Finished
July 8 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C
08.07.26, Mittwoch
Von Oberstdorf zum Haldenwanger Eck
Bei meinen ganzen Planungen im Vorfeld meiner Reise hatte ich immer die Vorstellung, dass ich am letzten Tag ganz früh starte, früh oben bin und früh zurück um dann nach Erreichen meines Ziels am Abend irgendwo gut Essen zu gehen und mich selbst ein bisschen zu feiern. Am nächsten Morgen würde ich dann in aller Ruhe nach Hause fahren.
Nun aber habe ich es mir aber gestern Abend schon sehr gut gehen lassen und sozusagen schon vorgefeiert. Denn meine heutige Planung sieht vor, noch die Nacht in der Nähe des Ecks zu verbringen. Von dort geht es dann zum Bahnhof. Es macht daher auch keinen Sinn, früh zu starten. Stattdessen nehme ich das sowieso bezahlte Frühstück im Hotel mit. Außerdem erinnere ich mich noch an den Spruch von Soulboy in einem seiner Filme: "Kein Ei, kein Speck, kein Haldenwanger Eck." So ähnlich jedenfalls.
Der Respekt vor der Strecke ist noch da, auch wenn er nicht mehr so groß ist. Die Touren im Oberallgäu hatten mehr Höhenmeter als die heutigen 1.300. Von daher bin ich mir sicher, das heute zu packen und freue mich auf die Tour.
Ich starte um 8 Uhr. Der Himmel ist bedeckt. Das wird auch so bleiben. Ist mir ganz recht. Das Ganze ist dann nicht so schweißtreibend und man muss sich nicht die Haut mit Sonnenmilch vollkleistern. Der Nachteil ist, dass die Fotos nicht so schön werden. Aber ich bin Wanderer und kein Fotograf.
Der Weg führt auf Schotterstraßen aus dem Ort in den Wald. Die Skisprungschanze reckt sich in den Himmel und an der Fellhornbahn ist schon jede Menge Betrieb
Betrieb ist auch auf den Wegen. Jede Menge Wanderer und vor allem Radfahrer sind unterwegs. Ist in Bayern wieder irgendein Feiertag, von dem ich nichts weiß?
Am (geschlossenen) Berggasthof Einödsbach mache ich Bekanntschaft mit Leo und Felix. Sie sind die Vorhut einer Schulklasse, die Richtung Rappenseehütte unterwegs ist. Weil die beiden so schnell sind, müssen sie immer auf die anderen warten, weshalb wir uns mehrfach über den Weg laufen.
Der Weg bleibt eine Schotterstraße. Eigentlich hätte ich es ihm übel genommen, aber ich bin zu gut gelaunt.
Seit Tagen habe ich kein Glück mit dem Grüßen. Um mich dem Gastland sprachlich etwas anzupassen, grüße ich in Bayern nicht immer mit "Hallo", sondern mit "Servus". In 80% der Fälle bekomme ich als Antwort ein "Hallo" zu hören. Natürlich nicht, wenn ich selbst "Hallo" sage. Aber heute, an meinem letzten Tag, kriege ich auf mein "Servus" ein deutliches "Moin" zu hören. Ha! Das habe ich mir seit dem Siegsteig abgewöhnt. Ein Ehepaar aus Braunschweig. Sie machen eine Tageswanderung und haben immerhin einige Schilder zum Haldenwanger Eck gesehen. Ich muss auf dem richtigen Weg sein.
Nach 12 km biegt der Weg endlich auf einen schönen Singletrail ab. Dort ist es gefühlt am vollsten. Der Spaß dauert aber nur einen Kilometer. Nach der Petersalpe, wo ich mir ein Stück Kuchen gönne, wechselt der Belag auf Asphalt. Und das für die nächsten 8 km. Irgendwie hatte ich mir die Strecke anders vorgestellt.
Bezüglich der Nacht suche ich schon mal nach Zeltmöglichkeiten. Aber entweder ist das Gelände zu uneben oder die Gegend zu einsehbar.
An der Schwarzen Hütte gibt's noch ein leckeres Brot und dann beginnt auch bald der Anstieg zum Eck. Es ist aber kein Vergleich zum Weg zum Staufner Haus. Die Höhe lässt sich relativ bequem bewältigen. Nicht sonderlich viel Geröll oder technisch anspruchsvolle Passagen. An der Trifthütte, dem südlichsten Gebäude Deutschlands, mache ich eine letzte Pause. Den Getränkebrunnen finde ich nicht. Gibt's den noch?
Dann der letzte Aufstieg. Jetzt gibt es noch kurz was zu klettern und dann sehe ich ihn. Den Grenzstein Nr. 147. Und dann bin ich da.
Es war kein Thruhike. Und vom gesamten Nord-Süd-Trail dürfte ich jetzt wohl nur knapp über die Hälfte geschafft haben. Es sind noch große Lücken zu schließen. Dennoch ist dieser Moment etwas sehr Besonderes. Ich hatte diese Reise über ein Jahr geplant, war knapp 10 Wochen unterwegs, war mit etlichen neuen Herausforderungen konfrontiert und habe sie alle gemeistert. Ein bisschen erfüllt mich das mit Stolz.
Es ist windstill und von den Temperaturen her angenehm. Ich bleibe noch eine halbe Stunde oben und telefoniere kurz mit der besten Wanderin von allen.
Dann muss ich mich ja noch um einen Schlafplatz kümmern. Ich gehe erstmal wieder runter zur Trifthütte und mache mir was zu essen. Dann entscheide ich mich, heute Nacht hier zu bleiben. Das Gras auf dem Grundstück war gerade gemäht worden. Ich mache mir eine kleine Fläche halbwegs plan. 2 Stunden muss ich noch aushalten. Dann baue ich um 9 Uhr das Zelt auf. Es ist ziemlich frisch geworden und auf einmal wird's sehr windig. Mit den Bierzeltgarnituren baue ich mir einen Windschutz. Als ich nachts noch einmal rausgehe, nehme ich den Sternenhimmel wahr. So kenne ich ihn von Zuhause nicht. Diese Dunkelheit gibt's bei uns nicht mehr.Read more















TravelerGlückwunsch zum Erreichen des Ziels! Und natürlich ganz viel Spaß beim Schließen der Lücken auf deinen kommenden Touren ;)
TravelerMega! Herzlichen Glückwunsch! 🍾🎊 💐
TravelerHerzlichen Glückwunsch, einiges kommt mir bekannt vor. 😁