• Dem Eisernen Tor entlang

    July 15 in Romania ⋅ ☁️ 27 °C

    Von der Donau zurück in die Karpaten

    Der heutige Reisetag beginnt in Drobeta-Turnu Severin. Schon kurz nach der Abfahrt begleitet mich die Donau, die mich während der nächsten rund 140 Kilometer auf rumänischer Seite durch eine der eindrucksvollsten Flusslandschaften Europas führen wird: das Eiserne Tor.

    Bereits nach wenigen Kilometern erreiche ich das gewaltige Kraftwerks- und Stauwehrsystem Portile de Fier I – Eisernes Tor I. Das riesige Bauwerk mit seinen Schiffsschleusen gehört zu den bedeutendsten Wasserbauprojekten Europas. Seit seiner Fertigstellung Anfang der 1970er-Jahre hat es die Donau und die gesamte Region grundlegend verändert.

    Die Strasse folgt nun dem Fluss, der sich immer wieder zwischen steilen Felswänden hindurchzwängt. Hinter beinahe jeder Biegung öffnet sich ein neues Panorama. Mal wirkt die Donau breit und ruhig, dann wieder verengt sie sich auf erstaunliche Weise zwischen schroffen Felsen. Kaum glaubt man, die engste Stelle gesehen zu haben, folgt bereits die nächste.

    Heute gleiten Frachtschiffe und Kreuzfahrtschiffe scheinbar mühelos durch diese Landschaft. Früher jedoch gehörte das Eiserne Tor zu den gefährlichsten Schifffahrtsstrecken Europas. Stromschnellen, Untiefen und mächtige Felsen machten jede Passage zu einem riskanten Unterfangen. Flussaufwärts konnten die Schiffe die Strömung oft nicht aus eigener Kraft überwinden. Bis 1970 wurden sie deshalb von Lokomotiven auf einer eigens dafür gebauten Uferbahn gezogen. Mit dem Bau des Stausees verschwand diese Bahnstrecke für immer in den Fluten der Donau.

    Seit Jahrtausenden bildet das Eiserne Tor eine strategisch bedeutende Verbindung zwischen Okzident und Orient. Zahlreiche Burgen, Festungen und militärische Anlagen entlang der Ufer erinnern daran, welche Bedeutung dieser natürliche Durchgang für Handel, Heerzüge und politische Machtverhältnisse besass.

    Kurz bevor die Donau rumänisches Gebiet verlässt und weiter nach Serbien fliesst, erreiche ich Pojejena. Hier verabschiede ich mich vom grossen Strom und biege wieder in die bewaldete Bergwelt der Karpaten ab.

    Mein nächstes Ziel sind die Bigăr-Kaskaden. Der Wasserfall ist zwar eher klein, besitzt aber wegen seiner ungewöhnlichen Form und seiner Bekanntheit eine besondere Bedeutung für die Region. Während meines kurzen Aufenthalts treffe ich auf eine Gruppe Teilnehmer des BCR – Back Country Road Trip. Mit ihren einfachen, alten Fahrzeugen sind sie erst am zweiten Tag ihrer Tour, doch ihre Begeisterung für das Abenteuer ist ansteckend. Bei einem kurzen Schwatz tauschen wir Erfahrungen über unsere bisherigen Erlebnisse und die kommenden Etappen aus, bevor sich unsere Wege wieder trennen.

    Ab Iablanita führt meine Route erneut nordwärts. Unterwegs erhasche ich einen kurzen Blick auf die kleine Kapelle von Armenis, die eingezwängt zwischen einer Eisenbahnbrücke und den Felsen steht. Sie ist leicht zu übersehen und gerade deshalb ein besonderer Anblick.

    Über Caransebes erreiche ich schliesslich Lugoj. Nach rund 390 Kilometern und fast zehn Stunden Fahrzeit endet einer der längsten Reisetage dieser Tour. Im modernen Hotel lasse ich den Abend entspannt ausklingen.

    Der heutige Tag verband eindrucksvoll zwei Welten: Am Morgen bestimmte die gewaltige Donau mit ihrer faszinierenden Geschichte die Reise, am Nachmittag übernahmen wieder die stillen Wälder und Berge der Karpaten. Genau diese Vielfalt macht Rumänien zu einem aussergewöhnlichen Reiseland – kaum irgendwo wechseln Landschaften, Geschichte und Kulturen auf so eindrucksvolle Weise.
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