• Rheinsteig-Blues und Ende Teil 2

    15. juni, Tyskland ⋅ ⛅ 20 °C

    15.06.26, Montag
    Vom Campingplatz Suleika nach Bingen

    Gestern nach meinem Käsekuchen bot mir die Betreiberin des Campingplatzes noch ein Stück Erdbeerkuchen für den Abend an. Eigentlich bin ich... aber ja. Das Craft Beer zum Abendessen war nicht so ganz mein Fall. Aber ich konnte noch den ganzen Abend auf der Terrasse sitzen. Zwar spielte die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes WM-Spiel, aber irgendwie fehlte mir das Interesse. Das Turnier wird wohl ohne mich stattfinden. 

    Im Laufe des Abends sind noch einige Bikepacker angereist. Unter anderem eine junge Holländerin, die von der Schweiz aus nach Dänemark will.

    Die Nacht über habe ich wenig geschlafen. War wohl gestern doch zu viel Kaffee. Morgens ist es noch kalt und ich breche um 8 Uhr ohne Frühstück auf. 

    Der Anstieg zum Trail ist recht heftig und auch danach geht es erstmal steil bergauf. Ich treffe eine Hundehalterin, die sich mit dem Rheinsteig ganz gut auskennt und für die auch der NST nicht unbekannt ist. An der ersten Hütte gibt's Frühstück.

    Der Weg führt durch Wald und Weinberge nach Assmannshausen. Meine Hoffnung auf einen Kaffee stirbt zuletzt, aber sie stirbt. Vor 12 Uhr gibt es hier nichts. Es ist das letzte Mal, dass der Rheinsteig mich verarxxxt. Dass er mich aus unvorstellbaren Höhen an den Rhein runter schickt, nur damit ich feststelle, dass es da nichts gibt. Und mich anschließend 250 m wieder hochtreibt.

    Zum Glück gibt es am Jagdschloss Niederwald nicht nur ein Wildgehege , wo eine Schulklasse mit viel Enthusiasmus Rehe füttert, sondern auch ein nettes Lokal, wo ich mir eine Apfelschorle gönne.

    Ich habe jetzt zum Abschluss irgendwie den Rheinsteig-Blues. Ich habe keinen Bock mehr auf dieses ständige Auf und Ab, wobei es gefühlt im Zweifelsfall immer bergauf geht und falls es immer noch Zweifel gibt, steil bergauf. Ich möchte einfach mal wieder ebene Strecken laufen. Als hätte der Steig meine Gedanken gelesen, startet er eine immense Überzeugungskampagne. Noch im Oststeinschen Niederwald mit seiner Zauberhöhle. Und dann mit gigantischen Ausblicken, die bei strahlendem Sonnenschein alle anderen Aussichten der letzten Tage in den Schatten stellen. Als Höhepunkt dann das Niederwalddenkmal, das mit seiner Größe und Gestaltung trotz seiner zweifelhaften Botschaft einfach nur beeindruckend ist.

    Beim Abstieg nach Rüdesheim schwebt über mir die Seilbahn hinweg. Da kommt mir ein Gedanke. Hatte nicht Soulboy bei seinem NST eben diese Bahn genutzt? Egal. Bin schon zu weit unten.

    Mit der Fähre setze ich von Rüdesheim nach Bingen über und gehe die Rheinpromenade entlang, überquere die Nahe und komme dann zu meinem Zielpunkt, dem Trailhead des Soonwaldsteigs, den ich irgendwann auch mal in Angriff nehmen werde.

    Der zweite - und wahrscheinlich anspruchsvollste - Teil meiner Reise ist damit abgeschlossen. Ich hatte großen Respekt davor und bin froh, es geschafft zu haben. 

    Zur Belohnung habe ich heute Abend die beste Unterkunft überhaupt. Bei lieben Freunden, die nicht nur ein richtiges Bett und eine warme Dusche für mich haben, sondern auch ein leckeres - und gesundes - Abendessen, ein neues, köstliches alkoholfreies Bier, einen Komplettwäscheservice und einen Shuttleservice. Vielen, vielen Dank dafür.
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