• Kapan - die Ruhe Buddhas vor dem Sturm

    March 20 in Nepal ⋅ ☁️ 24 °C

    Im sogenannten Kathmandu Valley, nördlich des Stadtzentrums, ist die, entgegen der Bevölkerung zu 80% Hinduistisch geprägten Tempellandschaft, von Buddhistischen Tempel, geprägt. Geht es in Hindutempeln sehr lebhaft zu, sind Buddhistische Tempel für Ruhe bekannt. Der Alltag der dort lebenden Mönche besteht aus drei Meditationen pro Tag. Die erste ist ganz früh morgens vor 6, die anderen beiden in den Abendstunden von 17 bis 18 und von 19 bis 20 Uhr. Den Rest des Tages gehen die Mönche verschiedenen Arbeiten nach oder werden unterrichtet; von ganz normalen Lehrrern, in ganz normalen Fächern. Woher wissen wir das? - Unter anderem von Surendra, einem English, SoWi und Nepalilehrer, den wir kennengelernt haben. Aber dazu später mehr.

    Am „Morgen“ unseres vierten Tages in Kathmandu, wir pflegen die letzte Charge des Frühstücksbuffets die unsere zu nennen, machen wir uns gegen 12 Uhr auf den Weg zum Pullahary Monastery. Wir ließen uns von einem Taxifahrer quer durch die Stadt fahren, bis ganz oben auf den Hügel. Hier traten wir in eine fast menschenleere Tempelanlage, die ruhig über der Stadt thront, ein. Zwei Gärtner jäten auf der kreisrunden Wiese vor dem Haupttempel Unkraut. Mönche im Alter von 5 oder 6 bis hin zu jungen Erwachsenen huschten in roten Roben an uns vorbei, grüßten freundlich und gingen weiter auf den Tempel zu, der wegen der verspiegelten Fenster nicht einsehbar ist. Traut man sich aber nah an die Scheibe heran um hineinzuschauen, sieht man einen quadratischen Meditationsraum mit einem großen Teppich ausgelegt und einem zentralen kleinen Podest. Die Umgänge unter den weit auskragenden Dächern des Tempels sind allseitig mit bunten Malereien verziert und wirken auf Grund der Farbwahl sehr fröhlich. Ein Abbild Buddhas befindet sich auf der Unterseite des Daches.

    Nach einiger Zeit brachen wir auf, um auf dem Weg zu einem, fußläufig in 15 Minuten erreichbaren, zweiten Buddhistischen Tempel in einem Café Halt zu machen. Dabei wurden wir von dunklen Wolken verfolgt, die uns aber nicht beeindruckten, denn etwas Regen hat bekanntlich noch Niemandem geschadet. Unsere Wahl fiel auf ein von einer Künstlerin, als Nebenverdienst, betriebenen Biokaffee, das sehr gepflegt und gemütlich daher kam. Wir aßen die besten Momos und intensivsten Bananen, an die wir uns erinnern konnten.

    Bei leichtem Regen gingen wir weiter um wenige Minuten später, einer nicht asphaltierten Straße folgend, unter einem Vordach, vor geschlossenen Rolltoren Unterschlupf zu finden. Dort standen wir nicht lang alleine. Zwei Nonnen, eine Mutter mit zwei Kindern und ein Mann, der zuvor einen Sandhaufen abdeckte, leisteten uns Gesellschaft. Mit dem Herrn kamen wir ins Gespräch; über den Regen, unsere Herkunft, unseren Urlaub, wieder über den Regen und schließlich zu der Frage, ob wir mit hoch kommen wollten. Schließlich stünden wir auf seiner Veranda. Er öffnete eine Tür im Gitterzaun, neben dem aufgehenden Gebäude und lud uns ein in seinem Wohnzimmer im Trockenen zu warten. Wir sagten nicht nein.

    Es ist schon erstaunlich wo man hingelangt, wenn man einfach öfter mal ‚ja‘ sagt. Nämlich unter anderem in die Wohnung von Surendra, einem English, SoWi und Nepalilehrer, der uns, in seinem Wohnzimmer und auf weichen Sofas sitzend, die Fotos an den Wänden erläutert. Dargestellt sind Bilder seiner Kinder, sowie von ihm und seiner Frau und natürlich von Ganesha, dem Gott der Weisheit, des Wissens und des Neuanfangs, so wie es zu einer Akademikerfamilie passt. Nach all den Erfahrungen in Neu Delhi fühlen wir uns hier sicher, auch wenn sich mehrere Fragen aufdrängen:
    1. Sind hier nicht noch andere Personen im Haus? Wir haben doch seine Frau schon gesehen, oder?
    2. Wird das zu einem handfesten Gewitter herangewachsene Unwetter, das die „Straße“ mittlerweile komplett aufgeweicht haben müsste, im Zeitkorridor einer angenehmen Wohnzimmerkonversation mit Fremden auch wieder vorübergehen?
    3. Was wenn nicht?
    Meine Gedanken werden von der Frage abgelenkt, ob wir gerne einen Tee mit Milch trinken wollen würden? Unsere Antwort auch diesmal: „Ja!“ Und so rief Surendra in das Haus hinein. Seine Tochter, sein Sohn und seine Frau kamen heraus. Damit war Frage 1 schonmal beantwortet. Zumindest zum Teil, denn es gab anscheinend noch einen, etwas älteren, in Hamburg lebenden Sohn, der kurzerhand angerufen wurde. Surendra hielt ihn uns hin. Allseits überrascht, in Hamburg erst einmal aus dem Bett fallend, grüßten wir den in Deutschland studierenden Sohn aus seinem eigenen Wohnzimmer heraus.

    Einige Minuten später, den Tee schon wieder leer, waren Handynummern ausgetauscht und mehrfache Einladungen im Haus zu übernachten ausgesprochen. Da wir ablehnten wurde gemeinschaftlich versucht mit InDrive, dem Nepalesichen Uber, ein Taxi zu finden, dass sich bei diesem Wetter traut, hier hoch zu kommen. Ein mutiger junger Fahrer sagte zu und Surendra redete ihm gut zu bis er in den schlammigen Fahrrillen angeglitten kam. Wir verabschiedeten uns von unseren ersten Nepalesischen Freunden, drückten die Daumen sicher in die Stadt zu rutschen und waren uns irgendwie einig darüber, dass wir diese Familie wiedersehen werden.
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