• Durch das Herz Siebenbürgens

    July 20 in Romania ⋅ ☀️ 22 °C

    Ein Tag voller Begegnungen

    Am Montagmorgen verlasse ich Cluj. Wie in jeder grösseren Stadt verlangt der Berufsverkehr zunächst etwas Geduld, doch schon bald liegen die letzten Vororte hinter mir. Über die langgezogenen Hügel südöstlich der Stadt nähere ich mich Turda, wo der Verkehr spürbar ruhiger wird.

    In Câmpia Turzii biege ich auf die DJ150 ab. Sofort verändert sich der Charakter der Fahrt. Statt Hauptverkehrsachsen bestimmen nun schmale Landstrassen den Tag. Sie führen durch eine sanfte Hügellandschaft mit weitläufigen Feldern, kleinen Bauernhöfen und verstreuten Dörfern. In der Morgensonne leuchten immer wieder grosse Sonnenblumenfelder in kräftigem Gelb und setzen leuchtende Farbtupfer in die Landschaft.

    Kurz darauf erreiche ich Viişoara, wo heute, am 20. Juli, das traditionelle „Târgul de Sfântul Ilie“ stattfindet. Schon von Weitem ist das bunte Treiben zu erkennen. Zahlreiche Einheimische sind mit Pferdegespannen und einfachen, oft liebevoll gepflegten Holzkarren angereist. Rund um den Festplatz herrscht ausgelassene Stimmung. Kleine Festzelte, Marktstände und viele Besucher verleihen dem Dorf einen lebendigen Charakter. Es ist einer jener authentischen Momente, die man als Reisender nicht planen kann und die einen unmittelbaren Einblick in das ländliche Leben Rumäniens vermitteln.

    Bei Mociu wechsle ich auf die DN16 und fahre weiter ostwärts. Die Strecke begeistert mit ihrem stetigen Auf und Ab. Zwischen den sanften Hügeln schmiegen sich kleine Dörfer in die Landschaft, deren Kirchen und Häuser oft schon von weitem zu erkennen sind. Es ist eine ruhige, fast zeitlose Gegend, die zum gemächlichen Reisen einlädt.

    Ein besonderer Höhepunkt erwartet mich kurz vor Şămboleni. Eine lange Allee aus hohen Pappeln führt wie ein grüner Tunnel hinunter ins Tal. Solche Momente machen den Reiz des Reisens aus – keine berühmte Sehenswürdigkeit, sondern ein Landschaftsbild, das sich unauslöschlich ins Gedächtnis einprägt.

    Über Sărmăşel-Gară und Fürstendorf erreiche ich schliesslich Reghin, das auf Deutsch auch Regen genannt wird. Gerade rechtzeitig lege ich hier meine Mittagspause ein. Während ich gemütlich esse, ziehen dunkle Regenwolken über die Stadt hinweg. Als ich wenig später wieder aufbreche, ist das Schlimmste bereits vorbei – manchmal gehört auch ein wenig Wetterglück zu einer gelungenen Reise.

    Am Nachmittag steht noch ein kultureller Zwischenhalt auf dem Programm. In Topliţa besichtige ich das auffällig gestaltete orthodoxe Kloster. Besonders die gepflegte Gartenanlage beeindruckt mit ihrer Ruhe und den liebevoll angelegten Blumenbeeten. Nach den vielen Stunden im Motorradsattel ist dies ein angenehmer Ort für eine kurze Pause.

    Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Gheorgheni, dem früheren Niklasmarkt, wo ich mein Tagesziel erreiche.

    Doch der eigentliche Höhepunkt des Tages beginnt erst nach dem Nachtessen. Vor dem Restaurant steht ein Motorrad mit Schweizer Kontrollschild. Natürlich komme ich mit dem Besitzer ins Gespräch. Es ist Szilárd, ein in der Schweiz lebender Rumäne, der seine Ferien in seiner Heimatgemeinde verbringt. Zusammen mit zwei Freunden erzählt er von den schönsten Strassen und weniger bekannten Ecken der Region. Ich erhalte wertvolle Tipps für die kommenden Tage und merke schnell: Hier gibt es noch viel zu entdecken.

    Die Entscheidung fällt deshalb leicht. Statt wie ursprünglich geplant weiterzufahren, beschliesse ich spontan, drei Nächte in Gheorgheni zu bleiben und die Umgebung in aller Ruhe zu erkunden.

    Zurück im Hotel wartet bereits die nächste Überraschung. Zwei Motorradfahrer aus Prag. Jan und Martin sitzen noch zusammen, und schon wenige Minuten später dreht sich alles um Motorräder, Reisen und die schönsten Strecken Europas. Die Benzingespräche dauern bis weit in die Nacht und zeigen einmal mehr, wie unkompliziert unterwegs neue Bekanntschaften entstehen.

    Der heutige Tag war weit mehr als nur eine Verbindungsetappe. Er führte durch wunderschöne Landschaften, bescherte mir eine Portion Wetterglück und endete mit spannenden Begegnungen, die meine weitere Reise sogar noch beeinflussen werden. Manchmal sind es gerade diese unerwarteten Momente, die eine Motorradreise unvergesslich machen.
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