Durch die Dinarischen Alpen nach Sarajevo
Yesterday in Bosnia and Herzegovina
🌙 12 °C
Heute ging es von der Bucht von Kotor einmal quer durch die Dinarischen Alpen: über das Orjen-Massiv, karge Karstplateaus, den Čemerno-Pass auf rund 1.300 m und durch die Sutjeska-Schlucht hinunter ins Drina-Tal.
Am Grenzübergang Vraćenovići–Deleuša kontrollieren Montenegro und Bosnien und Herzegowina gemeinsam an einer Station: ein Stopp, zwei Länder. Dahinter begrüßte mich ein Schild auf kyrillisch: „Willkommen in der Republik Srpska". Das Lesen der kyrillischen Schrift klappt selbst während der weiteren Fahrt immer noch erstaunlich gut.
Seit dem Dayton-Abkommen von 1995 besteht das Land aus zwei Landesteilen, der serbisch geprägten Republika Srpska und der bosniakisch-kroatischen Föderation. Die Grenze dazwischen merkt man kurz vor Sarajevo nur daran, dass die Schilder plötzlich wieder lateinisch sind.
Der Landesname hat damit übrigens nichts zu tun. Er geht auf zwei historische Regionen zurück: Bosnien im Norden, benannt nach dem Fluss Bosna, und die Herzegowina im kargen Süden, das „Land des Herzogs", nach einem Landesherrn aus dem 15. Jahrhundert, der sich so nannte. Bis zum Čemerno-Pass war ich in der Herzegowina unterwegs, danach in Bosnien.
Sarajevo, mein heutiges Tagesziel, ist eine Stadt, in der Geschichte buchstäblich unter den Füßen liegt. An der Lateinerbrücke wurde 1914 Franz Ferdinand erschossen, was als Auslöser des Ersten Weltkriegs gilt .Ein paar Schritte weiter markiert eine Linie im Pflaster ("Meeting of Cultures") die Stelle, an der die österreichisch-ungarische Stadt in die osmanische übergeht. Westlich stehen Kathedralen und Prachtbauten, östlich beginnt die Baščaršija mit Moscheen, Kupferschmieden und dem Duft von Ćevapi (die übrigens mein Abendessen waren).
Kaum noch zu erkennen sind die „Sarajevo-Rosen": Granateinschläge aus der Belagerung von 1992 bis 1996, die mit rotem Harz ausgefüllt wurden. Sie markieren Stellen, an denen Menschen ums Leben kamen. Fast vier Jahre lang war die Stadt eingeschlossen, über 11.000 Menschen starben. Der Krieg hat seine Spuren, wenn auch nicht mehr sehr deutlich sichtbar, hinterlassen.
Dann ging es hinauf zur Gelben Festung. Von dort liegt die ganze Stadt im Talkessel unter einem, im Abendlicht leuchten die Minarette über dem Dunst, und am Hang darunter reihen sich die weißen Grabsteine.
Zum Schluss gab es noch einmal einen kleinen Spaziergang durch die abendliche Altstadt.
Da habe ich schon fast wieder vergessen, dass ich für 270 km fast 6 Stunden unterwegs war.
Das Land hat übrigens als Währung die "konvertible Mark", die ein direktes Erbe der deutschen Mark ist. Sie hat genau den gleichen Wert wie die D-Mark früher: 1€ = 1,95583KM. Die Untereinheit heißt Feninga, abgeleitet vom Wort "Pfennig".Read more












































