• Freude auf die Ruhe

    8 minutes ago in Germany ⋅ ☁️ 23 °C

    01.06.26
    Von Hennef nach Bonn

    Heute morgen um halb vier macht sich bei mir ein menschliches Bedürfnis bemerkbar. Und zwar äußerst dringend. Als hätte mein Körper festgestellt: Oh, ich habe ja gestern total vergessen zu schwitzen. Dann muss jetzt alles Überflüssige raus. Und zwar sofort! " Diese Situation ist mir bislang in den ganzen vier Wochen erspart geblieben. Draußen ist es dunkel, kalt, feucht und zum Waschhaus sind es 200 m. Ich habe aber keine Wahl. Ich muss aufstehen und überlege, anschließend gleich das Zelt abzubauen und loszuwandern. Aber allein das Anziehen ist in der Dunkelheit mit so viel Gekrame verbunden, dass ich davon Abstand nehme. Ich würde sonst wahrscheinlich die Hälfte meiner Ausrüstung verbaseln. Also krieche ich nach meiner Rückkehr wieder in den noch warmen Schlafsack und fühle mich ausgesprochen wohl. Das tue ich auch noch, als um 5 Uhr der Wecker klingelt. Nö, geht noch nicht. Erst um 6 Uhr schaffe ich es mehr oder minder widerwillig das Zelt zu verlassen. Nach dem Frühstück schaffe ich es immerhin, alles in 42 Minuten abzubauen. So langsam klappt das mit der Routine. (Ich weiß, dass andere darüber lachen).

    Auf einem schönen Weg geht es dann in Richtung Bahnhof Merten und in Hennef angekommen versorge ich mich erst einmal beim Bäcker. Ich nehme den gleichen Weg zum Trail, den ich vorgestern gekommen bin. 
    Die Temperaturen sind angenehm. Heute besteht keine Regengefahr.

    An einer Bergabpassage kurz vor Siegburg kommt mir ein wohlbeleibter Mann mit einem Kapuzenpulli bergauf entgegen. Die Kapuze trotz warmer Temperaturen über den Kopf gezogen. "Bergab ist es einfacher. "Das kann ich natürlich bestätigen. Er sieht den Weg wohl als sportliche Aufgabe. Er würde den Weg schon zum zweiten Mal machen aber sein Bauch ginge nicht weg. Den habe er auch über 30 Jahre mit Kölsch gut gepflegt. Lustiger Kerl. Ich habe das Gefühl, im Rheinland angekommen zu sein. 

    Ich erreiche dann das Ende des Natursteigs Sieg. Offiziell ist es der Startpunkt. Obwohl ich den Weg ja entgegengesetzt gegangen bin, ist mir nur eine einzige Fernwanderin entgegengekommen, die den Weg gewandert ist. Das wundert mich etwas, weil mir mehrere Einheimische erzählt haben, dass Sie den Weg schon gegangen seien. Der Weg hat in der Region eine gewisse Popularität. Ich hätte erwartet, dass ich mehr Leute treffen würde.

    Eine Schulklasse geht nach und nach an meinem Rastplatz vorbei. Der Lehrer fragt nach meinem Ziel. Ich beschreibe meine Tour kurz. Ein Schüler, der daneben steht, bekommt große Augen. Ich sehe ihm förmlich an, dass er sich fragt , warum der alte Mann so etwas macht.

    Das Zwischenstück zum Rheinsteig ist halt sehr städtisch. Aber dafür ist er sehr gut gekennzeichnet - ausschließlich mit NST-Aufklebern.

    Unterwegs treffe ich Rico mit seiner Mutter. Rico ist ca. 4 Jahre alt und hat großes Interesse an meinen Trekkingstöcken und warum ich sie gerade nicht benutze. Ich unterhalte mich noch mit seiner Mutter über das Wandern , das Pilgern und Wunden am Knie. Rico kommt aber immer wieder auf die Stöcke zurück.

    Kurz vor Beginn des Rheinsteigs verlasse ich den Trail. Mein Ziel ist eine Gaststätte mit eigener Brauerei in der Nähe. Laut Google hat sie auch montags geöffnet, aber ich bin da immer etwas skeptisch. Aber ich habe Glück. Ein tolles Lokal mit großem Biergarten und einem leckeren Rotbier. Und auch montags gut besucht. Einzig die Portionsgöße meines gegrillten Lachses wäre noch verbesserungsfähig. Die anderen Gerichte, die umzu serviert werden, sehen ausreichend aus. Ich brauche aber noch eine Portion Arme Ritter hinterher. Die waren aber auch richtig gut. 

    Ich freue mich auf den morgigen Ruhetag. Ich merke so ein paar Stellen an meinem Körper (linkes Knie , rechte Hüfte), denen eine Pause mal gut tun würde. Es lief alles so gut bisher . So soll es bleiben.
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