• Vom Banat in die Thermalwelt von Geoagiu Băi

    July 16 in Romania ⋅ ☁️ 28 °C

    Nach der langen Etappe vom Vortag beginnt der heutige Reisetag in Lugoj zunächst mit einer ganz praktischen Aufgabe. Meine Motorradhandschuhe haben ihre besten Tage hinter sich – die Nähte beginnen sich langsam aufzulösen. Bevor ich mich auf den Weg mache, suche ich deshalb nach Ersatz. Zu meiner Freude werde ich bereits im ersten Geschäft fündig. So erspare ich mir den Umweg und den dichten Verkehr in Timisoara und kann die Reise schon bald mit einem neuen Paar Handschuhe fortsetzen.

    Das erste eigentliche Ziel des Tages ist Cramele Recas, der grösste Weinexporteur Rumäniens. Das moderne Betriebsgebäude liegt malerisch inmitten der sanften Hügel und weitläufigen Rebberge des Banats. Obwohl eine Degustation heute selbstverständlich nicht infrage kommt – schliesslich wartet noch ein langer Fahrtag –, lohnt sich der Besuch trotzdem. Eine freundliche Mitarbeiterin nimmt sich Zeit, erklärt mir die Geschichte des Weinguts, die Produktion und den internationalen Vertrieb. Anschliessend zeigt sie mir die beeindruckende Auswahl an Weinen im Verkaufsraum. Es ist spannend zu sehen, welche Bedeutung der rumänische Weinbau inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus erlangt hat.

    Nach diesem Zwischenhalt wird das Tempo etwas höher. Über gut ausgebaute Strassen geht es zügig weiter in Richtung Charlottenburg.

    Der kleine Ort gehört zu den aussergewöhnlichsten Siedlungen Rumäniens. Das Dorf wurde von deutschsprachigen Siedlern im 18. Jahrhundert kreisförmig angelegt – eine in Europa äusserst seltene Bauweise. Vor Ort ist diese Besonderheit allerdings kaum zu erkennen. Erst aus der Luft oder auf einem Satellitenbild offenbart sich die nahezu perfekte Kreisform, welche Charlottenburg so einzigartig macht.

    Weiter führt mich die Route durch die weiten Ackerlandschaften des westlichen Rumäniens. Goldgelbe Felder, vereinzelte Baumgruppen und kleine Dörfer prägen das Bild. Die Strasse schlängelt sich scheinbar endlos durch die offene Landschaft und lädt zu einem entspannten Dahingleiten ein.

    Erst gegen Ende des Tages verändert sich die Szenerie nochmals deutlich. Die Strasse steigt die letzten zwei Kilometer in ein bewaldetes Seitental hinauf und erreicht schliesslich Geoagiu Băi.

    Der kleine Kurort blickt auf eine rund 2000-jährige Geschichte als Thermalbad zurück. Bereits die Römer wussten die heilenden Quellen zu schätzen und errichteten hier erste Badeanlagen. Bis heute prägen Thermalwasser und Kurbetrieb den Charakter des Ortes.

    Schon nach den ersten Eindrücken ist für mich klar, dass sich ein längerer Aufenthalt lohnt. Ich beschliesse spontan, zwei Nächte in Geoagiu Băi zu bleiben. Nach den vielen langen Fahrtagen der vergangenen Woche erscheint es genau der richtige Ort, um etwas zur Ruhe zu kommen und die nähere Umgebung zu Fuss zu erkunden.

    So endet der heutige Reisetag deutlich ruhiger als seine Vorgänger – mit neuer Ausrüstung, interessanten Begegnungen, einem Einblick in den rumänischen Weinbau und der Vorfreude auf einen entspannten Tag in einem der ältesten Thermalbäder des Landes.
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