• Über die Transapuseana

    July 18 in Romania ⋅ ⛅ 29 °C

    Eine der schönsten Panoramastrassen Rumäniens

    Nach zwei erholsamen Nächten in Geoagiu Băi beginnt heute ein weiterer Höhepunkt meiner Reise. Zunächst folge ich einem ruhigen Tal bis nach Almaşu Mic de Munte. Dort verändert sich die Strasse schlagartig. Der Asphalt ist alt und vielerorts dem Zerfall preisgegeben. In engen Kehren windet sich die Strasse den Berg hinauf und lässt bereits erahnen, dass dieser Pass kaum touristische Bedeutung besitzt.

    Auf der Passhöhe bietet sich ein völlig anderes Bild. Mitten in der abgeschiedenen Berglandschaft liegt der riesige Steinbruch Cariera Breaz der Flora Grup. Ununterbrochen verkehren schwere Lastwagen. Beladen mit frisch gebrochenem und in der nahegelegenen Anlage zerkleinertem Gestein rollen sie talwärts, während die leeren Fahrzeuge wieder den Berg hinaufkehren. Kein Wunder, wird die Strasse vollständig erneuert. Die obere Hälfte präsentiert sich bereits mit einem makellosen neuen Belag, weiter unten sind die Bauarbeiten noch in vollem Gang.

    Nach der Weiterfahrt bis Cerbu beginnt der eigentliche Höhepunkt des Tages. Hier startet die DJ107I, besser bekannt als Transapuseana. Erst seit wenigen Jahren ist die rund 80 Kilometer lange Strecke vollständig asphaltiert und erschliesst damit eine der ursprünglichsten Regionen des Apuseni-Gebirges.

    Schon nach den ersten Kilometern wird klar, weshalb diese Strasse unter Motorradfahrern immer häufiger als Geheimtipp gehandelt wird. In zahllosen Kurven steigt sie bis auf rund 1450 Meter über Meer an und folgt den Bergrücken wie eine schmale Balkonstrasse. Weite Ausblicke wechseln sich mit einsamen Wäldern, sanften Alpweiden und kleinen Weilern ab. Der Verkehr ist erstaunlich gering. Immer wieder laden Aussichtspunkte zu Fotostopps ein. Jeder Blick eröffnet ein neues Panorama über die scheinbar endlosen Hügel und Berge der Apuseni.

    Gerade diese Ruhe macht den besonderen Reiz der Transapuseana aus. Während andere berühmte Passstrassen längst zu touristischen Attraktionen geworden sind, wirkt diese Region noch angenehm ursprünglich und wenig erschlossen.

    In Aiud endet schliesslich diese fantastische Panoramastrasse. Gleichzeitig kehre ich auch in die sommerliche Hitze des Flachlands zurück. Nach den angenehm kühlen Temperaturen in den Bergen ist jetzt der richtige Moment für eine längere Pause. In einem hübschen Café mitten in der Stadt gönne ich mir eine Erfrischung und lasse die Eindrücke der letzten Stunden nochmals Revue passieren.

    Kaum bin ich wieder unterwegs, verändert sich der Himmel. Dunkle Wolken türmen sich auf, und in der Ferne zucken bereits die ersten Blitze. Um dem herannahenden Gewitter möglichst auszuweichen, nehme ich für das kurze Teilstück bis Turda ausnahmsweise die Autobahn. Der Plan geht auf – ich bleibe trocken und lasse das Unwetter hinter mir.

    Eigentlich möchte ich den Tag mit einem Besuch der berühmten Salina Turda abschliessen, einer ehemaligen Salzmine, die heute zu einer spektakulären unterirdischen Erlebniswelt umgebaut wurde. Doch schon bei der Anfahrt wird klar, dass dieser Plan heute nicht aufgehen wird. Sämtliche Parkplätze sind vollständig belegt. Entlang der Strassen stehen unzählige Fahrzeuge, und dichte Menschenkolonnen strömen zur Mine oder kommen von dort zurück.

    Dieser grosse Besucherandrang entspricht heute überhaupt nicht meiner Vorstellung eines entspannten Tagesabschlusses. Manchmal ist es besser, auf eine Sehenswürdigkeit zu verzichten, als sie im Gedränge zu erleben. So entscheide ich mich kurzerhand, direkt zu meinem nahegelegenen Hotel in Câmpia Turzii weiterzufahren.

    Der heutige Tag bot eindrucksvolle Gegensätze: vom industriellen Steinbruch über eine der schönsten und gleichzeitig unbekanntesten Panoramastrassen Rumäniens bis hin zum Trubel einer weltbekannten Touristenattraktion. Die Transapuseana wird mir jedoch als eigentlicher Höhepunkt dieses Fahrtages in Erinnerung bleiben.
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