• Ghorepani Ghandruk Circuit Trek II/II

    Mar 31–Apr 3 in Nepal ⋅ ☁️ 11 °C

    Der erste Tag unserer Wanderung ist zwischendurch immer wieder von Regenfällen und teilweise auch Gewitter geprägt. Nach den letzten, häufig eher regnerischen Tagen macht uns dies noch etwas Sorgen, denn beim Wandern mit Poncho bei relativ warmen Temperaturen fühlen wir uns ein wenig wie wandelnde Gewächshäuser. Bei unsicheren Dusch-Aussichten nicht gerade die angenehmste Verfassung. 😆 Gleichzeitig wird uns bewusst, dass das Klima ideal für die reichhaltige und variantenreiche Vegetation im gesamten Trekking-Gebiet ist.

    Wir wandern vier Tage lang durch eine abwechslungsreiche Wald- und Gebirgslandschaft, die unglaublich saftig-grün bewachsen ist und von Farnen und Moosen über Orchideen bis zu wilden Magnolienbäumen vor Artenvielfalt nur so strotzt. Besonders begeistern uns die riesigen Rhododendron-Büsche und -bäume, unter deren tiefroten, rosanen und pinken Blüten wir hindurchlaufen. Der Rhododendron ist die Nationalpflanze Nepals und wir haben das Glück, unsere Wanderung zur Hauptblütezeit zu machen. Auch unsere Guide Indra freut sich besonders, diese Wanderung nach längerer Zeit mal wieder zur Zeit der Rhododendron-Blüte zu machen und verfällt zeitweise in einen wahren „Selfie-Flash“.😅 Für uns ist es schön zu merken, dass auch Indra richtig begeistert ist von der Route und so laufen wir zu Dritt tief beeindruckt von der uns umgebenden Natur und den atemberaubenden Berglandschaften. Als sich dann noch abzeichnet, dass am Tag der Besteigung des Poon Hill sonniges Wetter und klare Sicht auf das Annapurna-Gebirge ist, freuen wir uns wirklich riesig. Auch wenn die Besteigung des Poon Hill bei Sonnenaufgang schon lange kein Geheimtipp mehr ist und sich eine bunt-gemischte Menge morgens um kurz nach 5 Uhr Richtung Gipfel bewegt, ist die Aussicht bei aufgehender Sonne wunderschön und beeindruckend, sodass uns die wuselige Menge der Mit-Wanderer nur bedingt ablenken kann.

    Nach einem stärkenden Frühstück geht es am selben und am Folgetag weiter auf und ab durch vermooste Feenwälder, die immer wieder durch Bachläufe oder auch richtige Schluchten mit Wasserfällen durchkreuzt werden. Beim Wandern fällt uns immer wieder auf, wie viele unterschiedliche Vogelstimmen uns auf unserem Weg begleiten. Die Vögel werden immer wieder untermalt vom Glockengeläut der Yaks, die tagsüber in den Wäldern grasen und der Ponys, Esel und Mulis, die allerlei Güter durch die Berge transportieren und unseren Weg immer wieder kreuzen. Unsere Guide Indra, die selbst sehr naturnah in Ost-Nepal aufgewachsen ist, macht uns immer wieder auf Tiere und besondere Pflanzen und Blumen aufmerksam, die wir ohne ihr wachsames Auge so manches Mal übersehen hätten. In den auf unserem Weg liegenden Dörfern sind wir immer wieder beeindruckt, wie viel Obst und vor allem Gemüse in den kleinen Gärten angebaut wird und in vielen Fällen unmittelbar auf den Mittag- und Abendessentellern landet. Auch über die Landwirtschaft, wie z.B. das Anbauen von süßen Baum-Tomaten, die Herstellung von Ghee oder Honig in traditionell-hölzernen Bienenstöcken, bringt Indra uns einiges bei und wir finden es wunderbar, mit wie viel Liebe für Ästhetik und Detail auch vor den manchmal einfachsten Häuschen oder Hütten noch bunte Blumenkästen oder Blumenkübel aufgestellt sind und so ein einladendes Ambiente schaffen.

    An unserem letzten Wandertag beenden wir den Trail im Dörfchen Ghandruk, das für seine Steinhäuser nach traditioneller Bauweise der Bevölkerungsgruppe der Gurung bekannt ist. Kurz bevor wir aus dem Dorf hinabsteigen, besuchen wir mit Indra noch einen kleinen Buddhistischen Tempel im Dorf und ein Museum, das die traditionelle Lebensweise der Gurung ausstellt. Aufgrund des niedrigen Eingangstür und Deckenhöhe müssen wir ganz schön den Kopf einziehen, um nicht überall anzustoßen. Als wir die Museumswärterin treffen, eine ältere und für uns unglaublich kleine Dame von weniger als 1,50m, bekommen wir eine Idee von den Größenverhältnissen der lokalen Bevölkerung und der entsprechenden Bauweise. Als Indra uns die im Museum ausgestellten Werkzeuge, Haushaltsutensilien, aus Bambus und getrockneten Maisblättern gefertigten Körbe und Aufbewahrungsmittel aus Ton, Kupfer oder Holz erklärt, fühlen wir uns irgendwo zwischen Freilichtmuseum und Hobbit-Haus. Das behalten wir aber lieber für uns, denn Indra erwähnt immer wieder, dass sie die Ausstellungsstücke auch deshalb so gut kennt, weil sie mit ganz ähnlichen Utensilien in Ost-Nepal aufgewachsen ist.

    Als Indra uns auf dem Rückweg von ihrer kürzlich stattgefundenen Hochzeit in ihrem Heimatdorf erzählt und wir neugierig die Fotos von ihrer Hochzeit anschauen, merken wir einmal mehr, wie unterschiedlich wir aufgewachsen sind. Umso schöner ist es zu sehen, wie sehr wir auf einer Wellenlänge sind und über dieselben Dinge lachen können. So endet unsere Wanderung mit vielen tollen Eindrücken, müden Beinen und auch einer gewissen Erleichterung, dass wir weder eingeregnet noch in irgendeine Felsspalte gerutscht sind und wir lassen unsere Zeit in den Bergen mit einem leckeren Abendessen auf einer Dachterrasse in Pokhara ausklingen.

    Der nächste Tag in Pokhara empfängt uns mit schönem Sonnenschein, sodass wir in Ruhe unsere Kleidung waschen und es ansonsten ganz ruhig angehen lassen und uns durch die zahlreichen Cafés und Restaurants treiben lassen, bevor wir uns am nächsten Tag auf die lange Busreise zurück Richtung Kathmandu / Bhaktapur begeben.
    Read more