Ghorepani Ghandruk Circuit Trek I/II
Mar 31–Apr 3 in Nepal ⋅ ☁️ 14 °C
Dann war der Tag endlich gekommen, an dem unsere mehrtägige Wanderung zum Poon Hill, nördlich von Pokhara, begann. Die Planung des Rundwanderweges erfolgte einige Tage zuvor, mit Hilfe der erwähnten Trekking-Agentur Three Sisters, die Wanderungen ausschließlich von und hauptsächlich für Frauen begleitet. Unsere Guide Indra ist eine circa 1,50m große, aus einem kleinen Dorf Ostnepals abstammende, 37 jährige, außerordentlich nette und zurückhaltende Frau, die uns, zusammen mit dem Fahrer eines großen SUVs, von unserer, immernoch in weiße Watte gepackte, Unterkunft abholte.
Indra gehört einem der, wie wir im Verlauf unserer Wanderung erfuhren, circa 120 Stämme Nepals an, in dem, genau wie in allen anderen, eine eigene Sprache gesprochen wird. Damit spricht auch sie drei Sprachen; Nepalesisch, Englisch und die ihres Stammes. Der Stamm ist allerdings nicht mit der Kaste zu verwechseln. Die Kasten haben einen kulturellen Hintergrund und sind für uns noch schwer zu differenzieren, außer, dass sie im Nachnamen ablesbar sind. Indra gehört zur Kaste der Raj und stammt von einem Volk aus der Mongolei ab, was man auch sieht, da sie ein eher rundes Gesicht hat. Unser ehemaliger Gastgeber und Bergsteiger Sonam Tshering Sherpa, der Hansi das Leben rettete, gehört hingegen zum Stamm der Sherpa.
Unabhängig davon verspürten wir mit Indra an unserer Seite den passenden Vibe für die anstehende Wanderung. Im Vergleich zu vielen anderen Wandergruppen, die sich aus überraschend unterschiedlichen Konstellationen zusammensetzten, hatten wir keinen zusätzlichen Porter, der unser Gepäck trug. Somit trug jeder von uns sein eigenes Gepäck; für uns Europäer auch ein Stück weit sinnbildlich für den Weg des Lebens. Vergleichsweise zu jedem anderen Weg in Europa, der für einen Spaziergang geeignet ist, haben wir hier jedoch keine Jacobsweg-Muschel entdeckt. Auch mal ganz schön! 😊
Die 5 Tage wurden in sehr unterschiedliche Etappen eingeteilt. So war es geplant den ersten Tag, von Birethanti aus, mit circa 3 Stunden und 300 Höhenmetern ganz ruhig angehen zu lassen und am zweiten Tag dann, in circa 8 Stunden, weitere 1.600 Höhenmeter zu bewältigen. Hochmotiviert wie wir waren, nicht zuletzt weil die Tour bereits verschoben wurde, fragten wir Indra ob wir etwas umplanen könnten. Das schien kein Problem zu sein, sodass wir die steile Treppe mit 3.360 Stufen am ersten Tag zusätzlich ins Auge fassten um am späten Nachmittag bei einer Höhe von circa 1.960m in Ulleri einzukehren. Somit ergab sich, vom Start in Birethanti auf 1.025m, an Tag 1 ein Aufstieg mit 935 Höhenmetern und an Tag 2 ein weiterer mit 900 Höhenmetern bis wir Ghorepani auf 2.860m, unseren Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Gipfel des Poon Hill, der bei 3.210m liegt, erreichten. Die verbleibenden 350m waren demnach unser Programm für den Aufstieg am sehr frühen Morgen des dritten Tages 😮💨🤩. Nach dem, immernoch morgendlichen, Abstieg und anschließenden Frühstück zurück in Ghorepani, ging es weiter über den Deuralipass bei 3.090m bis Tadapani auf 2.630m. Der planmäßige Rundwanderweg bestand aus weiteren zwei Tagen, die wir auf Grund der überschaubaren Distanzen zusammengelegt haben, sodass unsere Wanderung nach 4 vollen Tagen schon wieder vorbei war.
Aber genug von den Zahlen. Eine mehrtägige Wanderung besteht aus vielen Erlebnissen, die zusammen das Abenteuer ergeben. Jedes einzelne Erlebnis wird zum Zeitpunkt der Erfahrung anders bewertet als in der Retrospektive. Dabei spielen Zeit und Relativität natürlich eine Rolle. Bedeutung und Intensität verschieben sich in der Erinnerung zugunsten vergleichsweise positiver Erlebnisse; ein Phänomen, mit dem sich unsere Psyche schützt um möglichst angenehme Erinnerungen zu speichern und negative zu verdrängen. So werden Erinnerungen schöner je länger sie zurückliegen. Bei Wanderungen würde ich sagen, sie werden romantisiert. 🤓
So kann es, in den größtenteils, insbesondere bezüglich der (Gemeinschafts-) Bäder, sehr einfachen Unterkünften in den Bergen nachts recht frisch werden. Kommt noch ein Hygieneproblem und Feuchtigkeit dazu ist man besser beraten mit langer Hose und langärmeligem Oberteil zu schlafen 😉. Die Gasträume der Teehäuser wurden aber gut mit Holzöfen beheizt, über denen Leinen gespannt wurden, an denen man seine handgewaschenen Kleidungsstücke trocknen konnte. Insgesamt eine runde Sache, da man nach der Dusche einen warmen Platz zu schätzen wusste, auch wenn es passieren konnte, dass der Gastraum verrauchte. Wie so oft im Leben und damit auch auf Reisen, begleitete uns eine gewisse Logik, die wir ableiteten; die „Yes, But - Logik“. So hatten wir teilweise ein eigenes Bad, aber was für eins 🫣! Wir hatten ein leckeres Nepali Thali aber haben es nicht vertragen. Wanderer aus der ganzen Welt kennenzulernen war sehr interessant, aber wir verstehen kein Chinesisch, egal wie laut es gesprochen wird. Und in der Natur haben wir die Momente der Stille, vor allem beim Fotografieren, sehr genossen.
Tatsächlich gab es aus meiner Sicht aber kein „But“, das meine Erinnerung an die erlebte Natur mit seiner Vielfalt an Pflanzenarten, Tieren, Geräuschen, Gerüchen und Aussichten trüben könnte. Bereits heute, zwei Tage nach der Wanderung, sind die Unannehmlichkeiten so unbedeutend, dass ich sie hier lediglich der Vollständigkeit halber festhalten wollte, damit sie nicht verloren gehen.Read more


























TravelerWow, sehr tolle Bilder 🥰🥰!!
Traveler
So schön🥰🥰
Traveler
Mystisch👻