Freund der Pausen. Es gibt ja viele Arten von Pausen. Zum einen Pflichtpausen wie Trinkpausen, Esspausen, Navigationspausen, Pausen um sich einzucremen, Pausen um Anti-Zeckenmittel aufzutragen, Pausen um Wasser zu filtern, Pausen um sich um die Unterkunft zu kümmern, Pausen um das Zelt zu trocknen, Pausen um die Regenjacke anzuziehen, Pausen um die Regenjacke wieder auszuziehen, Pausen um die Stöcke herauszuholen und natürlich wieder einzupacken.

    Zum anderen gibt es auch Kürpausen z. B. um die Aussicht zu genießen, um sich irgendetwas Interessantes anzugucken, um mal länger die Beine hochzulegen, um mit anderen mal zu schnacken, um mal zu gucken, wer was auf WhatsApp geschrieben hat oder um selbst mal etwas auf WhatsApp zu schreiben. Oder einen Tagebucheintrag.

    Ich kann Pausen machen. Kürzere und längere. Auch mal längere kurz nach kürzeren und umgekehrt. Ein Grund dafür, dass ich nicht so richtig schnell vorankomme,  ist nicht nur mein schwerer Rucksack, sondern auch meine Pausenaffinität. Ich kann Pausen machen. Heute besonders. 

    Heute morgen waren die Halsschmerzen noch etwas stärker geworden und ich fühlte mich ziemlich schlapp. Gibt es Grund zur Sorge? Abwarten. Da das Lokal, wo das Frühstück stattfindet, 300 m von der Abtei entfernt näher am Trail liegt, packe ich schon meine Sachen und gehe mit Sack und Pack zum Frühstück. Es gibt kein Frühstückbuffet. Der Tisch ist gedeckt. Aber es fehlt gar nichts. Vier Brötchen liegen bereit. Darunter ein Croissant. Ein echtes, großes. Kein kleines zum Aufbacken. Lachs, Tomate, Mozzarella, Falafel, Obstsalat, Orangensaft, Schinken, Käse, Marmelade, Kuchen und drei Schokoküsse. Dazu ein guter Kaffee. Das reicht für drei. Aus lauter Gewohnheit hatte ich auf Nachfrage noch ein Spiegelei mit Bacon bestellt und bekomme zwei. Hätte gar nicht Not getan. Und das Ganze für acht Euronen. Ich darf mir auch noch ein Brötchen für unterwegs mitnehmen. 

    Ich habe noch ein paar nette Unterhaltungen, unter anderem mit dem Pärchen aus Buxtehude und mit einem anderen Paar, das einen Wochenendtrip unternimmt und die Frau demnächst die Alpen überqueren wird.

    Als ich aufbreche und die ersten Schritte im Wald mache, fühle ich mich nicht nur frisch gestärkt sondern auch allgemein viel besser. Der Weg beginnt gleich mit einer langen Steigung, die ich ruhig und bedächtig angehe und gut meistere. Dabei nutze ich schon jede Sitzgelegenheit, um den Beinen etwas Ruhe zu gönnen. 

    Als es schon wieder abwärts geht, komme ich an einer liebevoll gestalteten Hütte vorbei. Mit Tisch, Sitzkissen, Bildern und etwas Dekoration. Obwohl ich die Pause nicht brauche, möchte ich an diesem schönen Platz doch etwas verweilen. Ich mache einen Eintrag in das Hüttenbuch. Da kommt eine Wanderin, der ich vorhin schon begegnet war und wir kommen ins Gespräch. Und sie fragt mich dann, ob ich nicht Lust hätte, einen Kaffee mit ihr zu trinken. Sie wohne 10 Minuten entfernt.  Sie habe zwar gerade Handwerker im Haus, weil sie eine Wärmepumpe bekäme, aber wenn ich Lust auf einen Kaffee hätte, könnte ich einen bekommen. Das kann ich natürlich nicht ausschlagen. So gehe ich 10 Minuten um von einem Pausenplatz zum nächsten zu gelangen. Wir unterhalten uns eine Weile, auch mit ihrem Mann, der dazukommt. Und dann muss ich leider wieder aufbrechen natürlich die 10 Minuten wieder zurück. Oder etwas mehr, weil es jetzt bergauf geht. 

    Ich bin also wieder auf Tour. So langsam steht aber mal eine Esspause an. Denn zu essen gab es bei der netten Dame nichts. Da läuft mir wieder eine Hütte über den Weg. Mit einem kleinen Korbsessel drin. Da kann ich nicht dran vorbei gehen. Zu gemütlich. Also sitze ich jetzt, um 14 Uhr, immer noch hier. Aber es geht mir immer besser. 

    Ich gehe weiter und höre mir währenddessen die zweite Folge des Podcasts "Zeltgespräche" über die zweiten 500 km auf dem NST an.

    45 Minuten später komme ich wieder an eine schöne Hütte. Die Gaststätte Wüstenhof mit ihrem supertollen Ausblick war ja natürlich zu. Ist ja Montag . Also kann ich zum Ausgleich diese Hütte nutzen . Nur ganz kurz. 10 Minuten werden es dann doch. 

    In Vallendar beginnen nun die Pausen, die ich nicht so gerne mag. Es fängt an zu regnen. Aber nur ganz leicht. Eigentlich zu wenig für die Regenklamotten. Angesichts meines Gesundheitszustandes sollte ich vielleicht aber doch aufrüsten. Während ich mich antüdele, hört es auf zu regnen. Oder doch nicht? Den Regenrock habe ich schon an und der Rucksack ist schon unter der Frischhaltefolie. Die Jacke bleibt erstmal aus. Rucksack auf. Losmarschieren. Jetzt wird der Regen doch etwas stärker. Wieder Pause. Regenjacke an. Weitergehen. Die Jacke bleibt von außen trocken. Nur von innen schwitze ich sie nass. Pause. Ausziehen. Weitergehen.

    Ich wandere nach Koblenz rein und genieße auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2010 den Ausblick vom Rhein-Mosel-Blick einem aufwändig konstruierten Aussichtspunkt. Zur Festung Ehrenbreitstein geht es noch mal knackig hoch und auch wieder runter. Der Weg führt den Rhein entlang, wo ich an einem Außenlokal ein alkoholfreies Bier mit Passionsfrucht trinke. Ich wollte auf meiner Reise ja mal neue Erfahrungen sammeln.

    Dann komme ich zu meiner Ferienwohnung, die ich für zwei Tage gemietet habe, um mich morgen ein bisschen erholen zu können. Die Kochnische direkt hinter der Eingangstür ist zwar mit allen Gerätschaften ausgestattet. Nur nicht mit Platz. Auf der Herdplatte steht ein kleines Regal. Das muss da weg. Denn morgen will ich mal kochen. Und zwar gesund. Für heute Abend tut es der Wasserkocher, mit dem ich meine selbstgemachte Trekkingnahrung zubereite.

    Heute Abend gehe ich nicht mehr raus. Ich mache jetzt mal Pause.
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  • Genesungstour

    June 7 in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    07.06.26
    Von Rengsdorf nach Sayn

    Bin gestern Abend todmüde ins Bett gefallen. Gut geschlafen, aber beim Aufwachen habe ich einen tierischen Durst. Und schlimmer: Ich verspüre ganz leichte Halsschmerzen. Das kann doch nicht sein. Auf einem Trail wird man nicht krank. Vielleicht waren die letzten beiden Tage zu viel. Vorgestern 33 und gestern 30 km. Und das bei – bei Garmin – jeweils um die 1000 Höhenmeter. Wobei das sicherlich etwas übertrieben ist. Besser ist es wohl, etwas kürzer zu treten. Ich checke mal die Strecke ab und buche mir ein Zimmer im Gästehaus der Abtei Sayn. Ca. 15 km entfernt. Das kann ich entspannt angehen. Wobei ich heute erst spät los komme. Ich chille noch eine Weile und mach mir mein Frühstück mit dem Wasserkocher auf dem Zimmer.
    Es fühlt sich an, als sei ein bisschen die Luft raus. Ich habe irgendwie gar keine Lust, jetzt wandern zu gehen. Oder womöglich noch mal im Zelt zu schlafen. Oder in einer Hütte. Oder auf einer Bank. Dabei konnte ich mir gestern morgen keine schönere Unterkunft als mein Zelt vorstellen. Ich glaube es ist gut, etwas kürzer zu treten. Ich bin ja bald in Koblenz. Da könnte ich mal wieder einen Zero-Day einlegen.
    Ich breche erst um 10 Uhr auf, und stelle fest, dass die Pension nur 130 m vom Trail entfernt liegt. Ab und zu sollte man eben ein bisschen mehr Forschungsarbeit betreiben, bevor man sich auf Google verlässt. Der Weg führt erstmal eine ganze Zeit seicht bergab. Das kommt mir in meinem Zustand ganz entgegen. Und die Höhenmeter habe ich mir gestern ja auch schwer erkämpft. Ich gehe sehr langsam und bei den Anstiegen lege ich immer wieder Guckpausen ein. Ich hätte Lust auf ein Stück Obst. Gestern hatte ich mich im Supermarkt zu entscheiden ob ein Bier oder eine Banane in den Rucksack kommt. Falsch entschieden!
    Der Weg führt ohne nennenswerte Anstiege seicht bergab durch den Wald. Die Sonne scheint durch das Blätterdach. Die Temperatur ist angenehm. In einem Biergarten trinke ich eine Apfelschorle. Nach 7 km habe ich 200 Höhenmeter verloren. Ich bin dankbar für diesen Abschnitt. Aber jetzt ist Schluss damit. Es geht links hoch, aber nicht sonderlich steil, alles moderat.
    In Heimbach gibt es eine Streckensperrung wegen drohendem Astbruch und querliegenden Bäumen. So kürze ich notgedrungen etwas ab, aber nützt ja nix.
    Ich steige hoch zur Burg Sayn und freue mich auf das Café, das sonntags auch geöffnet hat. Ein voller Parkplatz und Partymusik lassen mich Böses erahnen. Und richtig. Auf der Burg feiert eine geschlossene Gesellschaft. 😕
    Mein Zimmer im Gästehaus der Abtei ist in Ordnung. Es gibt eine kleine Küche, wo Kaffee und Tee zu freien Verfügung stehen. Dort treffe ich ein Paar aus Buxtehude, das den Rheinsteig von Koblenz nach Bonn wandert.
    Ich esse lecker im 300 m entfernten Restaurant und werde heute früh meine Koje aufsuchen. Die Halsschmerzen sind nicht stärker geworden, aber sie sind noch da. Schlaf soll ja helfen. 😴
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  • Spontantag

    June 6 in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    06.06.26
    Von Leutesdorf nach Rengsdorf

    Morgens um 6 Uhr bin ich der Erste auf der Zeltwiese, der mit seinen Reißverschlüssen seine Nachbarn aus dem Schlaf holt . Wahrscheinlich . Ein paar Bikepacker folgen. Ich verstaue das nasse  Zelt in einer Mülltüte im Rucksack und ziehe ohne Frühstück los . Wie zu erwarten war, führte Weg nach einer Weile steil nach oben . Es ist noch neblig . Die Ausblicke auf den Rhein müssen sich gedulden . An einer Hütte im Nebel hole ich dann mein Frühstück nach. Es wird dann etwas seichter und ich komme an dem Gedenkkreuz für Radusel vorbei , einen Thru-Hiker, der 2021 mit 34 Jahren auf dem NST an dieser Stelle gestorben ist. Obwohl ich ihn nicht gekannt habe und auch die näheren Umstände bei seines Todes nicht kenne , berührt mich das noch eine Weile.

    Dann muss ich mich entscheiden. An einem Abzweig kann ich wählen zwischen einer Kletterpassage und einer alternativen, einfachen Route. Normalerweise würde ich nicht darüber nachdenken. Aber mein Rucksackgewicht gibt mir zu denken. Aber irgendwann kommen schwierige Abschnitte, wo es keine Alternativen gibt. Also wähle ich das Klettern. Ich muss nach unten klettern. Ein Drahtseil gibt Hilfe. Es ist eigentlich gar nicht der Rede wert. Aber ich tue mich ziemlich schwer. So ein Problem hatte ich gestern auch schon, als ich unter einem querliegenden Baum fast kriechen musste. Nun gut! Das war zumindest ein Vorgeschmack. 

    An der Edmund-Hütte genieße ich den Ausblick auf Leutesdorf und Andernach. Die Häuser sehen aus wie Spielzeug. Und durch die Eisenbahn wirkt das Ganze wie im Miniatur-Wunderland.

    Als ich später an einem anderen Aussichtspunkt mein Zelt trockne, muss ich jedes Mal nach unten schauen, wenn ein Zug durch die Stadt fährt. Wohnen möchte ich da nicht. Aber von oben wirkt es toll. 

    In Wollendorf mache ich einen Abstecher zu einem Dönerlokal und kaufe mir auf dem Rückweg noch ein leckeres Eis.

    Unterwegs stoße ich auf ein Paar aus Stuttgart, die ebenfalls den Rheinsteig wandern. Allerdings Wochenende für Wochenende zwei Etappen. Wir gehen 2 km zusammen bis ich nach einem Anstieg wieder mal eine Pause brauche.

    Heute ist wieder Spontantag. Das heißt, ich weiß am Nachmittag noch nicht, wo ich schlafen werde. In jedem Fall muss ich noch zum Rewe in Rengsdorf, weil morgen Sonntag ist. Ist noch eine Weile hin. Bei Wanderfreund entdecke ich im Stadtplan von Rengsdorf eine Pension "Wolke 7 ". Ich rufe dort ohne Erfolg an und schreibe eine Mail über das Kontaktformular. Aber nichts passiert. Ich sondiere die Hütten, die demnächst auf meinem Weg liegen. Da könnte was bei sein. Aber auch nicht so richtig. Es ist Wochenende und so manche Hütte könnte auch von der Dorfjugend besetzt sein. 

    Ich kaufe beim Rewe ein und begebe mich zurück auf den Trail. Gegen 20 Uhr meldet sich dann doch jemand von der Pension. Sie machen es trotz der Kurzfristigkeit noch möglich und machen mir ein Zimmer fertig. Die Navigation über Google war dann ein Desaster. Irgendwie wusste Google auch nicht wie es mich leiten sollte. Es führte mich zurück in den Wald, wo Google sich überhaupt nicht auskennt. Und natürlich ging es immer bergauf. Aber irgendwann bin ich doch angekommen. Und ich bin doch ein bisschen froh, nicht in einer Hütte übernachten zu müssen.
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  • Schwein gehabt!

    June 5 in Germany ⋅ ☁️ 18 °C

    05.06.26
    Von ca. Erpel bis Leutesdorf

    Heute morgen um 5 Uhr aufgestanden und sofort das Zelt in der Hütte abgebaut. Gefrühstückt wird nicht. Ich muss erstmal warm werden.
    In einem Waldstück sehe ich auf einmal ein paar kleine Wildschweine, die weglaufen. Meine ich zunächst. Aber sie laufen nicht weg. Sie laufen nur ein bisschen weiter und suchen dann weiter Futter. Und dann sehe ich mindestens 20 Frischlinge. Sie spielen miteinander, jagen sich gegenseitig, wühlen im Waldboden und kommen mir schon wieder näher. Sie lassen sich durch meine Anwesenheit gar nicht stören. Sie bemerken das "Kunstwerk" 😉 gar nicht. Es ist eine unglaublich faszinierende Situation. Ich schaue erst nur zu und kann dann noch Fotos zwei Videos aufnehmen. Irgendwann gibt doch irgendeines von den Kleinen das Signal für Gefahr. Und alle stürmen davon. Zuletzt auch eine Bache, nachdem sie sich überzeugt hat, dass alle in Sicherheit sind. Dieses Erlebnis verfolgt mich den Rest des Tages.
    In Linz suche ich eine Bäckerei und frage eine Frau, die mit ihrem Kind unterwegs ist. Sie sagt gleich, dass sie sich nicht auskenne. Ich frage also Herrn Google und finde ein Kaffeehaus mit Bäckerei. Und da sitzt diese eben Frau mit ihrem Kind. War das Absicht? Eigentlich war sie ganz nett.
    Entgegen dem Vorsatz: "Vor dem Stuhlgang, nach dem Essen, Händewaschen nicht vergessen. " suche ich erstmal den Sanitärbereich, um mir die Hände zu waschen. Ich wundere mich über die Konsistenz der Seife aus dem Spender. Beim Waschen fühlt sich das Ganze auch ein bisschen komisch an. Ich stelle dann fest, dass es sich bei dem Spenderinhalt um Körpermilch handelt. Sachen gibt's!
    Beim Frühstück beschäftige ich mich mit der heutigen Tour. Ich frage beim Campingplatz in Leutesdorf an und erhalte die Auskunft, dass man noch bis 22 Uhr einchecken könnte. Dann brauche ich mich ja nicht zu beeilen. Aber: Der Platz hat ein Restaurant, wo es Fassbier und Wein gibt. Die Küche schließt aber um 19:30 Uhr. Das heißt: Ich bin so ein bisschen unter Druck. Zeitdruck. Am besten gefallen mir ja die Touren, bei denen ich nachmittags noch nicht weiß, wo ich abends schlafen werde. Wenn ich mir erstmal irgendwas gebucht habe, entsteht Druck. Jetzt habe ich noch nichts gebucht, aber ich möchte unbedingt in diesem Restaurant essen und einen schönen Wein oder ein Bier vom Fass trinken. Oder vielleicht auch zwei. Es besteht ein gewisser Druck. Und es sind über 30 km bis dorthin.
    Der Weg führt viel am Rhein entlang. Schöne Ausblicke und nur mäßige Anstiege. Das Ganze bei bestem Wetter. Bis irgendwann doch dunkle Wolken aufziehen. Und irgendwann fängt es dann auch an zu regnen. Als die ersten Tropfen fallen, hoffe ich noch ein nahes Waldstück zu erreichen. Doch die Tropfen werden mehr und dicker. So begnüge ich mich erstmal mit einem Baum. Der Regen wird stärker. Und der Baum hat oben Löcher. Ich suche nach meiner Regenjacke und es kommt Wind auf. Und zwar richtiger Wind, der mir das Anziehen der Jacke und der Rocks erschwert. Bis ich sie anhabe, bin ich innen und außen nass.
    Trotz des Zeitdrucks muss ich am Schloss Arenfels einen Kaffee und natürlich einen Kuchen essen. So viel Zeit muss sein. Es ist gerade Brückentag. Demnächst ist wieder Montag. Und dann hat nichts mehr auf.
    Der Regen hört auf. Die Sonne scheint. Es wird warm. Marscherleichterung. Weg mit Jacke und Rock.
    Ich mache jetzt gar keine Sitzpausen mehr. Ich möchte heute Abend was Vernünftiges essen und was trinken. Während die Strecke bislang nur leichte Anstiege aufwies, wird es beim Aufstieg zur Rheinbrohler Ley noch einmal heftig. Auch hier verzichte ich auf eine Sitzpazuse und schaue einfach nur mal. Der Weg runter führt durch manchmal schulterhohes Gras und durch sehr schöne Waldstücke. Doch es fängt wieder an zu regnen. Ich rüste wieder auf an Regenklamotten. Und schauere mich unter einem Baum. Doch das kann noch dauern. Also ziehe ich trotzdem los. Und der Regen hört auf. Und die Sonne scheint. Und es wird warm.
    Als ich unten in Hammerstein bin, denke ich, es könne ja nicht mehr viel passieren. Aber dann führt der Weg wieder in den Wald. Und es geht steil nach oben. Und immer weiter nach oben. Und immer wenn man denkt, jetzt hat man den Höhepunkt erreicht, geht es doch noch weiter nach oben. In dieser Phase habe ich die Macher des Rheinsteigs verflucht und übelst beschimpft. Dafür möchte ich mich jetzt entschuldigen. Aber es war einfach ätzend. Ich wollte rechtzeitig ins Restaurant.
    Und irgendwann war ich dann auf dem Campingplatz. Die Zeltwiese war schon sehr eingegrenzt. Zum ersten Mal musste ich mir einen Platz zwischen mehreren Einzelzelten suchen. Aber ich habe einen gefunden und ganz schnell geduscht und ganz schnell das Restaurant aufgesucht. Schnitzel, schweizerische Art, mit Speck Zwiebeln und Käse überbacken. Dazu Grauburgunder. Mir geht's gut.
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  • Kunst im Wald 🤣

    June 4 in Germany ⋅ 🌧 17 °C

    04.06.26, Fronleichnam
    Von ca. Bad Honnef bis ca. Erpel

    Um 5:30 Uhr stehe ich auf und packe schnell mein Zelt zusammen. Ich koche mir einen Kaffee und frühstücke kurz. Das Brot, dass ich mir gestern noch gekauft hatte, ist jetzt schon reichlich trocken. Das sollte eigentlich auch noch heute Abend schmecken. Naja...
    Da es regnet bleibe ich noch eine Weile an diesem schönen Platz. Da kommt Simon und setzt sich dazu. Erst dachte ich, er sei Wanderer, aber tatsächlich absolviert er gerade ein Lauftraining und hat nur bergauf eine kleine Gehpause eingelegt. Er kommt aus Düsseldorf und ist vor 14 Tagen seinen ersten Marathon gelaufen. Jetzt würde er gerne abnehmen um schneller zu werden und verzichtet vollständig auf Kohlenhydrate. Vitaminpillen sollen es richten. Simon ist auch schon drei Caminos gewandert. Der Camino del Norte fehlt ihm noch. Der Weg, auf dem die beste Wanderin von allen auch gerade unterwegs ist. Den will er in Kürze angehen.
    Nach Simon kommen noch weitere Läufer an der Hütte vorbei. In NRW ist Feiertag. Fronleichnam. Deshalb sind auch mehr Leute unterwegs.
    Und dann laufen mir plötzlich in 30 m Entfernung Wildschweine über den Weg. Ich erkenne noch eine Bache und drei Frischlinge bis sie links im Unterholz verschwinden. Eigentlich habe ich ja keine Angst vor diesen Tieren. Was mich aber stutzig macht, ist, dass ich kein weiteres Geraschel oder Getrappel höre. Es scheint so, als würden sie dort immer noch im Gebüsch am Wegesrand sein und sich verstecken. Ich mag erstmal nicht weitergehen, muss dann aber irgendwann da vorbei. Aber nichts passiert. Als ich dann nochmal in das Gebüsch luge, ist da nichts. Können Wildschweine schleichen?
    Später kommt mir ein Paar entgegen. Sie:"Sie sehen ja gut aus. So schöne Farben. Ich überlege, ob sie mich vielleicht auf den Arm nehmen will. Als farbenblinder Modebanause weiß ich sehr wohl, dass der Grünton meiner Jacke kein Stück zu dem Grasgrün meiner Lieblingshose passt. Doch, meint sie. So schön bunt. Sie sei Kunstfan und möge das sehr. Bin ich etwa ein Kunstwerk? Noch 2km später muss bei dem Gedanken an diese Begegnung lachen.
    Am Nachmittag esse ich in Unkel einen Burger mit Pommes und gehe bei angenehmem Wetter weiter. Seit heute Morgen hat es nicht wieder geregnet, aber um 18.00 Uhr geht's dann los. Mit Gewitter. Ich habe mal wieder Glück, weil ich gerade eine Schutzhütte erreicht habe. Aber jetzt muss ich mir mal Gedanken über die Nacht machen. Doof ist, dass ich hier keinen Internetempfang habe.
    19.30 Uhr: Ich habe mir Gedanken gemacht und baue das Zelt in der Hütte auf. Nicht so schön aber es geht.
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  • Hier ist was los!

    June 3 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    03.06.26
    Von Bonn bis Bad Honnef

    Um  6:45 Uhr bin ich der erste beim Frühstück. Anschließend noch mal kurz rauf aufs Zimmer, dann auschecken und noch mal eben einen Bäcker suchen, bevor der Bus kommt. Ich finde aber nur einen türkischen Bäcker, der nicht so richtig was für mich im Angebot hat. Ich kaufe einen Brotkringel, den ich in einer Plastiktüte bekomme. Warum muss man auch immer Papier verwenden? 

    Ich fahre mit dem Bus an den Stadtrand und mache mich auf zum Foveaux-Häuschen, dem Startpunkt des Rheinsteigs. Allerdings ist der Weg wegen Treppenschäden gesperrt. Es wird eine Umleitung von 500 m beschrieben. Das geht ja gut los. Kurze Zeit später bin ich am Häuschen. 

    Das Wetter kann sich nicht entscheiden. Immer wieder fängt es leicht an zu regnen, aber auch nicht richtig. Ich vermeide es, die Regenklamotten anzuziehen und habe immer Glück, dass das Blätterdach der Bäume oder eine Hütte mir Schutz bietet. In einer Hütte kommen drei Tageswanderer hinzu. Eine Frau  berichtet, dass der Rheinsteig wohl an einer Stelle gesperrt sein, weil er durch einen Erdrutsch o. ä. unpassierbar sei. Das hätte heute in der Zeitung gestanden. Na gut, kann ja auch hinter Bingen passiert sein. Dann interessiert's mich nicht. Ich werde es wohl irgendwann erfahren und dann gucken, was zu tun ist. Eine andere Frau kennt sich auf dem Rheinsteig gut aus und gibt mir Tipps, wie ich schwierige Passagen rund um Schallenberg umgehen könnte, weil die Wege bei Nässe mit schwerem Rucksack gefährlich sein könnten. Aber hallo! Da würde ich ja Abkürzungen gehen. Das geht ja gar nicht. Im Übrigen soll die Originalroute sowieso wilder und schöner sein.

    Ein Quartier für die Nacht habe ich noch nicht. Es gibt da aber eine Hütte, die sehr schön sein soll, aber noch im Naturschutzgebiet liegt. Fast das ganze Siebengebirge steht am Rhein entlang unter Naturschutz. Aber die Hütte geht mir nicht aus dem Kopf. 

    Am Wegesrand liegt eine leere 0,5 Liter Wasserflasche. Einfach weggeworfen. Im Naturschutzgebiet. Ich hebe sie auf und klemme sie hinter meinen Brustgurt. Danach sammle ich auch noch ein paar andere Müllteile ein und stecke sie in die Plastiktüte vom türkischen Bäcker. So erfüllt sie doch noch einen guten Zweck. Ich tue also gerade was Gutes für die Natur. Rechtfertigt das nicht vielleicht...

    Im Schloss Drachenburg besichtige ich nur den Eingang. Die Muße für eine längere Besichtigung habe ich nicht. Auf dem Drachenfels meine ich mir etwas verdient zu haben und bestelle mir gleich zwei Stücke Kuchen und einen Kaffee. Wenn ich mich vorher nach den Preisen erkundigt hätte, hätte auch ein halbes Stück Kuchen gereicht. Aber ich kann ihn bei einer unglaublich Aussicht genießen.

    Egal, ich habe ja noch was in Bad Honnef zu erledigen. Am Ulanendenkmal verlasse ich den Trail und gehe in die Stadt. Sofort als ich reinkomme, sehe ich ein Weinlokal mit Hotelbetrieb. Das könnte ein Zeichen sein. Aber ich gehe nicht drauf ein. Zunächst fahre ich mit dem Bus weiter in die Stadt und kaufe mir neue Trekkingstöcke. Meinen kaputten Stock kann ich zur Entsorgung im Geschäft lassen. Den anderen schicke ich mit der Post nach Hause. Wer weiß, wozu man ihn noch mal braucht?

    Anschließend beschreibt mir eine junge Frau, die ich nach dem Weg zum Netto frage,  wahrscheinlich alle Restaurants in Bad Honnef. Ich möchte aber trailnah essen und fahre mit dem Bus wieder zurück. Nach dem kurzen Essen in einem etwas edleren Lokal, wo ich mit meinem Rucksack und meinem Outfit etwas mehr auffalle, geht es um 19:30 Uhr wieder auf den Trail. Ich brauche ja noch ein Dach über dem Kopf. Während ich den Weg so hochstapfe, wundere ich mich, was hier noch los ist. Nicht nur Hundehalter, sondern auch viele Jogger treffe ich.  Alles gute Läufer. Ist ja auch logisch. Bei diesem Höhenprofil sind keine Laufanfänger unterwegs. Der Weg geht stetig bergauf und ist teilweise sehr matschig. Es regnet auch wieder. Ich rüste jetzt doch mit Regenjacke und Rock auf. Zumindest sind dann bei dem Wetter nicht mehr so viele Leute unterwegs. Ich sollte mich täuschen. 

    An der von mir auserkorenen Hütte breite ich meine Sachen aus, stelle dann aber fest, dass die Bank zu schmal für meine Luftmatratze ist. Dann muss ich es mir eben auf dem Boden bequem machen. Da es aber ein Schotterboden ist, baue ich doch lieber mein Innenzelt auf.

    Um 22 Uhr ziehe ich mich um und will gerade in mein Zelt kriechen, da höre ich laute Stimmen. Die kommen näher. Und ich nehme Lichtscheine war. "Hier ist noch 'ne Hütte! " "Die nehmen wir! ""Pause! " Vier junge Männer, oder vielleicht sogar noch Jugendliche (es ist schon zu dunkel um die Gesichter zu erkennen) erscheinen und sind über meine Anwesenheit etwas überrascht. Sie fragen, ob sie sich dazu setzen können. Natürlich. Sie sind heute um 19 Uhr aufgebrochen und wollen noch zum Drachenfels. Sie waren mit Wein und Sekt gestartet. Der Wein hat es aber nur bis Rhöndorf geschafft. Ist ja auch schlau. Gewichtsreduzierung erleichtert das Wandern. Es ist eine nette Unterhaltung. Mit meinem Vorhaben habe ich ihre vollste Anerkennung. Ist doch schön, wenn man junge Leute noch beeindrucken kann. Irgendwann ziehen sie weiter und ich krieche in mein Zelt. Nach 10 Minuten sind sie aber noch mal kurz da, um einen Becher zu suchen, den sie verloren haben. Dann verschwinden sie endgültig. 

    Es fängt noch einmal heftig an zu regnen. Es ist toll!
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  • Zero-Day in Bonn

    June 2 in Germany ⋅ 🌧 22 °C

    02.06.26

    Gestern waren es mit den Zu-, Ab- und Umwegen doch fast 38 km geworden. Und das wieder mit vollem Gepäck. Entsprechend kaputt war ich dann. Kurz vor 21 Uhr im Hotel eingecheckt und dann lief außer duschen und etwas Wäsche waschen nicht mehr viel. Ich bin einfach weggeratzt. Heute morgen war ausschlafen angesagt und erst nach 8.00 Uhr schäle ich mich aus dem Bett. Nach dem Frühstück falle ich in eine Phase der Passivität. Normalerweise sprühe ich in dieser Zeit vor Elan und Tatendrang. Heute komme ich hier nicht aus dem Hotelzimmer. Erst um 10:30 Uhr mache ich mich auf den Weg um ein wenig Ausrüstung zu ersetzen.

    Auf dem Weg zu meiner Shoppingtour komme ich an der Stiftskirche vorbei. Bereits gestern Abend war ich hier. Jetzt muss ich mal rein. Die Kirche ist menschenleer, aber an der Orgel gibt jemand ein Konzert. In diesem Moment nur für mich. Irgendwie ergreift mich die Situation. Allein in dieser Kirche und dazu diese ungeheure Klangvielfalt der Kirchenorgel. Bombastisch!

    Endlich im Shoppingmodus kriege ich mein Schuhproblem gelöst. Hoffe ich zumindest. Gleiches Modell und Größe wie meine alten Treter. Sollte keine Probleme machen. Mit den Stöcken ist es schwieriger. Der Verkäufer aus dem Kaufladen empfiehlt mir ein Geschäft in Bad Honnef. Da ich auch bei Globetrotter zwar andere Sachen, aber keine Stöcke finde, muss mein bandagierter Stock noch etwas aushalten. 

    Sitze schon seit einiger Zeit auf einer Bankliege auf einem Spielplatz und schreibe an diesem Eintrag. Irgendwie zieht mich hier nichts weg. Aber es ist langsam Zeit für einen Eisbecher oder ein Stück Kuchen. 😋

    Nach dem Käsekuchen schaue ich mal in das Bonner Münster. Sehr beeindruckend, vor allem der ganze Altarbereich und ganz besonders die Orgel. Ein so schönes Exemplar habe ich selten gesehen. Nach meinem Erlebnis heute morgen in der Stiftskirche hätte ich sie jetzt sehr gerne gehört. Aber man kann nicht alles haben.

    Und dann muss ich natürlich an dem Hariboladen vorbei. Das heißt, ich komme nicht vorbei. Ich muss da rein. Nur mal kurz an die Bar, wo man sich frei bedienen kann. Drei Jungen bedienen sich ebenfalls frei. So ganz frei. Ohne die Zangen oder Schaufeln zu benutzen, grabbeln sie mit ihren Händen in den Fruchtgummis rum. Hoffentlich haben sie sich nach dem Kacken wenigstens die Hände gewaschen. Ich spiele ein bisschen die Hygienepolizei und es scheint zu wirken. Ab jetzt werden Zangen und Schaufeln ordnungsgemäß benutzt. Als ich den Laden verlasse, ist mein Reisegepäck um 200 g Gummibären schwerer. Ich muss es heute im Laufe des Tages leichter machen.

    Um mich vor dem Regen zu schützen trinke ich noch ein Gläschen Weißburgunder vor einem Lokal. Und auf dem Rückweg warte ich an einer Ampel auf das grüne Männchen. Da fällt mein Blick auf ein Ladenschild und ich betrete seit mehr als 30 Jahren zum ersten Mal wieder einen Frisiersalon. Der Bart muss ab. Nun denn. So soll es sein.

    Für heute Abend hatte ich mir eigentlich vorgenommen, in einem spanischen Restaurant, das an das Hotel angeschlossen ist, zu essen. Aber wie das so ist, haben die ausgerechnet dienstags Ruhetag. Echt schade. Das sah gut aus.

    Aber ich finde noch ein nettes persisches Lokal, das fußläufig zu erreichen ist. Da Google-Bewertungen empfehlen, vorab zu reservieren, rufe ich vorher an. Die Dame am Telefon scheint überrascht und fragt nicht mal nach meinem Namen. Als ich da ankomme, weiß ich auch warum. Ich bin wieder mal der einzige Gast. Das passiert mir ja nicht zum ersten Mal. Schade, denn das Essen war sehr gut.

    So! Ein paar Gummibären tummeln sich noch in der Tüte. Morgen beginnt die sportliche Herausforderung. Vor dem Rheinsteig habe ich Respekt. Mal sehen wie ich mich schlage.
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  • Freude auf die Ruhe

    June 1 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C

    01.06.26
    Von Hennef nach Bonn

    Heute morgen um halb vier macht sich bei mir ein menschliches Bedürfnis bemerkbar. Und zwar äußerst dringend. Als hätte mein Körper festgestellt: Oh, ich habe ja gestern total vergessen zu schwitzen. Dann muss jetzt alles Überflüssige raus. Und zwar sofort! " Diese Situation ist mir bislang in den ganzen vier Wochen erspart geblieben. Draußen ist es dunkel, kalt, feucht und zum Waschhaus sind es 200 m. Ich habe aber keine Wahl. Ich muss aufstehen und überlege, anschließend gleich das Zelt abzubauen und loszuwandern. Aber allein das Anziehen ist in der Dunkelheit mit so viel Gekrame verbunden, dass ich davon Abstand nehme. Ich würde sonst wahrscheinlich die Hälfte meiner Ausrüstung verbaseln. Also krieche ich nach meiner Rückkehr wieder in den noch warmen Schlafsack und fühle mich ausgesprochen wohl. Das tue ich auch noch, als um 5 Uhr der Wecker klingelt. Nö, geht noch nicht. Erst um 6 Uhr schaffe ich es mehr oder minder widerwillig das Zelt zu verlassen. Nach dem Frühstück schaffe ich es immerhin, alles in 42 Minuten abzubauen. So langsam klappt das mit der Routine. (Ich weiß, dass andere darüber lachen).

    Auf einem schönen Weg geht es dann in Richtung Bahnhof Merten und in Hennef angekommen versorge ich mich erst einmal beim Bäcker. Ich nehme den gleichen Weg zum Trail, den ich vorgestern gekommen bin. 
    Die Temperaturen sind angenehm. Heute besteht keine Regengefahr.

    An einer Bergabpassage kurz vor Siegburg kommt mir ein wohlbeleibter Mann mit einem Kapuzenpulli bergauf entgegen. Die Kapuze trotz warmer Temperaturen über den Kopf gezogen. "Bergab ist es einfacher. "Das kann ich natürlich bestätigen. Er sieht den Weg wohl als sportliche Aufgabe. Er würde den Weg schon zum zweiten Mal machen aber sein Bauch ginge nicht weg. Den habe er auch über 30 Jahre mit Kölsch gut gepflegt. Lustiger Kerl. Ich habe das Gefühl, im Rheinland angekommen zu sein. 

    Ich erreiche dann das Ende des Natursteigs Sieg. Offiziell ist es der Startpunkt. Obwohl ich den Weg ja entgegengesetzt gegangen bin, ist mir nur eine einzige Fernwanderin entgegengekommen, die den Weg gewandert ist. Das wundert mich etwas, weil mir mehrere Einheimische erzählt haben, dass Sie den Weg schon gegangen seien. Der Weg hat in der Region eine gewisse Popularität. Ich hätte erwartet, dass ich mehr Leute treffen würde.

    Eine Schulklasse geht nach und nach an meinem Rastplatz vorbei. Der Lehrer fragt nach meinem Ziel. Ich beschreibe meine Tour kurz. Ein Schüler, der daneben steht, bekommt große Augen. Ich sehe ihm förmlich an, dass er sich fragt , warum der alte Mann so etwas macht.

    Das Zwischenstück zum Rheinsteig ist halt sehr städtisch. Aber dafür ist er sehr gut gekennzeichnet - ausschließlich mit NST-Aufklebern.

    Unterwegs treffe ich Rico mit seiner Mutter. Rico ist ca. 4 Jahre alt und hat großes Interesse an meinen Trekkingstöcken und warum ich sie gerade nicht benutze. Ich unterhalte mich noch mit seiner Mutter über das Wandern , das Pilgern und Wunden am Knie. Rico kommt aber immer wieder auf die Stöcke zurück.

    Kurz vor Beginn des Rheinsteigs verlasse ich den Trail. Mein Ziel ist eine Gaststätte mit eigener Brauerei in der Nähe. Laut Google hat sie auch montags geöffnet, aber ich bin da immer etwas skeptisch. Aber ich habe Glück. Ein tolles Lokal mit großem Biergarten und einem leckeren Rotbier. Und auch montags gut besucht. Einzig die Portionsgöße meines gegrillten Lachses wäre noch verbesserungsfähig. Die anderen Gerichte, die umzu serviert werden, sehen ausreichend aus. Ich brauche aber noch eine Portion Arme Ritter hinterher. Die waren aber auch richtig gut. 

    Ich freue mich auf den morgigen Ruhetag. Ich merke so ein paar Stellen an meinem Körper (linkes Knie , rechte Hüfte), denen eine Pause mal gut tun würde. Es lief alles so gut bisher . So soll es bleiben.
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  • Zeit für ein Geständnis

    May 31 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C

    31.05.26
    Von Merten nach Eitorf

    Es ist Zeit für ein Geständnis. Ich habe eine Etappe ausgelassen. Durch das hin und her mit den Öffi-Fahrten zu und von meinem Campingplatz hatte ich nicht realisiert , dass mein Campingplatz - obwohl er zu Eitorf gehört - fast schon bei der nächsten Etappe in Merten liegt. Der Natursteig ist ja so konzipiert , das man für einen Weg , den man 8 Stunden erwandern muss , mit dem Zug nur drei Minuten braucht . Den Abschnitt von Eitorf nach Merten bin ich noch gar nicht gegangen. Das muss also nachgeholt werden. Und weil der öffentliche Nahverkehr am Sonntag nur eingeschränkt zur Verfügung steht , wandere ich ihn heute in die umgekehrte Richtung von Merten nach Eitorf.

    Gestern waren auf dem Campingplatz noch eine Menge Leute angekommen , auch einige Gruppen . Ich habe meinen riesigen Gruppenzeltplatz aber weiterhin ganz für mich alleine. Als ich so in meinem Zelt liege, höre ich entfernt jemanden auf der Gitarre spielen. Unter anderem "Mein kleiner grüner Kaktus", eines meiner Lieblingsstücke aus alten Zeiten. Ich muss schmunzeln und es entsteht der Wunsch , dass ich wieder anfange, Musik zu machen , wenn ich wieder zu Hause bin. 

    Nachts hatte es noch etwas geregnet , aber diesmal ist alles trocken geblieben. Da es heute auch gewittern soll , stehe ich früh auf. Ich halte mich aber noch ein wenig auf , um etwas Wäsche , die ich gestern noch durch gewaschen hatte im Zelt zum Trocknen aufzuhängen. Bin gespannt, ob das klappt.

    Gerade als ich los will , fängt es erst an zu donnern und dann zu regnen. Ich muss den Rucksack also erst wieder absetzen und die Regenklamotten anlegen. Den Schirm lasse ich erstmal weg. Ich habe nichts wichtiges im Rucksack und ich möchte wissen , ob die Schutzhülle vielleicht reicht. 

    Nach kurzer Zeit blitzt es mehrfach und es fängt an in Strömen zu gießen. Ich komme gerade an einer Brücke vorbei , setze mich darunter und schreibe schon mal an dem Entwurf zu diesem Tagebucheintrag.

    Als es aufhört zu regnen, ziehe ich wieder los. Der dicht bewachsene Weg nässt meine Schuhe und Socken schnell durch. Es suppt bei jedem Schritt. Das hatte ich noch nicht einmal bei meinen Regenwanderungen in Schleswig-Holstein. Aber das macht nichts. Es herrscht eine angenehme After-Rain-Atmosphäre und ich genieße sie. Genießen tue ich dann auch die Aussicht an der schönen Storfer Hütte, wo ich versuche meine Schuhe und Klamotten zu trocknen. Aber die Sonne kommt nicht so richtig durch. Ich muss auf nassen Sohlen weiter.

    Irgendwann komme ich an den Abzweig, der nach Eitorf runterführt. Zunächst an einer Straße durch Bohlscheid entlang. Dort findet eine Art Dorfflohmarkt statt. Vor einigen Häusern sind Verkaufsstände aufgebaut, an denen die Bewohner Flohmarktsachen anbieten. Nervig ist, dass die meisten Interessenten keine Lust haben, die steile Straße zu Fuß rauf oder runter zu gehen. Es herrscht daher reger Autoverkehr. Der Abzweig ist nicht mehr ausgeschildert. So nehme ich auf eigene Faust einen Weg durch den Wald. Vermutlich war das auch der Richtige. Er birgt auch einige kleine Überraschungen für Kinder um ihnen die Bewohner des Waldes näherzubringen. Irgendwann bin ich an der Stelle angelangt, an der ist schon vorgestern vorbeigekommen bin. Den Weg in die Innenstadt von Eitorf kannte ich noch nicht. Er führt 1,5 km durch einen Park. In der Fußgängerzone gönne ich mir erstmal ein Stück Obstkuchen mit Sahne. Der Weg heute war weder lang noch schwer. Aber trotzdem habe ich mir das verdient. 😘

    Ich schaue mir noch die Kirche. Für den Ort ist sie ziemlich groß.  Und ihre Fensterbilder beeindrucken mich.

    Dann komme ich an einem freien Platz in einem Eiscafé vorbei. Und ich kann nicht anders. Ich habe heute zum ersten Mal so richtig viel Zeit. Habe sogar vorhin im Café zum ersten Mal länger in meinem Buch gelesen. Und bislang habe ich auf der gesamten Tour viel zu wenig Eis gegessen. Also: 3 Kugeln mit Sahne.😋

    Auf dem Rückweg habe ich Glück, weil die S-Bahn Verspätung hat und ich den Zug deshalb noch kriege. Zurück auf dem Campingplatz ist hier nichts mehr los. Habe so ziemlich alles für mich alleine. Ich koche mir noch was Selbstgemachtes und gönne mir ein Bierchen aus dem Automaten. Es ist irgendwie eine ganz eigenartige Atmosphäre hier. Wo die letzten Tage lauter Kinder hin und her wuselten, und für eine -für mich angenehme - Geräuschkulisse sorgten, herrscht nun eine große Stille. Aber es gibt ja noch die Bahnlinie.

    Dieser Tag hatte etwas sehr entspannendes. Kurze Wanderung bei angenehmen Temperaturen, jede Menge Zeit und das schöne Gefühl, morgen einen weiteren Abschnitt zum Ende zu bringen.

    Das war es dann auch mit dem bequemen Wandern. Morgen werde ich diesen lieb gewonnenen Platz verlassen und auch meine komplette Ausrüstung mitnehmen müssen. Ich fahre dann mit dem Zug von Merten nach Hennef und beende den Natursteig Sieg.

    Mal sehen, wie weit ich dann noch komme. In Bonn werde ich in jedem Fall einen Zero-Day einlegen. Ich muss so einiges an Ausrüstung ersetzen müssen.
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  • Disziplinlosigkeiten

    May 30 in Germany ⋅ ☁️ 25 °C

    30.05.26
    Von Eitorf nach Hennef

    Am Abend hat es noch kräftig gewittert  und geregnet . Obwohl mein Zelt geschützt steht, musste ich es gegen kräftige Windböen etwas von innen unterstützen. Mein Zelt hatte ich zwar regenfest gemacht, aber mein Rucksack schwamm in der Abside im Wasser .  Einige Sachen sind klatschnass , aber keine wichtigen.

    Packe wieder mein leichtes Gepäck und los geht's. Das Wandern ist nicht nur deshalb so schön , weil der Rucksack nichts wiegt. Durch den Regen liegt eine Frische in der Luft . Der Himmel ist noch bedeckt und der Weg weist so gut wie keine Steigung auf. Meine n heutiges Ziel kenne ich noch nicht. In Blankenberg werde ich mal gucken , wie es weitergeht. Zwischenzeitlich regnet es mal leicht. Ich habe aber keine Lust auf Regenschirm und Rock und schauere mich unter einem Baum.

    In Süchterscheid gibt es einen tollen Biohof , der für Wanderer eine Pausentation eingerichtet hat. Verschiedene Instant-Kaffees, Tee, Kekse und Kaltgetränke stehen zu einem Wertschätzungsetrag zur Verfügung. Ich entscheide mich für einen Dinkelkaffee. Einen Fehler kann man ja mal machen. Apfelschorle muss auch noch  sein. Und dann im Bioladen gegenüber noch einen gesunden Apfel erstanden. Dabei erfahre ich auch noch etwas über Schneckenbekämpfung. In der biologischen Landwirtschaft verwendet man anscheinend ein schlichtes Messer.😯

    An der Burg Blankenberg ist eine Umleitung nötig . Mauersanierung. Später komme ich an eine richtig heftige Steigung. Meine Uhr navigiert nicht mehr korrekt und die App ist an einer Gabelung auch überfordert. Wegzeichen sind auch nicht zu erkennen. So entscheide ich mich für eine Richtung um nach einiger Zeit festzustellen, dass ich mich vom Weg etwas entfernt habe. Runter und wieder rauf kommt für mich aber nicht in Frage. Wie war der Spruch? Alle Wege führen nach oben. Also kraxel ich weiter hoch und komme irgendwann an einen Klettersteig. Dort ist auch wieder ein Wegzeichen zu sehen. Oben angekommen werde ich für meine Mühen belohnt. An einem Abflugplatz für Gleitschirmflieger steht eine tolle Hütte mit einer super Aussicht. 

    Danach kommt die Sonne durch und es wird schwül. Bei den Anstiegen fließt der Schweiß etwas schneller. Lediglich der Wald bringt etwas Kühle. In Bröl gehen Navigation und Wegkennzeichnung auseinander. Ich folge den Kennzeichnungen. Gute Wahl. 

    Ich gehe mit den Abzweig zur Innenstadt und zum Bahnhof von Hennef. Ein ganz toller, sehr grüner Weg und kaum bin ich in der Stadt, begegnet mir schon ein türkisches Café. Gastronomisch habe ich heute mal so richtig Glück.

    Ich habe meinen Verbleib auf dem Campingplatz um einen weiteren Tag verlängert. Dieses Wandern mit leichtem Gepäck bringt noch mal so viel Spaß.

    Vor der Rückfahrt noch mal kurz zu Rewe. Ich war zwar gestern erst einkaufen, habe aber festgestellt, dass ich noch Porridge und Studentenfutter brauche. Trotzdem kaufe ich hier noch was für das kalte Abendessen und dann noch was für das morgige Frühstück und dann muss ich auch noch beim Fünferpack Snickers zugreifen. Obwohl ich weiß, das Schokolade bei der Hitze keine gute Idee ist. Ich muss unbedingt an meiner Disziplin arbeiten.

    Die nächste Etappe wäre dann ja die nach Siegburg. Wenn dann nicht... 🤔. Aber dazu morgen mehr.
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  • Beinbruch - aber es geht weiter

    May 29 in Germany ⋅ ☁️ 29 °C

    29.05.26:
    Von Herchen nach Eitorf

    Der Campingplatz Happach ist super. Das hatte ich schon geschrieben. Er hat aber einen Nachteil: Er wird durch eine Eisenbahnlinie zweigeteilt. Und auf einer Eisenbahnlinie fahren nun mal Züge. Auch nachts. Und 50 m Abstand sind nicht so viel. Es wird daher manchmal sehr laut. Aber sonst ist es toll hier. Vor allem, weil mein Zelt nachmittags schön im Schatten steht.

    Ich frühstücke und ziehe mir einen Kaffee aus dem Automaten. Ist ganz okay. Der Bus zum Bahnhof hat etwas Verspätung und ist vollgepackt mit Schülern. Aber die müssen mich aushalten. Dann geht's mit dem Zug zurück nach Herchen.

    Ich möchte denselben Weg zum Trail gehen, den ich gestern gekommen bin. Da werde ich aber von einer Dame , die gerade mit dem Auto losfahren will, zurückgepfiffen. Dies sei ein Privatweg, wie man sehen könnte. Ich müsste wieder runter und an anderer Stelle wieder rauf. Schade um die Höhenmeter.

    Aber: Ich bin ja mit leichtem Gepäck unterwegs, weil der größte Teil meiner Ausrüstung auf dem Zeltplatz steht. 😊 Es ist sehr angenehm, so zu wandern. Ich wusste gar nicht mehr, wie sich das anfühlt.

    Diesen Vorteil weiß ich umso mehr zu schätzen, als heute wieder Temperaturen über 30° herrschen und der Weg auch viele Sonnenseiten hat.

    In einem Hofladen, der ziemlich abgelegen ist, in dem aber der Bär los ist, kaufe ich mir zwei Äpfel und eine überteuerte Packung Kekse, weil ich Bock drauf hatte.

    Ich komme am Thingplatz von Herchen vorbei, ein theaterähnlicher Versammlungsort, den die Nazis zur Verbreitung ihrer Propaganda gebaut haben. "Als Deutscher geboren, als Kämpfer gelebt, als Held gestorben, als Volk auferstanden". So die Inschrift.

    Wenig später das Desaster: Als ich in gebückter Haltung Wasser aus einem Bach filtere und aufstehe, höre ich das Knacken von Carbon. Bin ich doch auf meinen Trekkingstock getreten. Ich habe sozusagen einen Beinbruch erlitten. Wäre ich nicht gerade in einer Lebensphase voller Gelassenheit, wäre das ein Schockmoment. Denn heute habe ich nur leichtes Gepäck. Und der Rheinsteig kommt erst noch. Aber ich esse erst einmal einen Apfel und sehe mir das Ganze anschließend an. Die Bruchstelle ist dort, wo zwei Stockteile zusammengesteckt werden. Der Stock lässt sich wieder richten. Mit Leukosilk verbinde ich ihn notdürftig, so dass er wieder einsatzfähig ist. Allerdings sind hohe Belastungen zu vermeiden.

    Ich erreiche den NST-Halfwaypoint, eine schöne Schutzhütte mit einem Bettgestell davor. Das Kopfteil hat die Aufschrift: Gute Nacht
    9 Stunden später hätte ich mein Nachtlager hier aufgeschlagen. Aber nicht jetzt bei der Mittagshitze.

    200 Meter weiter kommt mir eine Wanderin mit leichtem Gepäck entgegen. Wir grüßen, gehen aneinander vorbei und dann höre ich einen Ruf: " Halt! ". Es ist Woma. Sie hat mich anhand meines NST-Hangtags identifiziert. Sie war vor vier Tagen am Haldenwanger Eck und hatte den NST in fünf Jahren fast vervollständigt. Es fehlte ihr aus bestimmten Gründen aber noch ein teilstück von 1,5 km. Das holt sie gerade nach. Und so kurz vor dem Ziel begegnen wir uns.

    In Eitorf mache ich einen Abstecher und schicke ein paar Sachen, die ich nicht mehr brauche, zurück nach Hause. Ich gönne mir noch eine
    Eisschokolade und gehe noch was einkaufen.

    Auf dem Campingplatz gibt's kalte Küche und ein Bier. Dann zieht ein Gewitter auf und ich schaffe es gerade noch, mein Mahl zu beenden und das Zelt regenfest zu machen. Ich krieche ins Zelt und dann geht der Regen los. Ich finde das ja sehr gemütlich. In einer Regenpause kann ich mir dann im 100m entfernten Waschhaus die Zähne putzen. Auf dem Rückweg fängt es an zu tröpfeln und ich schaffe es gerade noch, ins Zelt zu kommen bevor der Regen noch mal richtig trommelt. Gemütlich. 🌛
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  • Es reift eine Idee

    May 29 in Germany ⋅ ⛅ 29 °C

    28.05.26
    Von Dattenfeld nach Herchen

    Um 5 Uhr stehe ich auf. Im Bad ist schon Betrieb. Ich packe meine Sachen und gehe zum Bahnhof. Da stelle ich fest, dass mein Zug ausfällt. Ich bin früh da und kann noch reagieren. Es gibt noch einen Bus, der sogar früher fährt als der Zug gefahren wäre. Und nicht nur das. Ich kann sogar 100 m vor dem Trail aussteigen. Mit dem Zug hätte ich noch 1,5 km gehen müssen. So starte ich tatsächlich um 6 Uhr. Und es ist herrlich. 

    Als ich aber aus Dattenfeld rauskomme, sehe ich dass es dort einen Campingplatz gibt. Den habe ich nicht auf dem Schirm gehabt. Denn Campingplätze sind rar. 

    Nach einer halben Stunde mache ich mir mein Frühstück an einem tollen Pavillon mit grandioser Aussicht. 

    Zwei Wanderer, die mir entgegenkommen, erzählen von einem Campingplatz in Eitorf. Da kommt mir doch eine Idee.

    Der Weg führt längeres Stück an der Sieg entlang, die an der Stelle sehr schnell fließt. Ansonsten ist der Trail wieder sehr schön und verläuft weitgehend im Schatten. Die ersten vier Stunden habe ich kaum geschwitzt. 

    Dann treffe ich noch die erste Fernwandererin, die mit leichtem Gepäck unterwegs ist, weil sie den Shuttlezug in Anspruch nimmt, womit meine Idee weiter reift. 

    An einer Quelle, deren Wasser einer Sage nach heilende Wirkung haben soll, fülle ich mein Wasser auf und sehe dort Molche. 

    In einer Pause setze ich meine Idee dann in die Tat um. Ich buche einen Platz auf dem Campingplatz Happach für zwei Nächte. Ich werde bis Herchen wandern und dann mit dem Zug nach Eitorf fahren. Von dort mit dem Bus zum Campingplatz. Am nächsten Tag fahre ich mit Zug zurück nach Eitorf und wandere dann mit leichtem Gepäck. 

    Dann ist es soweit. Der NST nimmt den Natursteig Sieg in Beschlag. Von jetzt an zählt wieder jeder Kilometer.

    Auf dem Weg zum Bahnhof werde ich dann etwas unruhig. Der Trail geht nicht etwa weiter nach unten, sondern ich gewinne immer mehr an Höhe. Ich kann unten den Bahnhof sehen und gehe dran vorbei, aber ich komme nicht runter. Aber es gilt der alte Pilotenspruch "Runter kommt man immer ", und tatsächlich gibt es doch noch einen Abzweig. 

    Eitorf könnte ganz schön sein. Aber es herrscht ein gewaltiger Straßenverkehr. Ich komme nicht über die Straße, ohne eine Ampel zu Hilfe zu nehmen. Den Bus hatte ich gerade verpasst. So bleibt noch Zeit für einen Kurzeinkauf bei DM und ein Eis.

    Der Campingplatz ist super. Der Betreiber lässt mich auf einem Gruppenplatz im Schatten mein Zelt aufbauen, weil der Platz am Wochenende nicht besetzt ist.

    Es gibt sogar einen Getränkeautomaten, wo man noch gegen Ausweiskontrolle ein Bier bekommt. Am Wochenende hat sogar ein Kiosk auf, der auch Pizza im Angebot hat.

    Ich freue mich auf die morgige Wanderung. 

    P.S.
    Vergessen, den Footprint in Herchen zu setzen. Darum hole ich das hier nach.
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