• Transalpina – Rumäniens Strasse über den Wolken

    July 12 in Romania ⋅ ☁️ 14 °C

    Nach einigen Tagen in Sibiu stand heute einer der Höhepunkte jeder Rumänienreise auf dem Programm: die legendäre Transalpina. Der direkte Weg bis Sebes führt zwar über die Autobahn – fahrerisch wenig spannend, aber effizient. So bleibt mehr Zeit für das eigentliche Ziel des Tages.

    Kaum ist Sebes erreicht, erscheint auch schon der erste Wegweiser mit der verheissungsvollen Aufschrift „Transalpina“. Von diesem Moment an verändert sich der Charakter der Fahrt schlagartig. Die Strasse folgt zunächst einem tief eingeschnittenen Tal, das sich stetig in die Karpaten hineingräbt. Durch langgezogene Dörfer windet sie sich immer höher, begleitet vom klaren Wasser des Flusses Sebes.

    Mit zunehmender Höhe öffnen sich die Landschaften. Zwei grosse Stauseen liegen wie schmale Fjorde zwischen den bewaldeten Berghängen und verleihen der Szenerie beinahe einen nordischen Charakter. Die Strasse steigt unaufhörlich an, erreicht eine erste Passhöhe und führt in zahlreichen Kurven wieder talwärts – allerdings nur, um kurz darauf den eigentlichen Aufstieg in Angriff zu nehmen.

    Je näher die Baumgrenze rückt, desto spektakulärer wird die Strecke. Plötzlich verschwindet der Wald, und vor mir liegt ein Kurveneldorado, wie es sich Motorradfahrer kaum schöner wünschen könnten. Die Fahrbahn schmiegt sich in unzähligen Kehren an die Berghänge, überquert weite Hochflächen und eröffnet mit jeder Kurve neue, atemberaubende Ausblicke. Die rund 150 Kilometer lange Streckenführung durch diese eindrucksvolle Gebirgslandschaft wirkt wie ein planerisches Meisterwerk – harmonisch, abwechslungsreich und perfekt in die Natur eingebettet.

    Der Wintersportort Ranca markiert schliesslich den Umkehrpunkt der heutigen Tour. Nach einer kurzen Pause geht es auf derselben Strecke wieder zurück. Doch gerade diese Rückfahrt zeigt, dass dieselbe Strasse in der Gegenrichtung ein völlig neues Erlebnis bietet. Licht, Perspektiven und Landschaft verändern sich ständig, und viele Details, die auf der Hinfahrt verborgen blieben, treten nun eindrucksvoll hervor. So gewinnt diese aussergewöhnliche Passstrasse nochmals an Reiz.

    Am frühen Abend erreiche ich glücklich und voller unvergesslicher Eindrücke wieder mein Hotel in Sibiu. Hinter mir liegt ein Tag voller Fahrfreude, grossartiger Landschaften und unzähliger Kurven. Schon bald beginnt der gemütliche Teil des Tages – ein feines Abendessen bildet den verdienten Abschluss einer Tour, die zweifellos zu den schönsten Motorradstrecken Europas zählt.
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