• Zero-Day in Bonn

    2. juni, Tyskland ⋅ 🌧 22 °C

    02.06.26

    Gestern waren es mit den Zu-, Ab- und Umwegen doch fast 38 km geworden. Und das wieder mit vollem Gepäck. Entsprechend kaputt war ich dann. Kurz vor 21 Uhr im Hotel eingecheckt und dann lief außer duschen und etwas Wäsche waschen nicht mehr viel. Ich bin einfach weggeratzt. Heute morgen war ausschlafen angesagt und erst nach 8.00 Uhr schäle ich mich aus dem Bett. Nach dem Frühstück falle ich in eine Phase der Passivität. Normalerweise sprühe ich in dieser Zeit vor Elan und Tatendrang. Heute komme ich hier nicht aus dem Hotelzimmer. Erst um 10:30 Uhr mache ich mich auf den Weg um ein wenig Ausrüstung zu ersetzen.

    Auf dem Weg zu meiner Shoppingtour komme ich an der Stiftskirche vorbei. Bereits gestern Abend war ich hier. Jetzt muss ich mal rein. Die Kirche ist menschenleer, aber an der Orgel gibt jemand ein Konzert. In diesem Moment nur für mich. Irgendwie ergreift mich die Situation. Allein in dieser Kirche und dazu diese ungeheure Klangvielfalt der Kirchenorgel. Bombastisch!

    Endlich im Shoppingmodus kriege ich mein Schuhproblem gelöst. Hoffe ich zumindest. Gleiches Modell und Größe wie meine alten Treter. Sollte keine Probleme machen. Mit den Stöcken ist es schwieriger. Der Verkäufer aus dem Kaufladen empfiehlt mir ein Geschäft in Bad Honnef. Da ich auch bei Globetrotter zwar andere Sachen, aber keine Stöcke finde, muss mein bandagierter Stock noch etwas aushalten. 

    Sitze schon seit einiger Zeit auf einer Bankliege auf einem Spielplatz und schreibe an diesem Eintrag. Irgendwie zieht mich hier nichts weg. Aber es ist langsam Zeit für einen Eisbecher oder ein Stück Kuchen. 😋

    Nach dem Käsekuchen schaue ich mal in das Bonner Münster. Sehr beeindruckend, vor allem der ganze Altarbereich und ganz besonders die Orgel. Ein so schönes Exemplar habe ich selten gesehen. Nach meinem Erlebnis heute morgen in der Stiftskirche hätte ich sie jetzt sehr gerne gehört. Aber man kann nicht alles haben.

    Und dann muss ich natürlich an dem Hariboladen vorbei. Das heißt, ich komme nicht vorbei. Ich muss da rein. Nur mal kurz an die Bar, wo man sich frei bedienen kann. Drei Jungen bedienen sich ebenfalls frei. So ganz frei. Ohne die Zangen oder Schaufeln zu benutzen, grabbeln sie mit ihren Händen in den Fruchtgummis rum. Hoffentlich haben sie sich nach dem Kacken wenigstens die Hände gewaschen. Ich spiele ein bisschen die Hygienepolizei und es scheint zu wirken. Ab jetzt werden Zangen und Schaufeln ordnungsgemäß benutzt. Als ich den Laden verlasse, ist mein Reisegepäck um 200 g Gummibären schwerer. Ich muss es heute im Laufe des Tages leichter machen.

    Um mich vor dem Regen zu schützen trinke ich noch ein Gläschen Weißburgunder vor einem Lokal. Und auf dem Rückweg warte ich an einer Ampel auf das grüne Männchen. Da fällt mein Blick auf ein Ladenschild und ich betrete seit mehr als 30 Jahren zum ersten Mal wieder einen Frisiersalon. Der Bart muss ab. Nun denn. So soll es sein.

    Für heute Abend hatte ich mir eigentlich vorgenommen, in einem spanischen Restaurant, das an das Hotel angeschlossen ist, zu essen. Aber wie das so ist, haben die ausgerechnet dienstags Ruhetag. Echt schade. Das sah gut aus.

    Aber ich finde noch ein nettes persisches Lokal, das fußläufig zu erreichen ist. Da Google-Bewertungen empfehlen, vorab zu reservieren, rufe ich vorher an. Die Dame am Telefon scheint überrascht und fragt nicht mal nach meinem Namen. Als ich da ankomme, weiß ich auch warum. Ich bin wieder mal der einzige Gast. Das passiert mir ja nicht zum ersten Mal. Schade, denn das Essen war sehr gut.

    So! Ein paar Gummibären tummeln sich noch in der Tüte. Morgen beginnt die sportliche Herausforderung. Vor dem Rheinsteig habe ich Respekt. Mal sehen wie ich mich schlage.
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