Geigelstein 1808m
19. januar, Tyskland ⋅ ☀️ 2 °C
Nachdem in den beiden vergangenen Jahren der Vorsatz "einmal im Monat in die Berge" bestens geklappt hat, mach ich damit einfach weiter. Der Wetterbericht versprach Sonnenschein pur, die Schneelage sollte überschaubar sein und mein lieber Wander-Hans hat mich dann genau zu der Tour inspiriert, bei der wir uns vor vier Jahren kennengelernt haben, wofür ich wahnsinnig dankbar bin (Der Göll war echt die Tour schlechthin!). Also auf zum Geigelstein! Angegeben war der Aufstieg mit 3:15 Stunden bis 3:30 Stunden, sieben Kilometern etwa und 1115 Höhenmetern. Mit drei Stunden hab ich geliebäugelt, aber da hatte mir meine Erinnerung nicht verraten, dass der Auftakt doch gleich echt steil war. Von Beginn hat mussten die Grödeln her - und das fast noch in den ersten Sonnenstrahlen des Tages, da ich um halb acht losmarschiert bin. Was für eine schöne Stimmung und kein Mensch unterwegs; die ersten Leute hab ich tatsächlich erst mittags an der Schreckalm gesehen - als ich dort Pause gemacht habe und die anderen aufstiegen. Die Sonne blitzte immer wieder durch die Bäume, der Pfad ist wie damals malerisch. Der Jägersteig - nur im Sommer begehbar; von wegen ;-) Als ich dann oben aus dem Wald herauskomme, öffnet sich erstmals das Panorama, der Schnee glitzert. Stille. Beschwingt marschiere ich an Schreckalm und Sulzingalm vorbei, auf die Uhr schaue ich nicht. Dann kommt der Kessel und der Geigelstein liegt vor mir. Ich wusste noch, dass mir damals dort echt die Puste ausgegangen war, ich mich hochquälen musste, weil es im Winter einfach gerade und steil bis zum Sattel hochgeht - auf welchen der vielen Skitouren-, Schneeschuhtoure- und Wanderspuren auch immer. Ich gehe kontrolliert, aber stetig - und wenn ich eine Pause brauche, wie immer mal wieder am letztem fiesen Aufschwung durch Latschen zum Gipfel, dann mach ich einfach Fotos. Es ist eisig, der Wind frischt auf. Auf dem durchaus anstrengenden Weg durch den Kessel wird mir klar: Man geht im Leben immer weiter, kommt eigentlich nie an; man macht Rast, hat eine Homebase, geht mal schneller, mal langsamer. Wenn ich am Gipfel bin, muss ich ja wieder zurückgehen. Also gehe ich weiter - auch in meiner Arbeit; und wenn eine Abzweigung kommt, dann kann ich entscheiden, ob ich sie nehme oder nicht. Nach 2:45 Stunden bin ich oben; das Herz ist ab und an gestolpert, hat sich aber bestens eingegroovt. Dieser Ausblick macht sprachlos, vor allem als dann noch mindestens Heißluftballons am Himmel auftauchen. Traumtagerl mit bunten Farbtupfern. Kein Mensch ist in Sicht. Ich bin alleine, aber nicht einsam. Wie vielleicht manchmal im Alltag. Hier oben ist man so für sich unter der Macht der Berge, man muss selbst wissen, ob man es schafft oder nicht, ob man es sich zutraut oder nicht. Alles ist klar und einfach. Nachdem es echt ziemlich pfeift, fällt mein Genussmoment nur rund 15 Minuten kurz aus, aber ich habe einen Plan B - zurück zur Schreckalm. Auf dem Rückweg fliegen die Gedanken durch den Kopf - wie Angst um die Redaktion, wenn ich weg bin - und jede Menge Vorfreude auf die Almzeit im Sommer! Ich vespere mit Kaiserblick. Die Sonne strahlt mir ins Gesicht und der Wind singt sein Lied dazu. Ich hätte ewig sitzen können. Aber auch der restliche Weg ist schön, macht mir klar, was ich hinaufgeschnauft bin. Immer wieder laut mitsingend düse ich nach Hause. Und jetzt, wenn ich am Sofa sitze und das hier tippe, hab ich die Sonne noch immer im Gesicht und die Momente des Tages im Herzen!Læs mere














RejsendeWie immer sehr treffend und persönlich beschrieben. Ich kann es richtig miterleben, auch weil ich Dich kenne, und mitfühlen kann.
Rejsende💜
RejsendeEin Träumchen!
Rejsendeoh ja, das war es. Das war so ein "alles-richtig-gemacht"-Tag!