• Die Transfăgărășan: Kurven, Bären und Begegnungen

    July 11 in Romania ⋅ ☁️ 21 °C

    Heute stand einer der grossen Höhepunkte meiner Rumänienreise auf dem Programm – die legendäre Transfăgărășan. Diese rund 151 Kilometer lange Hochgebirgsstrasse gilt als eine der spektakulärsten Motorradstrecken Europas und verbindet Siebenbürgen mit der Walachei über das Făgăraș-Gebirge.

    Von Sibiu führte die Route zunächst durch die weite Ebene entlang des Flusses Avrig. Die Strasse verläuft hier noch ruhig und unspektakulär, doch am Horizont zeichnen sich bereits die mächtigen Gipfel der Südkarpaten ab. Schon bald beginnt der eigentliche Aufstieg.

    Die Strasse windet sich in zahllosen Kurven und Kehren durch dichte Wälder immer höher den Berg hinauf. Die BMW schnurrt gleichmässig von Kurve zu Kurve, und mit jedem Höhenmeter wächst die Vorfreude auf das, was noch kommen wird.

    Dann die erste Überraschung des Tages: Am Strassenrand grast seelenruhig ein Braunbär auf einem saftig grünen Wiesenstreifen. Langsam rolle ich vorbei – mit genügend Abstand und ohne anzuhalten. Ein eindrücklicher Moment, der an dieser Passstrasse jedoch keineswegs eine Seltenheit bleiben sollte.

    Mit zunehmender Höhe lichtet sich der Wald. Die Strasse schmiegt sich nun direkt an die steilen Felswände. Kurze Galerien schützen vor Steinschlag, und immer wieder öffnen sich grandiose Ausblicke über die tief eingeschnittenen Täler.

    Oberhalb der Waldgrenze beginnt schliesslich das eigentliche Kurvenparadies. Über die alpinen Weiden zieht sich die Strasse in unzähligen Serpentinen dem höchsten Punkt entgegen. Eine Haarnadelkurve reiht sich an die nächste. Jeder Blick zurück zeigt den bereits zurückgelegten Strassenverlauf – ein Meisterwerk des Strassenbaus mitten in den Karpaten.

    Auf der Passhöhe (2042m) verschwindet die Strasse für einen kurzen Moment in einem Tunnel. Kaum auf der Südseite angekommen, setzt sich das Spektakel fort. Wieder folgen Kurven über Kurven, während sich die Strasse spektakulär talwärts schlängelt.

    Doch nicht nur die Landschaft sorgt heute für Herzklopfen.

    Immer wieder begegnen mir Braunbären direkt neben der Fahrbahn. Viele Bärinnen sind mit ihren Jungtieren unterwegs – manchmal zwei, manchmal sogar drei kleine Bären gleichzeitig. Insgesamt werde ich an diesem Tag neun ausgewachsene Bären und ebenso viele Jungtiere beobachten können.

    Mit der Zeit erkenne ich ein einfaches, aber zuverlässiges Zeichen: Stehen plötzlich mehrere Autos am Strassenrand still, ist ein Bär meist nicht weit entfernt. Für die Menschen in ihren Autos ist die Situation vergleichsweise sicher. Als Motorradfahrer sieht die Sache jedoch anders aus. Deshalb fahre ich vorsichtig, aber zügig an den Fahrzeugen vorbei und halte niemals unmittelbar neben einer Bärensichtung an. Erst mit genügend Abstand stoppe ich kurz – immer so, dass ich jederzeit sofort wieder losfahren könnte, falls sich ein Tier in meine Richtung bewegen sollte. Diese Strategie gibt mir ein gutes Gefühl und ermöglicht dennoch unvergessliche Beobachtungen.

    Meine Fahrt führt schliesslich bis zur imposanten Staumauer des Vidraru-Stausees. Die gewaltige Betonmauer fügt sich eindrucksvoll in die enge Schlucht ein und markiert einen würdigen Wendepunkt der heutigen Tour. Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf den Rückweg und geniesse die Transfăgărășan ein zweites Mal – diesmal aus der entgegengesetzten Perspektive.

    Der Tag endet jedoch nicht nur mit spektakulären Landschaften und zahlreichen Bärenbegegnungen. Unterwegs lerne ich eine fröhliche Gruppe polnischer Motorradfahrer kennen. Schnell entwickelt sich ein angeregtes Gespräch über Motorräder, Reisen und die gemeinsame Begeisterung für kurvenreiche Bergstrassen. Obwohl wir uns erst wenige Minuten kennen, fühlt es sich an, als würde man sich schon lange begegnen. Genau solche spontanen Begegnungen gehören zu den schönsten Seiten des Motorradreisens.

    Die Transfăgărășan hat ihren legendären Ruf mehr als bestätigt. Atemberaubende Landschaften, unzählige Kurven, wilde Natur und die unmittelbare Begegnung mit den Braunbären der Karpaten machen diese Passstrasse zu einem Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.
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