Zeit für ein Geständnis
May 31 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C
31.05.26
Von Merten nach Eitorf
Es ist Zeit für ein Geständnis. Ich habe eine Etappe ausgelassen. Durch das hin und her mit den Öffi-Fahrten zu und von meinem Campingplatz hatte ich nicht realisiert , dass mein Campingplatz - obwohl er zu Eitorf gehört - fast schon bei der nächsten Etappe in Merten liegt. Der Natursteig ist ja so konzipiert , das man für einen Weg , den man 8 Stunden erwandern muss , mit dem Zug nur drei Minuten braucht . Den Abschnitt von Eitorf nach Merten bin ich noch gar nicht gegangen. Das muss also nachgeholt werden. Und weil der öffentliche Nahverkehr am Sonntag nur eingeschränkt zur Verfügung steht , wandere ich ihn heute in die umgekehrte Richtung von Merten nach Eitorf.
Gestern waren auf dem Campingplatz noch eine Menge Leute angekommen , auch einige Gruppen . Ich habe meinen riesigen Gruppenzeltplatz aber weiterhin ganz für mich alleine. Als ich so in meinem Zelt liege, höre ich entfernt jemanden auf der Gitarre spielen. Unter anderem "Mein kleiner grüner Kaktus", eines meiner Lieblingsstücke aus alten Zeiten. Ich muss schmunzeln und es entsteht der Wunsch , dass ich wieder anfange, Musik zu machen , wenn ich wieder zu Hause bin.
Nachts hatte es noch etwas geregnet , aber diesmal ist alles trocken geblieben. Da es heute auch gewittern soll , stehe ich früh auf. Ich halte mich aber noch ein wenig auf , um etwas Wäsche , die ich gestern noch durch gewaschen hatte im Zelt zum Trocknen aufzuhängen. Bin gespannt, ob das klappt.
Gerade als ich los will , fängt es erst an zu donnern und dann zu regnen. Ich muss den Rucksack also erst wieder absetzen und die Regenklamotten anlegen. Den Schirm lasse ich erstmal weg. Ich habe nichts wichtiges im Rucksack und ich möchte wissen , ob die Schutzhülle vielleicht reicht.
Nach kurzer Zeit blitzt es mehrfach und es fängt an in Strömen zu gießen. Ich komme gerade an einer Brücke vorbei , setze mich darunter und schreibe schon mal an dem Entwurf zu diesem Tagebucheintrag.
Als es aufhört zu regnen, ziehe ich wieder los. Der dicht bewachsene Weg nässt meine Schuhe und Socken schnell durch. Es suppt bei jedem Schritt. Das hatte ich noch nicht einmal bei meinen Regenwanderungen in Schleswig-Holstein. Aber das macht nichts. Es herrscht eine angenehme After-Rain-Atmosphäre und ich genieße sie. Genießen tue ich dann auch die Aussicht an der schönen Storfer Hütte, wo ich versuche meine Schuhe und Klamotten zu trocknen. Aber die Sonne kommt nicht so richtig durch. Ich muss auf nassen Sohlen weiter.
Irgendwann komme ich an den Abzweig, der nach Eitorf runterführt. Zunächst an einer Straße durch Bohlscheid entlang. Dort findet eine Art Dorfflohmarkt statt. Vor einigen Häusern sind Verkaufsstände aufgebaut, an denen die Bewohner Flohmarktsachen anbieten. Nervig ist, dass die meisten Interessenten keine Lust haben, die steile Straße zu Fuß rauf oder runter zu gehen. Es herrscht daher reger Autoverkehr. Der Abzweig ist nicht mehr ausgeschildert. So nehme ich auf eigene Faust einen Weg durch den Wald. Vermutlich war das auch der Richtige. Er birgt auch einige kleine Überraschungen für Kinder um ihnen die Bewohner des Waldes näherzubringen. Irgendwann bin ich an der Stelle angelangt, an der ist schon vorgestern vorbeigekommen bin. Den Weg in die Innenstadt von Eitorf kannte ich noch nicht. Er führt 1,5 km durch einen Park. In der Fußgängerzone gönne ich mir erstmal ein Stück Obstkuchen mit Sahne. Der Weg heute war weder lang noch schwer. Aber trotzdem habe ich mir das verdient. 😘
Ich schaue mir noch die Kirche. Für den Ort ist sie ziemlich groß. Und ihre Fensterbilder beeindrucken mich.
Dann komme ich an einem freien Platz in einem Eiscafé vorbei. Und ich kann nicht anders. Ich habe heute zum ersten Mal so richtig viel Zeit. Habe sogar vorhin im Café zum ersten Mal länger in meinem Buch gelesen. Und bislang habe ich auf der gesamten Tour viel zu wenig Eis gegessen. Also: 3 Kugeln mit Sahne.😋
Auf dem Rückweg habe ich Glück, weil die S-Bahn Verspätung hat und ich den Zug deshalb noch kriege. Zurück auf dem Campingplatz ist hier nichts mehr los. Habe so ziemlich alles für mich alleine. Ich koche mir noch was Selbstgemachtes und gönne mir ein Bierchen aus dem Automaten. Es ist irgendwie eine ganz eigenartige Atmosphäre hier. Wo die letzten Tage lauter Kinder hin und her wuselten, und für eine -für mich angenehme - Geräuschkulisse sorgten, herrscht nun eine große Stille. Aber es gibt ja noch die Bahnlinie.
Dieser Tag hatte etwas sehr entspannendes. Kurze Wanderung bei angenehmen Temperaturen, jede Menge Zeit und das schöne Gefühl, morgen einen weiteren Abschnitt zum Ende zu bringen.
Das war es dann auch mit dem bequemen Wandern. Morgen werde ich diesen lieb gewonnenen Platz verlassen und auch meine komplette Ausrüstung mitnehmen müssen. Ich fahre dann mit dem Zug von Merten nach Hennef und beende den Natursteig Sieg.
Mal sehen, wie weit ich dann noch komme. In Bonn werde ich in jedem Fall einen Zero-Day einlegen. Ich muss so einiges an Ausrüstung ersetzen müssen.Read more







