Zum Taj Mahal in Agra
Mar 15–16 in India ⋅ ☀️ 30 °C
Die REM-Phase im Schlaf ist, je machdem wieviel Erlebnisse das Gehirn verarbeiten muss, länger oder kürzer. Als wir am Frühstückstisch unseres Hotelrestaurants saßen, das sich anscheinend auch für andere Urlauber der Umgebung als sichere (Sand-)Bank in einem Haifischbecken herausstellte, zuckten unsere Lieder noch immer. Wir konnten unseren Fahrer noch kurz vor Mordor überreden unser Hotel anzusteuern und haben dann beschlossen, den gestrigen Tag zu Ende gehen zu lassen. Ohnehin ist der heutige Tag schon wieder voll verplant.
Nach dem Frühstück geht es inklusive unserer gepackten Tagesrucksäcke für Agra zu Humayun‘s Tomb, dem Grabmal des zweiten Kaisers des indischen Mogulreichs. Dort erlebten wir Schulklassen oder vielleicht auch ganze Schulen, so viele Kinder waren es, die uns über den Weg liefen; alle in Schuluniformen und getrennt zwischen Mädchen und Jungen. Euphorische Kontaktaufnahmeversuche gab es eher von den blau Uniformierten. Die Mädchen aus Delhi wirken auf uns generell viel zurückhaltender und angenehmer. Jungen üben sich wohl früh darin Grenzen auszutesten.
Am Sonntagnachmittag nehmen wir von einem der südlicheren Bahnhöfe Delhis einen Schnellzug nach Agra, wo wir den Taj Mahal und die Agra Fort besichtigen möchten. Die Zugtickets haben wir vorab online gebucht und steigen in einen komfortablen Zugteil, bei dem nur das Muster auf den Sitzen an die Deutsche Bahn erinnert😆 Im Übrigen ist der Service wirklich klasse - der Zug startet auf die Minute pünktlich und jeder Passagier erhält zu Beginn der Reise eine Literflasche Wasser. Wir sind ziemlich überrascht, als ein Zugbegleiter auch noch mit einem kleinen Tablett mit Snacks, Apfelsaft und heißem Wasser für einen Instant-Masala Chaitee vorbeikommt, da unsere Tickets offensichtlich Verpflegung enthalten. Nach knapp zwei Stunden Zugfahrt kommen wir am Bahnhof in Agra an und starten einen unserer kläglichen Versuche, vom Bahnhof in unsere Unterkunft zu laufen. Natürlich mal wieder ohne die Rechnung mit den unzähligen Rikscha-, TukTuk- und Taxifahrern gemacht zu haben, die sich auf uns stürzen und mit aller Überredungskunst und allerlei Finessen versuchen, uns ihre Fahrdienstleistungen anzubieten (ich bin immernoch überrascht, dass unsere Füße in all dem Gewusel heile geblieben sind 🙈😅). Nach einigen Metern geben wir auf und steigen zu Herrn Khan ins TukTuk, der offensichtlich eine wahre Institution unter den Fahrern in Agra ist und uns stolz einen Zeitungsartikel über ihn und ein vollgeschriebenes Gästebuch für die Gäste aus seinem TukTuk zeigt. Er bringt uns gut in unser Hotel, das einfach, aber sehr sauber mit höflichen und hilfsbereiten Mitarbeitern ist. Besonders gut gefällt uns, dass es über einen grün bepflanzten Innenhof verfügt, wo man etwas essen und trinken und sich vom Gewusel der Stadt erholen kann. Wir lesen noch die Indian Times im Bett, so wie es sich für einen Sonntag gehört. Dabei stoßen wir auf die ausführlichen Kontaktanzeigen und erfahren, dass der „Singlemarkt“ anscheinend nicht vollständig über Tinder und Co abgewickelt wird. Es gibt klare Kategorien, von Community, Language und Religion bis hin zur Kaste. Dann ging es aber früh ins Bett, denn uns wurde von mehreren Seiten empfohlen, den Taj Mahal früh morgens zu besichtigen.
Also stehen wir am nächsten Morgen sehr früh auf und fahren mit dem TukTuk zum Westeingang des Taj Mahal. Auf den letzten Metern zum Eingangstor müssen wir zunächst wieder eine Horde von Guides abwimmeln, die uns ihre Dienstleistungen anbieten möchten und uns nicht mehr von der Seite weichen. Wir beide möchten jedoch lieber in unserem eigenen Tempo über das Gelände laufen und dank unserer zunehmenden Routine im Umgang mit emsigen Verkäufern und Fahrern lässt man uns letztlich in Frieden. Als wir um 6 Uhr morgens durch die Eingangskontrolle auf das Gelände laufen, dämmert es nach und nach. Als wir den ersten Blick auf den Taj Mahal erhaschen, merken wir, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hat. Das Gebäude mit seinen Nebengebäuden und Gärten ist wirklich wunderschön, vor allem im Dunst der frühen Morgenstunden. Wir lassen uns treiben ohne uns dem Foto-Hype zu entziehen und freuen uns besonders über die wunderschönen, bunten Kleider und Saris der indischen Frauen. Als das Gelände gegen 10 Uhr morgens endgültig überlaufen ist, machen wir uns auf den Weg zum Agra Fort, das fußläufig vom Taj Mahal aus zu erreichen ist. Da beide Gebäude in einem abgetrennten Bereich sind, können wir dieses Mal wirklich laufen 😃 und erkunden nach einer Pause im Schatten die unterschiedlichen Gebäude der Agra Fort, die ursprünglich eine Festung, anschließend während der Moghul-Zeit als Regierungssitz und heute noch teilweise vom Indischen Militär genutzt wird. Begeistert von den vielen verzierten Bögen und Mustern sowie dem tollen Kontrast aus weißem Marmor und dem für Nordindien typischen roten Sandstein, beschließen wir, zum Mittagessen in unser Hotel zu fahren. Die Wahl des TukTuk-Fahrers ist wieder einmal mit einigen Hürden verbunden, denn Kai hat einen zurückhaltenden älteren Fahrer ausgewählt, was der jüngeren Konkurrenz überhaupt nicht passt. Es wird gedrängelt, wild gestikuliert und allerlei Preise ausgerufen, bis wir schließlich ins TukTuk geklettert sind. Leider erweist sich unser Taxifahrer als nicht unbedingt ortskundig, sodass Kai kurzerhand die Navigation übernimmt. Da uns ebenfalls die Ortskunde fehlt, fahren wir geradewegs durch das lokale Automechnaniker-Viertel - was allerdings gefühlt nebenbei auch noch eine Schuster-, Schreiner-, Tischler- und sonstige Werkstatt, Lebensmittelladen, Straßenrestaurant und Bauernhof ist 😅🎉. Wir geben uns größte Mühe, das Gewusel und die Fülle an Menschen, Tieren, Fahrzeugen, Bauschutt, Müll, Geräuschen und sonstigem Allerlei irgendwie zu erfassen, scheitern jedoch und düsen staunend durch die Gassen. Im Hotel angekommen, essen wir im ruhigen, grünen Innenhof zu Mittag und entscheiden, dass wir zunächst einmal eine Pause vom Gewimmel der Straßen in Agra brauchen. Wir haben nur wenige Stunden geschlafen und insbesondere ich merke, dass mein Körper zwischendurch ausreichend Zeit braucht, um das Erlebte zu verarbeiten. An diesem Tag haben wir allerdings etwas viel Zeit zur Erholung, denn unser Zug zurück nach Delhi geht erst um 19h. Glücklicherweise dürfen wir die Zeit im Innenhof des Hotels verbringen - das Hotelpersonal fragt sich im Laufe des Nachmittags vermutlich, ob wir jemals abreisen werden oder im Innenhof dauerhaft sesshaft werden 😅🤦🏼♀️. Beim Check-out nehmen sie es aber mit Humor und wir machen uns auf dem Weg zurück nach Delhi. Dieses Mal gab es nur noch Tickets für einen Schlafwagen, den wir nach dem langen Tag zu schätzen wissen. Es gibt Kissen und Decken und wir haben Spaß, unsere routinierten Mitreisenden zu beobachten. Nach gut drei Stunden Fahrt kommen wir wieder gut in Delhi an und schaffen es dieses Mal tatsächlich zu Fuß in unser Hotel zu gelangen. Dabei waren wir dieses Mal fest entschlossen, ein TukTuk zu nehmen - allerdings wollte man uns die Fahrt mehrfach zum etwa Zehnfachen des üblichen Preises verkaufen, sodass wir uns letztlich doch entschieden zu laufen und dieses Mal auch nicht aufgehalten werden. Entspannt sind wir dabei jedoch keineswegs - der Verkehr in Delhi ist wirklich wahnsinnig unübersichtlich und nach unserer Wahrnehmung auch nicht ungefährlich. So sind wir sehr erleichtert, als wir gegen 23 Uhr in unserem Hotel ankommen und im angrenzenden Café sogar noch ein Abendessen bekommen. Nach dem langen Tag fallen wir schließlich völlig erschöpft ins Bett und schlafen durch bis zum nächsten Morgen. Nach dem Aufwachen freuen wir uns auf ein letztes Frühstück in unserem Hotel, das wirklich köstlich war. Neben kontinetalem Frühstück gab es täglich verschiedene indische Speisen, wie vegetarische Curries, Chapati-Brote, gebratenes Gemüse, Kartoffelstampf mit Gewürzen, Focaccia mit Raita und frisches Obst. Der Verkehr zum Flughafen ist recht ruhig und auch der Flughafen ist - im Gegensatz zu den Bahnhöfen, die wir bisher in Delhi gesehen haben - sehr übersichtlich aufgebaut und gut organisiert. Bei einem vorerst letzten Kaffee in Indien sind wir nun gespannt auf unsere Zeit in Nepal, wovon wir Euch gerne in den kommenden Tagen berichten.Read more






























TravelerGanz lieben Dank ☺️ Wir sind wirklich ganz überwältigt von all den Eindrücken und freuen uns, dass wir so vieles erleben dürfen. Liebe Grüße 🤗