• Im Flow

    12. juni, Tyskland ⋅ ☁️ 17 °C

    11.06.26, Donnerstag
    Von Lahnstein nach irgendwo bei Kamp-Bornhofen

    Im Hotel gab es Frühstück erst ab 8 Uhr. Aus verschiedenen Gründen schaffe ich es mal wieder, erst gegen 10 Uhr aufzubrechen. Heute ist mal wieder ein Spontantag, das heißt, ich weiß noch nicht, wo ich abends schlafen werde. Von der Wegstrecke her wäre Kamp-Bornhofen ein gutes Ziel. Damit ich aber nicht 200 m vom Trail absteigen muss, hatte ich bei einer Ferienwohnung/Wanderhütte per Mail nachgefragt und im Laufe des Tages auch mehrfach angerufen. Ohne Reaktion. Nach den vielen festen Unterkünften der letzten Tage könnte jetzt aber auch mal wieder eine Campingnacht anstehen. Campingplätze gibt's hier aber nicht, es stehen aber einige Hütten entlang des Weges. Schaun mer mal.

    Ich komme früh ins Rollen. Die Beine machen gut mit. Und irgendwas ist anders. Ich mache gar keine Pausen. Eine weitere Besonderheit dann in Braubach. Da hat ein Kaffee geöffnet. Und ich gehe vorbei. Wo ich doch sonst aufgrund der vielen geschlossenen Biergärten und Lokale eigentlich jede Gelegenheit nutze, irgendwo einzukehren. 

    Vielleicht liegt es daran, dass die Hütten, mit denen ich liebäugele, weiter weg sind und ich deshalb Kilometer machen muss. Aber es liegt eher an dem Flow, indem ich mich befinde. Der Weg ist auch dafür gemacht. Ein ständiges Auf und Ab. Immer nur kurz, so dass die Muskeln ihre Abwechslung haben. Ich spüre auch das Rucksackgewicht nicht mehr. 

    Auf der Marksburg ist gut was los. Mehrere Schulklassen, auch englische, hatten oder warten auf eine Führung. Ohne Führung kann man die Burg nicht besichtigen. Sie hat aber eine Burgschänke. Die ich ebenfalls auslasse! Und meinen Pausensnack in aller Ruhe in einem Bereich einiger Picknickbänke einnehme. Ich weiß nicht warum. Irgendwas ist anders. 

    Der Weg führt eine Weile oberhalb des Rheins entlang. Nahezu ohne Ab-und Anstiege. Und immer wieder tolle Aussichten auf den Rhein , auf Spay auf Osterspay und später auf Boppach. Ich komme gut voran, vertrödele aber zu viel Zeit mit Fotos, von denen ich weiß, dass ich die meisten sowieso wieder lösche. 

    In Filsen soll dann die Entscheidung fallen. Hotel oder Hütte. Ich suche das Restaurant Rheinblick auf und hoffe, dass es nicht so edel ist. Der erste Blick nimmt mir die Sorge Der Blick auf die Speisekarte auch. Kein Gericht dass man nicht mit Pommes serviert bekommt. Auf der Terrasse sitzen fünf Männer beim Bier. Drinnen sitzt auch eine Männergesellschaft zu zehnt. Da werden auch schon die ersten Schnäpse eingeschenkt. Vielleicht noch nicht mal die ersten. 

    Ich frage die Wirtin, ob man schon was zu essen kriegt. Sie sagt, das würde gehen. Sie hätten aber heute den ersten Tag geöffnet und nicht alle Speisen wären verfügbar. Aber alles an Fleisch hätte sie da und Pommes auch. Gut, denke ich, dann ist das Frittenfett wenigstens frisch. 

    Jetzt entscheide ich mich für die Hüttenübernachtung. Die Hütten liegen weit oben und es geht eine ganze Weile stetig bergauf aber ich bin immer noch im Flow trotz eines fettigen Essens, das ich jetzt mit mir rumschleppe.. Für 8 Uhr ist Regen angekündigt, der dann anhalten soll. Ich nehme die letzte Hütte 301. Die hat breite Bänke. Da brauche ich mein Zelt nicht aufzubauen. Ich koche mir noch einen Tee , knabbere ein paar gesalzene Nüsse. Dann setzt Regen ein. Ich bleibe noch ein bisschen vor der Hütte sitzen, bis ich mich dann in meinen Schlafsack verziehe. Und dann schüttet es wie aus Kübeln.
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