• Von den Südkarpaten an die Donau

    14 lipca, Rumunia ⋅ ☀️ 31 °C

    Schon wenige Kilometer nach Obarsia Lotrului verlasse ich die Transalpina wieder. Statt ihr weiter zu folgen, biege ich auf eine deutlich schmalere Bergstrasse ab, die über den Groapa-Seaca-Pass führt.

    Der Verkehr ist praktisch nicht mehr vorhanden. Die Strasse windet sich durch stille Berglandschaften und eröffnet immer wieder schöne Ausblicke auf die bewaldeten Höhen der Südkarpaten. Hinter dem Pass führt die Route hinunter in ein malerisches Tal, das mich bis nach Petrosani begleitet.

    Von dort geht die Reise weiter südwärts. Das Gebirge bleibt langsam hinter mir zurück, bevor ich das eindrucksvoll gelegene Kloster Lainici erreiche. Seit Jahrhunderten empfängt es Reisende und Pilger am Eingang der Jiu-Schlucht und strahlt eine wohltuende Ruhe aus.

    Targu Jiu umfahre ich westlich. Von hier an verändert sich die Landschaft erneut. Die hohen Berge gehen allmählich in sanfte Hügel über. Auf kleinen Nebenstrassen fahre ich durch zahlreiche Dörfer mit klangvollen rumänischen Namen wie Bala Bai. Das Leben wirkt hier ruhig und ursprünglich. Bauern arbeiten auf den Feldern, Pferdefuhrwerke sind keine Seltenheit, und in den kleinen Ortschaften scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen.

    Kilometer um Kilometer nähere ich mich meinem heutigen Tagesziel. Nach rund 350 Kilometern und etwa achteinhalb Stunden im Sattel erreiche ich am frühen Abend Drobeta-Turnu Severin an der Donau, wo ich die Nacht verbringe.

    Es war ein langer, abwechslungsreicher Fahrtag. Am Vormittag dominierte das geschäftige Olt-Tal mit seiner kaum vorstellbaren Verkehrsdichte, am Nachmittag folgten einsame Bergstrassen, stille Täler und die sanften Landschaften am Rand der Südkarpaten. Gerade diese Gegensätze machen den besonderen Reiz einer Motorradreise durch Rumänien aus.
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