• Ein Ruhetag in Geoagiu Băi

    17 lipca, Rumunia ⋅ ☀️ 21 °C

    Zwischen Geschichte, Thermalwasser und Erholung

    Nach vielen langen Etappen auf dem Motorrad tut ein ruhiger Tag richtig gut. Geoagiu Băi bietet dafür den idealen Rahmen. Der traditionsreiche Kurort ist klein genug, um ihn gemütlich zu Fuss zu erkunden, und reich an Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht.

    Der Tag beginnt mit einer kurzen Wanderung zur Cascada Clocota. Der Wasserfall liegt unterhalb des Dorfes am Ende einer gepflegten Parkanlage. Obwohl heute nicht besonders viel Wasser über die Felskante stürzt, beeindruckt vor allem seine Höhe. Mit rund 40 Metern ist die Cascada Clocota beinahe doppelt so hoch wie der Rheinfall bei Schaffhausen – auch wenn sie längst nicht dessen Wassermassen erreicht.

    Anschliessend geht es gemütlich wieder hinauf ins Dorf. Ich schlendere durch die Strassen, schaue mich etwas um und gönne mir einen Einkehrschwung in einem der Restaurants. Ohne Zeitdruck lässt sich der Tag angenehm ruhig angehen. Endlich bleibt auch Gelegenheit, die Reiseberichte der vergangenen Tage aufzuarbeiten und meine Erlebnisse in Footprints festzuhalten. Nach den vielen intensiven Eindrücken der letzten Wochen ist das eine willkommene Pause.

    Am Nachmittag zieht es mich in den nahen Kurpark. Zwischen alten Bäumen liegen die Überreste der römischen Badeanlage, die sich rund um einen markanten Felshügel erstrecken. Beeindruckend ist vor allem ihre Grösse. Die Ausgrabungen zeigen, dass hier einst ein weit verzweigter Badekomplex existierte. Schon vor rund zweitausend Jahren nutzten die Römer die warmen, mineralhaltigen Quellen und machten Geoagiu Băi zu einem bedeutenden Kurort.

    Natürlich gehört zu einem Aufenthalt hier auch ein Besuch des heutigen Thermalbades. Zwei grosse Becken mit Wassertemperaturen von 29 beziehungsweise 33 Grad sowie ein Kinderbecken stehen den Gästen zur Verfügung. Erstaunlich viele Besucher geniessen das warme Wasser, obwohl mitten in der Woche ist. Offenbar ist das Bad in der Region nach wie vor sehr beliebt.

    Aus mitteleuropäischer Sicht wirkt die Anlage allerdings etwas in die Jahre gekommen. Auch die Hygienestandards entsprechen nicht unbedingt dem, was man aus der Schweiz oder den Nachbarländern gewohnt ist. Vermutlich würden viele Besucher dort ein solches Bad kritisch beurteilen. Dennoch scheint dies die zahlreichen Gäste nicht zu stören. Schliesslich gilt das mineralhaltige Thermalwasser seit Jahrhunderten als wohltuend und gesundheitsfördernd – und genau deshalb kommen die Menschen hierher.

    Am Abend lasse ich den Tag bei einem feinen Nachtessen in einem Restaurant ausklingen. Nach den vielen Kilometern der vergangenen Tage war dieser Ruhetag genau das Richtige: etwas Bewegung, viel Geschichte, entspannte Stunden und Zeit, die zahlreichen Erlebnisse der Reise Revue passieren zu lassen.

    Morgen heisst es dann wieder: Motorrad beladen, Motor starten und auf zu neuen Entdeckungen.
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