• Nichts gegen Patrick Kelly, aber...

    13. juni, Tyskland ⋅ ☁️ 16 °C

    13.06.26, Samstag
    Von Camping Loreley bis irgendwo bei Kaub (Hütte)

    Die Nacht in vorwiegend weiblicher Umgebung endete um 6:30 Uhr. Kurz nach 7 Uhr verlasse ich den Campingplatz und stolpere über eine Bäckerei mit einem nett eingerichteten Gastraum. Gut, denke ich, dann dann nutze ich die Gelegenheit und frühstücke hier. Die Bäckerei ist voller Leute. Vorwiegend junge Frauen, vermutlich Kelly-Fans. Die meisten wollen nur Brötchen holen. Ich hätte jetzt gehen können, stelle mich aber trotzdem an. Das Angebot ist nicht überwältigend. So etwas wie belegte Brötchen gibt es nicht. Ich begnüge mich mit einem Croissant und Kaffee. 

    Weiter zum Rewe. Vorräte auffüllen. Als ich den Kassenbereich verlassen will, um beim dortigen Bäcker noch etwas Wegzehrung zu ergattern, komme ich gar nicht weiter. Alles verstopft. Vorwiegend mit jungen Frauen, bestimmt Kelly-Fans. Also muss ich ohne extra Ration gehen. 

    Nichts gegen Patrick Kelly, aber warum muss er ausgerechnet hier und heute ein Konzert geben? Die Kelly-Fans haben auch sämtliche Hotels und Herbergen in der Umgebung belegt. Da es im nächsten Streckenabschnitt auch keine Zeltplätze gibt, muss ich heute mal wieder gucken, wie der Tag so läuft.

    Am ersten Aussichtspunkt nutze ich die Gelegenheit, das Zelt zu trocknen. Dort treffe ich zwei NST-Hiker, Blasenfee und Wanderterminator. Sie laufen heute nur eine Etappe bis Kaub mit Tagesgepäck. Wir werden uns im Laufe des Tages noch häufiger treffen.

    An einer anderen Pausenbank kommt ein junges Pärchen dazu und besetzt die Bank nebenan. Er baut ein kleines Stativ auf und ich halte ihn für einen passionierten Hobbyfotografen, der jetzt eine tolle Kamera herausholt und richtig schöne Bilder vom Rhein machen will und auch kann. Aber er braucht das Stativ nur für sein Smartphone, mit dem er ein Selfie machen möchte. Das Stativ hält nicht und fällt mehrfach um. Ich frage, ob ich nicht vielleicht ein Foto von ihnen machen soll. Das scheint doch einfacher zu sein. Tatsächlich ist es das. 😆

    Als ich eine Hügelkuppe kurz vor der Loreley überquere, trifft mich der Schlag. Ein riesiger Parkplatz ist vollgestellt mit Autos. Und eine unendliche Menschenschlange steht in Reih und Glied und wartet darauf, auf das Konzertgelände zu kommen. Der Kontrast ist irre. Auf der Loreley ist ebenfalls jede Menge los, vor allem im Biergarten, den ich nur mal durchkreuze. Normalerweise hätte ich was getrunken, zumal es ein sonniger, warmer Tag ist, aber ich habe keine Lust anzustehen.

    Ein paar Kilometer später komme ich an die Rheinsteig Rast, wo es Kaffee, Kuchen und ein alkoholfreies Bier gibt. Da treffe ich neben Blasenfee und Wanderterminator auch zwei junge Frauen, die ebenfalls auf das Konzert wollen. Sie verbringen die Wartezeit aber nicht in der Schlange, sondern unternehmen stattdessen eine kleine Wanderung. Clever! Aber gut, dass das nicht alle machen. Dann wären die Wege überfüllt. 

    Ich habe mir inzwischen eine Hütte ausgeguckt, die noch 4 km hinter Kaub steht. Ist noch weit. Und die heutige Etappe ist wirklich ein ständiges Auf und Ab. Ziemlich anstrengend. 

    In Kaub esse ich in der Jugendherberge eine Tiefkühlpizza mit einem alkoholfreien Weizen und nutze die Gelegenheit um mein Wasser aufzufüllen und zu einer kleinen Katzenwäsche. Danach geht der Weg innerorts auf Asphalt steil bergauf. An einer Straußenwirtschaft, wo ordentlich was los ist, komme ich dann nicht vorbei. Der Weg war so steil. Ein Wein und ein Spundekäse gehen noch. Ich scheine aufzufallen. Als eine ü80 Gesellschaft aufbricht, fragt mich eine Dame ob ich den Eremiten kenne. Ich weiß nicht was sie meint. Roman? Bild? Nein, meint sie. Weil ich hier so alleine sitze. Verstehe ich nicht. Von einer anderen Gesellschaft erfahre ich, dass nächste Woche Roland Kaiser auf der Freilichtbühne auftritt. Na dann bin ich doch am richtigen Wochenende hier.

    Ich starte wieder und es geht hoch und hoch und hoch. Es ist aber ein sehr angenehmes Wandern. Die Luft ist kühl. Und eigentlich könnte ich auch in die Nacht reinlaufen. Aber um 21:30 Uhr erreiche ich die Hütte. Ich baue mein Zelt auf und lasse die Nacht kommen.
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