• Unterwegs am Wendelsteinmassiv

    October 16 in Germany ⋅ ☁️ 6 °C

    Eigentlich waren meine beiden Urlaubstage für ein verlängertes Salsa-Stadt-Wochenende in Prag geplant, doch das klappt leider nicht. Aber nicht wirklich wild, denn es musste dringend ein Familienbesuch mit meinen Eltern bei meinen Paten in München sein. Da das Wetter in den Bergen schön werden sollte, die Herbstfarben derzeit so wunderbar strahlend-bunt sind und sich die doch weitere Fahrt lohnen sollte, entstand die Idee, zum Wendelstein zu fahren, weil dort für meine Eltern sowie für mich etwas zu machen war. Während meine Eltern nach der gemeinsamen Seilbahn-Auffahrt den Gipfelweg einschlugen, bin ich erstmal runter zur Zeller Scharte gejumpt. Mein Ziel: die Wege zu Kesselwand und Soinwand finden, zwei deutlich sichtbare Gipfel mit Kreuzen, aber nicht angeschrieben. Obwohl der Wendelstein selbst leider die meiste Zeit von einem Nebel-Wolken-Häubchen umgeben war, ergaben sich einmalige Durchblicke, Himmelsspiele - teils über die Wolken hinweg und hindurch. Nach dem Aufstieg hinter der Zeller Scharte - von der hatte ich schon einen schmalen, unbeschilderten Pfad gesehen, der von dort direkt auf die Soinwand führen könnte, ich wähle aber erstmal bekanntes Terrain - gehe ich hinter der Wand auf der sanften Seite vorbei und am großen Kessel der Soinalmen mit Soinsee, den ich das erste Mal entdecke, am Hang hoch zum Rücken der Soinwand. Mir begegnen kaum Menschen und wenn dann Einheimische - so wie die Gams, die mich von einem Felsrücken etwas unterhalb neugierig in den Blick nimmt. Schon bin ich am Gipfelaufbau aus Latschen und Felsen, in der sich manch schöne Flora versteckt und für die man ein paar Hände zum Kraxeln braucht, angekommen. Von dort bietet sich eine tolle Rundumsicht. Wenn mir nicht die Zeit etwas im Nacken sitzen würde, ich würde noch länger an der Soinwand 1756m stehen und schauen, wie sich die Wolken verändern, wo wieder Berge hervorspitzen und die Sonne wie ein Scheinwerfer hindurchleuchtet. Die klare Luft, die faszinierende Natur, die freien Gedanken - ich spüre, wie gut mir das alles tut! Ich marschiere wieder zurück bis zum Abzweig zur Kesselwand 1721m, den ich am Herweg bereits gesehen, aber erst einmal links liegen gelassen hatte. Es geht teils steil und rutschig wegen Schotterpassagen und nassem Boden nach oben. Dort ist beeindruckend, wie wild-senkrecht die Wand hin zur Scharte abfällt, wie uneinnehmbar wie hier wirkt. Bevor ich wieder ein Stück zum Rücken der Soinwand hinaufgehe, um den dort zwischen Latschen erspähten Weg, den ich am Anfang schon von der Scharte aus gesehen hatte, zurück zu nehmen, hole ich meinen Herz-Stein, den ich am Astberg gefunden hatte, aus der Hosentasche und schieße ein Foto mit dem Soin-Kessel als Hintergrund - weil es noch immer schlägt nach dem Scheiß mit der Herzmuskelentzündung vor einem Jahr und mich durch die Berge bringt, weil es für die Berge und für Bergmenschen schlägt! Rasch mache ich mich auf den Weg hinauf zum Wendelsteinhaus, um dort mit meinen Eltern noch was zu essen (lecker Germknödel), damit wir rechtzeitig zum Kaffee bei meinen Paten sind. Meine kleine Erkundungstour hat rund 1,5 Stunden gedauert - Zeit nur für mich, zum Durchatmen und Genießen, Bewundern, Innehalten, Klarwerden. Zum Abschluss noch ein paar nette Kuriositäten mit einer männlichen Bedienung, die mich rechts antippt, dann von links abräumt, einem Kerl, der mich auffallend freundlich mit Servus grüßt, als würde er mich kennen. und dem doch recht attraktiven Seilbahnfahrer um die 50, der mich erst mustert und dann die Sonnenbrille aufzieht ganz cool. Fazit: der beste Kompromiss für diesen Tag!Read more